{"id":22279,"date":"2026-09-12T11:03:09","date_gmt":"2026-09-12T09:03:09","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/ki-und-jobs-warum-berufseinsteiger-der-gen-z-unter-druck-geraten-38237936-html\/"},"modified":"2026-09-12T11:03:09","modified_gmt":"2026-09-12T09:03:09","slug":"ki-und-jobs-warum-berufseinsteiger-der-gen-z-unter-druck-geraten-38237936-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/ki-und-jobs-warum-berufseinsteiger-der-gen-z-unter-druck-geraten-38237936-html\/","title":{"rendered":"Karriere: \u201eMit dem Vormarsch von KI wird Erfahrung wertvoller\u201c"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Generative KI setzt vor allem Berufseinsteiger bei der Jobsuche unter Druck. Arbeitsmarktforscher Oliver Schlenker erkl\u00e4rt, wie sich junge Besch\u00e4ftigte jetzt am besten aufstellen<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p><strong>ntv.de: Jugendforscher Mathias Albert, Autor der Shell-Jugendstudie, sieht in der Gen Z eine \u201everlorene Generation\u201c. Denn durch K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) haben pl\u00f6tzlich auch gut ausgebildete junge Menschen Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Wie viele Bewerber sind davon betroffen?<\/strong><br \/>OLIVER SCHLENKER: In den USA zeigt sich tats\u00e4chlich eine Besch\u00e4ftigungsl\u00fccke in sogenannten KI-exponierten Berufen. Die Besch\u00e4ftigung der 22- bis 25-J\u00e4hrigen hat sich dort seit Ende 2022 um knapp ein F\u00fcnftel schw\u00e4cher entwickelt als in Bereichen, die weniger von KI betroffen sind. Das sehen wir aber in Europa so nicht, wie Studien aus Skandinavien zeigen. Wir untersuchen das gerade f\u00fcr Deutschland. Berufseinsteiger sind hierzulande zurzeit zwar stark von der negativen Entwicklung am Arbeitsmarkt betroffen. KI ist dabei aber nur ein Grund von vielen, der gr\u00f6\u00dfte ist die Rezession. Eine Rolle spielt zum Beispiel auch, dass in klassischen Akademikerberufen inzwischen viel von zu Hause aus gearbeitet wird. Das kann die Betreuung und das informelle Lernen von Nachwuchskr\u00e4ften erschweren und dazu beitragen, dass Arbeitgeber eher erfahrene Besch\u00e4ftigte einstellen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Welche Berufe sind besonders stark von generativer KI betroffen?<\/strong><br \/>Softwareentwicklung ist ganz vorn dabei, aber auch Berufe im Kundenservice und Gesch\u00e4ftskundenbereich, nicht nur im IT-Bereich, sondern im wissensintensiven Dienstleistungsbereich insgesamt und auch im Journalismus. Weniger betroffen sind Berufe im Bausektor und solche mit sehr viel sozialer Interaktion, klassisch in Gesundheit und Pflege.<\/p>\n<p><strong>Woher kommt die viel gr\u00f6\u00dfere Besch\u00e4ftigungsl\u00fccke in den USA infolge von KI?<\/strong><br \/>Das l\u00e4sst sich bislang nicht eindeutig beantworten, aber ein m\u00f6glicher Grund sind Unterschiede im K\u00fcndigungsschutz. In den USA k\u00f6nnen Arbeitgeber ihre Mitarbeiterzahl leichter anpassen, zum Beispiel auch durch Entlassungen. Au\u00dferdem wurden bei der Studie in den USA sehr gro\u00dfe Betriebe untersucht und in gro\u00dfen Unternehmen wird KI schon st\u00e4rker eingesetzt, was ebenfalls f\u00fcr den starken Unterschied sorgen kann.<\/p>\n<p><strong>Welche Altersgruppe genau ist von den KI-Folgen besonders betroffen?<\/strong><br \/>Die Ergebnisse aus den USA beziehen sich auf die 22- bis 25-J\u00e4hrigen, weil das dort ein \u00fcbliches Alter f\u00fcr akademische Berufseinsteigerinnen und -einsteiger ist. In Deutschland wird das Studium oft sp\u00e4ter abgeschlossen.<\/p>\n<p><strong>Wie stehen mittelalte und \u00e4ltere Arbeitnehmer im Vergleich dazu da?<\/strong><br \/>Ihre Besch\u00e4ftigung entwickelt sich Vergleich zu den J\u00fcngeren stabiler. \u00c4ltere Besch\u00e4ftigte sind viel weniger von der Rezession betroffen, da die aktuelle wirtschaftliche Schw\u00e4che vor allem \u00fcber weniger Neueinstellungen wirkt und bestehende Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse stabiler sind. Zweitens wird mit dem Vormarsch von KI ihre Erfahrung eher wertvoller. Sie k\u00f6nnen Routineaufgaben an die KI auslagern und deren Ergebnisse gut pr\u00fcfen, weil sie wissen, was herauskommen sollte.