{"id":21705,"date":"2026-09-09T08:04:15","date_gmt":"2026-09-09T06:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/von-der-city-of-london-zur-wall-street-und-zurueck-teil-2-von-wolfgang-effenberger\/"},"modified":"2026-09-09T08:04:15","modified_gmt":"2026-09-09T06:04:15","slug":"von-der-city-of-london-zur-wall-street-und-zurueck-teil-2-von-wolfgang-effenberger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/von-der-city-of-london-zur-wall-street-und-zurueck-teil-2-von-wolfgang-effenberger\/","title":{"rendered":"Von der City of London zur Wall Street und zur\u00fcck (Teil 2) | Von Wolfgang Effenberger"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Das Morgan-Netz im 21. Jahrhundert\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Wolfgang Effenberger<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p><strong>George Peabody und Junius Morgan schufen \u201eWeltregierung\u201c des Kapitals\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Londoner Peabody-Bank war ein fr\u00fcher institutioneller Transmissionsriemen zwischen dem City-Kapital und dem rasch industrialisierten US-Finanzmarkt. Aus dieser transatlantischen Infrastruktur erwuchs sp\u00e4ter das Haus Morgan als einer der wichtigsten Machtkomplexe der Wall Street.\u00a0<\/p>\n<p>George Peabody wurde am 18. Februar 1795 in South Danvers, eine Stadt im Essex County im Nordosten des US-Bundesstaats Massachusetts, rund 27 km nord\u00f6stlich von Boston, geboren.<\/p>\n<p>Am 30. April 1868 wurde die Stadt ihm zu Ehren in \u201ePeabody\u201c umbenannt.<\/p>\n<p>Vor 1838 verdiente Peabody sein Geld im Gro\u00df- und Importhandel; ab 1837 begann er von London aus zus\u00e4tzlich, US-Staats- und Infrastruktur-Anleihen an europ\u00e4ische Investoren zu vermitteln. Ab 1838 nahm Peabody seine Londoner Bankt\u00e4tigkeit auf. Daraus entwickelte sich 1851 George Peabody &amp; Co. Die Firma operierte vor allem zwischen britischem Kapital und US-Handel, Staats- sowie Eisenbahnwerten. 1854 nahm Peabody den US-Kaufmann Junius Spencer Morgan, Vater von J.P. Morgan als Junior-Partner auf, der 40.000 Pfund einbrachte. Das entsprach knapp 9% des damaligen Gesellschaftskapitals von 450.000 Pfund.<\/p>\n<p>Das Kapital selbst stammte aus Morgans vorheriger Laufbahn als erfolgreicher Neuengland-Kaufmann und Finanzmann. Vor dem Wechsel nach London war er Partner des Bostoner Handels- und Bankhauses\u00a0J. M. Beebe, Morgan &amp; Co. gewesen.<\/p>\n<p>Die offizielle Unternehmensgeschichte von J.P. Morgan best\u00e4tigt selbst, dass Junius 1854 Peabodys Partner wurde, ihn als Leiter des Londoner Hauses beerbte und dass dieses Haus \u00fcber Jahrzehnte eng mit J. P. Morgan &amp; Co. verbunden war. Die sp\u00e4tere Umgestaltung des Londoner Gesch\u00e4fts zu Morgan Grenfell &amp; Co. Im Jahr 1910 ist kein Bruch mit dieser Geschichte, sondern deren organisatorische Fortsetzung. (1)\u00a0<\/p>\n<p>Das Londoner Haus Peabody, Morgan &amp; Co. war auf US-Wertpapiere, Devisen und Korrespondenzbankgesch\u00e4fte spezialisiert. Nach Kriegsbeginn setzte Junius Morgan auf die Union und handelte mit deren Kriegsanleihen. Dabei nutzte die Londoner Firma gemeinsam mit J. P. Morgans New Yorker B\u00fcro Informations- und Telegrafenvorspr\u00fcnge: Nach der Nachricht vom Fall Vicksburgs im Juli 1863 kauften sie Unionsanleihen, bevor der Sieg in London allgemein bekannt und die Kurse entsprechend gestiegen waren. Das war ein spekulativer Gewinn aus kriegsrelevanter Information und erwarteter milit\u00e4rischer Entwicklung.<\/p>\n<p>Junius S. Morgan\u00a0und sein Sohn\u00a0John Pierpont (J. P.) Morgan (geb. 1837), der sich f\u00fcr 300 US-Dollar vom Kriegsdienst freikaufen konnte (2), profitierten im US-B\u00fcrgerkrieg (1861-1865) vom Handel mit Unionsanleihen.<\/p>\n<p>Die Spekulation mit Unionsanleihen im Krieg st\u00e4rkte die Position des Vater-Sohn-Netzwerks. Die gro\u00dfe Verm\u00f6gensvermehrung erfolgte aber vor allem nach 1865, als die USA Eisenbahnen ausbauten, Staatsschulden umschuldeten und Industrieunternehmen Kapital ben\u00f6tigten. J. P. Morgan konnte britische Kapitalzufl\u00fcsse vermitteln und seine eigene Position dabei deutlich ausbauen. (3)\u00a0<\/p>\n<p>Nach Peabodys R\u00fcckzug 1864 f\u00fchrte Junius das Haus als\u00a0J. S. Morgan &amp; Co.\u00a0weiter.<\/p>\n<p>Damit liegt eine wichtige Kontinuit\u00e4tslinie offen zutage:<\/p>\n<figure class=\"kg-card kg-image-card\"><img data-opt-id=849527141  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:pcIf.d7e\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-1.png\" class=\"kg-image\" alt=\"Von der City of London zur Wall Street und zur\u00fcck (Teil 2) | Von Wolfgang Effenberger\" loading=\"lazy\" width=\"622\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/apolut.net\/content\/images\/size\/w600\/2026\/09\/2.png 600w, https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:pcIf.d7e\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2-1.png 622w\"><\/figure>\n<p>London war damals das zentrale internationale Kredit-, Wechsel- und Versicherungszentrum. Dort konnten amerikanische Schuldner, Eisenbahngesellschaften, Handelsh\u00e4user und \u00f6ffentliche Haushalte an europ\u00e4ische Liquidit\u00e4t anbinden \u2013 jedoch zu Bedingungen, die in der City verhandelt wurden.<\/p>\n<p>Peabody und Morgan wirkten damit als Vermittler, Zeichner und Vertrauensinstanz: Sie wickelten amerikanische Anlageobjekte f\u00fcr britische Investoren ab und machten zugleich den Zugang der USA zu Londoner Kapital abh\u00e4ngig von privaten Bankh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Diese Funktion blieb privat. Sie war weder demokratisch legitimiert noch prim\u00e4r dem \u00f6ffentlichen Interesse verpflichtet. Ihre Logik war Bonit\u00e4t, Sicherheiten, Provisionen, Marktanteil und politisch stabile Rahmenbedingungen.<\/p>\n<p>Junius Morgan brachte nicht einfach \u201eamerikanisches Kapital\u201c nach London. Umgekehrt machte er die Londoner Finanzmacht zu einem pr\u00e4genden Faktor der US-Industrialisierung \u2013 besonders dort, wo Eisenbahnen, Staatsanleihen und gro\u00dfe Unternehmensfinanzierungen nach langfristigem Kapital verlangten.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Wall Street beginnt nicht nur in New York. Sie f\u00fchrt \u00fcber die engen Stra\u00dfen der Londoner City, \u00fcber Wechselkurse, Anleihen, Handelsfinanzierung und die private Macht einiger weniger Merchant Banks. Als George Peabody 1854 den Amerikaner Junius Spencer Morgan in sein Londoner Bankhaus aufnahm, entstand ein Scharnier: britisches Kapital erhielt einen privilegierten Zugang zum expandierenden amerikanischen Markt, w\u00e4hrend die Vereinigten Staaten ihre industrielle Beschleunigung \u00fcber die Kreditkan\u00e4le der City finanzieren konnten.<\/p>\n<p>London vermittelte Kapital, New York organisierte dessen Einsatz. In dieser Verbindung lag die Vorform jener Morgan-Macht, die sp\u00e4ter \u00fcber die Wall Street Eisenbahnen, Gro\u00dfindustrie und Finanzpolitik mitpr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Wer die Kan\u00e4le des Kredits kontrolliert, bestimmt oft, welche Staaten, Unternehmen und Industrien wachsen d\u00fcrfen \u2013 und zu welchem Preis.