{"id":21522,"date":"2026-09-08T12:03:10","date_gmt":"2026-09-08T10:03:10","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/trump-neuer-finanzimperialismus-muessen-wir-bald-us-anleihen-kaufen-38219200-html\/"},"modified":"2026-09-08T12:03:10","modified_gmt":"2026-09-08T10:03:10","slug":"trump-neuer-finanzimperialismus-muessen-wir-bald-us-anleihen-kaufen-38219200-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/trump-neuer-finanzimperialismus-muessen-wir-bald-us-anleihen-kaufen-38219200-html\/","title":{"rendered":"Kaufzwang f\u00fcr US-Anleihen?: Trump l\u00e4utet ein neues Zeitalter des Finanzimperialismus ein"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Der Schuldenberg der USA ist so gigantisch, dass es schwieriger wird, freiwillige Gl\u00e4ubiger zu finden. Donald Trump k\u00f6nnte daher versuchen, andere L\u00e4nder zu zwingen, US-Staatsanleihen zu kaufen<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Im Kampf mit seinem vielleicht m\u00e4chtigstem Gegner, dem Finanzmarkt, hat Donald Trump k\u00fcrzlich eine scheinbar verr\u00fcckte Offensive angek\u00fcndigt. Die Versuche seines Finanzministers Scott Bessent, die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen an den B\u00f6rsen mit milliardenschweren R\u00fcckk\u00e4ufen zu beeinflussen, seien nur \u201eeine Art der Intervention\u201c, raunte Trump. Die \u201eultimative Intervention ist unser Milit\u00e4r. Und wenn wir es einsetzen m\u00fcssen, werden wir es tun\u201c.<\/p>\n<p>Denkt der US-Pr\u00e4sident etwa, er k\u00f6nne den Anleihemarkt bombardieren wie den Iran? Die Kr\u00e4fte von Angebot und Nachfrage auf den weltumspannenden Finanzm\u00e4rkten kann man nicht einfach mit milit\u00e4rischen Mitteln ausschalten. Die Forderungen der Marktteilnehmer lassen sich nicht wegbomben. Aber wie so oft wird in Trumps \u00c4u\u00dferungen ein bedrohlicher Kern erkennbar, wenn man ihn nicht w\u00f6rtlich nimmt, aber ernst nimmt, was er meint: Angesichts ihrer gigantischen Schuldenlast k\u00f6nnten die USA versucht sein, der Welt ihre Schulden mit mehr oder weniger sanftem Zwang aufzudr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>In Finanzkreisen geht die Angst vor \u201efinanzieller Repression\u201c um. \u201eDie Idee, US-Staatsanleihen widerwilligen Investoren mit Zwang, Regulierung oder anderen Mitteln in die Depots zu dr\u00fccken, wird immer ernsthafter verfolgt\u201c, warnt die britische \u201eFinancial Times\u201c (FT). Trump will das Geld von Amerikas Gl\u00e4ubigern dahin lenken, wo es ihm und den USA n\u00fctzt, auch wenn sie es gar nicht dort investieren wollen. Zwang ist dabei, anders als unter Trumps Vorg\u00e4ngern, nicht mehr unvorstellbar. Trump h\u00f6hlt die US-Demokratie nicht nur im Inneren aus, sondern agiert auch nach au\u00dfen immer imperialer, verwandelt einstige Verb\u00fcndete in Vasallen. Erste Anzeichen f\u00fcr einen neuen US-Finanzimperialismus gibt es bereits.<\/p>\n<h2><strong>Freifahrtschein zum Schuldenmachen<\/strong><\/h2>\n<p>Bisher investieren Europa, Japan und selbst China freiwillig Billionen von Dollar in US-Staatsanleihen. Investoren rund um den Globus tragen ihr Erspartes seit Jahrzehnten aus Gewohnheit nach \u00dcbersee. Die M\u00e4rkte dort versprechen satte Renditen, und die US-Regierung gilt als verl\u00e4sslicher Schuldner. Mit dem Dollar als globaler Leitw\u00e4hrung haben die USA eine Art Lizenz zum fast unbegrenzten Schuldenmachen: Die Welt gibt Washington in seiner eigenen W\u00e4hrung seit mehr als einem halben Jahrhundert nahezu unendlichen Kredit. Doch diese Freifahrt endet nun offenbar.<\/p>\n<\/p>\n<p>Der auch als \u201eAnleihe-B\u00fcrgerwehr\u201c ber\u00fcchtigte Markt schl\u00e4gt Alarm: Die Renditen f\u00fcr 30-j\u00e4hrige US-Staatsanleihen sind auf den h\u00f6chsten Stand seit fast 20 Jahren geklettert. Das hei\u00dft, die Geldgeber der USA verlangen deutlich h\u00f6here Zinsen, die gigantische Schuldenlast wird zu einem Problem f\u00fcr Trump: 40 Billionen Dollar gro\u00df ist der Schuldenberg der USA inzwischen. Die Schuldenquote liegt mit rund 126 Prozent der Wirtschaftsleistung so hoch wie auf dem H\u00f6hepunkt des Zweiten Weltkriegs. Washington leistet sich im Frieden eine Schuldenorgie, die schon Ex-Fed-Chef Jerome Powell \u201enicht l\u00e4nger tragf\u00e4hig\u201c genannt hat.<\/p>\n<p>Um ihr riesiges Defizit zu stopfen, bleiben den USA zwei konventionelle Wege: die Steuern erh\u00f6hen oder den Rotstift ansetzen. Donald Trumps autorit\u00e4re Wende in der US-Politik l\u00e4sst eine dritte Option als m\u00f6glich erscheinen: Amerikas Gl\u00e4ubiger zwingen, den Geldhahn weiter aufzudrehen.