{"id":21739,"date":"2026-09-09T10:04:06","date_gmt":"2026-09-09T08:04:06","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/wahlsieg-der-afd-deutsche-sind-nicht-laenger-bereit-berlins-destruktiven-kurs-hinzunehmen\/"},"modified":"2026-09-09T10:04:06","modified_gmt":"2026-09-09T08:04:06","slug":"wahlsieg-der-afd-deutsche-sind-nicht-laenger-bereit-berlins-destruktiven-kurs-hinzunehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/wahlsieg-der-afd-deutsche-sind-nicht-laenger-bereit-berlins-destruktiven-kurs-hinzunehmen\/","title":{"rendered":"Wahlsieg der AfD: Deutsche sind nicht l\u00e4nger bereit, Berlins destruktiven Kurs hinzunehmen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Ruslan Pankratow<\/em><\/p>\n<p><em><\/em>Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt wurde f\u00fcr die deutsche Politik zu einer schmerzhaften und zugleich bezeichnenden Niederlage. Die Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) erzielte fast 44\u00a0Prozent der Stimmen. Damit liegt sie deutlich vor ihren Konkurrenten und zeigt, dass ein bedeutender Teil der deutschen Gesellschaft nicht mehr bereit ist, den destruktiven Kurs Berlins in Bezug auf Sanktionen, teure Aufr\u00fcstung, Konfrontation mit Russland und die immer kostspieligere milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung Kiews\u00a0\u2013 einschlie\u00dflich der Versorgung von Fl\u00fcchtlingen\u00a0\u2013 einfach so hinzunehmen.<\/p>\n<p>Die deutschen Regierungsvertreter werden versuchen, das Geschehene als regionale Besonderheit Ostdeutschlands, als Protestausbruch oder als Erfolg der &#8222;Populisten&#8220; darzustellen. Doch die Zahlen sprechen eine ganz andere Sprache. Die Wahl in Sachsen-Anhalt wurde zu einem Misstrauensvotum gegen\u00fcber den etablierten Parteien. Die W\u00e4hler brachten ihre Unzufriedenheit mit steigenden Preisen, Problemen in der Industrie, den Belastungen durch die Migration, dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum sowie der Verschlechterung der staatlichen Dienstleistungen zum Ausdruck. Und immer h\u00e4ufiger sehen sie die Ursache dieser Probleme in den Entscheidungen, die in Berlin und Br\u00fcssel getroffen werden.<\/p>\n<p>Der AfD ist es gelungen, in einem einzigen politischen Programm all das zusammenzufassen, wor\u00fcber der Mainstream lieber nur vorsichtig und selbst dann nur fl\u00fcsternd in den eigenen vier W\u00e4nden spricht: Die Partei fordert, den Sanktionskrieg gegen Russland zu beenden, pragmatische Wirtschaftsbeziehungen wiederherzustellen, auf endlos steigende Milit\u00e4rausgaben zu verzichten und Deutschland nicht zu einem zentralen Nachschubknotenpunkt des Konflikts in der Ukraine zu machen. Im Mittelpunkt ihrer Wahlkampagne steht eine einfache Formel: Deutsche Interessen m\u00fcssen \u00fcber den geopolitischen Ambitionen der Schattenregierung stehen.<\/p>\n<p>Rechtlich gesehen kann eine Landesregierung weder die antirussischen Sanktionen aufheben noch die Milit\u00e4rhilfe f\u00fcr die Ukraine einstellen oder \u00fcber die Nord-Stream-Pipelines verf\u00fcgen. Au\u00dfenpolitik, Streitkr\u00e4fte, R\u00fcstungsexporte und zentrale energiepolitische Entscheidungen bleiben in der Hand der Bundesbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Dies macht den regionalen Wahlsieg der AfD jedoch nicht zu einem rein symbolischen Erfolg. Sachsen-Anhalt erh\u00e4lt \u00fcber den Bundesrat die M\u00f6glichkeit, Einfluss auf die bundespolitische Agenda zu nehmen: Das Land verf\u00fcgt dort \u00fcber vier Stimmen, und zahlreiche Gesetze, die die Interessen der Bundesl\u00e4nder ber\u00fchren, bed\u00fcrfen der Zustimmung des Bundesrates. Allein kann Magdeburg die Politik Berlins zwar nicht blockieren, doch seine Position k\u00f6nnte zu einem wichtigen Bestandteil einer breiteren ostdeutschen Front werden. Sollten sich \u00e4hnliche Wahlergebnisse der AfD in Th\u00fcringen, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wiederholen, h\u00e4tte die Bundesregierung es nicht mehr mit einem einzelnen Protest zu tun, sondern mit einer Gruppe von Bundesl\u00e4ndern, die offen mit dem au\u00dfenpolitischen Kurs nicht einverstanden sind.