<\/p>\n<p>Junius Spencer Morgan finanzierte US-Eisenbahnen vor allem, indem sein Londoner Bankhaus britisches Kapital in amerikanische Eisenbahnwertpapiere lenkte. Er war weniger der unmittelbare Bauherr als der zentrale\u00a0Vermittler, Emissionsbankier und Bonit\u00e4tsgarant\u00a0zwischen US-Bahngesellschaften und den europ\u00e4ischen Kapitalm\u00e4rkten.<\/p>\n<p>Das war eine internationale Kreditbr\u00fccke: britische Ersparnisse finanzierten amerikanische Infrastruktur, w\u00e4hrend die Morgan-Bank f\u00fcr Auswahl, Platzierung, Abwicklung und Reputation einstand. Junius Morgan gilt deshalb als wichtiger Akteur dieser Verbindung zwischen britischem und US-amerikanischem Kapitalmarkt.<\/p>\n<p>Ein anschauliches Beispiel f\u00fcr die Risikobereitschaft der Morgan-Bank bietet die Baltimore &amp; Ohio Railroad: Als ihre Verluste eine l\u00e4ngerfristige Verschuldung erzwangen und die Anleihen schwer platzierbar waren, organisierten Junius und J. P. Morgan ein Bankensyndikat, das die Papiere kaufte und hielt, bis sich die Marktlage besserte. Der vollst\u00e4ndige Abverkauf dauerte Jahre. Das war echte Risiko\u00fcbernahme, nicht blo\u00dfe Maklert\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Gerade in einem Markt mit unvollst\u00e4ndigen Informationen \u00fcber weit entfernte US-Bahnstrecken war der Name Morgan f\u00fcr europ\u00e4ische Investoren daher ein Signal: Die Bank hatte die Emission gepr\u00fcft und setzte ihren Ruf ein. Dieser Vertrauensvorschuss erlaubte den Eisenbahngesellschaften, Kapital zu g\u00fcnstigeren oder \u00fcberhaupt erst tragf\u00e4higen Konditionen zu erhalten.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Vergleich von Peabody\/Morgan mit Rothschild\/Baring im 19. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n<p>Peabody\/Junius Morgan war im 19. Jahrhundert ein aufstrebendes anglo-amerikanisches Emissionshaus; Rothschild und Baring waren die \u00e4lteren, kapitalst\u00e4rkeren und politisch besser vernetzten Spitzenh\u00e4user der Londoner Hochfinanz. Ihre Gemeinsamkeit bestand darin, dass sie \u00fcber London Handelsfinanzierung, Wechselgesch\u00e4ft und die Platzierung internationaler Wertpapiere verbanden \u2013 ihre geographischen Schwerpunkte und Machtbasen unterschieden sich jedoch deutlich. (4)<\/p>\n<figure class=\"kg-card kg-image-card\"><img data-opt-id=129712869  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:pcIf.d7e\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bildschirmfoto_20260907_213017-1.png\" class=\"kg-image\" alt=\"Von der City of London zur Wall Street und zur\u00fcck (Teil 2) | Von Wolfgang Effenberger\" loading=\"lazy\" width=\"625\" height=\"544\" srcset=\"https:\/\/apolut.net\/content\/images\/size\/w600\/2026\/09\/Bildschirmfoto_20260907_213017.png 600w, https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:pcIf.d7e\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bildschirmfoto_20260907_213017-1.png 625w\"><\/figure>\n<p><strong>Baring<\/strong> galt im 19. Jahrhundert als f\u00fchrendes Londoner Akzept- bzw. Wechselhaus und als zweitwichtigstes Haus f\u00fcr ausl\u00e4ndische Emissionen nach Rothschild. Gleichzeitig behielt es einen spezifischen Vorteil bei amerikanischen Eisenbahnanleihen.<\/p>\n<p><strong>Rothschilds<\/strong> entscheidender Vorteil war das internationale Familiennetz. Die f\u00fcnf H\u00e4user konnten Nachrichten, Gold, Wechsel und Zahlungen \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg koordinieren, zu einer Zeit, in der der Telegraph erst schrittweise entstand und staatliche Banken noch nicht die sp\u00e4tere Rolle als internationale Stabilisatoren hatten.<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt lag auf\u00a0<strong>Souver\u00e4nfinanzierung <\/strong>und der Finanzierung europ\u00e4ischer Kriegs- und Staatsschulden.<\/p>\n<p>So arrangierte das Londoner Haus 1818 ( f\u00fcnf Jahre nach den Befreiungskriegen) etwa einen Kredit von 5 Millionen Pfund f\u00fcr Preu\u00dfen; in der Liquidit\u00e4tskrise 1825\/26 konnte es der Bank of England zudem erheblich M\u00fcnzmetall zuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Eisenbahnen waren f\u00fcr Rothschild wichtig, aber meist als Erg\u00e4nzung zur staatsnahen europ\u00e4ischen Infrastrukturpolitik. Beispiele reichen von der Northern of France Railway 1845 \u00fcber \u00f6sterreichisch-italienische Bahnfinanzierungen bis zu brasilianischen, russischen und indischen Eisenbahnprojekten. Rothschild war daher im Kern ein kontinentaleurop\u00e4ischer und staatlicher Machtfinanzier \u2013 nicht prim\u00e4r der Vermittler des US-Eisenbahnbooms. (5)<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Baring: Atlantischer Handel und Auslandsanleihen<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Baring Brothers kam aus dem Welthandel. Das Grundgesch\u00e4ft bestand im Warenhandel, in Wechselakzepten und Handelsfinanzierungen; sp\u00e4ter verband das Haus dies mit der Emission ausl\u00e4ndischer Staats- und Unternehmensanleihen. (6)<\/p>\n<p>Im transatlantischen Bereich stand Baring Peabody\/Morgan zun\u00e4chst n\u00e4her als Rothschild: Beide kauften amerikanische Wertpapiere auch auf eigene Rechnung und fungierten als Makler bzw. Emissionsh\u00e4user f\u00fcr neue amerikanische Ausgaben in Europa. Baring war jedoch deutlich breiter diversifiziert und fr\u00fcher in den Weltmarkt integriert. Besonders sichtbar wurde die Kehrseite 1890: Die \u00dcberkonzentration auf Argentinien f\u00fchrte zur Baring-Krise. Kurz vor der Krise hatte das Haus zwischen 1885 und 1890 Wertpapiere und Investitionen mit einem Nennwert nahe 20 Millionen Pfund im argentinischen Eisenbahnsektor gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p><strong>Peabody\/Morgan: der US-Spezialist<\/strong><\/p>\n<p>Peabody &amp; Co. und danach J. S. Morgan &amp; Co. besetzten eine spezifische Nische: die glaubw\u00fcrdige Vermittlung zwischen kapitalbed\u00fcrftigen US-Staaten und Unternehmen einerseits sowie Londoner Investoren andererseits. Ihr Gesch\u00e4ft umfasste Staatsanleihen, Wechsel und Handelsfinanzierung, entwickelte sich aber zunehmend in Richtung Finanzierung amerikanischer Infrastruktur und besonders von Eisenbahnen.<\/p>\n<p>Das Haus war w\u00e4hrend der US-Staatsschuldenkrise nach 1837 besonders exponiert. Amerikanische Wertpapiere wurden an der London Stock Exchange zeitweise polemisch \u201eAmerican insecurities\u201c genannt. Baring und Peabody kauften solche Titel teilweise selbst und versuchten zugleich, neue Emissionen bei europ\u00e4ischen Investoren zu platzieren. Genau diese Risikoerfahrung und das daraus aufgebaute Informationsnetz wurden sp\u00e4ter ein Wettbewerbsvorteil der Morgans. (7)<\/p>\n<p>Im Unterschied zu Rothschild verf\u00fcgte Peabody\/Morgan nicht \u00fcber ein gleichrangiges europ\u00e4isches Familiennetz. Im Unterschied zu Baring konzentrierte sich das Haus st\u00e4rker auf den US-Markt. Diese Konzentration erwies sich langfristig als Vorteil: Mit der industriellen Expansion der Vereinigten Staaten verschob sich das Schwergewicht der internationalen Unternehmensfinanzierung zunehmend nach New York, wo J. P. Morgan die von Peabody und Junius Morgan geschaffene London-New-York-Achse f\u00fcr Bahnsanierungen, Gro\u00dfemissionen und Unternehmenszusammenschl\u00fcsse nutzte.