{"id":21676,"date":"2026-09-08T21:04:07","date_gmt":"2026-09-08T19:04:07","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/autos-raus-waffen-rein-vw-werk-in-osnabrueck-vor-radikalem-wandel\/"},"modified":"2026-09-08T21:04:07","modified_gmt":"2026-09-08T19:04:07","slug":"autos-raus-waffen-rein-vw-werk-in-osnabrueck-vor-radikalem-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/autos-raus-waffen-rein-vw-werk-in-osnabrueck-vor-radikalem-wandel\/","title":{"rendered":"Autos raus, Waffen rein: VW-Werk in Osnabr\u00fcck vor radikalem Wandel"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Am Montag hat sich der deutsche Autogigant Volkswagen mit dem Land Niedersachsen und dem Investor Aurelius Capital auf die Eckpunkte f\u00fcr den Verkauf des Werks in Osnabr\u00fcck geeinigt. Nach dem Ende der Fahrzeugproduktion im Jahr 2027 soll der Standort schrittweise zu einem &#8222;Kompetenzzentrum f\u00fcr Sicherheits- und Verteidigungsl\u00f6sungen&#8220; umgebaut werden. Als erstes sogenanntes Ankerprojekt ist eine Zusammenarbeit mit dem israelischen R\u00fcstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems vorgesehen. Das Unternehmen ist ma\u00dfgeblich an der Entwicklung israelischer Luft- und Raketenabwehrsysteme beteiligt, darunter das System Iron Dome.<\/p>\n<p>In Osnabr\u00fcck k\u00f6nnten k\u00fcnftig Komponenten f\u00fcr Luftabwehrsysteme sowie weitere Ausr\u00fcstung f\u00fcr milit\u00e4rische Anwendungen gefertigt werden. Laut israelischen Medienberichten sollen dort unter anderem Fahrzeuge, Startvorrichtungen, Generatoren und weitere Ausr\u00fcstung f\u00fcr das System produziert werden. Die Tamir-Abfangraketen selbst sollen demnach jedoch nicht in Osnabr\u00fcck hergestellt werden. Rafael-Chef Yoav Turgeman erkl\u00e4rte,\u00a0die Vereinbarung lege den Grundstein f\u00fcr eine langfristige industrielle Partnerschaft mit deutschen Partnern. Die Technologie solle vollst\u00e4ndig in Deutschland produziert werden, um die Sicherheit Deutschlands und Europas zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Die Umwandlung erfolgt vor dem Hintergrund der ohnehin ungewissen Zukunft des Standorts. Bereits im Jahr 2024 hatte Volkswagen beschlossen, die Fahrzeugproduktion in Osnabr\u00fcck bis zum Sommer 2027 einzustellen. Die nun geplante Neuausrichtung soll einen Teil der Arbeitspl\u00e4tze sichern und dem Werk eine neue industrielle Perspektive bieten. In diesem Zusammenhang sprach Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume von einer &#8222;neuen industriellen Zukunft&#8220; f\u00fcr den Standort.\u00a0Niedersachsens Ministerpr\u00e4sident Olaf Lies verwies unterdessen auf den umfassenderen deutschen milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstungskurs. Es habe einen &#8222;grundlegenden Wandel unserer Sicherheitslage und unseres Schutzbed\u00fcrfnisses&#8220; gegeben, sagte er.<\/p>\n<p>Derzeit sind am Standort rund 1.800 Menschen besch\u00e4ftigt. Laut den bisherigen Pl\u00e4nen sollen mindestens 1.200 Arbeitspl\u00e4tze erhalten bleiben. Damit w\u00fcrde die Umwandlung zwar das Ende der jahrzehntelangen Automobilproduktion bedeuten, zugleich aber einen erheblichen Teil der industriellen Arbeitspl\u00e4tze am Standort sichern. Die nun vereinbarte Eigent\u00fcmerstruktur war offenbar nicht von Anfang an vorgesehen. Berichten zufolge war eine direkte Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Rafael auf den Widerstand des Staatsfonds von Katar gesto\u00dfen. Katar geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften Anteilseignern des Volkswagen-Konzerns. Durch den Verkauf des Werks an Aurelius und Niedersachsen w\u00fcrde Volkswagen selbst aus dem R\u00fcstungsgesch\u00e4ft am Standort ausscheiden.