{"id":22295,"date":"2026-09-12T13:03:23","date_gmt":"2026-09-12T11:03:23","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/mehr-angst-vor-dem-heim-als-vor-dem-tod-von-sabiene-jahn\/"},"modified":"2026-09-12T13:03:23","modified_gmt":"2026-09-12T11:03:23","slug":"mehr-angst-vor-dem-heim-als-vor-dem-tod-von-sabiene-jahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/mehr-angst-vor-dem-heim-als-vor-dem-tod-von-sabiene-jahn\/","title":{"rendered":"Mehr Angst vor dem Heim als vor dem Tod | Von Sabiene Jahn"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Es gibt Themen, die erst dann sichtbar werden, wenn man lange genug \u00fcber sie schweigt. Die Pflege von Menschen geh\u00f6rt dazu. Sie verschwindet im L\u00e4rm des\u00a0\u00f6ffentlichen Betriebs \u2013 zwischen Reformversprechen, Kostenstatistiken und Schlagzeilen, die den Alltag selten treffen. In Rheinland-Pfalz kam sie einen ganzen Tag lang selbst zu Wort: Ungeschminkt, widerspr\u00fcchlich und dringlich. In Leutesdorf erz\u00e4hlten Angeh\u00f6rige,\u00a0\u00c4rztinnen und Helfende von \u00dcberforderung, Entm\u00fcndigung und fehlender Unterst\u00fctzung. Ihre Berichte \u00fcber Pflege, Sterben und Selbstbestimmung zeigten, wie ein \u00fcberfordertes System in Deutschland Menschen abh\u00e4ngig macht und warum W\u00fcrde dort beginnt, wo Hilfe tats\u00e4chlich ankommt. Am Ende stand eine Frage, die weit \u00fcber diesen Tag hinausweist. Wie wollen wir leben, wenn wir auf andere angewiesen sind?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Sabiene Jahn<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Manchmal gen\u00fcgt ein einziger Satz, um eine Gesellschaft zu entlarven. An diesem Tag in Leutesdorf war es die Bemerkung einer Frau, die \u00fcber Jahre gek\u00e4mpft hatte. \u201eIch habe mehr Angst vor Pflegeeinrichtungen als vor dem Sterben.\u201c Keine \u00dcbertreibung, sie hatte Erfahrung. Sp\u00e4testens in diesem Moment wurde klar, weshalb die Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V. ihr zwanzigj\u00e4hriges Bestehen nicht mit einer Festrede und Schulterklopfen beging. Dieser Tag war eine Zumutung. Er f\u00fchrte dorthin, wo das deutsche Pflegesystem seine freundlich anmutenden Prospekte verliert, an Krankenbetten, in Nachtdiensten, zu ersch\u00f6pften T\u00f6chtern, \u00fcberforderten Ehepartnern und alten Menschen, deren Wille hinter Diagnosen, Routinen und Zust\u00e4ndigkeiten verschwindet.<\/p>\n<p>Der bundesweit t\u00e4tige Verein mit Sitz in St. Katharinen (Rheinland-Pfalz) hatte Mitglieder, Fachleute und Interessierte eingeladen. Viele brachten Geschichten mit, die gew\u00f6hnlich hinter Wohnungst\u00fcren und Klinikmauern bleiben. Es ging um Sterben und Begleitung, um Vertrauen, medizinische Machbarkeit, die Erfahrungen der Corona-Zeit, die rechtliche Betreuung, den Personalmangel in Heimen und die Frage, ob Pflege wieder als Aufgabe einer Gemeinschaft verstanden werden kann. Im Zentrum stand ein Wort, das in Leitbildern oft harmlos wirkt und an diesem Tag sein ganzes Gewicht zur\u00fcckerhielt: Ethik.<\/p>\n<p><strong>Verletzlichkeit anderer begegnen<\/strong><\/p>\n<p>Den ersten Teil des Tages trugen mehrere Frauen. Ihre Berichte f\u00fchrten aus unterschiedlichen Richtungen zu denselben Themen. Wie ver\u00e4ndert eine schwere Erkrankung das Vertrauen in die Medizin? Was bedeutet es, Angeh\u00f6rige\u00a0\u00fcber Jahre zu begleiten? Und wie l\u00e4sst sich Verantwortung \u00fcbernehmen, ohne den eigenen Willen vollst\u00e4ndig an Institutionen und Fachleute abzugeben? Moderiert wurde das Gespr\u00e4ch von Adelheid von St\u00f6sser, der Gr\u00fcnderin und Vorsitzenden des Vereins.<\/p>\n<p>Dr. Fee Friese benannte ein Menschenbild, das viele der sp\u00e4teren Geschichten miteinander verband. Die moderne Medizin, sagte sie, neige dazu, den Tod als St\u00f6rung zu behandeln. Als etwas, das beherrscht, hinausgez\u00f6gert und technisch korrigiert werden m\u00fcsse.\u00a0Wo der K\u00f6rper vor allem als Maschine erscheint, wird Sterben leicht zum Defekt. Selbst die Sprache verr\u00e4t diese Sicht. Organe funktionieren oder versagen, Systeme werden stabilisiert und Werte optimiert. Am Beispiel der Transplantationsmedizin zeigte Friese, wie schnell ein Mensch in einer solchen Logik auf verwertbare K\u00f6rperfunktionen reduziert werden kann. Entscheidend war das Dahinterliegende: Was geschieht mit unserer Haltung, wenn Machbarkeit zum wichtigsten Ma\u00dfstab wird?