{"id":22244,"date":"2026-09-12T03:03:09","date_gmt":"2026-09-12T01:03:09","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/afd-erfolg-setzt-merz-unter-druck-was-ein-kanzlerwechsel-aendern-wuerde-38240048-html-2\/"},"modified":"2026-09-12T03:03:09","modified_gmt":"2026-09-12T01:03:09","slug":"afd-erfolg-setzt-merz-unter-druck-was-ein-kanzlerwechsel-aendern-wuerde-38240048-html-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/afd-erfolg-setzt-merz-unter-druck-was-ein-kanzlerwechsel-aendern-wuerde-38240048-html-2\/","title":{"rendered":"Kolumne: Ein Kanzler-Sturz ist nur eine Scheinl\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt liegen in Berlin die Nerven blank. Schon wird \u00fcber einen Sturz von Friedrich Merz und m\u00f6gliche Nachfolger geredet. Doch ein neuer Kanzler w\u00fcrde das eigentliche Problem kaum l\u00f6sen<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Am Tag\u00a0nach der Wahl\u00a0in Sachsen-Anhalt\u00a0sah ich in den Abendnachrichten\u00a0eine Frau, die erkl\u00e4ren sollte, warum sie die AfD gew\u00e4hlt habe.\u00a0\u201eDie Skater-Bahn ist ja auch nicht mehr zugelassen\u201c, sagte sie, \u201edie ist au\u00dfer Betrieb, die hat keinen T\u00dcV mehr gekriegt.\u201c\u00a0Eine gesperrte Skater-Bahn als Symbol f\u00fcr den Niedergang des Landes.<\/p>\n<p>In eine \u00e4hnliche Richtung ging ein Satz\u00a0von\u00a0Holger Loclair,\u00a0den\u00a0meine Kollegen Katja Michel und Sven Afh\u00fcppe <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/holger-loclair--so-steht-ostdeutschlands-einziger-milliardaer-zur-afd-38217366.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Holger Loclair: Wie der einzige Milliard\u00e4r Ostdeutschlands \u00fcber die AfD denkt\">in diesen Tagen interviewt haben<\/a>. Loclair\u00a0ist Chef des Spezialfolienherstellers\u00a0Orafol\u00a0in Brandenburg und gilt als \u201ereichster Ostdeutscher\u201c. Obwohl er\u00a0damit ziemlich heraussticht, kann\u00a0Loclair\u00a0sehr bodenst\u00e4ndig erkl\u00e4ren, woher der Frust im Osten kommt:\u00a0\u201eWenn Menschen nicht einmal wissen, wo sie in der n\u00e4chsten Umgebung noch einen Arzt finden k\u00f6nnen, dann l\u00e4uft doch etwas grunds\u00e4tzlich schief. Da entstehen eine riesige Ratlosigkeit und Frustration.\u201c<\/p>\n<h2>Banale Ursachen f\u00fcr AfD-Erfolg<\/h2>\n<p>In seinem eigenen Betrieb sch\u00e4tzt\u00a0Loclair\u00a0den Anteil der AfD-W\u00e4hler auf etwa ein Drittel,\u00a0aber\u00a0anders als viele Unternehmerkollegen scheut\u00a0Loclair\u00a0nicht die Auseinandersetzung mit dem Thema:\u00a0Er h\u00e4lt viele Positionen der AfD f\u00fcr grundfalsch \u2013 sucht aber gerade deshalb den Kontakt zu ihren Anh\u00e4ngern und auch zu ihren Vertretern.\u00a0Das gesamte, sehr lesenswerte Interview\u00a0finden\u00a0Sie\u00a0hier:<\/p>\n<\/p>\n<p>Der Frust und die Ver\u00e4rgerung, die aus dem Wahlergebnis vom Sonntag sprechen, k\u00f6nnen das Fundament des Landes ersch\u00fcttern \u2013 und\u00a0dabei ganz banale Ursachen haben: eine Arztpraxis oder eine Apotheke, die dauerhaft schlie\u00dfen, oder ein Skater-Parcours,\u00a0an dem\u00a0der Beton br\u00f6ckelt oder der Zaun rostet.