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie eine gro\u00dfe Verunsicherung unter den jungen Bewerbern, Auszubildenden, Studierenden und Arbeitnehmern best\u00e4tigen? Jugendforscher Albert spricht von \u201eApathie, Polarisierung und Perspektivlosigkeit\u201c.<\/strong><br \/>Die Sinus-Jugendstudie der Barmer Krankenkasse hat zwar ergeben, dass KI einem F\u00fcnftel der Jugendlichen gro\u00dfe Zukunftssorgen macht. Im Vergleich zu anderen Ursachen belegt KI dabei aber einen der letzten Pl\u00e4tze. Kriege zum Beispiel machen dreimal so vielen Jugendlichen gro\u00dfe Sorgen. Man muss die \u00c4ngste vor KI ernst nehmen und sie nehmen auch zu, aber ich w\u00fcrde auch die Chancen dagegenhalten. Der Gro\u00dfteil der KI-Nutzung geht bisher von den Besch\u00e4ftigten selbst aus, nicht von den Unternehmen. Au\u00dferdem m\u00fcssen Betriebe international wettbewerbsf\u00e4hig bleiben \u2013 ohne KI-Nutzung st\u00fcnden irgendwann vielleicht ganze Branchen auf dem Spiel. KI sollte deshalb dort gezielt eingef\u00fchrt werden, wo sie einen Mehrwert bietet. Ihre Folgen sind kein Schicksal, sondern h\u00e4ngen davon ab, wie sie eingef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p><strong>Was l\u00e4sst sich dabei aus der Vergangenheit lernen, als andere technische Entwicklungen Berufsaussichten auf den Kopf stellten?<\/strong><br \/>Bei der robotischen Automatisierung haben wir gesehen, dass betriebliche Mitbestimmung daf\u00fcr sorgen kann, die negativen Konsequenzen f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten abzumildern, ohne dass die Produktivit\u00e4t darunter leiden muss \u2013 im Gegenteil. Wenn etwa Routinet\u00e4tigkeiten am Flie\u00dfband wegfallen, k\u00f6nnen betroffene Besch\u00e4ftigte mit der notwendigen Weiterbildung die Roboter bedienen, die ihre urspr\u00fcnglichen Aufgaben \u00fcbernommen haben. Daf\u00fcr braucht es allerdings neben neuen F\u00e4higkeiten auch die Einbeziehung der Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p><strong>Negative Konsequenzen wie Jobverluste werden auf diese Weise abgemildert, allerdings nicht verhindert. Was spricht aus Arbeitnehmersicht trotzdem f\u00fcr die Einf\u00fchrung von KI?<\/strong><br \/>Eine koordinierte Einf\u00fchrung kann Besch\u00e4ftigten genauso helfen wie den Unternehmen. Die Digitalisierung kann zu Termin- und Leistungsdruck f\u00fchren, wodurch bei manchen Besch\u00e4ftigtengruppen auch die Zahl der Krankheitstage zunimmt. Wenn einzelne Mitarbeiter KI auf eigene Faust einf\u00fchren und damit zum Beispiel einen zumindest auf den ersten Blick perfekt wirkenden Bericht innerhalb von Stunden statt Wochen erstellen, kann dies m\u00f6glicherweise mehr zus\u00e4tzlichen Druck innerhalb eines Teams erzeugen als eine geordnete Einf\u00fchrung durch den Arbeitgeber.<\/p>\n<p><strong>Wer sind die Gewinner des Siegeszugs generativer KI?<\/strong><br \/>Besonders profitieren k\u00f6nnen Besch\u00e4ftigte, deren Arbeit durch KI erg\u00e4nzt wird und die KI-generierte Ergebnisse zuverl\u00e4ssig beurteilen k\u00f6nnen. Das sind mutma\u00dflich eher Experten mit einem hohen Level an Fachwissen und Erfahrung. Sie k\u00f6nnen etwa mithilfe von KI-Agenten, deren Ergebnisse sie pr\u00fcfen, viel produktiver werden. Unter Druck geraten k\u00f6nnten dagegen standardisierte digitale Routinet\u00e4tigkeiten, etwa bestimmte einfache Schreib-, Programmier- oder Bildproduktionsaufgaben. Aber wie bei fr\u00fcheren Technologien werden in der Regel T\u00e4tigkeiten und kein ganzer Beruf ersetzt. Manche Berufe werden sich allerdings stark wandeln &#8211; und neue Berufe entstehen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Wie sollten \u201eVerlierer\u201c der Entwicklung am besten damit umgehen?<\/strong><br \/>K\u00fcnftig wird immer st\u00e4rker die Frage sein, was mein \u201eUnique Selling Point\u201c gegen\u00fcber KI ist: Welche F\u00e4higkeiten kann ich einbringen, die \u00fcber die Erledigung kognitiver Routinet\u00e4tigkeiten hinausgehen? Dabei hilft es sicherlich, zu zeigen, dass man nicht nur Fachwissen, sondern auch die F\u00e4higkeit hat, gut mit KI arbeiten zu k\u00f6nnen. Stark KI-exponierte Berufe wie Juristen, Wissenschaftler und Journalisten zum Beispiel k\u00f6nnen durch den richtigen Einsatz von KI viel produktiver werden. Und nat\u00fcrlich sind auch erg\u00e4nzende F\u00e4higkeiten gefragt, zum Beispiel, ob ich im Gerichtssaal gut argumentieren kann.