{"id":22020,"date":"2026-09-10T22:03:13","date_gmt":"2026-09-10T20:03:13","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/ezb-lagarde-haelt-sich-weitere-zinserhoehung-offen-38235104-html\/"},"modified":"2026-09-10T22:03:13","modified_gmt":"2026-09-10T20:03:13","slug":"ezb-lagarde-haelt-sich-weitere-zinserhoehung-offen-38235104-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/ezb-lagarde-haelt-sich-weitere-zinserhoehung-offen-38235104-html\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Zentralbank: Lagarde h\u00e4lt sich weitere Zinserh\u00f6hung offen"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Angesichts einer z\u00e4hen Inflation h\u00e4lt EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde die T\u00fcr f\u00fcr weitere Zinserh\u00f6hungen offen. Unterdessen warnt Bundesbank-Pr\u00e4sident Nagel vor Rechtspopulisten<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>W\u00e4re nicht das Polizeiboot drau\u00dfen auf dem Wasser, der Berliner Wannsee w\u00fcrde an diesem Nachmittag ein sp\u00e4tsommerliches Idyll abgeben. Doch wenn in Berlin Polizei zu sehen ist, sind wichtige Menschen oftmals nicht weit.\u00a0<\/p>\n<p>In diesem Fall der Rat der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB), der auf Einladung der Bundesbank in deren Tagungszentrum am Wannsee \u00fcber die Geldpolitik entscheidet <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/geld-versicherungen\/ezb-erhoeht-leitzins-auf-2-50-prozent---weitere-zinserhoehung-droht-38233876.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Hohe Inflation: EZB erh\u00f6ht Leitzins auf 2,50 Prozent\">und erneut die Leitzinsen anhebt.\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Das Idyll verfliegt sehr schnell, als EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde w\u00e4hrend der Pressekonferenz die Ergebnisse der Ratssitzung vorstellt und sich zig Krisenherde zeigen: steigende Energiepreise, der Konflikt im Nahen Osten, Russlands \u201eungerechtfertigter Krieg\u201c gegen die Ukraine, der Aufsteig der Rechtspopulisten, Turbulenzen am Anleihemarkt und schlie\u00dflich die Perspektive einer noch l\u00e4ngere Zeit erh\u00f6hten Inflation in der Eurozone.<\/p>\n<p>Bei einer Inflationsrate von zwei Prozent sieht die EZB ihr Mandat der Preisstabilit\u00e4t gew\u00e4hrleistet. Doch dieser Wert wird seit Monaten \u00fcbertroffen. Zuletzt betrug der Preisauftrieb auf Jahressicht 3,3 Prozent. Darauf reagierte die EZB mit einer Zinserh\u00f6hung um weitere 25 Basispunkte, so dass der Einlagensatz als Leitzins nun 2,50 Prozent betr\u00e4gt. Bereits im Juni hatte die EZB die Zinsen um 25 Basispunkte angehoben.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eDie Situation an den Energiem\u00e4rkten und im Nahostkonflikt hat sich zuletzt nicht in die richtige Richtung entwickelt und die Inflationsrisiken erh\u00f6ht\u201c, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt von HQ Trust. \u201eVerbesserte Konjunkturdaten gaben zus\u00e4tzliche R\u00fcckendeckung f\u00fcr die Zinserh\u00f6hung.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Das Inflationsziel wird nach den neuen Prognosen der\u00a0EZB-\u00d6konomen auch 2028 noch nicht ganz erreicht: Dann werde die Teuerungsrate wohl im Schnitt bei 2,1 Prozent und damit knapp dar\u00fcber liegen; nach drei Prozent in diesem Jahr und 2,5 Prozent im kommenden Jahr 2027.