<\/p>\n<h2><strong>Andere dazu dr\u00e4ngen, was Washington nicht tun will<\/strong><\/h2>\n<p>In Ans\u00e4tzen setzt Finanzminister Bessent diese imperiale Finanzstrategie bereits um. Japan \u2013 mit fast 1,2 Billionen Dollar der gr\u00f6\u00dfte Halter von US-Staatsanleihen \u2013 muss angesichts eines historischen Verfalls seiner W\u00e4hrung US-Schuldscheine verkaufen, um damit Yen zu kaufen und dessen Wert zu stabilisieren. Das treibt allerdings die Rendite der US-Anleihen weiter in die H\u00f6he, ein Problem f\u00fcr Bessent, dessen Ministerium diese Devisenintervention zun\u00e4chst unterst\u00fctzte.<\/p>\n<p>Ultimativ forderte er, die japanische Notenbank solle \u201edas Richtige tun\u201c und die Zinsen erh\u00f6hen, auch wenn das die Haushaltslage der hoch verschuldeten japanischen Regierung versch\u00e4rfen und sie zu drastischen Sparma\u00dfnahmen n\u00f6tigen w\u00fcrde. Trumps Finanzminister versucht, den Schuldendruck, der auf den USA lastet, aufs Ausland abzuw\u00e4lzen \u2013 indem er Japan dr\u00e4ngt, zu tun, was Washington selbst nicht tun will: Ausgaben k\u00fcrzen und die Leitzinsen anheben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diese Doppelmoral ist wom\u00f6glich nur der Beginn einer Au\u00dfenpolitik, die auf finanziellen Zwang setzt. Denkbar w\u00e4re, dass Banken k\u00fcnftig einen bestimmten Anteil ihres Kapitals in US-Staatsanleihen investieren m\u00fcssen, wenn sie am US-Finanzmarkt Gesch\u00e4fte machen wollen. Kapitalkontrollen k\u00f6nnten den Verkauf von US-Staatsanleihen verbieten. Die Gr\u00f6\u00dfe ihrer Wirtschaft und des Finanzmarktes verleihen den USA Macht: \u201eSie kommen an den Finanzm\u00e4rkten schlicht mit Dingen davon, die sich kein anderes Land leisten k\u00f6nnte\u201c, konstatiert die \u201eFT\u201c.<\/p>\n<h2><strong>Neuordnung der Welt mit Mafia-Methoden<\/strong><\/h2>\n<p>Und auch offene Erpressung ist nicht ausgeschlossen. Deals beispielsweise, bei denen die USA ihren Gl\u00e4ubigern weiteren milit\u00e4rischen Schutz nur gew\u00e4hren, wenn die im Gegenzug ihre Kreditlinien verl\u00e4ngern. \u201eDie USA werden wirtschaftlichen und geopolitischen Druck einsetzen, um Kapital ins Land zu holen \u2013 auf zunehmend aggressive Weise\u201c, warnten Analysten der Beratungsfirma Independent Economics k\u00fcrzlich. \u201eDiese Kapitalkriege d\u00fcrften deutlich folgenreicher sein als der j\u00fcngste Handelskrieg.\u201c<\/p>\n<p>Bislang ist das nicht passiert. Aber die Sorgen sind real, weil Trump die Idee von einer imperialen Neuordnung der Weltwirtschaft von Anfang an mitgedacht hat. Nicht nur mithilfe seiner aggressiven Zollpolitik. Schon 2025 hatte Bessent vielsagend etwas von einer \u201egro\u00dfen wirtschaftlichen Neuordnung\u201c der Welt geraunt, die bald anstehe. Bereits kurz vor Trumps Amtsantritt entwarf sein zwischenzeitlicher Chef\u00f6konom Stephen Miran eine \u201eAnleitung zur Restrukturierung des globalen Handelssystems\u201c.<\/p>\n<p>Angelehnt ist diese Anleitung an das \u201ePlaza-Abkommen\u201c der 80er-Jahre, mit dem die damals f\u00fchrenden G5-L\u00e4nder auf Wunsch der USA gezielt den Dollar schw\u00e4chten und ihre eigenen W\u00e4hrungen aufwerteten. Allerdings mit zus\u00e4tzlichen Druckmitteln.<\/p>\n<\/p>\n<p>So sollen die Gl\u00e4ubiger der USA im Rahmen eines neuen \u201eMar-a-Lago\u201c-Abkommens entweder eine \u201eNutzungsgeb\u00fchr\u201c daf\u00fcr zahlen, dass sie ihre Geldreserven in US-Staatsanleihen parken d\u00fcrfen, also die Zinsen senken. Oder sie sollen ihre restlichen Best\u00e4nde gleich in hundertj\u00e4hrige Nullzins-Anleihen eintauschen \u2013 und den USA somit faktisch ein Jahrhundert lang zinsfrei Kredit geben. Widersetzen sich die Partner, zieht das Pentagon seine Truppen und Flugzeugtr\u00e4ger ab.<\/p>\n<p>Das entspricht Trumps Vorstellung von der Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Interessen mit den Methoden eines Schutzgeld-Erpressers. Je schwieriger die Finanzierung der US-Schulden wird, desto mehr k\u00f6nnte er geneigt sein, sie in die Tat umzusetzen.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag ist zuerst bei\u00a0ntv.de\u00a0erschienen. Das Nachrichtenportal geho\u0308rt wie Capital zu RTL Deutschland.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Der Schuldenberg der USA ist so gigantisch, dass es schwieriger wird, freiwillige Gl\u00e4ubiger zu finden. 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