{"id":21933,"date":"2026-09-10T12:03:45","date_gmt":"2026-09-10T10:03:45","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/afd-sieg-43-8-prozent-und-jetzt-von-janine-beicht\/"},"modified":"2026-09-10T12:03:45","modified_gmt":"2026-09-10T10:03:45","slug":"afd-sieg-43-8-prozent-und-jetzt-von-janine-beicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/afd-sieg-43-8-prozent-und-jetzt-von-janine-beicht\/","title":{"rendered":"AfD-Sieg:\u00a043,8 Prozent \u2013 und\u00a0jetzt? | Von Janine Beicht"},"content":{"rendered":"<div><!--kg-card-begin: html--><br \/>\n<iframe title=\"AfD-Sieg:\u00a043,8 Prozent \u2013 und\u00a0jetzt? | Von Janine Beicht\" width=\"560\" height=\"418\" src=\"https:\/\/tube4.apolut.net\/videos\/embed\/uA9cvnMNG6gEueBJTzXB85\" allow=\"fullscreen\" sandbox=\"allow-same-origin allow-scripts allow-popups allow-forms\" sstyle=\"border-radius: 8px\"><\/iframe><br \/>\n<!--kg-card-end: html--><\/p>\n<div class=\"kg-card kg-audio-card\"><audio src=\"https:\/\/apolut.net\/content\/media\/2026\/09\/tagesdosis-20260910-apolut.mp3\" preload=\"metadata\" controls><\/audio><\/div>\n<p><strong>Machtpoker in Sachsen-Anhalt: Der gef\u00e4hrliche Kollaps der Brandmauer-Strategie<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das historische Rekordergebnis im Osten zwingt die etablierten Parteien in eine verheerende Sackgasse. W\u00e4hrend die CDU ein historisches Debakel erlebt, treibt das k\u00fcnstliche Abgrenzungsdogma den Landtag direkt in die parlamentarische L\u00e4hmung. Ein Blick auf die neue Arithmetik zeigt unbarmherzig, wie die verweigerte Realit\u00e4t das eigene System zertr\u00fcmmert.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Kommentar von\u00a0<strong>Janine Beicht<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Sachsen-Anhalt hat am 6. September 2026 nicht blo\u00df eine Landesregierung abgew\u00e4hlt. Es hat die Behauptung widerlegt, man k\u00f6nne eine Politik von Rekordmigration, teurer Energie und aufgebl\u00e4htem Staat dauerhaft gegen das Lebensgef\u00fchl einer Mehrheit durchhalten und das Ergebnis danach als Kommunikationsproblem verbuchen.<\/p>\n<p>Damit ersch\u00fcttert ein historischer Epochenbruch das politische Gef\u00fcge der Altparteien: Die AfD erreicht bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt unter F\u00fchrung ihres Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund mit 43,8 Prozent der Stimmen ein Rekordergebnis und wird mit 39 Mandaten die mit Abstand st\u00e4rkste Fraktion.<\/p>\n<p>Die CDU unter Ministerpr\u00e4sident Sven Schulze erlebt hingegen ein historisches Desaster, halbiert ihren W\u00e4hleranteil auf nur noch 17,2 Prozent und sichert sich lediglich 15 Sitze im Magdeburger Landtag. Je 8 Abgeordnete entfallen auf die SPD, die Gr\u00fcnen sowie Die Linke, w\u00e4hrend das B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 5,3 Prozent und 5 Sitzen neu in das Parlament einzieht. Die FDP scheitert mit 2,6 Prozent deutlich an der F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde und scheidet aus der Regierung aus (1).<\/p>\n<p>In einer von hysterischen Zwischenrufen und gegenseitigen Schuldzuweisungen begleiteten Generaldebatte am Mittwoch im Deutschen Bundestag (2) attackiert Bundeskanzler Friedrich Merz die AfD scharf als<em> \u201edestruktive Kraft\u201c <\/em>und wirft ihr unverhohlen die Planung <em>\u201eethnischer S\u00e4uberungen\u201c <\/em>unter dem Deckmantel der Remigration vor. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel kontert den Vorsto\u00df im Plenarsaal frontal, bezeichnet die schwarz-rote Bundesregierung als gescheitertes <em>\u201eWeiter-so-Gewurstel\u201c<\/em> und bescheinigt den etablierten Parteien die absolute Demontage an der Basis (2):<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn Sachsen-Anhalt haben die B\u00fcrger Sie nicht nur abgestraft, sondern Ihre Partei, die CDU, pulverisiert.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese radikale Abrechnung verdeutlicht, wie tief der Graben zwischen den Regierungsparteien in Berlin inzwischen geworden ist. W\u00e4hrend das Establishment im Bund versucht, das Wahlergebnis rhetorisch zu isolieren und den Reformkurs stur zu verteidigen, verlagert sich die politische Realit\u00e4t unaufhaltsam in Richtung einer parlamentarischen Dauerblockade. Der erdrutschartige Stimmungswandel l\u00e4sst den etablierten Kr\u00e4ften kaum mehr Spielraum f\u00fcr gewohnte Machtoptionen.<\/p>\n<p><strong>Angela Merkels Realit\u00e4tsverlust und die Entlarvung des Nudging-Staates<\/strong><\/p>\n<p>Auf der K\u00f6lner Digitalmesse \u201eDigital X\u201c (3) zeigt sich die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel pl\u00f6tzlich zutiefst entsetzt \u00fcber das Wahlergebnis, spricht von einem tiefen historischen Einschnitt und beklagt eine zivilisatorische Fehlentwicklung, bei der das subjektive W\u00e4hlergef\u00fchl die wissenschaftliche Evidenz verdr\u00e4nge (4).<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch sag mal, man sieht in den Tagen vorher die Umfragen, aber wenn man es dann schwarz auf wei\u00df hat an so einem Sonntagabend, dann ist das einfach schockierend.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend angebliche Wirtschaftsdaten und Statistiken eine sinkende Arbeitslosigkeit sowie Wohlstandsgewinne in Sachsen-Anhalt belegten, habe AfD-Spitzenkandidat Siegmund im Wahlkampf schlicht entgegnet, dass dies von der Bev\u00f6lkerung nicht so gef\u00fchlt werde. Dass ausgerechnet jene Politikerin nun die Vorherrschaft der reinen Fakten anmahnt, die ab 2014 im Bundeskanzleramt eine verhaltenswissenschaftliche Spezialeinheit zur psychologischen B\u00fcrgersteuerung einrichten lie\u00df, offenbart die doppelte Moral des alten Establishments.<\/p>\n<p>Das gezielte sogenannte \u201eNudging\u201c unter Anleitung des US-\u00d6konomen Cass Sunstein sollte das Verhalten der Bev\u00f6lkerung ohne formale Gesetze ver\u00e4ndern und nutzte systematisch Emotionen zur subtilen Regierungsf\u00fchrung. Wenn die politische Elite die Befindlichkeiten der Menschen jedoch jahrelang als Steuerungsinstrument missbraucht, darf sie sich nicht wundern, wenn dieses Instrument am Ende gegen sie gewendet wird. Pl\u00f6tzlich r\u00fcckt Merkel in ihren \u00c4u\u00dferungen selbst vom Begriff der Brandmauer ab, nennt diesen eine untaugliche Abgrenzungsstrategie und fordert von den Parteien eine harte inhaltliche Auseinandersetzung. Ihre pers\u00f6nliche Betroffenheit bringt sie dabei gewohnt emotional zum Ausdruck (4):<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eMir als CDU-Mitglied blutet das Herz, das muss ich wirklich sagen.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Doch dieser emotionale Appell legt vor allem offen, wie wenig die politische F\u00fchrung die realen Ursachen des Vertrauensverlusts verstanden hat. Statt eigener inhaltlicher Vers\u00e4umnisse in den Bereichen Migration, Bildung und Infrastruktur wird die Verantwortung f\u00fcr den Machtverlust indirekt auf das Fehlen einer funktionierenden B\u00fcrgeransprache oder auf falsche W\u00e4hlerwahrnehmungen abgew\u00e4lzt. Damit offenbart sich eine erstaunliche Entkopplung der politischen Elite von den realen Alltagserfahrungen der B\u00fcrger.