<\/p>\n<p><strong>Machtpolitische Einordnung<\/strong><\/p>\n<p>Diese H\u00e4user waren keine blo\u00dfen \u201eGeldverleiher\u201c. Sie bestimmten, welche Staaten, Projekte und Unternehmen Zugang zu internationalem Kapital bekamen, zu welchem Zinssatz und unter welchen Sicherheiten. Ihre Macht beruhte auf drei Faktoren:<\/p>\n<ul>\n<li>Kontrolle \u00fcber Informationen, Korrespondenz und internationale Zahlungswege.<\/li>\n<li>F\u00e4higkeit, Wertpapiere zu pr\u00fcfen, zu \u00fcbernehmen und bei Anlegern zu platzieren.<\/li>\n<li>Reputationskapital: Der Name eines f\u00fchrenden Hauses senkte f\u00fcr K\u00e4ufer das wahrgenommene Ausfallrisiko.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Rothschild dominierte in der ersten H\u00e4lfte des Jahrhunderts die gro\u00dfe europ\u00e4ische Staatsfinanzierung; Baring war der besonders starke Londoner Konkurrent in Handel, Auslandsemissionen und Amerika; Peabody\/Morgan wurde zum spezialisierten Infrastruktur- und US-Finanzkanal. Diese Rangordnung war nicht absolut: Die H\u00e4user kooperierten bei einzelnen Gro\u00dfemissionen und konkurrierten zugleich um Mandate, Geb\u00fchren, Informationsvorspr\u00fcnge und politischen Zugang. (8)<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Von Junius zu J. P. Morgan<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Junius Morgan ab den 1850er Jahren die transatlantische Kapital- und Vertriebsinfrastruktur aufbaute, nutzte sein Sohn J. P. Morgan sie sp\u00e4ter f\u00fcr eine wesentlich direktere Machtstellung in der US-Bahnindustrie \u2013 durch Sanierungen insolventer Bahnen, Aufsichtsratsmandate und Zusammenschl\u00fcsse.<\/p>\n<p>J. P. Morgan konnte sich dabei auf seinen Vater als Londoner Agenten st\u00fctzen und erhielt so Zugang zu britischen Anlegern, die in US-Eisenbahnen investieren wollten. Die \u201eMorganisierung\u201c der 1880er und 1890er Jahre \u2013 Restrukturierung und Konzentration von Bahngesellschaften \u2013 war somit nicht einfach Junius Morgans Werk, sondern die sp\u00e4tere Ausweitung eines von ihm mitgeschaffenen transatlantischen Emissions- und Kreditnetzwerks.<\/p>\n<p>Laut Lance E. Davis und Robert E. Gallman wuchs das britische Auslandsverm\u00f6gen von rund 208 Millionen Pfund 1850 auf 1,065 Milliarden Pfund 1875, 2,397 Milliarden Pfund 1900 und 3,990 Milliarden Pfund 1913. (9)<\/p>\n<p>In den Jahrzehnten vor 1914 lagen die durchschnittlichen britischen Netto-Kapitalexporte zeitweise zeitweise bei bis zu 9 Prozent des britischen BIP pro Jahr<\/p>\n<p><strong>J.P. Morgans strategisch bedeutsame \u00dcbernahme der White Star Line<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>1902 brachte Morgan mehrere Reedereien in der\u00a0&#8222;International Mercantile Marine<strong> <\/strong>Company&#8220; (IMM)\u00a0zusammen. &#8222;White Star&#8220; war dabei das Prestigeobjekt und der zentrale Baustein. Zu IMM geh\u00f6rten au\u00dferdem unter anderem American Line, Red Star Line, Leyland Line, Atlantic Transport Line und Dominion Line. (10)<\/p>\n<p>Er hatte keine Reederei im gew\u00f6hnlichen Sinn gekauft, sondern einen m\u00e4chtigen Hebel \u00fcber den Nordatlantik:<\/p>\n<p>Passagiere, Post, Fracht, Auswanderung und den Zugang europ\u00e4ischer M\u00e4rkte zu amerikanischen Eisenbahnen und Industriekonzernen. Sein Ziel war die Rationalisierung des Wettbewerbs \u2013 die Sprache der Zeit f\u00fcr Konzentration, Tarifdisziplin und private Kontrolle \u00fcber Verkehrswege.<\/p>\n<p>Die Konkurrenz auf dem Nordatlantik sollte durch gemeinsame Leitung, koordinierte Fahrpl\u00e4ne und eine Stabilisierung der Frachtraten entsch\u00e4rft werden. Morgans Umfeld stellte sich vor, dass nicht mehrere Linien am selben Tag um dieselben Passagiere, Postsendungen und Ladungen k\u00e4mpfen, sondern Abfahrten rationell verteilt w\u00fcrden. (11)<\/p>\n<p>Reedereien sollten mit den ebenfalls von Morgan finanziell beeinflussten Eisenbahnnetzen verbunden werden. Damit h\u00e4tte sich die Lieferkette vom europ\u00e4ischen Hafen \u00fcber den Atlantik bis zu den amerikanischen Bahnnetzen und M\u00e4rkten erstreckt.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Politisch-strategische Seemacht<\/strong><\/p>\n<p>Die IMM sollte zum Kern einer leistungsf\u00e4higen amerikanischen Handelsflotte werden. Zeitgen\u00f6ssische und sp\u00e4tere Darstellungen verkn\u00fcpfen Morgans Projekt ausdr\u00fccklich mit dem Export amerikanischer Waren und dem Ausbau US-amerikanischen Einflusses in Europa. (12)<\/p>\n<p>White Star blieb zwar britisch registriert und britischer Regulierung unterworfen, stand ab 1902 jedoch vollst\u00e4ndig unter amerikanischer IMM-Kontrolle. Gerade das machte die \u00dcbernahme politisch und wirtschaftlich heikel: Eine historisch britische Reederei, deren Schiffe im britischen Kriegsmarineregister eingetragen waren, wurde Teil eines US-dominierten Finanz- und Reedereikonzerns.(13)<\/p>\n<p>IMM war Teil von J.P. Morgans Versuch, nicht nur Banken, Eisenbahnen und Industrie, sondern auch die\u00a0transatlantischen Verkehrs- und Warenstr\u00f6me\u00a0in einem privatwirtschaftlichen Verbund zu b\u00fcndeln. Sein Ehrgeiz schien keine Grenzen zu kennen.<\/p>\n<p>Die Einverleibung der White Star Line in Morgans Reedereikonzern machte die\u00a0Titanic\u00a0und ihre Schwesterschiffe \u2013 vor allem die Olympic und die nach dem Untergang fertiggestellte Britannic \u2013 zum Symbol eines privaten Konzentrationsprojekts: Kapital aus der Finanzwelt sollte nicht nur Unternehmen b\u00fcndeln, sondern auch die transatlantische Infrastruktur von Fracht, Post, Migration und Passagierverkehr ordnen. Mit den drei Giganten der Meere hoffte J.P. Morgan wohl, die Weltmeere beherrschen zu k\u00f6nnen. Das Gegenteil sollte eintreten. <\/p>\n<p>Am 20. September 1911 rammte der britische Kreuzer <strong>HMS <em>Hawke<\/em><\/strong>* nahe der Isle of Wight mit seinem Rammsporn die Steuerbordseite der RMS <em>Olympic<\/em> im Achterschiffsbereich. Die damalige Untersuchung und das anschlie\u00dfende Gerichtsverfahren sahen die <em>Olympic<\/em> beziehungsweise die White Star Line als verantwortlich an. Daraufhin zahlten die Versicherungen nicht. Nach dem Untergang der Titanic kamen Ger\u00fcchte auf, dass nicht die Titanic vor dem Untergang den Eisberg gerammt habe, sondern das besch\u00e4digte und \u00fcberpinselte Schwesterschiff Olympic, um die Versicherungssumme zu kassieren. Die Ger\u00fcchte halten sich auch heute noch, das J.P. Morgan urspr\u00fcnglich mitfahren wollte und kurzfristig abgesagt haben. Die J. P. Morgan-Gegner wie John Jacob Astor IV, Isidor Straus und Benjamin Guggenheim gingen mit der Titanic unter.