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Themen f\u00fcr die Menschen in Sachsen-Anhalt\u00a0bei der Wahl\u00a0waren nach\u00a0einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen\u00a0die wirtschaftliche Lage im Land und die Situation an\u00a0den\u00a0Schulen. Zuwanderung und Asyl folgten auf dem dritten Platz \u2013 direkt dahinter wiederum die schlechte Versorgung mit \u00c4rzten.<\/p>\n<h2>Das k\u00f6nnen unm\u00f6glich alles Rechtsradikale sein<\/h2>\n<p>Man denkt:\u00a0Das k\u00f6nnen unm\u00f6glich alles Rechtsradikale sein, die die AfD gew\u00e4hlt haben. Sie sind es wahrscheinlich auch nicht.\u00a0Aber dann muss man sie doch noch mit Argumenten erreichen k\u00f6nnen \u2013 und mit Taten. Die Frage ist nun, welche Lehren\u00a0die angeschlagene Koalition\u00a0aus CDU\/CSU und SPD\u00a0in Berlin\u00a0aus\u00a0diesem Wahlergebnis\u00a0zieht\u00a0\u2013 und\u00a0aus den\u00a0n\u00e4chsten\u00a0drei\u00a0Abstimmungen, den Landtagswahlen\u00a0in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern\u00a0in zehn Tagen und der nieders\u00e4chsischen Kommunalwahl an diesem Sonntag (die\u00a0au\u00dferhalb Niedersachsens\u00a0kaum jemand\u00a0auf dem Schirm hat).<\/p>\n<\/p>\n<p>Alle drei Wahlen werden jeweils anders, aber wechselweise \u00e4hnlich unvorteilhaft f\u00fcr Union und SPD ausgehen.\u00a0In Mecklenburg-Vorpommern steht die CDU in Umfragen noch bei sieben, die AfD bei 37\u00a0Prozent. In dieser Lage scheint von heute an\u00a0ab dem 21. September\u00a0alles m\u00f6glich:\u00a0Der Kanzler wird gest\u00fcrzt oder wirft von sich aus hin, \u00e4hnlich die SPD-Vorsitzenden,\u00a0die beide auch noch wichtige \u00c4mter im Kabinett bekleiden.\u00a0Was in der Dimension von Krise\u00a0unvorstellbar wirkt, wird in Berlin fast wie eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit\u00a0in Partygespr\u00e4chen\u00a0hoch-\u00a0und runterdiskutiert, selbst von wichtigen Parteimitgliedern.<\/p>\n<p>Niemand kann im Moment sagen, was nach dem 20. September passieren wird,\u00a0aber allein die Tatsache,\u00a0wie offen\u00a0\u00fcber die M\u00f6glichkeiten geredet wird, zeigt,\u00a0dass die Nerven\u00a0blank liegen.\u00a0Ich empfehle Ihnen dazu auch die gro\u00dfe Analyse meiner Kollegen aus dem Politikressort, die Sie\u00a0hier nachlesen k\u00f6nnen:<\/p>\n<\/p>\n<p>Die zweite Frage lautet dann stets, wer denn Friedrich Merz als Kanzler folgen k\u00f6nnte. Gehandelt wird\u00a0Nordrhein-Westfalens\u00a0Ministerpr\u00e4sident Hendrik W\u00fcst, doch Leute, die ihn kennen, winken ab: Das tut der sich nicht an, der wartet jetzt erstmal ab, lautet die j\u00fcngste Einsch\u00e4tzung.<\/p>\n<h2>Wer soll Merz nachfolgen?<\/h2>\n<p>Nur, wer soll es dann machen?\u00a0Auf Landesebene bietet sich\u00a0sonst\u00a0au\u00dfer Markus S\u00f6der niemand\u00a0wirklich an\u00a0\u2013 und S\u00f6der wird wenigstens unterstellt, dass er sich rufen lassen w\u00fcrde. Nur, es gibt noch eine dritte Frage in diesem ganzen Spekulationsgewirr, und die f\u00fchrt wieder zur Skater-Bahn und den fehlenden \u00c4rzten auf dem Land:\u00a0Was w\u00e4re dann eigentlich anders, wenn der Kanzler nicht mehr Merz, sondern S\u00f6der oder doch W\u00fcst hie\u00dfe?\u00a0Und der Finanzminister nicht mehr\u00a0Lars\u00a0Klingbeil, sondern Hubertus Heil?\u00a0Wahrscheinlich nicht sehr viel.