{"id":21526,"date":"2026-09-08T12:03:23","date_gmt":"2026-09-08T10:03:23","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/die-zwei-uhren-des-imperiums-warum-der-niedergang-den-westen-spaltet-von-dirk-ellerbrock\/"},"modified":"2026-09-08T12:03:23","modified_gmt":"2026-09-08T10:03:23","slug":"die-zwei-uhren-des-imperiums-warum-der-niedergang-den-westen-spaltet-von-dirk-ellerbrock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/die-zwei-uhren-des-imperiums-warum-der-niedergang-den-westen-spaltet-von-dirk-ellerbrock\/","title":{"rendered":"Die zwei Uhren des Imperiums \u2013 Warum der Niedergang den Westen spaltet | Von Dirk Ellerbrock"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von<\/em> <strong><em>Dirk Ellerbrock.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wer die Eskalationsspirale der letzten Jahre verstehen will \u2013 vom Iran \u00fcber die Ukraine bis zur Handelspolitik gegen\u00fcber China \u2013, sollte sie nicht als Kette isolierter Krisen lesen, sondern als Ausdruck eines einzigen strukturellen Problems: Die Vereinigten Staaten wissen, dass ihnen die Zeit davonl\u00e4uft, und genau dieses Wissen macht sie gef\u00e4hrlicher, nicht vorsichtiger.<\/p>\n<p>Der geopolitische Analyst Brian Berletic hat diesen Mechanismus k\u00fcrzlich pointiert benannt. Seine These: Es existiert ein sich schlie\u00dfendes Zeitfenster, innerhalb dessen die USA noch handlungsf\u00e4hig genug sind, um die aufstrebende multipolare Ordnung \u2013 angef\u00fchrt von China, gest\u00fctzt durch Russland und den Iran \u2013 aufzuhalten, bevor deren Infrastruktur eine kritische Masse erreicht. Gemeint sind Projekte wie die neue Seidenstra\u00dfe, die Landkorridore zwischen Iran, Pakistan und China oder der forcierte Ausbau erneuerbarer und nuklearer Energiekapazit\u00e4ten in China selbst. Sobald diese Systeme operativ und redundant genug sind, verliert Washington jeden Hebel, sie noch zu st\u00f6ren. Bis dahin bleibt nur eines: m\u00f6glichst viel Sand ins Getriebe streuen, bevor das Fenster zuf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Doch dieser Druck, der aus dem sich schlie\u00dfenden Zeitfenster resultiert, wirkt nicht homogen. Er zerf\u00e4llt entlang der geografischen Bruchlinie des Atlantiks. Was als einheitliche Logik der hegemonialen Aggression beginnt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine Konstellation, in der zwei unterschiedliche Uhren zu ticken beginnen \u2013 und sie laufen zunehmend gegeneinander.<\/p>\n<p><strong>I. Die amerikanische Uhr: Kalkulierte R\u00fccksichtslosigkeit im Angesicht der Ersch\u00f6pfung<\/strong><\/p>\n<p>Die Uhr Washingtons tickt kalkuliert, zynisch, aber innerhalb einer erkennbaren strategischen Logik. Sie l\u00e4sst sich mit einer These verschr\u00e4nken, die in dieser Kolumne wiederholt entfaltet wurde: dem Prinzip, dass Krieg \u2013 oder genauer, die permanente Kriegs\u00f6konomie \u2013 eine bestimmte Klasse ern\u00e4hrt, ganz unabh\u00e4ngig davon, ob der jeweilige Feldzug milit\u00e4risch erfolgreich ist oder nicht. R\u00fcstungskonzerne, Energiemultis, Finanzintermedi\u00e4re der Derivatem\u00e4rkte: Sie alle profitieren vom Aufrechterhalten der Eskalation selbst, nicht von deren Ausgang. Das erkl\u00e4rt, warum ein erkennbar scheiternder Angriffskrieg gegen den Iran nicht zur Kurskorrektur f\u00fchrt, sondern zur n\u00e4chsten Eskalationsrunde.<\/p>\n<p>Verlieren die Konzerne, die die einschl\u00e4gigen Denkfabriken finanzieren, \u00fcberhaupt etwas, wenn das Imperium insgesamt verliert? Nein \u2013 sie kassieren an jeder einzelnen Etappe der Niederlage.