<\/p>\n<p>Die tragische Wahrheit ist bereits gravierend genug: Die Titanic war mit hoher Fahrt in ein Eisgebiet, eingelaufen, die Eiswarnungen und Sichtverh\u00e4ltnisse wurden nicht ausreichend in sichere Navigation \u00fcbersetzt, die Rettungsbootkapazit\u00e4t gen\u00fcgte nicht f\u00fcr alle Menschen an Bord, und viele Boote wurden nicht voll besetzt zu Wasser gelassen. Die britische Untersuchung von 1912 f\u00fchrte den Verlust ausdr\u00fccklich auf die Kollision mit einem Eisberg bei \u00fcberh\u00f6hter Fahrt zur\u00fcck. (14)<\/p>\n<p>Aus der belegten Machtgeschichte folgt keine belegte Mord- oder Versicherungsverschw\u00f6rung. Die Konzentration wirtschaftlicher Macht ist dokumentiert; der behauptete absichtliche Untergang der\u00a0Titanic\u00a0nicht. (15)<\/p>\n<p>Die\u00a0Britannic\u00a0sank 1916 in der \u00c4g\u00e4is, nachdem sie auf eine Mine gelaufen war \u2013 mitten im Ersten Weltkrieg. Ihr Untergang war also ein Kriegsereignis, kein Nachweis f\u00fcr eine gemeinsame, geplante Sabotage. Nur die (neue?) Olympic konnte bis 1935 als Passagierdampfer Dienst tun.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Weshalb das Projekt scheiterte\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die See erwies sich als widerspenstiger als die Wall Street. Nationale Flaggen, britische Interessen, deutsche Konkurrenz, Kartellrecht und eine chronisch \u00fcberdehnte Bilanz verhinderten die geplante Beherrschung des Atlantiks. Als IMM die White Star Line 1926 an britische Interessenten verkaufte, war dies nicht die Widerlegung von Morgans Machtdenken, sondern dessen wirtschaftliches Scheitern in einem Sektor, der sich nicht dauerhaft wie ein Eisenbahn- oder Industrietrust ordnen lie\u00df.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Morgans Konzept war expansiv, aber die tats\u00e4chliche Macht \u00fcber den Nordatlantik blieb begrenzt. Die IMM konnte die entscheidenden Konkurrenten nicht vollst\u00e4ndig integrieren: besonders Cunard sowie die gro\u00dfen deutschen Gesellschaften HAPAG und Norddeutscher Lloyd blieben eigenst\u00e4ndig. Vereinbarungen mit deutschen Linien und ein Arrangement mit der britischen Regierung ersetzten keine vollst\u00e4ndige \u00dcbernahme.<\/p>\n<p>In der Schifffahrt bleiben Schiffe, H\u00e4fen, Besatzungen und nationale Flaggen an Staaten, Subventionen sowie Marine- und Sicherheitsinteressen gebunden. Ein Finanztrust kann diese Faktoren nicht so einfach beherrschen wie ein Industrieunternehmen.<\/p>\n<p>US-Kartellrecht und politische Gegenwehr begrenzten eine umfassende Monopolbildung.<\/p>\n<p>Die White Star Line verlor nach dem Ersten Weltkrieg Teile ihrer wirtschaftlichen Grundlage; die IMM geriet selbst unter Schulden- und Ertragsdruck. (16)<\/p>\n<p>Der Verkauf war damit ein\u00a0R\u00fcckzug aus einem gescheiterten internationalen Konzentrationsprojekt. 1926 ver\u00e4u\u00dferte IMM die White Star Line an die britische Royal Mail Steam Packet Company f\u00fcr rund 7 Millionen Pfund. (17)<\/p>\n<p>Morgan selbst starb 1913. Der sp\u00e4tere Verkauf der White Star Line 1926 wurde daher nicht von ihm pers\u00f6nlich entschieden, sondern durch die Leitung der von ihm geschaffenen International Mercantile Marine Company (IMM). Die Ver\u00e4u\u00dferung wurde zum 1. Januar 1927 wirksam.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fche Finanzierung der Entente ab 1914\/15 durch J. P. Morgan Jr.<\/strong><\/p>\n<p>Das Haus J. P. Morgan &amp; Co. \u2013 nicht mehr unter dem im M\u00e4rz 1913 verstorbenen J. P. Morgan senior, sondern unter\u00a0J. P. Morgan Jr<strong>.<\/strong>\u00a0(Jack Morgan) \u2013 begann schon w\u00e4hrend der US-Neutralit\u00e4t, also lange vor dem Kriegseintritt der USA im April 1917, die Entente finanziell und materiell zu st\u00fctzen. (18)<\/p>\n<p>Bereits Anfang 1915 wurde Morgan von der britischen Regierung als zentraler Einkaufsagent in den USA eingesetzt; das formale britische\u00a0&#8222;Commercial Agreement&#8220;\u00a0wurde im Januar 1915 abgeschlossen. F\u00fcr Frankreich bestand ab Mai 1915 eine entsprechende Vereinbarung. Dadurch wickelte das Haus den Gro\u00dfteil der amerikanischen Beschaffung f\u00fcr Gro\u00dfbritannien und Frankreich ab \u2013 von Lebensmitteln und Baumwolle bis zu Stahl, Chemikalien, Munition und anderen Kriegsg\u00fctern. (19)<\/p>\n<p>Morgans Rolle war zun\u00e4chst vor allem eine Kombination aus\u00a0Beschaffung, Zahlungsabwicklung und kurzfristiger Kreditierung. Sie schuf aber zugleich eine enge materielle und finanzielle Bindung zwischen der Fortdauer des Ententekrieges und den Interessen des Morgan-Netzwerks.<\/p>\n<p>Ein Morgan-gef\u00fchrtes Konsortium platziert im M\u00e4rz 1915 eine franz\u00f6sische Anleihe in H\u00f6he von 50 Mio. US-Dollar in New York. Im Herbst 1915 organisiert ein Morgan-Syndikat eine Anglo-franz\u00f6sische Anleihe in H\u00f6he von 500 Mio. US-Dollar (5 Prozent, f\u00fcnf Jahre Laufzeit) \u2013 damals die gr\u00f6\u00dfte ausl\u00e4ndische Anleihe an der Wall Street.\u00a0 (20)<\/p>\n<p>Bis zum US-Kriegseintritt 1917 vermittelte Morgan f\u00fcr die Alliierten Beschaffungen im Umfang von nahezu\u00a03 Mrd. Dollar. Die Bank erzielte dabei auf die Eink\u00e4ufe im Allgemeinen rund 1 Prozent Provision; eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von etwa\u00a030 Mio. Dollar\u00a0an Kommission wird daf\u00fcr angegeben. (21)<\/p>\n<p>Bis zum amerikanischen Kriegseintritt am\u00a06. April 1917\u00a0beliefen sich private US-Kredite an die Entente auf ungef\u00e4hr\u00a02,0 bis 2,25 Milliarden US-Dollar; an Deutschland gingen dagegen nur etwa\u00a027 bis 35 Millionen US-Dollar. Das ergibt \u2013 je nach statistischer Abgrenzung und Stichtag \u2013 ein Verh\u00e4ltnis von etwa\u00a060\u201380 : 1\u00a0zugunsten der Entente. (22)<\/p>\n<p>Aber die Finanzbeziehungen waren politisch bedeutsam: Sie machten Teile des US-Finanz- und Industriekapitals vom Fortbestand und letztlich vom Erfolg Gro\u00dfbritanniens und Frankreichs abh\u00e4ngig. Morgan selbst bestritt sp\u00e4ter vor dem Senat, dass die Kredite die USA in den Krieg getrieben h\u00e4tten. Unabh\u00e4ngig von dieser Selbstrechtfertigung war das Risiko einer alliierten Zahlungsunf\u00e4higkeit f\u00fcr die amerikanischen Kreditgeber und Lieferanten real und ein wichtiger Hintergrund der damaligen Debatte. (23)<\/p>\n<p>Die Feststellung \u201e<strong>Morgan finanzierte die Entente und zog deshalb die USA in den Krieg<\/strong>\u201c ist f\u00fcr sich bestechend, muss aber noch in Verbindung mit den US-Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen und innenpolitischen Faktoren sowie in Verbindung mit dem U-Bootkrieg gesehen werden.