<\/p>\n<p>Genau genommen besteht die Antwort auf diese Frage aus zwei Teilen: Der erste Teil dreht sich\u00a0nicht um die Inhalte der Politik, sondern die Prozesse und das Management\u00a0dahinter.Vielleicht\u00a0best\u00fcnde die Chance eines gro\u00dfes Personalwechsels an der Spitze der Regierung in einem besseren Management von Reformen und\u00a0Entscheidungen\u00a0\u2013 mehr Verbindlichkeit, gr\u00f6\u00dfere Stabilit\u00e4t, eine bessere Kommunikation.<\/p>\n<\/p>\n<p>Das w\u00e4re in der Tat ein Fortschritt\u00a0\u2013\u00a0wie auch\u00a0die neue Debatte in der Unionsfraktion\u00a0um die Zustimmung zum Bundeshaushalt und\u00a0zur l\u00e4ngst vereinbarten (ja, zu kleinen) Steuerentlastung zeigt. Aber, und das ist der zweite Teil der Antwort:\u00a0Die Probleme blieben ja dennoch die gleichen.\u00a0Trump w\u00e4re noch da, Putin auch, die Chinesen w\u00fcrden weiter ihre billigen E-Autos schicken, die deutsche Industrie h\u00e4tte immer noch ein Kosten- und Wettbewerbsproblem, der Spielraum im Haushalt bleibt begrenzt.<\/p>\n<h2>Egal, wie es kommt: Die Regierung muss mutig Reformen angehen<\/h2>\n<p>Wahrscheinlich w\u00fcrde auch ein neues Kabinett\u00a0(mit den alten Mehrheiten) zu sehr \u00e4hnlichen,\u00a0wenn nicht sogar\u00a0exakt\u00a0zu\u00a0den gleichen Schlussfolgerungen kommen:\u00a0Das Gesundheitssystem geh\u00f6rt dringend reformiert, weil die Kosten dort aus dem Ruder laufen. Ebenso\u00a0die\u00a0Pflege. Und die Reformvorschl\u00e4ge der j\u00fcngsten Kommission\u00a0f\u00fcr das Rentensystem\u00a0waren doch nicht so verkehrt und sollten mehr oder weniger genauso umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Kurz, auch eine neue Regierung mit einem neuen Chef oder einer neuen Chefin an der Spitze m\u00fcsste ziemlich genau das anschieben, was schon die gl\u00fccklose aktuelle Regierung begonnen hat.\u00a0Womit sich\u00a0allerdings auch\u00a0die Frage stellen w\u00fcrde: Wozu\u00a0macht man es dann \u00fcberhaupt? Reicht die vage Hoffnung auf ein besseres\u00a0Management als Begr\u00fcndung f\u00fcr die zweite schwere Regierungskrise und einen weiteren Kanzlerwechsel innerhalb von nicht mal 24 Monaten?\u00a0Tja.<\/p>\n<p>Das Geld f\u00fcr die Skater-Bahn \u00fcbrigens, das ist im Prinzip schon unterwegs\u00a0\u2013 viele Kommunen sanieren mit dem Geld aus dem Infrastruktur-Sonderverm\u00f6gen des Bundes marode Sportst\u00e4tten. Das st\u00e4rkt zwar nicht unbedingt das Wachstumspotenzial des Landes, aber vielleicht hebt es wenigstens\u00a0ein bisschen\u00a0die Stimmung. Und die fehlenden \u00c4rzte auf dem Land sind wirklich ein Problem\u00a0\u2013 eines, dem sich der neue Gesundheitsminister ja mal annehmen k\u00f6nnte.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Lage ist\u00a0wirklich vertrackt,\u00a0es gibt\u00a0keinen leichten Ausweg.\u00a0Das gilt f\u00fcr Friedrich Merz und seine Koalition \u2013 aber ebenso f\u00fcr das Land, das er regiert.\u00a0Es\u00a0ist gewisserma\u00dfen\u00a0eine Verpflichtung, und zwar f\u00fcr beide Seiten.\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt liegen in Berlin die Nerven blank. Schon wird \u00fcber einen Sturz von Friedrich Merz und m\u00f6gliche Nachfolger geredet. 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