{"id":21975,"date":"2026-09-10T16:06:21","date_gmt":"2026-09-10T14:06:21","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/zinspolitik-ezb-wuergt-zur-inflationsbekaempfung-wirtschaft-ab\/"},"modified":"2026-09-10T16:06:21","modified_gmt":"2026-09-10T14:06:21","slug":"zinspolitik-ezb-wuergt-zur-inflationsbekaempfung-wirtschaft-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/zinspolitik-ezb-wuergt-zur-inflationsbekaempfung-wirtschaft-ab\/","title":{"rendered":"Zinspolitik: EZB w\u00fcrgt zur Inflationsbek\u00e4mpfung Wirtschaft ab"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Die Inflation in Europa und in Deutschland zieht wieder deutlich an. Im August lagen die Verbraucherpreise in Deutschland um 2,9\u00a0Prozent \u00fcber denen des Vorjahresmonats, im Euroraum sogar \u00fcber 3,3\u00a0Prozent. Die EZB strebt im Mittel eine Inflation von zwei Prozent an.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die steigenden Preise liegt klar erkennbar in den steigenden Preisen f\u00fcr Energie. Gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat lagen die Energiepreise im August um 14,3\u00a0Prozent h\u00f6her. Die Preise werden nicht von einer Lohn-Preis-Spirale getrieben, das muss an dieser Stelle festgehalten werden.\u00a0<\/p>\n<p>Damit steht die EZB vor einem klassischen geldpolitischen Dilemma. Steigende Inflation spricht eigentlich f\u00fcr h\u00f6here Zinsen. Zugleich ist der aktuelle Preisschub ma\u00dfgeblich durch Faktoren ausgel\u00f6st, die sich mit Geldpolitik kaum beeinflussen lassen.<\/p>\n<p>Der entscheidende Treiber der Energiepreise ist derzeit die geopolitische Lage. Der Konflikt zwischen den USA und Iran hat den \u00d6l- und Gasmarkt massiv verunsichert. Insbesondere die Unsicherheit \u00fcber den Transport durch die Stra\u00dfe von Hormus hat die internationalen Energiem\u00e4rkte belastet. Der \u00d6lpreis stieg zuletzt auf mehr als 100\u00a0Dollar je Barrel. Auch der Gaspreis zog zuletzt wieder deutlich an.<\/p>\n<p>Hinzu kommen die langfristigen Folgen des Krieges gegen die Ukraine und der Sanktionen gegen Russland. Die EU will zum Januar 2027 aus dem Bezug von russischem Fl\u00fcssiggas und zum 1. November die russische Gas-Versorgung \u00fcber Pipeline vollst\u00e4ndig stoppen. Angesichts der niedrigen Speicherst\u00e4nde der Gasspeicher in der EU d\u00fcrfte das die Spekulation und damit die Preise\u00a0zus\u00e4tzlich anheizen. Den Gasanbietern in den USA d\u00fcrfte die neue Abh\u00e4ngigkeit der EU nicht entgangen sein. Das wird sich ebenfalls im Preis niederschlagen.<\/p>\n<p>Die Neuordnung der europ\u00e4ischen Energieversorgung hat die Abh\u00e4ngigkeit von internationalen M\u00e4rkten und alternativen Lieferquellen erh\u00f6ht.\u00a0Die EU bleibt damit besonders anf\u00e4llig f\u00fcr geopolitische Konflikte, Lieferengp\u00e4sse und Preisschwankungen.<\/p>\n<p>Die steigenden Energiepreise schlagen sich nicht nur in h\u00f6heren Spritpreisen an der Tankstelle und beim Heiz\u00f6l nieder. Sie verteuern Transport, Produktion und Dienstleistungen und schlagen so mittelfristig allgemein auf die Preise durch.<\/p>\n<p>Obwohl die\u00a0Europ\u00e4ische Zentralbank die \u00d6lpreise nicht direkt senken kann und dar\u00fcber Einfluss auf die Inflation nehmen kann, strafft sie nun die Geldpolitik. Die EZB erh\u00f6ht den Leitzins auf 2,5 Prozent, um die Inflation zu d\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die M\u00e4rkte\u00a0hatten zuvor bereits\u00a0einer weiteren Zinserh\u00f6hung um 0,25\u00a0Prozentpunkte gerechnet. Die EZB-Entscheidung entsprach dieser Erwartung. Die EZB\u00a0will mit dem Schritt verhindern, dass der anf\u00e4ngliche Energieschock zu einer dauerhaften Inflation wird. Denn wenn Arbeitnehmer h\u00f6here L\u00f6hne fordern, Unternehmen ihre gestiegenen Kosten weitergeben und sich die Inflationserwartungen verfestigen, k\u00f6nnte aus einem zun\u00e4chst externen Preisschock ein breiterer und dauerhafter Inflationsprozess entstehen.