<\/p>\n<p>Am 7. Mai 1915 wurde die <em>RMS Lusitania<\/em> vor der S\u00fcdk\u00fcste Irlands durch das deutsche U-Boot <em>U 20<\/em> unter Kapit\u00e4nleutnant Walther Schwieger torpediert und sank innerhalb von rund 18 Minuten. Sie f\u00fchrte auf ihrer letzten Reise von New York nach Liverpool tats\u00e4chlich milit\u00e4risch nutzbare Ladung mit. (24) Die\u00a0Lusitania\u00a0wurde bei der Admiralit\u00e4t als f\u00fcr den Dienst als bewaffneter Hilfskreuzer vorgesehene Reserve- bzw. Hilfseinheit gef\u00fchrt; 1914 erschien sie auch in entsprechenden Marineverzeichnissen.\u00a0<\/p>\n<p>Zum dokumentierten Frachtgut geh\u00f6rten 4.200 Kisten Metallpatronen mit rund 4,2 Millionen Gewehr- beziehungsweise Maschinengewehrpatronen, 1.250 Kisten Schrapnell-Geschossh\u00fclsen sowie 18 Kisten Z\u00fcnder. Die amerikanischen Akten hielten zugleich fest, dass sich keine Explosivstoffe im Sinn der damaligen US-Vorschriften an Bord befanden; die Z\u00fcnder galten nach dieser Einordnung als nicht explosiv. Die Fracht war im Manifest ausgewiesen. (25)<\/p>\n<p>F\u00fcr die deutsche Regierung stellte die <em>Lusitania<\/em> wegen ihrer Kriegsladung ein legitimes milit\u00e4risches Ziel dar. Die Tatsache milit\u00e4risch relevanter Fracht war somit keine nachtr\u00e4gliche Spekulation, sondern zeitgen\u00f6ssisch dokumentiert. (26)<\/p>\n<p>Am 20. September 1917 ging der Wilson unterlegene Pr\u00e4sidentschaftskandidat der Republikaner, der Senator Bob LaFollette, in der Stadthalle von St. Paul\/Minnesota auf den Lusitania-Vorfall und die Doktrin des Au\u00dfenministers Lansing ein, dass die Anwesenheit amerikanischer Staatsb\u00fcrger an Bord, gleich welchen Schiffs, diesem Immunit\u00e4t verleihe. LaFollette behauptete: \u201eVier Tage vor, bevor die Lusitania auslief, wurde Pr\u00e4sident Wilson pers\u00f6nlich von Au\u00dfenminister Bryan, dem Vorg\u00e4nger Lansings, dar\u00fcber informiert, dass die Lusitania 6.000.000 Schu\u00df Munition geladen habe, von Sprengstoff abgesehen; und dass die Passagiere, die mit dem Schiff zu fahren gedachten, dies unter Verletzung der Bestimmungen unseres Landes taten\u201c, wobei Bryan dann den Sinn des Passagiergesetzes von 1812 erl\u00e4uterte. Die Rede l\u00f6ste im Wei\u00dfen Haus und im Senat Emp\u00f6rung aus. Ein Komitee wurde gebildet, das den Ausschluss des Senators herbeif\u00fchren sollte. Um sich vor dem Senat zu rechtfertigen, verlangte Bob LaFollette die vollst\u00e4ndigen Ladepapiere der Lusitania. Damit w\u00e4re alles ans Licht der \u00d6ffentlichkeit gekommen. So wurden die Ladepapiere flugs zu Geheimdokumenten gemacht und der Ausschlussantrag fallengelassen. Daf\u00fcr hatte bereits am 21. September Pr\u00e4sident Wilson einer bundesweitn Wachsamkeits-Kampagne gegen LaFollette und seine Anh\u00e4nger zugestimmt. (27)<\/p>\n<p><strong>Die fragw\u00fcrdige US-Neutralit\u00e4t vor dem Kriegseintritt 1917\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die USA erkl\u00e4rten ihre Neutralit\u00e4t zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 4. August 1914 durch eine formelle Proklamation Pr\u00e4sident Woodrow Wilsons. Sie bezog sich zun\u00e4chst auf den Krieg zwischen \u00d6sterreich-Ungarn und Serbien, Deutschland und Russland sowie Deutschland und Frankreich; Gro\u00dfbritannien wurde nach dessen Kriegseintritt erg\u00e4nzend einbezogen. (28)<\/p>\n<p>Wilson erkl\u00e4rte nicht nur den Staat, sondern auch alle US-B\u00fcrger und Personen unter amerikanischer Hoheitsgewalt zur strikten und unparteiischen Neutralit\u00e4t verpflichtet. Die Proklamation beruhte auf US-Neutralit\u00e4tsgesetzen, Vertr\u00e4gen und dem damaligen \u201elaw of nations\u201c, also dem V\u00f6lkerrecht- (29)<\/p>\n<p>Konkret bedeutete dies:<\/p>\n<ul>\n<li>Keine Anwerbung und keine Ausr\u00fcstung milit\u00e4rischer Expeditionen zugunsten einer Kriegspartei vom US-Territorium aus.<\/li>\n<li>Keine Nutzung amerikanischer H\u00e4fen durch Kriegsschiffe der Kriegf\u00fchrenden als Operationsbasis oder Beobachtungsposten.<\/li>\n<li>Die Versorgung kriegf\u00fchrender Kriegsschiffe war eng begrenzt: zul\u00e4ssig waren insbesondere Verpflegung, notwendige Reparaturen und nur so viel Kohle, wie f\u00fcr die Fahrt zum n\u00e4chstgelegenen Heimathafen erforderlich war. (30)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die entscheidende Einschr\u00e4nkung der amerikanischen Neutralit\u00e4t lag darin, dass sie <strong>nicht<\/strong> als Handelsneutralit\u00e4t im Sinne eines vollst\u00e4ndigen Wirtschaftsembargos verstanden wurde. Das State Department stellte am 15. August 1914 ausdr\u00fccklich klar: Der Handel mit den kriegf\u00fchrenden Staaten werde durch den europ\u00e4ischen Krieg nicht suspendiert. Auch Verkauf und Ausfuhr von Kriegskonterbande durch Privatpersonen bzw. private Unternehmen waren nach US-Neutralit\u00e4tsrecht nicht verboten. (31)<\/p>\n<p>Am 19. August 1914 appellierte Wilson zus\u00e4tzlich an die Bev\u00f6lkerung, nicht nur \u201ein fact\u201c, sondern auch \u201ein thought\u201c unparteiisch zu sein. Das war angesichts der starken europ\u00e4ischen Bindungen vieler US-B\u00fcrger und der wirtschaftlichen Verflechtung mit den Kriegsparteien politisch bedeutsam, aber keine Aufhebung des weiterhin erlaubten privaten Au\u00dfenhandels.\u00a0<\/p>\n<p>Genau diese Trennung zwischen staatlicher Neutralit\u00e4t und privatem Handel machte Transporte wie den der\u00a0Lusitania\u00a0rechtlich m\u00f6glich \u2013 auch wenn sie politisch eindeutig \u00fcberwiegend Gro\u00dfbritannien und seine Verb\u00fcndeten beg\u00fcnstigten. Lieferungen nach Deutschland waren durch die v\u00f6lkerrechtswidrige Blockade Deutschlands so gut wie unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Im September 1914 hatte Washington keinen formellen Protest gegen die v\u00f6lkerrechtswidrige britische Blockadepolitik als solche erhoben<\/p>\n<p>Erst nachdem London und Paris im M\u00e4rz 1915 die Politik zu einer weiterreichenden Unterbindung\u00a0aller\u00a0deutschen Zufuhren ausweiteten, wurde der rechtliche Grundsatzkonflikt deutlich und \u00f6ffentlich zum Gegenstand der amerikanischen Note. Die sp\u00e4tere US-Position, die sogenannte Blockade sei \u201eineffective, illegal, and indefensible\u201c, darf daher nicht als unmittelbare Reaktion auf den September 1914 ausgegeben werden. (32)<\/p>\n<p>Die US-Regierung akzeptierte die britische Abriegelung Deutschlands in ihrer entscheidenden fr\u00fchen Phase faktisch, indem sie die rechtliche Grundsatzfrage zun\u00e4chst nicht zum Gegenstand eines diplomatischen Protestes machte; erst die Eskalation von 1915 veranlasste Washington zu einer f\u00f6rmlichen und prinzipielleren Beanstandung.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Neutral auf dem Papier, kriegswirtschaftlich im Lager der Entente: Die USA und Europas Krieg ab 1914<\/strong><\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg verwandelte die USA von einem bedeutenden Schuldnerland in die f\u00fchrende\u00a0Gl\u00e4ubiger- und Industriemacht. Der Aufschwung beruhte zun\u00e4chst auf Exporten und Krediten an die Entente, ab 1917 zus\u00e4tzlich auf massiver staatlicher R\u00fcstungsfinanzierung \u2013 mit hohen Gewinnen und Vollbesch\u00e4ftigung, aber auch mit starker Inflation und sozialen Spannungen.