{"id":22292,"date":"2026-09-12T13:03:07","date_gmt":"2026-09-12T11:03:07","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/kritische-infrastruktur-deutschlands-eklatante-luecke-bei-der-drohnenabwehr-38240142-html-2\/"},"modified":"2026-09-12T13:03:07","modified_gmt":"2026-09-12T11:03:07","slug":"kritische-infrastruktur-deutschlands-eklatante-luecke-bei-der-drohnenabwehr-38240142-html-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/kritische-infrastruktur-deutschlands-eklatante-luecke-bei-der-drohnenabwehr-38240142-html-2\/","title":{"rendered":"Gastbeitrag: Deutschlands eklatante L\u00fccke bei der Drohnenabwehr"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Drohnen \u00fcber Flugh\u00e4fen, Anschl\u00e4ge auf Stromnetze: Wie l\u00e4sst sich Deutschlands kritische Infrastruktur besser sch\u00fctzen? Daf\u00fcr m\u00fcssten wir unsere Sicherheitsarchitektur an einer entscheidenden Stelle neu denken<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>\u201eWir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind t\u00e4gliches Ziel hybrider Kriegsf\u00fchrung.\u201c Mit diesen bemerkenswerten Worten informierte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt Anfang August die deutsche \u00d6ffentlichkeit. Damit sprach er aus, was Sicherheitsexperten schon lange umtreibt: Die Bedrohung ist real. Erst der Anschlagsversuch in Leipzig, dann Drohnensichtungen am Flughafen K\u00f6ln\/Bonn, erneut in Leipzig und zuletzt die Flughafensperrung in M\u00fcnchen. Das Bundeskriminalamt z\u00e4hlt in seinem aktuellen Lagebild seit Jahresbeginn mehr als 747 Drohnenvorf\u00e4lle an Flugh\u00e4fen und \u00fcber Kritischer Infrastruktur.<\/p>\n<p>Was der Innenminister allerdings nicht sagte: Deutschland ist darauf weder ausreichend eingestellt noch vorbereitet. Schon gar nicht in der Fl\u00e4che. Flugh\u00e4fen sch\u00fctzen? Nat\u00fcrlich. Doch bereits hinter dem Flughafenzaun beginnt die gro\u00dfe Unsicherheit. Wer sch\u00fctzt Stromleitungen, Umspannwerke, Wasserwerke und Rechenzentren? Wer die Krankenh\u00e4user, Chemiewerke sowie die zahlreichen R\u00fcstungs- und Zulieferbetriebe im Land?\u00a0<\/p>\n<p>Diese Frage wird bislang nicht mit derselben Dringlichkeit gestellt wie jene nach dem Schutz gro\u00dfer Flugh\u00e4fen oder Bundeswehreinrichtungen. Das muss sich \u00e4ndern. Allein in der ersten Septemberwoche wurden mehrere Sprengvorrichtungen an Stromleitungen und Umspannwerken in Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen gefunden. Die Bedrohung lebensnotwendiger Infrastruktur ist l\u00e4ngst keine abstrakte Gefahr mehr.<\/p>\n<h2>Diskussion um Befugnisse<\/h2>\n<p>Zwar wird nun endlich offen \u00fcber hybride Bedrohungen diskutiert. Doch die Debatte konzentriert sich zu stark auf Abwehr- und Abschussbefugnisse. Dabei beginnt das Problem viel fr\u00fcher: Vor allem in den Kommunen fehlt es an M\u00f6glichkeiten, feindliche Drohnen rechtzeitig und systematisch aufzusp\u00fcren. Was an Flugh\u00e4fen schon schwierig ist, wird entlang von Pipelines, Umspannwerken und Werksgel\u00e4nden noch komplizierter. Deutschland fehlt ein fl\u00e4chendeckendes Sensornetz, das eine Bedrohung \u00fcberhaupt erst sichtbar macht.<\/p>\n<p>Wir brauchen deshalb fl\u00e4chendeckende Technik zur Detektion und ein umfassendes Lagebild. Und wir brauchen eine neue Sicherheitsarchitektur, die kommunale und zivile Akteure einbezieht. Bislang werden gerade sie ausgebremst. Das im M\u00e4rz 2026 verabschiedete KRITIS-Dachgesetz l\u00e4sst ausgerechnet bei der Drohnenabwehr eine entscheidende L\u00fccke.\u00a0<\/p>\n<p>Betreiber Kritischer Infrastruktur sollen ihre Anlagen sch\u00fctzen, verf\u00fcgen aber kaum \u00fcber rechtliche M\u00f6glichkeiten zur aktiven Gegenwehr. Sie d\u00fcrfen grunds\u00e4tzlich keine Ger\u00e4te einsetzen, die den Funkverkehr einer Drohne st\u00f6ren oder abfangen. Auch physisch wirksame Abwehrmittel wie Fangnetze oder St\u00f6rsender sind privaten Betreibern grunds\u00e4tzlich untersagt. Der Abschuss von Drohnen bleibt staatlichen Sicherheitsbeh\u00f6rden vorbehalten.