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist dabei ein Detail, das Berletic beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt: US-Energiekonzerne bauten bereits unter der Obama-Regierung Exportkapazit\u00e4ten f\u00fcr Fl\u00fcssigerdgas nach Asien auf \u2013 zu einem Zeitpunkt, als es die heute vielbeschworenen &#8222;umstrittenen Wasserwege&#8220; noch gar nicht gab. F\u00fcr den reinen Export war das Volumen ohnehin nie ausreichend; der eigentliche Zweck lag woanders: in der F\u00e4higkeit, Asien \u2013 allen voran China \u2013 im Bedarfsfall von alternativen Energiequellen abzuschneiden und in vertragliche Abh\u00e4ngigkeit von US-Lieferungen zu zwingen. Was damals betriebswirtschaftlich kaum Sinn ergab, erweist sich r\u00fcckblickend als vorbereitende Infrastruktur f\u00fcr eine Blockade- und Verdr\u00e4ngungspolitik, die erst Jahre sp\u00e4ter zur Anwendung kam. Das ist kein Zufall und keine situative Reaktion auf iranische oder russische Provokationen, sondern vorausschauende Interessenlogik \u2013 ein Lehrst\u00fcck daf\u00fcr, dass sich hegemoniale Aggression nicht aus Emotion oder Prestigedenken erkl\u00e4rt, sondern aus langfristig kalkulierter Kapitalverwertung.<\/p>\n<p>Auch die Rolle der Stellvertreter f\u00fcgt sich in dieses Bild, erh\u00e4lt durch die Zeitfenster-These aber eine zus\u00e4tzliche Dringlichkeit. Israel in Westasien, die europ\u00e4ischen NATO-Staaten gegen\u00fcber Russland: Sie sind nicht nur disponible Man\u00f6vriermasse im Sinne des alten Landsknecht-Prinzips, sondern nach der Logik des Systems auch die Instanz, die im Ernstfall die nukleare Verantwortung tr\u00fcge, w\u00e4hrend Washington selbst auf der anderen Seite des Ozeans verbliebe. Sollte es je zu einem atomaren Schlag gegen Russland kommen, w\u00e4re es \u2013 so die zugespitzte These \u2013 Europa gewesen, das ihn ausgef\u00fchrt hat, nicht die USA. Diese Auslagerung der Haftung w\u00e4re die letzte Konsequenz eines Systems, das seine Kosten seit jeher auf andere abw\u00e4lzt, nun aber auch sein gr\u00f6\u00dftes Risiko.<\/p>\n<p>Dass diese Aggression trotz erkennbarem Niedergang nicht linear verl\u00e4uft, sondern in Sch\u00fcben, hat einen n\u00fcchternen, wenig heroischen Grund: Es ist keine strategische Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, wenn Washington die Lage f\u00fcr ein paar Wochen beruhigt \u2013 es ist Munitionsmangel. Die USA produzieren zwar kontinuierlich, sind aber nicht in der Lage, Best\u00e4nde in dem Umfang zu lagern, den gro\u00df angelegte Eskalationskampagnen erfordern w\u00fcrden. Die Atempausen zwischen den Angriffswellen sind Nachschubpausen, keine Deeskalationsgesten.<\/p>\n<p>Wie konkret das aussieht, zeigt sich in Echtzeit: Seit dem US-Luftangriff auf eine Hochzeitsfeier in Sirik, bei dem mehrere Zivilisten get\u00f6tet wurden, verzichten die Vereinigten Staaten auf weitere kinetische Aktionen auf iranischem Boden. Stattdessen verlagerte sich die Aggression auf ein schw\u00e4cheres Ziel \u2013 iranische \u00d6ltanker in der Stra\u00dfe von Hormus. Als der Iran daraufhin Anfang September erstmals gezielt ein US-Kriegsschiff, den Flugzeugtr\u00e4ger USS George Washington, unter Beschuss nahm, blieb die amerikanische Antwort bezeichnend limitiert: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth k\u00fcndigte an, im Gegenzug iranische \u00d6ltanker zu versenken \u2013 nicht etwa milit\u00e4rische Ziele im Iran anzugreifen. Eine Regierung, die auf den Beschuss eines Flugzeugtr\u00e4gers mit der Ank\u00fcndigung reagiert, zivile Handelsschiffe zu treffen, best\u00e4tigt damit unfreiwillig genau die Asymmetrie, die sie eigentlich bestreiten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die USA