{"id":21586,"date":"2026-09-08T15:04:09","date_gmt":"2026-09-08T13:04:09","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/ponzi-system-trumps-zollplan-blutet-die-usa-finanziell-aus\/"},"modified":"2026-09-08T15:04:09","modified_gmt":"2026-09-08T13:04:09","slug":"ponzi-system-trumps-zollplan-blutet-die-usa-finanziell-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/ponzi-system-trumps-zollplan-blutet-die-usa-finanziell-aus\/","title":{"rendered":"Ponzi-System: Trumps Zollplan blutet die USA finanziell aus"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Gleb Prostakow<\/em><\/p>\n<p>Im Juni 2026 begann Donald Trumps Zollmaschinerie, sich gegen ihn zu wenden. Zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen rutschte die Nettobilanz der Z\u00f6lle tief in die Minuszone: Die R\u00fcckerstattungen an Importeure \u00fcberstiegen die neuen Abgaben um 26 Milliarden US\u2011Dollar. Im Juli blieb das Defizit bei 9,4 Milliarden US-Dollar, und auch f\u00fcr August wird ein Zolldefizit erwartet. Das l\u00e4sst sich also bereits als anhaltender Trend bezeichnen. Das System, das eigentlich den Haushalt f\u00fcllen sollte, hat sich in einen Kanal f\u00fcr den Finanzmittelabfluss verwandelt.<\/p>\n<p>Die aktuellen R\u00fcckerstattungen sind eine Folge der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA vor einem halben Jahr. Im Februar 2026 erkl\u00e4rte dieser die auf der Grundlage des Gesetzes \u00fcber internationale wirtschaftliche Notstandsbefugnisse eingef\u00fchrten Z\u00f6lle f\u00fcr rechtswidrig. Die Trump-Regierung hatte die &#8222;Notstandsbefugnisse&#8220; genutzt, um die umfangreichen Zoll\u00e4nderungen von 2025 zu rechtfertigen, doch das Gericht entschied, dass der US-Pr\u00e4sident seine Befugnisse \u00fcberschritten habe. Die US-Regierung wurde verpflichtet, den Importeuren die zu Unrecht einbehaltenen Gelder zur\u00fcckzuerstatten. Bis Anfang August wurden von den 166 Milliarden US-Dollar, die im Rahmen dieser Regelung eingenommen wurden, bereits rund 100 Milliarden US-Dollar zur\u00fcckgezahlt. So erhielt etwa die deutsche Wirtschaft rund 790 Millionen Euro, davon gingen 416 Millionen Euro an DHL, bis zu 300 Millionen Euro erwartet Adidas und rund 200 Millionen Euro Siemens Healthineers.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass den Endverbrauchern niemand eine R\u00fcckerstattung verspricht. US-amerikanische Haushalte, die monatelang \u00fcberh\u00f6hte Preise f\u00fcr Importwaren gezahlt haben, kommen in dem Entsch\u00e4digungssystem \u00fcberhaupt nicht vor. Die Wirtschaft hat ihr Geld bekommen, der einfache US-Amerikaner hingegen Inflation. Das bringt dem Lager von Trump bei den bevorstehenden US-Kongress-Zwischenwahlen keine Pluspunkte ein.<\/p>\n<p>Trump ist in eine Falle geraten, die er selbst gestellt hat. Um das entstandene Finanzloch, das durch die R\u00fcckerstattungen entstanden ist, zu stopfen, ist er gezwungen, neue Z\u00f6lle einzuf\u00fchren, die wiederum vor Gericht angefochten werden und mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls f\u00fcr rechtswidrig erkl\u00e4rt werden. Ein klassisches Ponzi-System. Die neuen Einnahmen werden zur Begleichung alter Verbindlichkeiten ben\u00f6tigt und nicht zur Finanzierung tats\u00e4chlicher Haushaltsausgaben. Ende August f\u00fchrte die US-Regierung Z\u00f6lle in H\u00f6he von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar ein. Die Verhandlungen mit Ottawa scheiterten, der kanadische Premierminister Mark Carney rief die Delegation zur\u00fcck und versprach eine symmetrische Reaktion \u2013 &#8222;Dollar f\u00fcr Dollar&#8220;. Der Handelskrieg der USA mit ihrem n\u00e4chsten Nachbarn flammte mit neuer Wucht auf.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund \u00fcberschritt die Staatsverschuldung der USA die psychologische Marke von 40 Billionen US\u2011Dollar. Die Rendite 30-j\u00e4hriger Staatsanleihen stieg auf \u00fcber f\u00fcnf Prozent \u2013 ein Niveau, das seit dem Jahr 2007, dem Vorboten der letzten gro\u00dfen Finanzkrise, nicht mehr erreicht wurde. Die Kosten f\u00fcr den Schuldendienst \u00fcbersteigen bereits den US\u2011Verteidigungshaushalt. Das US-Haushaltsdefizit bel\u00e4uft sich auf rund zwei Billionen US-Dollar pro Jahr.