<\/p>\n<p><strong>Verfahrenstricks, Gesch\u00e4ftsordnungen und die Kanzler-Ablenkung<\/strong><\/p>\n<p>In Magdeburg beginnen unterdessen die verfassungsrechtlichen Fristenl\u00e4ufe, da sich das neu gew\u00e4hlte Parlament laut Landesverfassung innerhalb von 30 Tagen konstituieren muss (6). Anders als im benachbarten Th\u00fcringen wird die Er\u00f6ffnungssitzung nicht vom \u00e4ltesten, sondern vom dienst\u00e4ltesten Abgeordneten geleitet, weshalb die AfD trotz ihres Wahlsieges die Rolle der Parlamentsleitung in der ersten Sitzung nicht beanspruchen kann. Voraussichtlich f\u00e4llt dieser Posten an Eva von Angern von der Linken (7), ausgerechnet die Frau, die sich weigerte, Ulrich Siegmund die Hand zu sch\u00fctteln (8).<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIch habe selbstverst\u00e4ndlich Herrn Sigmund die Hand verwehrt.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Um eine verfahrensrechtliche Dominanz der st\u00e4rksten Fraktion zu verhindern, \u00e4nderten die Altparteien bereits im April vorsorglich die Gesch\u00e4ftsordnung des Landtags. Das Vorschlagsrecht f\u00fcr das Amt des Landtagspr\u00e4sidenten steht der AfD nun nur noch im ersten Wahlgang exklusiv zu; erreicht ihr Kandidat keine Mehrheit, d\u00fcrfen ab dem zweiten Wahlgang alle Fraktionen eigene Kandidaten benennen (9). Zudem entf\u00e4llt das Anrecht der st\u00e4rksten Fraktion auf einen zus\u00e4tzlichen Vizepr\u00e4sidenten, w\u00e4hrend die Gesamtzahl der Stellvertreter flexibel auf<em> \u201ebis zu drei\u201c <\/em>reduziert wurde. Die Fraktionen nennen es \u201eDemokratie st\u00e4rken\u201c. Auf der offiziellen Seite steht:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDer vorliegende Gesetzentwurf verfolge das Ziel, die Arbeitsf\u00e4higkeit der Organe des freiheitlich-demokratischen Verfassungsstaats Sachsen-Anhalt auch unter den Bedingungen einer zunehmenden Fragmentierung und Polarisierung im politischen System des Landes zu gew\u00e4hrleisten. Anpassungen sind beispielsweise in der Gesch\u00e4ftsordnung des Landtags und beim Landesverfassungsgericht vorgesehen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Dem Land droht eine gef\u00e4hrliche administrative L\u00e4hmung: Da die Landesverfassung keine starre Frist f\u00fcr die Wahl eines Regierungschefs vorschreibt, k\u00f6nnte das gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Kabinett unter Sven Schulze auf unbestimmte Zeit im Amt bleiben. Dies f\u00fchrt zu einer verfassungsrechtlichen \u201eVersteinerung\u201c, bei der vakante Ministerposten nicht mehr neu besetzt werden k\u00f6nnen und politische Initiativen blockiert sind.<\/p>\n<p>Parallel dazu nutzt Bundeskanzler Friedrich Merz die Debatten im Bund zur gezielten Ablenkung von den eigenen wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen, indem er auf ein angebliches Wirtschaftswachstum verweist und die Opposition pauschal als Sicherheitsrisiko darstellt (2).<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eSie wollen unser Land destabilisieren.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die Blockade der Altparteien und der Pragmatismus des BSW<\/strong><\/p>\n<p>Die Vertreter des bisherigen Parteien-Etablissements verweigern stur jede demokratische Einsicht in die neuen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse. SPD, Gr\u00fcne und Die Linke wiesen die offiziellen Gespr\u00e4chsangebote der AfD-Fraktion umgehend und ohne Bedingungen zur\u00fcck (10). Die Gr\u00fcnen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz nannte Verhandlungen mit der AfD \u00f6ffentlich absurd (11).