handeln innerhalb des Zeitfensters wie ein Schachspieler, der die Partie verloren gibt, aber noch genug Figuren hat, um das Brett umzuwerfen \u2013 kalkuliert, nicht hysterisch. Die eigene Statistik der Ersch\u00f6pfung \u2013 ausbleibende Munitionsreserven, wachsender R\u00fcstungsabstand zu Russland und China, das Scheitern des versuchten Regimewechsels im Iran \u2013 f\u00fchrt nicht zur Vorsicht, sondern zur maximalen R\u00fccksichtslosigkeit. Ein Hegemon, der wei\u00df, dass er verliert, aber noch \u00fcber das n\u00f6tige Zerst\u00f6rungspotential verf\u00fcgt, um den \u00dcbergang zur multipolaren Welt m\u00f6glichst teuer zu gestalten, ist gef\u00e4hrlicher als ein Hegemon, der sich seiner St\u00e4rke sicher w\u00e4hnt.<\/p>\n<p><strong>II. Die europ\u00e4ische Uhr: Panische Entkopplung ohne R\u00fcckzugsraum<\/strong><\/p>\n<p>Doch der Druck des Zeitfensters wirkt nicht allein auf Washington. Er \u00fcbertr\u00e4gt sich \u2013 und das ist die entscheidende Komplikation \u2013 auf den Stellvertreter selbst. Die europ\u00e4ische Uhr tickt nicht kalkuliert, sondern zunehmend panisch, aus einem einfachen Grund: Europa fehlt der geografische R\u00fcckzugsraum, den die USA haben.<\/p>\n<p>Das zeigt sich exemplarisch am Vorgehen der letzten Wochen gegen\u00fcber Russland. Zun\u00e4chst reiste CIA-Direktor John Ratcliffe Ende August nach Moskau \u2013 seinem eigenen Anspruch nach mit unverhohlenen Drohungen im Gep\u00e4ck: Sollte Russland seinen Vormarsch in der Ukraine nicht stoppen, werde sich die Lage binnen eines Jahres drastisch verschlechtern. Diese Drohkulisse verfing nicht; russische Regierungsquellen sprechen von einem knapp vierst\u00fcndigen Treffen ohne direkten Kontakt zu Putin oder Lawrow. Kaum eine Woche sp\u00e4ter folgte der Kurswechsel: Jared Kushner und Steve Witkoff reisten mit einem g\u00e4nzlich anderen Werkzeug an \u2013 dem Angebot k\u00fcnftiger, &#8222;f\u00fcr beide Seiten vorteilhafter&#8220; Wirtschaftsprojekte. Auch das lehnte Moskau ab, nach eigener Darstellung ohne dabei jedoch die gleiche Ver\u00e4rgerung zu zeigen wie gegen\u00fcber der vorangegangenen Drohgeb\u00e4rde.<\/p>\n<p>Diese Sequenz \u2013 erst Zwang, dann das Angebot zur Zusammenarbeit, beides erfolglos bei einem Akteur, der den Konflikt als existenziell einstuft \u2013 ist ein vertrautes Muster. Es ist dasselbe, das sich im Umgang der EU mit widerst\u00e4ndigen Staaten oder im amerikanischen Vorgehen gegen\u00fcber dem Iran beschreiben lie\u00df: Ein System, das seine beiden zentralen Disziplinierungsinstrumente \u2013 Androhung von Schaden und Versprechen von Vorteil \u2013 der Reihe nach durchprobiert, weil ihm auf der strukturellen Ebene keine dritte Option zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist dabei vor allem, was die amerikanische Seite laut russischer Darstellung eben nicht mehr verfolgt: Von den zahlreichen Ukraine-Friedenspl\u00e4nen der vergangenen Jahre \u2013 dem Kellogg-Plan, der Pufferzonen-Idee, dem 28-Punkte-Entwurf \u2013 ist in den Gespr\u00e4chsnotizen nichts mehr die Rede. Washington scheint, wenn diese Darstellung zutrifft, nicht mehr an einer L\u00f6sung des Ukraine-Konflikts im eigentlichen Sinne interessiert zu sein, sondern an etwas Bescheidenerem: einem Kommunikationskanal, der \u00fcber den Krieg hinaus Bestand hat.<\/p>\n<p>Washington kann mit Moskau \u00fcber eine Zeit nach dem Krieg sprechen, weil ein russischer Sieg in der Ukraine f\u00fcr die amerikanische Sicherheitsarchitektur folgenlos bliebe. F\u00fcr die europ\u00e4ischen Regierungen, die sich seit Jahren rhetorisch auf eine existenzielle Bedrohung durch Russland festgelegt haben, ist genau das nicht m\u00f6glich \u2013 jedenfalls nicht, ohne das eigene politische Selbstverst\u00e4ndnis der letzten Jahre in Frage zu stellen.