<\/p>\n<p>Die US-Z\u00f6lle sollten neben umfangreichen Ausgabenk\u00fcrzungen ein Instrument zur Haushaltssanierung sein. Doch nach dem Ausscheiden von Elon Musk aus der US-Regierung beschloss man, die K\u00fcrzungen zu vergessen. Und nun versagen auch die Z\u00f6lle. Stattdessen sind sie zu einer zus\u00e4tzlichen Quelle der Instabilit\u00e4t geworden. Die R\u00fcckerstattung von Z\u00f6llen an Importeure stellt direkte Ausgaben f\u00fcr die US-Staatskasse dar, die in keiner Prognose ber\u00fccksichtigt wurden. Die US-Regierung versucht, dieses Loch mit neuen Abgaben zu stopfen, doch jede neue Abgabe st\u00f6\u00dft auf Klagen und Gegenma\u00dfnahmen der Handelspartner. China, Kanada, die Europ\u00e4ische Union \u2013 sie alle f\u00fchren Vergeltungsz\u00f6lle auf US-amerikanische Waren ein. Die US-Exporte schrumpfen, die Inlandspreise steigen, und das Haushaltsdefizit w\u00e4chst weiter an.<\/p>\n<p>Die Situation wird dadurch versch\u00e4rft, dass der Rest der Welt seine Investitionen in US-Staatsanleihen rasant reduziert. Die gr\u00f6\u00dften Inhaber von Staatsanleihen bauen ihre Positionen ab, da sie sowohl die fiskalische Instabilit\u00e4t der USA als auch politische Risiken f\u00fcrchten, die mit der Nutzung des US-Dollars als Druckmittel verbunden sind. Die Nachfrage nach US-Wertpapieren sinkt, die Renditen steigen, die Kosten f\u00fcr den Schuldendienst nehmen zu.<\/p>\n<p>Ein Teufelskreis, aus dem f\u00fcr die USA nur ein gro\u00dfer Krieg einen Ausweg bieten k\u00f6nnte, in den die USA selbst nicht oder nur in begrenztem Umfang verwickelt w\u00e4ren \u2013 analog zum Zweiten Weltkrieg. Alternativ k\u00f6nnte ein massiver Inflationsschock und eine Abwertung des US-Dollars \u2013 und damit auch der Auslandsschulden \u2013 der Ausweg sein. Doch jeder US-Pr\u00e4sident, einschlie\u00dflich Trump, zieht es vor, dass dies &#8222;nicht w\u00e4hrend seiner Amtszeit&#8220; geschieht.<\/p>\n<p>Im Grunde beobachten wir zwei ineinander verschachtelte Ponzi-Systeme. Das \u00e4u\u00dfere ist die Staatsverschuldung der USA, die schon seit Langem nicht mehr durch reales Wirtschaftswachstum, sondern durch neue Kreditaufnahmen bedient wird. Der Verkauf von Staatsanleihen dient nicht der Finanzierung von Infrastruktur- oder Technologieentwicklung, sondern der Begleichung der Zinsen f\u00fcr die zuvor angeh\u00e4uften Schulden. Das innere System ist Trumps Zollpolitik, bei der neue Z\u00f6lle nicht zum Schutz des Marktes oder zur Aufstockung des Haushalts eingef\u00fchrt werden, sondern zur Deckung der Verluste aus der R\u00fcckerstattung unrechtm\u00e4\u00dfig eingenommener Gelder. Beide Systeme erfordern einen st\u00e4ndigen Zufluss neuen Geldes, um nicht zusammenzubrechen.<\/p>\n<p>Trump tut weiterhin so, als habe er alles unter Kontrolle. Seine Aussagen \u00fcber ein &#8222;kolossales Wachstum&#8220; der Wirtschaft und die L\u00f6sung des Schuldenproblems auf Kosten des BIP klingen immer realit\u00e4tsferner.<\/p>\n<p>Unterdessen passt sich die internationale Gemeinschaft an. Die Handelspartner der USA suchen nach alternativen M\u00e4rkten, diversifizieren ihre W\u00e4hrungsreserven und bauen Umgehungslogistikketten auf. Der Zollkrieg, der als Druckmittel gedacht war, wird zum Katalysator der Deglobalisierung, die die Vereinigten Staaten selbst st\u00e4rker trifft als ihre Gegner. Die US-amerikanische Wirtschaft verliert an Boden auf den Auslandsm\u00e4rkten, und der inl\u00e4ndische Verbraucher zahlt f\u00fcr die Fehler des \u00fcberdrehten US-Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem\u00a0<a href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2026\/9\/7\/1446705.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 7. September 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Gleb Prostakow<\/strong>\u00a0ist ein russischer Wirtschaftsanalyst.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/asien\/289932-china-ist-nicht-mehr-von\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sanktionen nutzlos: China ist nicht mehr von den M\u00e4rkten der EU und der USA abh\u00e4ngig <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7cyxpu\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Gleb Prostakow Im Juni 2026 begann Donald Trumps Zollmaschinerie, sich gegen ihn zu wenden. 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