<\/p>\n<p>Bei Kriegsbeginn 1914 befand sich die US-Wirtschaft in einer Rezession. Danach folgte ein 44-monatiger Boom: Gro\u00dfbritannien, Frankreich und andere Alliierte kauften in den USA Nahrungsmittel, Rohstoffe, Maschinen, Stahl, Chemikalien und Waffen.<\/p>\n<p>Der amerikanische Export\u00fcberschuss lag vor 1915 gew\u00f6hnlich bei 200\u2013600 Mio. Dollar j\u00e4hrlich; 1917 und 1918 \u00fcberschritt er jeweils\u00a03 Mrd. Dollar, 1919 rund\u00a04 Mrd. Dollar.<\/p>\n<p>Die Nachfrage l\u00f6ste einen Industrieboom aus, insbesondere bei Stahl, Maschinenbau, Schiffbau, Chemie, Landwirtschaft und Munition. Mit dem Kriegseintritt im April 1917 verlagerte die US-Bundesregierung die Produktion in gro\u00dfem Umfang von zivilen auf milit\u00e4rische G\u00fcter; 1918 wurden mindestens etwa\u00a020 Prozent der gesamten nationalen Ressourcen\u00a0f\u00fcr den Krieg eingesetzt.<\/p>\n<p>Die Arbeitslosigkeit sank von\u00a07,9 Prozent auf 1,4 Prozent. Millionen wurden eingezogen, w\u00e4hrend die expandierende Industrie zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4fte verlangte. Dies beschleunigte die \u201eGreat Migration\u201c afroamerikanischer Arbeitskr\u00e4fte aus dem l\u00e4ndlichen S\u00fcden in die Industriezentren des Nordens und Mittleren Westens.<\/p>\n<p>Der Handel mit den Alliierten stieg nach einer Sch\u00e4tzung von etwa\u00a0800 Mio. auf 3 Mrd. Dollar.<\/p>\n<p>Goldzufl\u00fcsse aus Europa zur Bezahlung amerikanischer Lieferungen vergr\u00f6\u00dferten die US-Geldmenge und st\u00e4rkten die Stellung New Yorks gegen\u00fcber London als internationalem Finanzplatz.<\/p>\n<p>Die gesamten US-Kriegskosten werden auf etwa\u00a032 Mrd. Dollar, rund 52 Prozent des damaligen Bruttosozialprodukts, gesch\u00e4tzt. Zugleich nahm das Treasury etwa 23 Mrd. Dollar im Inland auf und verlieh circa 12 Mrd. Dollar an 20 ausl\u00e4ndische Staaten.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Gewinner, Inflation, Nachkriegskrise<\/strong><\/p>\n<p>Unternehmen mit R\u00fcstungs-, Stahl-, Chemie-, Schifffahrts- und Exportauftr\u00e4gen erzielten sehr hohe Gewinne. Der Staat f\u00fchrte deshalb mit dem War Revenue Act von 1917 eine \u00dcbergewinnsteuer ein: Je nach Kapitalrendite wurden \u201eexcess profits\u201c mit ungef\u00e4hr 20 bis 60 Prozent belastet.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Lohnabh\u00e4ngige waren die h\u00f6heren Einkommen dagegen nur begrenzt ein realer Gewinn. Der Verbraucherpreisindex stieg von 1915 bis 1918 um ungef\u00e4hr 50 Prozent; andere Reihen zeigen, dass sich die Verbraucherpreise \u00fcber den gesamten Kriegszeitraum etwa verdoppelten. Die Kaufkraft geriet unter Druck, Streiks und Arbeitskonflikte nahmen zu.<\/p>\n<p>Nach 1918 brach der kriegsgetriebene Nachfrageimpuls weg. Die Umstellung auf Friedensproduktion, eine restriktivere Geldpolitik und die Deflation f\u00fchrten 1920\/21 zu einer scharfen Rezession. Der Krieg hatte die USA dauerhaft zum wichtigsten internationalen Kreditgeber gemacht, hinterlie\u00df aber zugleich \u00dcberkapazit\u00e4ten, hohe private und \u00f6ffentliche Verschuldung sowie den N\u00e4hrboden f\u00fcr die sp\u00e4teren interalliierten Schuldenkonflikte.<\/p>\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg erlebten die USA zun\u00e4chst eine heftige Teuerungswelle und 1919 eine der gr\u00f6\u00dften Streikbewegungen ihrer Geschichte. Die Kombination aus auslaufender Kriegsregulierung, steigenden Lebenshaltungskosten, Demobilisierung und dem Konflikt um Gewerkschaftsmacht f\u00fchrte zu einer scharfen sozialen Krise.<\/p>\n<p><strong>Von Sarajevo nach Kiew: B\u00fcndnisse, Kriegspl\u00e4ne Aufr\u00fcstung und Wirtschaftskrieg\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>1914 l\u00f6sten starre B\u00fcndniskonstellationen \u00fcber einen lokalen Konflikt eine internationale Katastrophe aus, wobei die zehnj\u00e4hrigen Kriegsvorbereitungen (des britischen Committee for Imperial Defense seit 1904) samt der Generalstabs- und Mobilisierungspl\u00e4ne Handlungszw\u00e4nge erzeugten, die sich unmittelbar entluden.<\/p>\n<p>2026 sind es wieder starre B\u00fcndniskonstellationen wie NATO, die Ukraine-Unterst\u00fctzergruppe und bilaterale Sicherheitszusagen, die Russland sowie dessen strategischen Partnerschaften gegen\u00fcberstehen. Vor \u00fcber 10 Jahren, im September 2014, verabschiedeten die USA das Dokument \u201eWin in a Complex World 2020-2040, in dem die US-Streitkr\u00e4fte angewiesen werden, sich in diesen Dekaden darauf vorzubereiten, die von Russland und China ausgehende Bedrohung zu beenden. Ab 2015 schaffen gezielte Gro\u00dfman\u00f6ver, Truppenverlegungen, Stationierungen, Interoperabilit\u00e4t und Einsatzkonzepte politische und operative Pfadabh\u00e4ngigkeiten.<\/p>\n<p>Der Wirtschaftskrieg ist dabei keine blo\u00dfe Begleiterscheinung. Im Ersten Weltkrieg setzten die Alliierten auf die Seeblockade gegen Deutschland, w\u00e4hrend Deutschland den U-Boot-Krieg gegen britische Versorgungswege f\u00fchrte. Heute verfolgen Sanktionen, Exportkontrollen und der Kampf um Energie- und Hochtechnologie vergleichbar das Ziel, die wirtschaftliche Basis des Gegners langfristig zu schw\u00e4chen. (33)<\/p>\n<p>Der Ukrainekrieg weist Merkmale einer sich globalisierenden Gro\u00dfmachtkonfrontation auf: Blockbildung, Aufr\u00fcstung, Wirtschaftskrieg, milit\u00e4risch-technische Integration von Partnern und ein hohes Eskalationsrisiko. Wie 1914 liegt die besondere Gefahr weniger in einem einzelnen Ausl\u00f6ser als in der Verbindung von B\u00fcndnislogik, vorbereiteten milit\u00e4rischen Optionen und der schrittweisen Normalisierung immer direkterer Konfliktbeteiligung.<\/p>\n<p>Heute machen Drohnenaufkl\u00e4rung, Satellitenbilder und digital vernetzte Feuerf\u00fchrung gro\u00dfe Truppenkonzentrationen schneller sichtbar und verwundbar. Das tr\u00e4gt zu Abnutzung, befestigten Fronten und einem hohen Munitionsverbrauch bei, ersetzt aber nicht einfach den Stellungskrieg von 1914\u20131918.<\/p>\n<p>In der aktuellen Ukraine-Konfrontation ist die\u00a0City of London\u00a0 ein Knotenpunkt f\u00fcr Sanktionen, Zahlungsverkehr, Versicherungen, Energiehandel, Kapitalmobilisierung und den Wiederaufbau.\u00a0JPMorgan Chase\u00a0ist dabei nicht mehr der zentrale staatliche Finanzierer, kann aber als Gro\u00dfbank und Berater bei der Mobilisierung privaten Kapitals f\u00fcr den Wiederaufbau eine gewichtige Rolle spielen. (34)<\/p>\n<p>Nach Kriegsbeginn 1914 fundierte J. P. Morgan &amp; Co. als Beschaffungs- und Kreditvermittler f\u00fcr London und Paris. 2026 ist JPMorgan Chase ist ein globaler Kapitalmarktakteur; seine Rolle liegt eher bei Beratung, Finanzierung und Investitionsmobilisierung als in einem exklusiven staatlichen Beschaffungsmonopol<\/p>\n<p>Die st\u00e4rkste Parallele liegt nicht in einer Gleichsetzung der Akteure, sondern in der\u00a0Eskalationslogik: Ein regionaler Konflikt wird durch B\u00fcndnisbindungen, milit\u00e4rische Planung, R\u00fcstungsintegration und wirtschaftliche Verflechtung zu einer Auseinandersetzung mit Gro\u00dfmachtdimension. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass die Gegenwart durch nukleare Abschreckung, institutionalisierte Kommandostrukturen und globale Informations- sowie Finanzsysteme gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p>1914 verwandelte ein B\u00fcndnisgeflecht einen regionalen Krieg in einen europ\u00e4ischen und schlie\u00dflich globalen Krieg. Heute erzeugt ein dichteres, technisch integriertes und nuklear abgesichertes Geflecht aus NATO, Partnerkoalitionen, Sicherheitszusagen und Wirtschaftskrieg keine automatische Weltkriegsdynamik \u2013 aber ein dauerhaftes Risiko schrittweiser Eskalation.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>JPMorgan setzt auf London: Ein Megahauptsitz als Signal f\u00fcr den Finanzplatz im Zeitalter von Sanktionen, Aufr\u00fcstung und Wiederaufbau<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>J.P. Morgan investiert in die dauerhafte F\u00e4higkeit, im europ\u00e4ischen Finanzraum gro\u00dfe Kapital-, Risiko-, Zahlungs- und Beratungsstr\u00f6me zu organisieren. In einer Zeit von Sanktionen, R\u00fcstungsfinanzierung, Energie- und Handelskonflikten sowie erwarteten Wiederaufbauprojekten in der Ukraine ist dies wirtschaftlich und geopolitisch relevant \u2013 ohne dass daraus eine direkte Urs\u00e4chlichkeit zum Krieg abgeleitet werden kann.<\/p>\n<p>Britische Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine umfasst neben Milit\u00e4rhilfe auch Budget-, Weltbank- und Exportfinanzierung; parallel versucht der Londoner Kapitalmarkt, private Mittel f\u00fcr den Wiederaufbau zu mobilisieren, etwa durch den im M\u00e4rz 2026 an der London Stock Exchange gelisteten Ukraine-Reconstruction-ETF. (35)<\/p>\n<p>JPMorgan Chase hat den Bau eines neuen britischen Hauptsitzes auf dem Riverside-South-Grundst\u00fcck in Canary Wharf \u2013 ca. 5 Kilometer \u00f6stlich des Zentrums der City of London \u2013 angek\u00fcndigt.\u00a0<\/p>\n<p>Vorgesehen sind etwa 280.000 Quadratmeter beziehungsweise drei Millionen Quadratfu\u00df B\u00fcrofl\u00e4che f\u00fcr bis zu 12.000 Besch\u00e4ftigte. Mit rund 265 Metern H\u00f6he k\u00f6nnte der Turm der h\u00f6chste in Canary Wharf werden. Das Projekt wird auf etwa drei Milliarden Pfund veranschlagt, von Foster + Partners entworfen und soll nach dem Genehmigungsprozess rund sechs Jahre Bauzeit ben\u00f6tigen. (36)<\/p>\n<p>Dieses Bauwerk ist als ein langfristiges Standort-, Infrastruktur- und Machtsignal zu verstehen: Die Bank bindet einen bedeutenden Teil ihres europ\u00e4ischen Gesch\u00e4fts dauerhaft an London und setzt auf die Zukunft des britischen Finanzplatzes trotz Brexit, geopolitischer Unsicherheit und der Debatte \u00fcber das Ende gro\u00dfer B\u00fcrozentren. (37)\u00a0<\/p>\n<p>So schlie\u00dft sich der Kreis: Was im 19. Jahrhundert als privater Kreditkanal zwischen London und den Vereinigten Staaten begann, steht heute als gl\u00e4serner Turm in Canary Wharf vor Augen. Die Achse City of London-Wall Street ist keine historische Fu\u00dfnote, sondern eine fortwirkende Machtstruktur.<\/p>\n<p>Ihr eigentlicher Skandal liegt nicht allein in ihrer Gr\u00f6\u00dfe, sondern in ihrer Anreizordnung: Krieg erscheint dort nicht mehr als politische Katastrophe, die um jeden Preis zu verhindern w\u00e4re, sondern als kalkulierbares Gesch\u00e4ft mit Risiken, Renditen und Anschlussauftr\u00e4gen. Wo Zerst\u00f6rung bilanziell verwertbar wird, verliert der Frieden seinen Vorrang.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<h3 id=\"anmerkungen-und-quellen\">Anmerkungen und Quellen\u00a0<\/h3>\n<p>Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei\u00a0der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete\u00a0&#8222;atomare Gefechtsfeld&#8220; in Europa. Nach zw\u00f6lfj\u00e4hriger Dienstzeit\u00a0studierte er in M\u00fcnchen Politikwissenschaft sowie H\u00f6heres Lehramt\u00a0(Bauwesen\/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule f\u00fcr\u00a0Bautechnik. Seitdem publiziert er zur j\u00fcngeren deutschen Geschichte und\u00a0zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: \u201eSchwarzbuch EU &amp; NATO\u201c\u00a0(2020), &#8222;Die untersch\u00e4tzte Macht&#8220; (2022), &#8222;Vom Krieg zur Weltordnung&#8220; (2026).<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>1) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/J._S._Morgan_%26_Co.?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/J._S._Morgan_%26_Co.<\/u><\/a><\/p>\n<p>2) J. P. Morgan, Jahrgang 1837 und damit im wehrpflichtigen Alter, nahm nicht am Krieg teil. Nach dem Enrollment Act von 1863 konnte ein Eingezogener zun\u00e4chst entweder eine\u00a0Commutation Fee von 300 Dollar\u00a0zahlen oder einen Ersatzmann stellen.<\/p>\n<p>3) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.fool.com\/investing\/general\/2015\/06\/27\/how-jp-morgan-built-his-net-worth.aspx?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.fool.com\/investing\/general\/2015\/06\/27\/how-jp-morgan-built-his-net-worth.aspx<\/u><\/a><\/p>\n<p>4) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/academic.oup.com\/book\/11202\/chapter\/159696559?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/academic.oup.com\/book\/11202\/chapter\/159696559<\/u><\/a><\/p>\n<p>5) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.docutren.com\/historiaferroviaria\/Semmering2004\/pdf\/01.pdf?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.docutren.com\/historiaferroviaria\/Semmering2004\/pdf\/01.pdf<\/u><\/a><\/p>\n<p>6) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/baringarchive.org.uk\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Yousseff-Cassis-Baring-Brothers-A-London-Merchant-Bank-in-historical-and-comparative-perspective.pdf?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/baringarchive.org.uk\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Yousseff-Cassis-Baring-Brothers-A-London-Merchant-Bank-in-historical-and-comparative-perspective.pdf<\/u><\/a><\/p>\n<p>7) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/academic.oup.com\/book\/5233\/chapter\/147915094?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/academic.oup.com\/book\/5233\/chapter\/147915094<\/u><\/a><\/p>\n<p>8) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/academic.oup.com\/book\/11202\/chapter\/159696559?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/academic.oup.com\/book\/11202\/chapter\/159696559<\/u><\/a><\/p>\n<p>9) Vgl. Lance E. Davis und Robert E. Gallman: Evolving Financal Markets and International Capital Flows Britain, the Americans, and Australia, 1865-1914 (2001)<\/p>\n<p>10) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.ggarchives.com\/SteamshipLines\/IMM\/index.html?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.ggarchives.com\/SteamshipLines\/IMM\/index.html<\/u><\/a><\/p>\n<p>11) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/titanichistoricalsociety.org\/international-mercantile-marine-company\/?