<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eEs ist absurd anzunehmen, dass wir mit der rechtsextremen AfD Gespr\u00e4che \u00fcber die Zukunft unseres Landes f\u00fchren werden.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Ausgerechnet die Frau, deren Ehemann eine Nazi-Vergangenheit aufweist (12), verweigert zusammen mit den Linken-Landesvorsitzenden Janina B\u00f6ttger und Hendrik Lange jegliche Basis f\u00fcr den politischen Dialog.<\/p>\n<p>Auch die stark geschw\u00e4chte CDU unter Sven Schulze schlie\u00dft Koalitionen mit der AfD rigoros aus, versperrt sich durch alte Parteitagsbeschl\u00fcsse aber gleichzeitig einer Zusammenarbeit mit der Linken (13). Eine Allparteien-Koalition gegen den Wahlsieger unter Einbindung von f\u00fcnf extrem unterschiedlich ausgerichteten Fraktionen gilt unter Beobachtern als v\u00f6llig unrealistisch und kaum handlungsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Eine entscheidende Schl\u00fcsselrolle f\u00e4llt damit dem neu eingezogenen B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht zu. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze und die Abgeordnete Dr. Dagmar Wittig stellten klar, dass ihre Fraktion die parlamentarischen Spielregeln akzeptieren und der AfD bei der Wahl des Landtagspr\u00e4sidenten die Stimme geben werde. Das BSW lehnt Brandmauern konsequent ab und rechtfertigt diese parlamentarische Offenheit ganz grunds\u00e4tzlich (14):<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIch sehe die AfD als Partei, die von 44 Prozent der Menschen hier gew\u00e4hlt worden ist. Und dem muss ich Rechnung tragen. Das ist f\u00fcr mich Demokratie.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Durch diese Haltung entlarvt das BSW die starre Verweigerungshaltung der etablierten Kr\u00e4fte als undemokratisches Man\u00f6ver. Indem die Wagenknecht-Partei signalisiert, die parlamentarischen Gepflogenheiten zu achten und keine Ausgrenzung zu betreiben, bricht sie das Monopol der etablierten Blockadepolitik auf. Zwar verweigert sich das BSW einer festen Koalition, setzt aber auf die Durchsetzung konkreter Sachthemen wie bezahlbare Energiepreise, Bildungsreformen und Stopp von Russland-Sanktionen. Damit zwingt es die Altparteien zum inhaltlichen Farbebekenntnis.<\/p>\n<p><strong>Das Pokern von Ulrich Siegmund und das mathematische Patt im dritten Wahlgang<\/strong><\/p>\n<p>AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund fordert die kompromisslose Umsetzung seiner politischen Kerninhalte, insbesondere in der Migrationskontrolle, der inneren Sicherheit und der Sozialpolitik (15). Obwohl er vor dem Wahltag stets betont hatte, nur im Rahmen einer Alleinregierung oder mit einer eigenen absoluten Mehrheit antreten zu wollen, sucht er nun das direkte Gespr\u00e4ch mit Abgeordneten anderer Fraktionen, um eine verl\u00e4ssliche Mehrheit im Landtag zu organisieren. Die Bundesspitze um Alice Weidel und Tino Chrupalla st\u00fctzt den Magdeburger Kurs vollumf\u00e4nglich, wobei Chrupalla einr\u00e4umt, dass die Arithmetik der Mandate wohl pragmatische Zugest\u00e4ndnisse verlangen werde (16).<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eWir wissen, dass diese Regierungsbildung schwierig sein wird, wir wissen, dass hier Kompromisse vielleicht erforderlich sind. Wir werden alle Gespr\u00e4che dazu f\u00fchren und auch alle Parteien zu Gespr\u00e4chen aufrufen.