<\/p>\n<\/p>\n<p>Bundesinnenminister Dobrindt will nun nachbessern. Mobile Einsatzeinheiten sollen in gro\u00dfen St\u00e4dten Flugh\u00e4fen, Bahnh\u00f6fe und in Berlin das Regierungsviertel sch\u00fctzen. Wieder bleibt jedoch eine entscheidende Frage offen: Was passiert mit der Kritischen Infrastruktur in der Fl\u00e4che?<\/p>\n<p>Hinzu kommt das Zust\u00e4ndigkeitswirrwarr zwischen Bund, L\u00e4ndern und Kommunen. Dobrindts Pl\u00e4ne haben durchaus das Potenzial, daran zu scheitern. Der Schutz Zehntausender Anlagen und Unternehmen kann deshalb nicht allein von Berlin organisiert werden. Er muss auch von den Kommunen ausgehen. Dort befindet sich der Gro\u00dfteil der Kritischen Infrastruktur, vieles davon in privater Hand. F\u00fcr einen besseren Schutz sind drei Schritte entscheidend:<\/p>\n<h2><strong>Regelungsl\u00fccken schlie\u00dfen<\/strong><\/h2>\n<p>Staatliche Einrichtungen wie das Drohnenabwehrzentrum, geplante mobile Einheiten oder der von Dobrindt angek\u00fcndigte \u201eCyberdome\u201c werden auf absehbare Zeit nicht jede Anlage \u00fcberwachen k\u00f6nnen. Deshalb m\u00fcssen private und kommunale Betreiber niedrigschwellige Detektionstechnik auf dem eigenen Gel\u00e4nde einsetzen und ihre Erkenntnisse in ein gemeinsames Lagebild einspeisen d\u00fcrfen. Daf\u00fcr braucht es eine klare Rechtsgrundlage. Das KRITIS-Dachgesetz muss erneut auf den Pr\u00fcfstand. Dass die Drohnenabwehr darin keine ausreichende Rolle spielt, erweist sich wenige Monate nach seiner Verabschiedung als Vers\u00e4umnis.<\/p>\n<h2><strong>Geld f\u00fcr Sensortechnik bereitstellen\u00a0<\/strong><\/h2>\n<p>Rechtliche Befugnisse allein reichen nicht. Bund und L\u00e4nder m\u00fcssen F\u00f6rderprogramme auflegen, mit denen kommunale und private Betreiber \u2013 vom Chemiewerk bis zum mittelst\u00e4ndischen R\u00fcstungszulieferer \u2013 vernetzte Detektionstechnik aufbauen k\u00f6nnen. Dabei muss auch gekl\u00e4rt werden, wer die zus\u00e4tzlichen Kosten tr\u00e4gt. Werden Betreiber zu neuen Schutzma\u00dfnahmen verpflichtet, muss deren Finanzierung gesichert sein. Sonst drohen aus neuen Vorgaben neue Sicherheitsl\u00fccken zu entstehen.<\/p>\n<h2><strong>Zweckverband f\u00fcr Drohnenabwehr gr\u00fcnden<\/strong><\/h2>\n<p>Die Sicherheit unserer Kommunen entscheidet sich nicht am Flughafenzaun. Sie entscheidet sich in der Fl\u00e4che, wo vielerorts bislang Sensornetze, Leitstellen und klare Zust\u00e4ndigkeiten fehlen. Ein m\u00f6glicher Ansatz sind kommunale Zweckverb\u00e4nde. In Bayern beispielsweise erm\u00f6glicht Artikel 17 des Gesetzes \u00fcber die kommunale Zusammenarbeit entsprechende Zusammenschl\u00fcsse.<\/p>\n<p>Ein solcher Verband k\u00f6nnte drei Probleme zugleich angehen: die Finanzierung, die rechtssichere Einbindung privater Betreiber und die technische Standardisierung eines gemeinsamen Lagebilds. Gemeinden, Landkreise und weitere Akteure k\u00f6nnten sich zusammenschlie\u00dfen und die notwendige Infrastruktur gemeinsam aufbauen.<\/p>\n<p>Ein Teil davon ist sogar bereits vorhanden. Feuerwehrh\u00e4user gibt es fl\u00e4chendeckend in Deutschland. Mit Stromversorgung, Internetanschluss und h\u00e4ufig erh\u00f6hten Standorten bieten sie gute Voraussetzungen f\u00fcr passive Detektionstechnik. Anders als ein auf Ballungsr\u00e4ume konzentrierter \u201eCyberdome\u201c k\u00f6nnte so auch der l\u00e4ndliche Raum einbezogen werden.<\/p>\n<p>Sicherheit vor hybriden Bedrohungen darf keine Frage des Wohnorts sein. Deutschland hat Strukturen, Rechtsformen und technische M\u00f6glichkeiten, um neben Gro\u00dfst\u00e4dten und Flugh\u00e4fen auch Kommunen und Unternehmen besser zu sch\u00fctzen. Jetzt m\u00fcssen Bund, L\u00e4nder und Kommunen daraus ein funktionierendes System machen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Drohnen \u00fcber Flugh\u00e4fen, Anschl\u00e4ge auf Stromnetze: Wie l\u00e4sst sich Deutschlands kritische Infrastruktur besser sch\u00fctzen? 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