{"id":22012,"date":"2026-09-10T21:03:51","date_gmt":"2026-09-10T19:03:51","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/frankreichs-staatsanleihen-werden-riskanter-als-griechische\/"},"modified":"2026-09-10T21:03:51","modified_gmt":"2026-09-10T19:03:51","slug":"frankreichs-staatsanleihen-werden-riskanter-als-griechische","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/frankreichs-staatsanleihen-werden-riskanter-als-griechische\/","title":{"rendered":"Frankreichs Staatsanleihen werden riskanter als griechische"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Was noch vor wenigen Jahren undenkbar schien, ist nun Realit\u00e4t: Franz\u00f6sische Staatsanleihen rentieren zeitweise h\u00f6her als griechische. Ausgerechnet Griechenland, einst das Sorgenkind der Eurozone, finanziert sich am Kapitalmarkt inzwischen g\u00fcnstiger als Frankreich.<\/p>\n<p>Die Rendite zehnj\u00e4hriger franz\u00f6sischer Staatsanleihen liegt bei rund 4,35\u00a0Prozent\u00a0\u2013 und damit zeitweise \u00fcber dem griechischen Niveau. Vor zehn, f\u00fcnfzehn Jahren w\u00e4re ein solcher Vergleich niemandem in den Sinn gekommen. 2012 stand Griechenland f\u00fcr das Schreckgespenst des Staatsbankrotts innerhalb der W\u00e4hrungsunion. Frankreich geh\u00f6rte damals zu den L\u00e4ndern, die den Rettungsschirm mittrugen.<\/p>\n<p>Seither hat Griechenland einen harten Sparkurs hinter sich gebracht. Die Schuldenquote ist gegen\u00fcber dem H\u00f6chststand w\u00e4hrend der Pandemie deutlich gefallen, die Haushaltslage hat sich stabilisiert, Laufzeiten wurden verl\u00e4ngert. Athen hat sich am Kapitalmarkt neues Vertrauen erarbeitet, und die Ratingagenturen haben das honoriert.<\/p>\n<p>Frankreich dagegen schleppt eine Staatsverschuldung von \u00fcber 116\u00a0Prozent der Wirtschaftsleistung mit sich, dazu ein hohes Haushaltsdefizit und schwaches Wachstum. Paris versucht zwar, die Finanzen in den Griff zu bekommen, st\u00f6\u00dft dabei aber auf erbitterten politischen Widerstand.<\/p>\n<p>Die Anleger ziehen daraus ihre Konsequenzen: F\u00fcr franz\u00f6sische Schulden verlangen sie inzwischen mehr Zins als f\u00fcr griechische. Auch der Abstand zu deutschen Bundesanleihen ist so gro\u00df wie zuletzt w\u00e4hrend der Eurokrise.<\/p>\n<p><strong>Der Markt urteilt h\u00e4rter als fr\u00fcher<\/strong><\/p>\n<p>Die Ratingagenturen haben Frankreich keineswegs geschont\u00a0\u2013 S&amp;P und Fitch bewerten das Land mit A+, Moody&#8217;s mit Aa3 und negativem Ausblick. Trotzdem klafft eine auff\u00e4llige L\u00fccke zwischen diesem Rating und dem, was der Markt tats\u00e4chlich verlangt. Frankreichs Ruf als besonders sicherer Schuldner ist jedenfalls weit weg von dem, was die Kurse heute zeigen.<\/p>\n<p>Bei Griechenland lief es umgekehrt. Jahrelang stufte man das Land nach der Schuldenkrise als Hochrisikostaat ein, inzwischen f\u00fchren mehrere Agenturen es wieder in den Bereich solider Bonit\u00e4t zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dass Rating und Marktpreis bei Frankreich so weit auseinanderliegen, hat einen einfachen Grund: Ratings blicken auf die langfristige Tragf\u00e4higkeit der Schulden, der Anleihemarkt dagegen reagiert t\u00e4glich\u00a0\u2013 auf Zinsen, Defizite, politische B\u00f6rsenbeben und die zu erwartende Finanzierungslast. Und der verlangt von Frankreich derzeit einfach mehr.