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Landesverfassung schreibt vor, dass ein Ministerpr\u00e4sident in den ersten beiden Wahlg\u00e4ngen die absolute Mehrheit von 42 der 83 Landtagsmitglieder erreichen muss. Gelingt dies niemandem, entscheidet der vertrackte dritte Wahlgang, in dem die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen gen\u00fcgt. Wenn das BSW mit seinen 5 Abgeordneten wie angek\u00fcndigt neutral bleibt oder sich der Stimme enth\u00e4lt, stehen sich der Brandmauer-Block und die AfD mit jeweils genau 39 Stimmen unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. In dieser extrem angespannten Konstellation zeigt sich Siegmund entschlossen, den Regierungsauftrag wahrzunehmen (15):<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich trete ich als Ministerpr\u00e4sidentenkandidat in Sachsen-Anhalt an, wenn es sich abzeichnet, dass ich eine stabile Mehrheit auf den Weg gebracht habe.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit diesem F\u00fchrungsanspruch erh\u00f6ht der AfD-Spitzenkandidat den politischen Druck auf die zersplitterte Opposition schlagartig. Ein einziges Abweichen, eine ung\u00fcltige Stimme oder das gezielte Fernbleiben eines einzigen Abgeordneten aus dem Lager der Altparteien w\u00fcrde ausreichen, um Siegmund im entscheidenden Wahlgang zur relativen Mehrheit und damit ins Amt des Ministerpr\u00e4sidenten zu verhelfen. Das BSW-Modell eines neutralen Ost-Experten lehnt die AfD dabei als verfehlte Ausflucht ab (17).<\/p>\n<p><strong>Die Drohung mit Neuwahlen als Beschleuniger des Machtwechsels<\/strong><\/p>\n<p>Sollte das Parlament dauerhaft im verfestigten Parteien-Patt verharren und keinen handlungsf\u00e4higen Regierungschef w\u00e4hlen k\u00f6nnen, sieht die Landesverfassung pr\u00e4zise verfassungsrechtliche Wege zur Parlamentsaufl\u00f6sung vor (18). Wenn die Wahl des Ministerpr\u00e4sidenten in zwei Anl\u00e4ufen scheitert, kann der Landtag innerhalb von 14 Tagen mit der einfachen Mehrheit seiner Mitglieder sofortige Neuwahlen beschlie\u00dfen. Alternativ kann eine Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten nach Ablauf von sechs Monaten die Selbstaufl\u00f6sung des Parlaments erzwingen. Historische Parallelen wie die Hamburger B\u00fcrgerschaftswahl von 1982 zeigen, dass solche verfassungsrechtlichen Notventile ein blockiertes Parteiensystem grundlegend ersch\u00fcttern und die politischen Machtverh\u00e4ltnisse vollkommen neu ordnen k\u00f6nnen. W\u00e4hrend das BSW eine rasche Neuwahl wegen des immensen organisatorischen und finanziellen Ressourcenaufwands ablehnt, blickt die AfD einer erneuten Abstimmung v\u00f6llig gelassen entgegen. Ulrich Siegmund nutzt die totale Verweigerungshaltung der unterlegenen Fraktionen gezielt als strategischen Hebel, um den Druck auf das Parlament ins Unermessliche zu steigern (19):<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIm Notfall wird es halt Neuwahlen geben. Dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Diese selbstbewusste Kampfansage verdeutlicht die strategische St\u00e4rke der Siegerpartei im aktuellen Machtpoker. Je l\u00e4nger die etablierten Fraktionen eine pragmatische L\u00f6sung verweigern und den W\u00e4hlerwillen ignorieren, desto wahrscheinlicher wird ein erneuter Urnengang. Bei diesem k\u00f6nnten die B\u00fcrger das etablierte Parteien-Kartell f\u00fcr seine anhaltende Blockadepolitik endg\u00fcltig abstrafen und der AfD sogar zur absoluten Mehrheit verhelfen.