<\/p>\n<p>Das Werk blickt zudem auf eine lange Geschichte zur\u00fcck, die bereits vor der \u00dcbernahme durch Volkswagen mit der deutschen R\u00fcstungsindustrie verbunden war. Urspr\u00fcnglich geh\u00f6rte der Standort zum Karosseriehersteller Karmann. In der NS-Zeit produzierte das Unternehmen dort unter anderem Flugzeugteile f\u00fcr die deutsche Kriegswirtschaft und setzte dabei Zwangsarbeiter ein. Somit war das Werk bereits w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs in die deutsche R\u00fcstungsproduktion eingebunden.<\/p>\n<p>Nach der Karmann-Insolvenz im Jahr 2009 \u00fcbernahm Volkswagen gro\u00dfe Teile des Werks in Osnabr\u00fcck. Nun steht der Standort erneut vor einem grundlegenden industriellen Wandel: Auf das Ende der Fahrzeugproduktion soll eine st\u00e4rkere Ausrichtung auf den Verteidigungssektor folgen. Diese Neuausrichtung erfolgt in einer Zeit der tiefgreifenden Krise der deutschen Automobilindustrie. Der Konzern sieht sich mit einer schwachen Nachfrage auf dem europ\u00e4ischen Markt, hohen Produktionskosten, US-Z\u00f6llen und wachsendem Konkurrenzdruck aus China konfrontiert. Deshalb plant der Konzern einen umfangreichen Stellenabbau und die Neuorientierung mehrerer deutscher Standorte.<\/p>\n<p>Anfang September hat der VW-Aufsichtsrat ein neues Spar- und Transformationsprogramm beschlossen, das den Abbau von weiteren 50.000 Arbeitspl\u00e4tzen weltweit vorsieht. Zusammen mit den bereits zuvor geplanten Stellenstreichungen k\u00f6nnte die Zahl der bis 2030 wegfallenden Arbeitspl\u00e4tze somit auf rund 100.000 steigen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wenden sich auch andere europ\u00e4ische Automobilhersteller zunehmend dem R\u00fcstungssektor zu. Die Umnutzung bestehender Produktionsst\u00e4tten f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke entwickelt sich damit zu einem breiteren europ\u00e4ischen Trend. F\u00fcr die angeschlagene Automobilindustrie bietet das R\u00fcstungsgesch\u00e4ft die Chance, vorhandene Produktionskapazit\u00e4ten, Infrastruktur und Fachkr\u00e4fte weiter zu nutzen. Auch bei anderen Unternehmen der europ\u00e4ischen Auto- und Zulieferindustrie gibt es inzwischen Pl\u00e4ne, das Gesch\u00e4ft mit der Verteidigungsbranche auszubauen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung f\u00fcgt sich in den umfassenderen milit\u00e4rischen Aufbau der EU ein. Der Ausbau der europ\u00e4ischen Verteidigungsindustrie und die zunehmende Nutzung bestehender industrieller Kapazit\u00e4ten f\u00fcr die milit\u00e4rische Produktion gehen mit steigenden Verteidigungsausgaben in Europa einher. Der Fall Osnabr\u00fcck zeigt besonders deutlich, wie industrielle Kapazit\u00e4ten aus dem Automobilsektor f\u00fcr den Verteidigungsbereich umgewidmet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Moskau betrachtet diesen Kurs als Vorbereitung der europ\u00e4ischen Staaten auf eine m\u00f6gliche direkte Konfrontation mit Russland. So erkl\u00e4rte der russische Au\u00dfenminister Sergei Lawrow, das heutige Deutschland und die \u00fcbrigen EU-Staaten &#8222;verwandeln sich in ein Viertes Reich&#8220;. Er begr\u00fcndete dies mit dem Bestreben Berlins, die st\u00e4rkste konventionelle Armee Europas aufzubauen. Zudem sagte\u00a0der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im Juni, die NATO-Staaten verbergen ihre Absichten inzwischen nicht mehr. Sie seien von der Unterst\u00fctzung Kiews dazu \u00fcbergegangen, nun &#8222;offen zu sagen, dass sie sich auf einen Krieg mit uns vorbereiten&#8220;.<strong><br \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0\u2013 <\/strong><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/290310-medien-einigung-in-kommenden-wochen\/\">Medien: Einigung &#8222;in den kommenden Wochen&#8220; zwischen Volkswagen und israelischem R\u00fcstungskonzern<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7cwsiy\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag hat sich der deutsche Autogigant Volkswagen mit dem Land Niedersachsen und dem Investor Aurelius Capital auf die Eckpunkte f\u00fcr den Verkauf des Werks in Osnabr\u00fcck geeinigt. 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