<\/p>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen Berufsanf\u00e4nger \u00fcberhaupt noch Erfahrung sammeln, wenn bisherige Einstiegsjobs wegfallen?<\/strong><br \/>Das Monitoring von KI wird wichtiger: zu wissen, was KI macht, aber auch die Expertise erlangen, die Ergebnisse so schnell wie m\u00f6glich pr\u00fcfen zu k\u00f6nnen. Kritisches Denken wird also meines Erachtens wichtiger, ebenso soziale Interaktion. Man muss, wie gesagt, weg von leicht automatisierbaren kognitiven Routinet\u00e4tigkeiten kommen. Das ist nat\u00fcrlich f\u00fcr Individuen unterschiedlich schwierig. Es entsteht daher ein ganz neuer Bildungsbedarf, auch f\u00fcr die Arbeitgeber. Unternehmen m\u00fcssen Einstiegsstellen so gestalten, dass junge Besch\u00e4ftigte trotz KI praktische Erfahrung sammeln k\u00f6nnen \u2013 etwa durch Mentoring, regelm\u00e4\u00dfiges Feedback und schrittweise wachsende Verantwortung. Ein gro\u00dfes Hemmnis ist, dass vielen Besch\u00e4ftigten noch die n\u00f6tigen digitalen F\u00e4higkeiten fehlen.<\/p>\n<p><strong>Einige Schulabg\u00e4nger werden versuchen, mit einer \u201ehandfesten Ausbildung\u201c, wie zum Beispiel im Handwerk, auf Nummer sicher zu gehen, nicht durch KI ersetzt zu werden. Zeichnet sich ein solcher Trend ab?<\/strong><br \/>Ein Handwerksboom ist bisher nicht erkennbar, auch wenn es eine leichte Verschiebung innerhalb der dualen Ausbildung ins Handwerk gibt. Allerdings stand der Bausektor nun auch jahrelang unter Druck; welche Rolle KI spielt, muss sich also noch zeigen. Wer mit Technologie nichts am Hut hat und auch k\u00fcnftig nichts zu tun haben will, etwa in Form von lebenslangem Lernen, wird sich erst recht \u00fcberlegen, in einen sozialen oder Handwerksberuf zu gehen. Aber dass diese Berufe nicht auch digitaler werden oder gar \u201esicher\u201c vor KI sind, w\u00fcrde ich nicht sagen. Und KI bietet die gro\u00dfe Chance, dass Routineaufgaben wegfallen, die nicht unbedingt Spa\u00df machen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>In den vergangenen Jahren wuchs in den \u201ehandfesten\u201c Berufen der Fachkr\u00e4ftemangel. Ist generative KI hier eine hilfreiche L\u00f6sung, zumindest f\u00fcr einen Teil der L\u00fccke?<\/strong><br \/>Ja, in der Pflege kann Technologie Besch\u00e4ftigte insbesondere bei administrativen T\u00e4tigkeiten wie der Dokumentation entlasten. Auch im \u00f6ffentlichen Dienst besteht gro\u00dfes Potenzial, Prozesse mithilfe von KI zu verschlanken. Wo Fachkr\u00e4ftemangel herrscht, sehen Arbeitgeber KI teils als gro\u00dfe Chance.<\/p>\n<p><strong>Auch im Bewerbungsprozess nutzen Arbeitgeber zunehmend KI. Wie wirkt sich das auf die Chancen von Bewerbern aus?<\/strong><br \/>KI kann zu mehr Voreingenommenheit f\u00fchren, das ist eine gro\u00dfe Sorge. Eine solche Verzerrung h\u00e4ngt sehr davon ab, wie stark Menschen in den Auswahlprozess eingebunden werden. Bewerbungen sind au\u00dferdem ein Beispiel daf\u00fcr, dass KI immer neuen Bedarf an KI schaffen kann: Generative KI senkt den Aufwand f\u00fcr Bewerbungen und kann deshalb dazu f\u00fchren, dass sich Menschen auf mehr Stellen bewerben. Unternehmen m\u00fcssen dann mehr Bewerbungen pr\u00fcfen und k\u00f6nnten ihrerseits h\u00e4ufiger KI zur Vorauswahl einsetzen. \u00c4hnlich denkbar an Gerichten, wo es erste Hinweise auf einen starken Anstieg KI-unterst\u00fctzter Klagen gibt. Das ist paradox, wird sich aber noch verschieben, wenn die KI-Nutzung teurer wird. Aktuell ist diese ja noch g\u00fcnstig.<\/p>\n<p><em>Mit Oliver Schlenker sprach Christina Lohner.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Beitrag ist zuerst bei\u00a0ntv.de\u00a0erschienen. Das Nachrichtenportal geho\u0308rt wie Capital zu RTL Deutschland.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Generative KI setzt vor allem Berufseinsteiger bei der Jobsuche unter Druck. 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