\u00a0<\/p>\n<p>Zugleich l\u00e4uft die Konjunktur in der Eurozone besser als erwartet. \u201eWir sind von der Widerstandsf\u00e4higkeit unserer Wirtschaft \u00fcberrascht\u201c, betonte\u00a0Lagarde. Der EZB-Stab hat seine Wachstumsprognose f\u00fcr dieses Jahr auf 0,9 von 0,8 Prozent hochgesetzt, w\u00e4hrend f\u00fcr 2027 nun 1,4 (bisher: 1,2) Prozent und f\u00fcr 2028 wie schon zuvor angenommen 1,5 Prozent erwartet werden. Ein st\u00e4rkeres Wachstum kann dazu beitragen, dass die Inflation erh\u00f6ht bleibt.\u00a0<\/p>\n<h2><strong>Von Sitzung zu Sitzung<\/strong><\/h2>\n<p>Lagarde selbst lie\u00df wie gewohnt die weiteren Zinsschritte offen und betonte, der Rat entscheide von Sitzung zu Sitzung datenabh\u00e4ngig. Zugleich betonte sie mehrfach den bestehenden Inflationsdruck und dass das Risiko eines weiteren Anstiegs bestehe. Gefahren gingen von hohen Energiepreisen und im Fall eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen kalten Winters von den niedrigen F\u00fcllst\u00e4nden in den Gasspeichern aus.\u00a0<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sprach sie von sich aus m\u00f6gliche Ausstrahlungseffekte im globalen Anleihemarkt an. Allerdings wollte sie auf zweimalige Nachfrage nicht zur Lage in den USA sprechen, wo <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/geld-versicherungen\/scott-bessent---der-sonnenkoenig-der-anleihenmaerkte--kommentar--38232700.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Meinung: Scott Bessent ist der Sonnenk\u00f6nig der Anleihenm\u00e4rkte\">Finanzminister Scott Bessent langlaufende Staatsanleihen aufkaufen will<\/a>.<\/p>\n<p>\u201eDie Zinserh\u00f6hung erfolgte vor dem Hintergrund der Erwartung, dass die Inflation \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg \u00fcber dem Zielwert bleiben wird\u201c, sagte Jens Eisenschmidt, Europa-Chefvolkswirt von Morgan Stanley. Sie diene dazu, \u201edass die Inflation wieder auf das Zielniveau zur\u00fcckkehrt.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Lagarde sich nicht in die Karten schauen lie\u00df, legte sich der Geldmarkt fest. Schon f\u00fcr die Ratssitzung am 29. Oktober rechnet er mit einer 50\/50-Wahrscheinlichkeit mit der n\u00e4chsten Zinserh\u00f6hung. F\u00fcr den 17. Dezember ist eine Zinserh\u00f6hung komplett eingepreist, sogar mit 31 Basispunkten. Bis Juni n\u00e4chsten Jahres rechnet der Markt mit insgesamt drei EZB-Zinserh\u00f6hungen um jeweils 25 Basispunkte. Der Leitzins l\u00e4ge dann bei 3,25 Prozent und damit auf dem aktuellen Inflationsniveau.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eDie Risiken f\u00fcr die Inflationsentwicklung bleiben weiterhin aufw\u00e4rtsgerichtet\u201c, sagt DWS-\u00d6konomin Ulrike Kastens. \u201eM\u00e4rkte interpretieren dies als ein Zeichen f\u00fcr weitere Zinserh\u00f6hungen.\u201c<\/p>\n<h2><strong>Eine H\u00fcrde besteht<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr weitere Zinserh\u00f6hungen gibt es allerdings eine H\u00fcrde, den neutralen Zins. Dies ist zwar ein theoretisches Konstrukt, dass angibt, ob die Geldpolitik expansiv oder kontraktiv auf die Konjunktur wirkt. Ist der Leitzins im neutralen Bereich, wirkt er weder in die eine noch andere Richtung.