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rt eine Beobachtung, die der Journalist Alexander Mercouris k\u00fcrzlich anhand der Reaktionen auf den sogenannten Leipziger Drohnenvorfall herausgearbeitet hat: Eine im August auf einem Rollfeld gefundene Drohne, die nach eigener Einsch\u00e4tzung Mercouris&#8216; keinerlei erkennbaren Schaden angerichtet hatte, wurde wochenlang nicht weiter kommentiert \u2013 bis die deutsche Regierung sie pl\u00f6tzlich, ohne vorgelegte Beweise, mit Russland in Verbindung brachte. Der Zeitpunkt ist auff\u00e4llig: Er fiel mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zusammen, wo die AfD mit einer Politik der Wiederann\u00e4herung an Russland antrat. Ob man Mercouris&#8216; Deutung folgt oder nicht \u2013 dass sich au\u00dfenpolitische Eskalationsnarrative und innenpolitische Wahlkalk\u00fcle in einem solchen Fall kaum noch trennen lassen, ist selbst schon aufschlussreich. Es zeigt eine europ\u00e4ische politische Klasse, die Sicherheitsvorf\u00e4lle nicht mehr prim\u00e4r als au\u00dfenpolitisches, sondern als innenpolitisches Disziplinierungsinstrument einsetzt \u2013 Spaltung nach innen, nicht nur nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>Die materialistische Betrachtung \u2013 statt einer psychologisierenden \u2013 macht die strukturelle Natur dieser Divergenz sichtbar. Es handelt sich nicht um zwei Regierungen mit unterschiedlichem Temperament, sondern um zwei Kriegs\u00f6konomien mit unterschiedlichen geografischen Zentren und zunehmend divergierenden Interessen an der Fortdauer des Konflikts. Die amerikanische R\u00fcstungs- und Energieindustrie hat ihre Gewinne l\u00e4ngst auch jenseits der Ukraine \u2013 im Nahen und Mittleren Osten, im gesamten Indopazifik \u2013 zu verbuchen und k\u00f6nnte von einer Verlagerung der Priorit\u00e4t auf die Systemkonkurrenz mit China durchaus profitieren. Die europ\u00e4ische, allen voran die deutsche R\u00fcstungs- und Zeitenwende-\u00d6konomie dagegen ist nahezu vollst\u00e4ndig auf das Feindbild Russland zugeschnitten; eine Deeskalation an dieser Front h\u00e4tte f\u00fcr sie unmittelbare, negative Konsequenzen. Es gibt inzwischen nicht mehr nur eine Klasse, die vom Krieg profitiert, sondern zwei mit unterschiedlichem geografischem Schwerpunkt \u2013 und ihre Interessen an dessen Fortsetzung beginnen auseinanderzudriften.<\/p>\n<p><strong>III. Das Fenster, das niemand mehr kontrolliert<\/strong><\/p>\n<p>Die Konsequenz dieser Scherenbewegung ist, dass sich die Landsknecht-Logik an einer entscheidenden Stelle verschiebt. Dort war der Stellvertreter \u2013 Israel in Westasien, die europ\u00e4ischen NATO-Staaten gegen\u00fcber Russland \u2013 als kontrolliertes Instrument beschrieben worden: disponible Man\u00f6vriermasse, die im Sinne des Hegemons eingesetzt und bei Bedarf zur\u00fcckgenommen wird. Was sich jetzt andeutet, ist etwas anderes: ein Stellvertreter, der beginnt, eine eigene, vom Prinzipal nicht mehr synchronisierte Eskalationsdynamik zu entwickeln, w\u00e4hrend der Prinzipal selbst nach einem Ausweg sucht. Das ist eine andere, in mancher Hinsicht gef\u00e4hrlichere Konstellation als die zynisch kalkulierte Stellvertreterpolitik: Die Unberechenbarkeit geht nicht mehr allein vom ersch\u00f6pften Hegemon aus, sondern von einem Akteur, der \u00fcber dessen nukleare Mitverantwortung verf\u00fcgt, ohne dessen globale Distanz oder dessen k\u00fchles Kalk\u00fcl zu teilen.