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/titanichistoricalsociety.org\/international-mercantile-marine-company\/<\/u><\/a><\/p>\n<p>12) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/digitalcommons.usf.edu\/cgi\/viewcontent.cgi?article=9538&amp;context=etd&amp;ref=apolut.net\"><u>https:\/\/digitalcommons.usf.edu\/cgi\/viewcontent.cgi?article=9538&amp;context=etd<\/u><\/a><\/p>\n<p>13) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/www.rms-republic.com\/reference\/13_Original_Ownership_Interests.pdf?ref=apolut.net\"><u>http:\/\/www.rms-republic.com\/reference\/13_Original_Ownership_Interests.pdf<\/u><\/a><\/p>\n<p>14) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/089581d0?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.nature.com\/articles\/089581d0<\/u><\/a><\/p>\n<p>15)<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/White_Star_Line?ref=apolut.net\"> <u>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/White_Star_Line<\/u><\/a><\/p>\n<p>16) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/digitalcommons.usf.edu\/cgi\/viewcontent.cgi?article=9538&amp;context=etd&amp;ref=apolut.net\"><u>https:\/\/digitalcommons.usf.edu\/cgi\/viewcontent.cgi?article=9538&amp;context=etd<\/u><\/a><\/p>\n<p>17) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/1926\/11\/28\/archives\/white-star-bought-by-the-royal-mail-for-34000000-announcement-in.html?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.nytimes.com\/1926\/11\/28\/archives\/white-star-bought-by-the-royal-mail-for-34000000-announcement-in.html<\/u><\/a><\/p>\n<p>18) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.jpmorgan.com\/GB\/en\/about-us?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.jpmorgan.com\/GB\/en\/about-us<\/u><\/a><\/p>\n<p>19) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/encyclopedia.1914-1918-online.net\/article\/house-of-morgan\/?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/encyclopedia.1914-1918-online.net\/article\/house-of-morgan\/<\/u><\/a><\/p>\n<p>20) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/fraser.stlouisfed.org\/files\/docs\/publications\/books\/intallydebt_fisk_1924.pdf?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/fraser.stlouisfed.org\/files\/docs\/publications\/books\/intallydebt_fisk_1924.pdf<\/u><\/a><\/p>\n<p>21) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.jpmorgan.com\/GB\/en\/about-us?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.jpmorgan.com\/GB\/en\/about-us<\/u><\/a><\/p>\n<p>22) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1918Russiav03\/d36?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1918Russiav03\/d36<\/u><\/a><\/p>\n<p>23) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/encyclopedia.1914-1918-online.net\/article\/house-of-morgan\/?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/encyclopedia.1914-1918-online.net\/article\/house-of-morgan\/<\/u><\/a><\/p>\n<p>24) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.archives.gov\/exhibits\/eyewitness\/html.php?section=18&amp;ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.archives.gov\/exhibits\/eyewitness\/html.php?section=18<\/u><\/a><\/p>\n<p>25) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1914-20v01\/d384?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1914-20v01\/d384<\/u><\/a><\/p>\n<p>26) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/encyclopedia.1914-1918-online.net\/article\/lusitania-sinking-of-1-1\/?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/encyclopedia.1914-1918-online.net\/article\/lusitania-sinking-of-1-1\/<\/u><\/a><\/p>\n<p>27) Wolfgang Effenberger\/Konrad L\u00f6w: pax americana Die Geschichte einer Weltmacht von ihren angels\u00e4chsischen Wurzeln bis heute. M\u00fcnchen 2004, S. 230<\/p>\n<p>28) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.history.navy.mil\/research\/publications\/documentary-histories\/wwi\/1914\/ttl-president-woodro.html?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.history.navy.mil\/research\/publications\/documentary-histories\/wwi\/1914\/ttl-president-woodro.html<\/u><\/a><\/p>\n<p>29) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.history.navy.mil\/research\/publications\/documentary-histories\/wwi\/1914\/ttl-president-woodro.html?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.history.navy.mil\/research\/publications\/documentary-histories\/wwi\/1914\/ttl-president-woodro.html<\/u><\/a><\/p>\n<p>30) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.history.navy.mil\/research\/publications\/documentary-histories\/wwi\/1914\/ttl-president-woodro.html?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.history.navy.mil\/research\/publications\/documentary-histories\/wwi\/1914\/ttl-president-woodro.html<\/u><\/a><\/p>\n<p>31) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1914Supp\/d422?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1914Supp\/d422<\/u><\/a><\/p>\n<p>32) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1916Supp\/d1?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1916Supp\/d1<\/u><\/a><\/p>\n<p>33) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/ora.ox.ac.uk\/objects\/uuid:7447b96b-d30d-44a7-9aa4-db332ed4810c\/files\/srr1720497?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/ora.ox.ac.uk\/objects\/uuid:7447b96b-d30d-44a7-9aa4-db332ed4810c\/files\/srr1720497<\/u><\/a><\/p>\n<p>34) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/uk-support-to-ukraine-factsheet\/uk-support-to-ukraine-factsheet?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/uk-support-to-ukraine-factsheet\/uk-support-to-ukraine-factsheet<\/u><\/a><\/p>\n<p>35) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/uk-support-to-ukraine-factsheet\/uk-support-to-ukraine-factsheet?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/uk-support-to-ukraine-factsheet\/uk-support-to-ukraine-factsheet<\/u><\/a><\/p>\n<p>36)<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/business\/2026\/apr\/07\/jp-morgan-clears-hurdle-canary-wharf-tallest-tower-london-city-airport?ref=apolut.net\"> <u>https:\/\/www.theguardian.com\/business\/2026\/apr\/07\/jp-morgan-clears-hurdle-canary-wharf-tallest-tower-london-city-airport<\/u><\/a><\/p>\n<p>37) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/finance\/jpmorgan-build-huge-new-uk-hq-canary-wharf-2025-11-27\/?ref=apolut.net\"><u>https:\/\/www.reuters.com\/business\/finance\/jpmorgan-build-huge-new-uk-hq-canary-wharf-2025-11-27\/<\/u><\/a><\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: J.P. Morgan Building in London<br \/>Bildquelle: William Barton \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Morgan-Netz im 21. Jahrhundert\u00a0 Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger. George Peabody und Junius Morgan schufen \u201eWeltregierung\u201c des Kapitals\u00a0 Die Londoner Peabody-Bank war ein fr\u00fcher institutioneller Transmissionsriemen zwischen dem City-Kapital und dem rasch industrialisierten US-Finanzmarkt. 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