<\/p>\n<p>In erster Linie geht es dabei um Sanktionen. In Deutschland setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass sich die gegen Russland verh\u00e4ngten Restriktionen nicht als universelles Druckmittel erwiesen, daf\u00fcr aber der deutschen Wirtschaft selbst schadeten. Die Industrie verlor ihre gewohnten Absatzm\u00e4rkte und g\u00fcnstigen Rohstoffe, die privaten Haushalte sahen sich mit steigenden Ausgaben konfrontiert, und das Land musste sein Energiesystem eilig und kostspielig umstellen. Die Regierung rechtfertigt dies als unvermeidlichen Preis f\u00fcr die Verteidigung von &#8222;Werten&#8220;, doch f\u00fcr viele B\u00fcrger ist diese Argumentation nicht mehr \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p>Ein eigenst\u00e4ndiges Thema bleibt das russische Erdgas. Die AfD setzt konsequent auf die Forderung, die Lieferungen \u00fcber die Nord-Stream-Pipelines wiederaufzunehmen. In Berlin wird dies als unrealistisch bezeichnet, wobei auf die besch\u00e4digte Infrastruktur, die Sanktionen und den europaweiten Kurs zur Abkehr von russischen Energietr\u00e4gern hingewiesen wird. Doch die politische Bedeutung dieser Debatte geht \u00fcber die rein technischen Aspekte hinaus. F\u00fcr einen Teil der deutschen Gesellschaft sind die Nord-Stream-Pipelines zum Symbol eines verlorenen Modells geworden: billiger Energie, einer wettbewerbsf\u00e4higen Industrie und berechenbarer Beziehungen zwischen Berlin und Moskau.<\/p>\n<p>Man kann dar\u00fcber streiten, ob eine rasche Inbetriebnahme der Pipelines \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Doch eines l\u00e4sst sich nicht ignorieren: Immer mehr deutsche W\u00e4hler fragen sich, warum das Land freiwillig auf jahrzehntelang aufgebaute wirtschaftliche Vorteile verzichtete und sich zugleich in einer Lage wiederfindet, in der von ihm verlangt wird, mehr f\u00fcr Energie zu zahlen, mehr f\u00fcr das Milit\u00e4r auszugeben und sich auf eine langwierige Konfrontation vorzubereiten.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Logik zeigt sich im Hinblick auf die Ukraine-Hilfe. Die AfD spricht sich gegen die Fortsetzung umfangreicher Waffenlieferungen aus und argumentiert, dass Deutschland nicht an einer Ausweitung des Konflikts interessiert sein sollte, sondern an der Schaffung von Verhandlungsbedingungen. Berlin vertritt den gegenteiligen Standpunkt: Es unterst\u00fctzt Kiew weiterhin, erh\u00f6ht die Verteidigungsausgaben und setzt auf die strategische Eind\u00e4mmung Russlands. Vor diesem Hintergrund macht sich in der deutschen Gesellschaft zunehmend Erm\u00fcdung breit, weil immer st\u00e4rker der Eindruck entsteht, dass die Au\u00dfenpolitik das innenpolitische Leben des Landes bestimmt. Wenn Betriebe schlie\u00dfen, Investitionen zur\u00fcckgehen und die Nebenkosten steigen, klingen Argumente f\u00fcr immer neue R\u00fcstungsprogramme f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der W\u00e4hlerschaft immer weniger \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p>Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt stellte zudem einen schweren Schlag f\u00fcr