<\/p>\n<p>Die beiden Formen der Zur\u00fcckhaltung, die sich in dieser Konstellation gegen\u00fcberstehen, sollte man nicht verwechseln. Die Pausen der USA sind erzwungen \u2013 Ausdruck realer Kapazit\u00e4tsgrenzen. Die Zur\u00fcckhaltung von China, Russland und dem Iran dagegen ist gew\u00e4hlt: die Erkenntnis, dass jede vorschnelle Eskalation genau das Zeitfenster verl\u00e4ngern w\u00fcrde, das man eigentlich schlie\u00dfen will. Geduld ist hier nur so lange rational, wie die Zeit f\u00fcr die eigene Seite arbeitet \u2013 und noch tut sie das.<\/p>\n<p>Der von russischer Seite als nur noch &#8222;Monate entfernt&#8220; bezeichnete Fall des Donbass w\u00e4re in dieser Lesart nicht blo\u00df der &#8222;Moment gr\u00f6\u00dfter Gefahr&#8220;, weil er Panik in Europa ausl\u00f6sen k\u00f6nnte. Er w\u00e4re der Moment, in dem sichtbar w\u00fcrde, dass niemand mehr die Kontrolle \u00fcber das Zeitfenster hat, in dessen Namen seit Jahren eskaliert wird.<\/p>\n<p>Die Zeitfenster-Logik ist damit keine einheitliche Handlungsanweisung mehr, sondern ein Spaltpilz. Washington nutzt die verbleibende Zeit, um die Kosten des \u00dcbergangs f\u00fcr alle anderen zu maximieren \u2013 kalkuliert, zynisch, aber ohne jede Illusion, den \u00dcbergang selbst noch aufhalten zu k\u00f6nnen. Europa dagegen kann sich diesen \u00dcbergang nicht einmal eingestehen, weil seine Kriegs\u00f6konomie, seine politische Klasse und sein sicherheitspolitisches Selbstverst\u00e4ndnis auf der Fortdauer genau jener Front beruhen, die Washington bereits als verhandelbar betrachtet.<\/p>\n<p>Die eigentliche Gefahr der kommenden Monate ist nicht der Niedergang des Imperiums \u2013 er ist ohnehin beschlossen. Die Gefahr ist, dass zwei Uhren, die einst im gleichen Takt tickten, nun gegeneinander laufen, w\u00e4hrend beide Seiten behaupten, noch immer die Zeit f\u00fcr alle anderen anzugeben. Wer in dieser Konstellation zuerst blinzelt, wird nicht entscheiden, wann das Fenster zuf\u00e4llt \u2013 aber vielleicht, mit welcher Wucht es ins Schloss schl\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bildquelle: <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/g\/Photo+Veterok?ref=apolut.net\">Photo Veterok<\/a> \/ shutterstock<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Brian Berletic (The New Atlas) im Gespr\u00e4ch mit Danny Haiphong: Interview zur aktuellen geopolitischen Lage (Iran-Eskalation, Stra\u00dfe von Hormus, SOZ-Gipfel, BRICS-Gipfel Neu-Delhi), YouTube, <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TPxk36u__64&amp;ref=apolut.net\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TPxk36u__64<\/a><\/li>\n<li>The New Atlas (Berletics Kanal\/Publikation) \u2013 laufende Analysen zu US-Au\u00dfenpolitik und multipolarer Ordnung, verlinkt in der Videobeschreibung des Interviews (Patreon, Substack)<\/li>\n<li>Danny Haiphong: Eilmeldungsupdate zur Eskalation in der Stra\u00dfe von Hormus (US-Angriff auf iranische \u00d6ltanker am 5. September, iranischer Beschuss der USS George Washington, Hegseth-Ank\u00fcndigung zur &#8222;Tanker-f\u00fcr-Tanker&#8220;-Politik, Kushner\/Witkoff-Gespr\u00e4che in Moskau) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8kax1nXKQUU&amp;t=335s&amp;ref=apolut.net\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8kax1nXKQUU&amp;t=335s<\/a><\/li>\n<li>Alexander Mercouris, Podcast vom 5. September 2026 (Episoden-Titel u.a.: &#8222;Russia Hardens Stance Rebuffs US Offers Rejects Truce; Dobropilia Collapses; Witkoff Kushner In Kiev&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dirk Ellerbrock, Jahrgang 1946, ist Diplom-Sozialwissenschaftler. Nach Studien der Wirtschafts-, Politikwissenschaften und Sozialpsychologie arbeitete er viele Jahre in der Finanzwirtschaft, Unternehmensberatung und als Management-Coach.