<\/p>\n<p><strong>Griechenland als Gegenbeispiel<\/strong><\/p>\n<p>Die unterschiedliche Schuldendynamik macht den Vergleich noch sch\u00e4rfer. In der Eurokrise lag Griechenlands Schuldenquote bei \u00fcber 180\u00a0Prozent des BIP, w\u00e4hrend der Pandemie kletterte sie sogar \u00fcber 200\u00a0Prozent. Heute liegt sie deutlich tiefer\u00a0\u2013 das Land hat einen gro\u00dfen Teil seiner Schuldenlast im Verh\u00e4ltnis zur Wirtschaftsleistung abgebaut.<\/p>\n<p>Frankreich bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung. Gleichzeitig muss Paris Jahr f\u00fcr Jahr gewaltige Summen am Kapitalmarkt refinanzieren. Steigende Renditen machen diese Finanzierung St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck teurer: Je mehr alte, g\u00fcnstigere Anleihen auslaufen und durch neue ersetzt werden m\u00fcssen, desto st\u00e4rker sp\u00fcrt der Staatshaushalt das h\u00f6here Zinsniveau.<\/p>\n<p>Griechenland konnte einen Teil dieser Last durch lange Laufzeiten und g\u00fcnstige Finanzierungskonditionen abfedern. Frankreich verf\u00fcgt nicht \u00fcber denselben Puffer. Das Land ist st\u00e4rker auf die laufende Finanzierung \u00fcber den Kapitalmarkt angewiesen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Eurokrise hatten Griechenland und Frankreich f\u00fcr zwei gegens\u00e4tzliche Pole Europas gestanden. Athen hatte damals um seine finanzielle Existenz gek\u00e4mpft, w\u00e4hrend Paris zu den Staaten geh\u00f6rt hatte, die den europ\u00e4ischen Rettungsmechanismus politisch unterst\u00fctzt hatten. Mehr als ein Jahrzehnt sp\u00e4ter ist dieser Abstand deutlich kleiner geworden. Die Entwicklung h\u00e4tte damals wohl kaum jemand f\u00fcr m\u00f6glich gehalten.<\/p>\n<p>Von soliden Staatsfinanzen nach Schweizer oder deutschem Ma\u00dfstab kann bei Griechenland immer noch keine Rede sein, das Land bleibt hoch verschuldet. Doch die Anleger honorieren eine glaubw\u00fcrdigere Konsolidierung und eine sp\u00fcrbar verbesserte Schuldentragf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Frankreich dagegen tut sich schwer, den Schuldenanstieg \u00fcberhaupt zu bremsen. Das Defizit bleibt hoch, und f\u00fcr echte Sparma\u00dfnahmen fehlt im Parlament die Mehrheit. Der Markt zieht daraus seinen eigenen Schluss. Griechenland zahlt f\u00fcr zehnj\u00e4hrige Schulden inzwischen teilweise weniger als Frankreich.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass Frankreich vor einer griechischen Schuldenkrise steht. Daf\u00fcr sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu unterschiedlich. Frankreich hat eine ungleich gr\u00f6ssere Volkswirtschaft, einen tiefen, liquiden Kapitalmarkt und eine zentrale Stellung in der Eurozone. Aber der Vergleich r\u00fcttelt an einer alten Gewissheit. Europ\u00e4ische Staatsanleihen gelten nicht automatisch als sicher, nur weil sie es einmal waren.<\/p>\n<p>Griechenland musste sich das Vertrauen der Anleger nach 2012 m\u00fchsam zur\u00fcckerarbeiten. Frankreich steht heute vor der umgekehrten Aufgabe: zu verhindern, dass es dieses Vertrauen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck verspielt. 2012 war Griechenland das Sorgenkind des europ\u00e4ischen Anleihemarktes. 2026 ist ausgerechnet Griechenland der g\u00fcnstigere Schuldner.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/285732-erhoehung-tabaksteuer-wird-noch-teurer\/\">Fast zw\u00f6lf Euro pro Schachtel\u00a0\u2013 Zigaretten werden noch teurer als bisher bekannt<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7crg38\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was noch vor wenigen Jahren undenkbar schien, ist nun Realit\u00e4t: Franz\u00f6sische Staatsanleihen rentieren zeitweise h\u00f6her als griechische. 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