\u00a0<\/p>\n<p>Problem: Nach bisherigen Sch\u00e4tzungen der EZB und ihrer Kommunikation liegt bei 2,50 Prozent das obere Ende der neutralen Zone. Ein \u201eweiteres Vorgehen\u201c k\u00f6nnte den Rat spalten und \u201eauf gr\u00f6\u00dferen Widerstand sto\u00dfen\u201c, sagt Pimco-\u00d6konom Konstantin Veit.<\/p>\n<p>\u201eUnseres Erachtens hat die EZB sowohl ihre Neigung zu einer weiteren Zinsstraffung beibehalten als auch ihre Flexibilit\u00e4t gewahrt\u201c, erkl\u00e4rte Blackrock-Kapitalmarktstrategin Ann-Katrin Petersen. \u201eZinserh\u00f6hungen auf oder \u00fcber 3,00 Prozent erscheinen uns jedoch ohne klare Hinweise auf anhaltende Zweitrundeneffekte bei der Inflation unwahrscheinlich.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Weitere Zinserh\u00f6hungen h\u00e4lt die DZ sogar f\u00fcr unwahrscheinlich, weil es diese Zweitrundeneffekte nach Lagardes Aussagen nicht gibt. W\u00e4hrend der Pressekonferenz erl\u00e4uterte die EZB-Pr\u00e4sidentin dies im Detail daran, dass die Preise f\u00fcr verarbeitete Lebensmittel weniger stark gestiegen seien als die f\u00fcr nicht-verarbeitete Lebensmittel. Ihre Schlussfolgerung: Die h\u00f6heren Kosten f\u00fcr Energie und Transport \u00fcbertragen sich nicht in die Produkte &#8211; und auch bei den L\u00f6hnen sei nur ein \u201emoderater Anstieg\u201c zu beobachten.\u00a0<\/p>\n<h2><strong>\u201e\u00dcbertriebene Zinserh\u00f6hungsfantasien\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eDie Notenbank wahrt ihre Glaubw\u00fcrdigkeit im Kampf gegen die Inflation, ohne die Zeichen einer allm\u00e4hlichen Stabilisierung des Preisauftriebs aus dem Blick zu verlieren\u201c, sagt Christoph Kutt, der das Rentenmarkt-Research der DZ Bank leitet. \u201eLeiter Fixed Income Research der DZ BANK. \u201eDamit k\u00f6nnten sich die aktuellen Zinserh\u00f6hungsfantasien einiger Marktteilnehmer als \u00fcbertrieben herausstellen.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Das Wannsee-Idyll tr\u00fcbte am Ende eine Frage nach dem europaweiten Erstarken rechtspopulistischer Parteien. Die Antwort \u00fcbernahm Hausherr und Gastgeber Joachim Nagel.\u00a0\u201eJa, ich bin besorgt&#8220;, sagte er. Man frage sich, was dies mit dem Land und den Werten mache, die man in der Gesellschaft teile.<\/p>\n<p>Einige dieser Konzepte seien aus wirtschaftlicher Sicht \u201ekontraproduktiv\u201c. Ein Erstarken rechtspopulistischer Kr\u00e4fte sei auch nicht hilfreich mit Blick auf die Attraktivit\u00e4t des Standorts f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investoren. \u201eIch denke, sie werden z\u00f6gerlich sein und sich scheuen, hier Gesch\u00e4fte zu machen\u201c, betonte Nagel.<\/p>\n<h2><strong>Lagarde contra Le Pen und Weidel<\/strong><\/h2>\n<p>Zuvor hatte Lagarde betont, die Zustimmung zum Euro sei in der gesamten Eurozone mit 82 Prozent so hoch wie noch nie seit dem Start de W\u00e4hrungsunion im Jahr 1999.\u00a0<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wolle sie sich nicht politisch \u00e4u\u00dfern, aber man konnte aus Lagarde heraush\u00f6ren: Wer mit dem Euro zufrieden ist, sollte weder Marine Le Pen in Frankreich oder Alice Weidel in Deutschland w\u00e4hlen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Angesichts einer z\u00e4hen Inflation h\u00e4lt EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde die T\u00fcr f\u00fcr weitere Zinserh\u00f6hungen offen. 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