<\/p>\n<p>Mitte der 1990er wandte er sich mystischen Traditionen zu \u2013 Advaita-Vedanta, Zen-Buddhismus, Taoismus, Tantra und christliche Mystik \u2013, vertieft durch Stephen Wolinskys \u201eQuantenpsychologie&#8220; und die Unterweisungen Ramesh Balsekars in Bombay. Er leitete Meditationsgruppen und ver\u00f6ffentlichte 2010 unter dem Pseudonym Manaschu sein erstes Buch, \u201eDas Geheimnis ewigen Gl\u00fccks \u2013 Texte zur Menschwerdung&#8220;. 2026 entstand sein noch unver\u00f6ffentlichtes zweites Buch, \u201eDie Schlange der Moral \u2013 Gift und Gegengift&#8220;, das moralisches Urteilen als strukturelle Gewaltform durchleuchtet.<\/p>\n<p>Heute schreibt er regelm\u00e4\u00dfig politische und gesellschaftliche Kommentare, u. a. f\u00fcr apolut und auf seinem Substack: <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/substack.com\/@dirkellerbrock?ref=apolut.net\">https:\/\/substack.com\/@dirkellerbrock<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Wer die Eskalationsspirale der letzten Jahre verstehen will \u2013 vom Iran \u00fcber die Ukraine bis zur Handelspolitik gegen\u00fcber China \u2013, sollte sie nicht als Kette isolierter Krisen lesen, sondern als Ausdruck eines einzigen strukturellen Problems.<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":21527,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_gspb_post_css":"","_uag_custom_page_level_css":"","fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-21526","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienkritik"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":8}},"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/usa.jpg",1920,1080,false],"thumbnail":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:150\/h:150\/q:mauto\/rt:fill\/g:ce\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/usa.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:300\/h:169\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/usa.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:768\/h:432\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/usa.jpg",768,432,true],"large":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:1024\/h:576\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/usa.jpg",1024,576,true],"1536x1536":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:1536\/h:864\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/usa.jpg",1536,864,true],"2048x2048":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/usa.jpg",1920,1080,false],"trp-custom-language-flag":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:18\/h:10\/q:mauto\/f:best\/dpr:2\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/usa.jpg",18,10,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"admin","author_link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/author\/admin\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Wer die Eskalationsspirale der letzten Jahre verstehen will \u2013 vom Iran \u00fcber die Ukraine bis zur Handelspolitik gegen\u00fcber China \u2013, sollte sie nicht als Kette isolierter Krisen lesen, sondern als Ausdruck eines einzigen strukturellen Problems.","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21526","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21526"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21526\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21527"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21526"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21526"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21526"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}