<\/p>\n<p><strong>Das Paradox der Machtblockade\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Rekordergebnis in Sachsen-Anhalt ist weder ein fl\u00fcchtiges Protestvotum noch ein unvorhersehbarer Betriebsunfall, sondern das mathematische Endprodukt einer jahrzehntelangen Entfremdung zwischen parlamentarischer Machthaltung und dem realen W\u00e4hlerwillen. Das politische Establishment steckt in seiner eigenen Falle: Je mehr verfahrensrechtliche H\u00fcrden, Gesch\u00e4ftsordnungs\u00e4nderungen und k\u00fcnstliche Abgrenzungen aufgebaut werden, um die Wahlsiegerpartei zu isolieren, desto deutlicher entlarvt es seine defensive Haltung und den schleichenden Machtverlust. Der eigentliche Wendepunkt liegt nicht im parlamentarischen Arithmetik-Szenario oder den Drohungen mit Neuwahlen, sondern in der irreversiblen Zersetzung der traditionellen Parteienlandschaft. Wenn etablierte Parteien Koalitionen mit dem Erstplatzierten kategorisch ausschlie\u00dfen und gleichzeitig B\u00fcndnisse untereinander verweigern, produzieren sie genau die staatspolitische Handlungsunf\u00e4higkeit, die sie ihren politischen Gegnern vorwerfen. Die Tragik dieses Machtpokers besteht darin, dass jede Taktik der Ausgrenzung nicht mehr als Instrument des Demokratieschutzes wahrgenommen wird, sondern als Verweigerung von Verfassungswirklichkeit, ein Teufelskreis, der das bestehende Parteiensystem bei jedem neuen Urnengang schrittweise weiter demontiert.<\/p>\n<h3 id=\"quellen-und-anmerkungen\">Quellen und Anmerkungen<\/h3>\n<p>(1) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundeswahlleiterin.de\/bundestagswahlen\/2025\/ergebnisse\/bund-99\/land-15.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/landtagswahlen\/sachsen-anhalt\/2026\/ergebnisse<\/a><\/p>\n<p>(2) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UxdGeC4ypOo&amp;ref=apolut.net\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UxdGeC4ypOo<\/a><\/p>\n<p>(3) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.digital-x.com\/de?ref=apolut.net\">https:\/\/www.digital-x.com\/de<\/a><\/p>\n<p>(4) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qfhO8K-qP6E&amp;ref=apolut.net\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qfhO8K-qP6E<\/a><\/p>\n<p>(5) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article138326984\/Nudging-Die-neuen-Strategien-der-Bundeskanzlerin.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article138326984\/Nudging-Die-neuen-Strategien-der-Bundeskanzlerin.html<\/a><\/p>\n<p>(6) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/wahl-in-sachsen-anhalt\/wahl-sachsen-anhalt-2026-wie-geht-es-nach-der-wahl-weiter-accg-201187586.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/wahl-in-sachsen-anhalt\/wahl-sachsen-anhalt-2026-wie-geht-es-nach-der-wahl-weiter-accg-201187586.html<\/a><\/p>\n<p>(7) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/sachsen-anhalt\/article6aa034ae54ff84194d4cb57f\/linke-angern-alterspraesidentin-in-sachsen-anhalts-landtag.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.welt.de\/regionales\/sachsen-anhalt\/article6aa034ae54ff84194d4cb57f\/linke-angern-alterspraesidentin-in-sachsen-anhalts-landtag.html<\/a><\/p>\n<p>(8) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/video6a9a930eb3e0470a1975b6cd\/landtagswahl-sachsen-anhalt-ich-habe-selbstverstaendlich-herrn-sigmund-die-hand-verwehrt.