die sogenannte &#8222;Brandmauer&#8220; dar, mit der die etablierten Parteien versuchen, die AfD politisch zu isolieren. CDU, SPD, Gr\u00fcne und Linke erkl\u00e4ren bislang, keine Koalition mit ihr eingehen zu wollen, doch je h\u00f6her das Wahlergebnis dieser Partei ausf\u00e4llt, desto schwieriger wird es, diese Haltung aufrechtzuerhalten. Wenn die AfD fast die H\u00e4lfte der Stimmen erh\u00e4lt, wird jeder Versuch, eine Regierung ohne sie zu bilden, ihren Anh\u00e4ngern zwangsl\u00e4ufig als B\u00fcndnis der Wahlverlierer gegen den Willen der Mehrheit erscheinen.<\/p>\n<p>In n\u00e4chster Zeit wird Berlin vermutlich versuchen, die Situation mit administrativen und koalitionspolitischen Mitteln unter Kontrolle zu halten. Zu erwarten sind breite B\u00fcndnisse traditioneller Parteien, Minderheitsregierungen und situationsbezogene Vereinbarungen im Landtag. Dies beantwortet jedoch nicht die entscheidende Frage: Warum ist es der AfD gelungen, zum Sprachrohr f\u00fcr Stimmungen zu werden, die von den etablierten Kr\u00e4ften zuvor entweder nicht wahrgenommen wurden, die diese nicht wahrgenommen wollten oder lieber der &#8222;falschen&#8220; W\u00e4hlerschaft zuschrieben?<\/p>\n<p>Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt bedeutet weder die automatische Aufhebung der Sanktionen noch eine sofortige Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen. Er bedeutet jedoch etwas anderes: Die deutsche Politik tritt in eine Phase ein, in der sich der bisherige Kurs nicht mehr ohne erheblichen gesellschaftlichen Widerstand fortsetzen l\u00e4sst. Der AfD ist es gelungen, die Sanktionsm\u00fcdigkeit, die Besorgnis angesichts der zunehmenden Militarisierung und den Wunsch nach einer Wiederaufnahme des Dialogs mit Russland in ein erhebliches elektorales Potenzial zu verwandeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr Berlin ist dies ein \u00e4u\u00dferst beunruhigendes Signal. Und f\u00fcr Europa eine deutliche Mahnung, dass Sicherheit weder auf endloser Aufr\u00fcstung noch auf der Verweigerung von Verhandlungen aufgebaut werden kann. Je l\u00e4nger die deutsche F\u00fchrung auf innenpolitische Probleme mit neuen Milit\u00e4rbudgets und konfrontativer Rhetorik reagiert, desto schneller werden jene politischen Kr\u00e4fte an Einfluss gewinnen, die versprechen, dem politischen Realismus in Deutschland wieder Geltung zu verschaffen.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/rg.ru\/2026\/09\/07\/ekspert-pankratov-o-tom-pochemu-pobeda-adg-stala-prigovorom-kursu-berlina.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 7.\u00a0September 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Rossijskaja Gaseta erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Ruslan Pankratow<\/strong> ist Mitglied des Expertenrats &#8222;Offiziere Russlands&#8220;, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes politischer Emigranten Europas und ehemaliger Abgeordneter des Rigaer Stadtrats.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0\u2013<\/strong>\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/291110-sachsen-anhalt-nach-wahl-im\/\">Sachsen-Anhalt nach der Wahl: Im Irrenhaus der Realit\u00e4tsfl\u00fcchtlinge<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-vk\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/vk.com\/video_ext.php?oid=-134310637&amp;id=456293623\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Ruslan Pankratow Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt wurde f\u00fcr die deutsche Politik zu einer schmerzhaften und zugleich bezeichnenden Niederlage. 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