<\/p>\n<p>Dass die Arbeitnehmer allerdings im gegenw\u00e4rtigen wirtschaftlichen Umfeld h\u00f6here L\u00f6hne durchsetzen k\u00f6nnen, ist unwahrscheinlich. Die Produktion in Deutschland geht zur\u00fcck, die Arbeitslosigkeit steigt. Eine Zinserh\u00f6hung produziert zudem kein zus\u00e4tzliches \u00d6l und Gas. Mit ihrer Zinserh\u00f6hung k\u00e4mpft die EZB gegen Windm\u00fchlen.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn der \u00d6lpreis steigt, weil ein Krieg Lieferwege gef\u00e4hrdet, l\u00e4sst sich dieses Problem daher nicht durch h\u00f6here Finanzierungskosten f\u00fcr Unternehmen l\u00f6sen. Ein h\u00f6herer EZB-Leitzins ver\u00e4ndert weder die geopolitische Lage im Nahen Osten noch die Sanktionen gegen Russland. Er sorgt nicht daf\u00fcr, dass mehr Tanker durch die Stra\u00dfe von Hormus fahren oder dass auf den Weltm\u00e4rkten pl\u00f6tzlich mehr Energie verf\u00fcgbar ist.<\/p>\n<p>Die Wirkung der Geldpolitik setzt an einer<?marker name=\"assistant-pending-030ca0a9-4774-498d-a672-ed7fca1a16f3-pending-tail\"?><br \/>\n anderen Stelle an: H\u00f6here Zinsen verteuern Kredite. Unternehmen m\u00fcssen mehr f\u00fcr Investitionen bezahlen, Bauprojekte werden teurer finanziert, und auch private Haushalte werden bei gr\u00f6\u00dferen Anschaffungen vorsichtiger. Die Nachfrage wird dadurch ged\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Das kann die Inflation grunds\u00e4tzlich bremsen. Es ist jedoch ein indirekter und f\u00fcr einen Energiepreisschock problematischer Mechanismus:\u00a0<strong><\/strong>Die EZB\u00a0w\u00fcrgt mit der Ma\u00dfnahme die ohnehin maue Konjunktur weiter ab. Zu erwarten ist, dass die EZB mit einer Erh\u00f6hung des Leitzinses nicht die Inflation, sondern das Wirtschaftswachstum bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>H\u00f6here Zinsen bedeuten h\u00f6here Finanzierungskosten und damit weniger Investitionen. Unternehmen verzichten m\u00f6glicherweise<?marker name=\"assistant-pending-030ca0a9-4774-498d-a672-ed7fca1a16f3-pending-tail\"?><br \/>\n \u00a0auf den Bau neuer Fabriken, investieren noch weniger in Maschinen\u00a0und stellen angesichts der weiter sinkenden Absatzerwartungen auch nicht ein.<\/p>\n<p>Damit kann eine Zinserh\u00f6hung genau das Wachstum bremsen, das Europa dringend ben\u00f6tigt. Schon jetzt werden die Konjunkturaussichten durch die hohen Energiekosten belastet.<\/p>\n<p>Das ist die klassische<?marker name=\"assistant-pending-030ca0a9-4774-498d-a672-ed7fca1a16f3-pending-tail\"?><br \/>\n Gefahr eines sogenannten Angebotsschocks: Preise steigen, w\u00e4hrend die wirtschaftliche Leistung gleichzeitig unter Druck ger\u00e4t. Eine aggressive Zinspolitik kann dann zwar die Nachfrage d\u00e4mpfen, aber sie beseitigt nicht den urspr\u00fcnglichen Engpass.<\/p>\n<p>Die politische und wirtschaftliche Herausforderung bleibt damit bestehen: Europa kann den geopolitisch verursachten Energiepreisschock nicht wegzinsen. Ein h\u00f6herer Leitzins kann verhindern, dass aus dem Energieschock eine dauerhaft hohe Inflation wird. Gleichzeitig verteuert er jedoch Investitionen und Kredite und\u00a0bremst damit das Wirtschaftswachstum. Der Preisschock kommt von au\u00dfen, die Zinserh\u00f6hung wirkt nach innen. Aus diesem Dilemma gibt es f\u00fcr die EZB keinen Ausweg.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/291229-rezessionssorgen-wachsen-oelpreis-durchbricht-100\/\">Die Rezessionssorgen wachsen: \u00d6lpreis durchbricht 100-Dollar-Marke<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7d44tc\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Inflation in Europa und in Deutschland zieht wieder deutlich an. Im August lagen die Verbraucherpreise in Deutschland um 2,9\u00a0Prozent \u00fcber denen des Vorjahresmonats, im Euroraum sogar \u00fcber 3,3\u00a0Prozent. Die EZB strebt im Mittel eine Inflation von zwei Prozent an. 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