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/video6a9a930eb3e0470a1975b6cd\/landtagswahl-sachsen-anhalt-ich-habe-selbstverstaendlich-herrn-sigmund-die-hand-verwehrt.html<\/a><\/p>\n<p>(9) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.landtag.sachsen-anhalt.de\/artikel\/parlamentsreform-soll-die-demokratie-staerken?ref=apolut.net\">https:\/\/www.landtag.sachsen-anhalt.de\/artikel\/parlamentsreform-soll-die-demokratie-staerken<\/a><\/p>\n<p>(10) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen-anhalt\/landtagswahl\/ticker-news-172,wahl-560.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen-anhalt\/landtagswahl\/ticker-news-172,wahl-560.html<\/a><\/p>\n<p>(11) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/ticker\/Susan-Sziborra-Seidlitz-nennt-Sondierungen-mit-der-AfD-absurd-id31286765.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.n-tv.de\/ticker\/Susan-Sziborra-Seidlitz-nennt-Sondierungen-mit-der-AfD-absurd-id31286765.html<\/a><\/p>\n<p>(12) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus6a8da189c3692834ff6dc5a1\/sachsen-anhalt-sie-versteht-wie-man-aus-nazis-gute-buerger-macht-lobt-oezdemir-die-spitzen-gruene.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus6a8da189c3692834ff6dc5a1\/sachsen-anhalt-sie-versteht-wie-man-aus-nazis-gute-buerger-macht-lobt-oezdemir-die-spitzen-gruene.html<\/a><\/p>\n<p>(13) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2026-09\/sachsen-anhalt-landtagswahl-afd-cdu-bsw-live?ref=apolut.net\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2026-09\/sachsen-anhalt-landtagswahl-afd-cdu-bsw-live<\/a><\/p>\n<p>(14) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.finanznachrichten.de\/nachrichten-2026-09\/69508060-bsw-wuerde-afd-ins-ministerpraesidentenamt-verhelfen-016.htm?ref=apolut.net\">https:\/\/www.finanznachrichten.de\/nachrichten-2026-09\/69508060-bsw-wuerde-afd-ins-ministerpraesidentenamt-verhelfen-016.htm<\/a><\/p>\n<p>(15) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/afd-siegmund-100.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/afd-siegmund-100.html<\/a><\/p>\n<p>(16) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/afd-siegmund-100.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/afd-siegmund-100.html<\/a><\/p>\n<p>(17) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/nach-wahl-in-sachsen-anhalt-bsw-will-definitiv-keinen-wessi-als-uberparteilichen-ministerprasidenten-16032533.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/nach-wahl-in-sachsen-anhalt-bsw-will-definitiv-keinen-wessi-als-uberparteilichen-ministerprasidenten-16032533.html<\/a><\/p>\n<p>(18) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/regional\/sachsenanhalt\/ministerpraesidentenwahl-selbstaufloesung-vertrauensfrage-%2Cneuwahlen-akt-100.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/regional\/sachsenanhalt\/ministerpraesidentenwahl-selbstaufloesung-vertrauensfrage-%2Cneuwahlen-akt-100.html<\/a><\/p>\n<p>(19) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/spekuliert-bereits-neuwahlen-in-sachsen-anhalt-afd-zr-94478277.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.merkur.de\/politik\/spekuliert-bereits-neuwahlen-in-sachsen-anhalt-afd-zr-94478277.html<\/a><\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dank an die Autorin f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: TANGERM\u00dcNDE, SACHSEN-ANHALT &#8211; 30. AUGUST 2026: Ulrich Siegmund bei einer Veranstaltung mit Unterst\u00fctzern der AfD<br \/>Bildquelle: <u>socular<\/u> \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Das historische Rekordergebnis im Osten zwingt die etablierten Parteien in eine verheerende Sackgasse. 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