<\/p>\n<p>Friese stellte diesem Denken eine meditative Praxis entgegen, die sie seit Jahrzehnten begleitet. Zwei S\u00e4tze stehen f\u00fcr sie am Beginn. Die Dankbarkeit daf\u00fcr, \u00fcberhaupt als Mensch geboren worden zu sein, und die Gewissheit, dass der Tod wirklich ist und ohne Warnung kommen kann. Das sei keine Drohung, erkl\u00e4rte sie. Es sei eine Erinnerung an die Kostbarkeit des Lebens. Wer die eigene Endlichkeit nicht verdr\u00e4ngt, muss den Tod weniger als Niederlage behandeln. Und wer sich der eigenen Verletzlichkeit stellt, begegnet auch der Verletzlichkeit anderer anders.<\/p>\n<p><strong>Angst vor Gericht und Strafe<\/strong><\/p>\n<p>Von da an\u00a0\u00f6ffnete sich der Raum f\u00fcr Erfahrungen, die nicht in Pflegestatistiken erscheinen. Eine Frau berichtete, wie sie w\u00e4hrend der Corona-Zeit in einer psychiatrischen Einrichtung arbeitete und den Beruf schlie\u00dflich aufgab. Anordnungen, die von \u201aoben\u2018 kamen, gerieten in Konflikt mit dem eigenen fachlichen und moralischen Urteil. Kolleginnen h\u00e4tten vieles mitgetragen, weil sie auf ihr Einkommen angewiesen waren, Kinder versorgten oder keine Alternative sahen. Was in der Ausnahmesituation als Gehorsam erschien, laufe einem sp\u00e4ter nach, sagte sie \u2013 dann, wenn die \u00e4u\u00dfere Hektik vorbei ist und die eigene Beteiligung sichtbar wird.<\/p>\n<p>Eine andere Teilnehmerin widersprach der Vorstellung, Vertrauen sei das Problem. Ohne Vertrauen k\u00f6nne kein Mensch leben. Gef\u00e4hrlich werde es dort, wo Vertrauen durch unvollst\u00e4ndige Information missbraucht werde. Wer krank, ersch\u00f6pft oder ver\u00e4ngstigt ist, kann kaum s\u00e4mtliche Diagnosen, Leitlinien und Folgen selbst pr\u00fcfen. Aus Vertrauen wird blindes Vertrauen, wenn entscheidende Informationen fehlen und Zweifel als St\u00f6rung behandelt werden. Friese nahm diesen Gedanken auf. Sie habe zugelassen, was mit ihr geschehen sei, sagte sie r\u00fcckblickend auf ihre eigene Behandlung. Nicht als Selbstanklage. Eher als Ausgangspunkt f\u00fcr eine neue Haltung,\u00a0\u00a0sich zu informieren, Fragen zu stellen und Verantwortung nicht vollst\u00e4ndig an vermeintliche Experten abzugeben.<\/p>\n<p>Im weiteren Gespr\u00e4ch fiel das Wort \u201eSelbstgeborgenheit\u201c. Es bezeichnete etwas, das in einer \u00fcberreizten Gesellschaft leicht verlorengeht. Eine innere Orientierung, die nicht bei jeder neuen Anweisung, Schlagzeile oder Drohung zusammenbricht. Manche Teilnehmer sprachen \u00fcber Religion, die ihnen keine Zuversicht vermittelt hatte, nur Angst vor Gericht und Strafe. Andere beklagten eine Kultur, die den Tod in Unterhaltung und Halloween-Symbole verlagert, w\u00e4hrend das ernsthafte Gespr\u00e4ch \u00fcber Sterben, Abschied und ein gutes Ende kaum stattfindet. Wo diese Sprache fehlt, bleiben Menschen mit ihren Entscheidungen allein.<\/p>\n<p><strong>Bis die Rippen brachen<\/strong><\/p>\n<p>Besonders deutlich wurde das in der Geschichte einer Frau, deren 88-j\u00e4hrige Mutter dreihundert Kilometer entfernt lebte. Eines Tages setzte sie sich ans Fenster und h\u00f6rte auf zu essen und zu trinken. Sie wollte nicht mehr leben. Erst Nachbarn bemerkten, wie weit sie sich bereits zur\u00fcckgezogen hatte, und verst\u00e4ndigten die Tochter. Dann begann die Maschinerie. Hilfe, Kurzzeitpflege, Krankenhaus, Untersuchungen, Medikamente und n\u00e4chtliche Fixierung. Der Satz der Mutter blieb derselbe. Das System hatte dennoch nur eine Antwort: Stabilisieren, behandeln, verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Die Tochter und ihre Familie fanden schlie\u00dflich eine Einrichtung, in der mehr Ruhe und Menschlichkeit m\u00f6glich waren. Die Mutter bekam ein Einzelzimmer. Die Tochter blieb bei ihr, verlie\u00df den Raum f\u00fcr kurze Zeit und fand sie bei ihrer R\u00fcckkehr tot vor. Bis heute frage sie sich, ob sie h\u00e4tte bleiben m\u00fcssen, ob sie zu wenig getan oder den Abschied verpasst habe.<\/p>\n<p>Eine anwesende \u00c4rztin antwortete mit einer Sanftheit, die den Saal f\u00fcr einen Moment still werden lie\u00df, \u201eSie haben alles richtig gemacht.\u201c\u00a0Als\u00a0\u00c4rztin kenne sie die Gedanken, die nach einem Tod zur\u00fcckbleiben, selbst dann, wenn medizinisch alles korrekt verlaufen sei. Menschen sterben nicht nach einem Plan, den Angeh\u00f6rige vollst\u00e4ndig kontrollieren k\u00f6nnen. Sie berichtete auch von einer Reanimation bei einer 96-j\u00e4hrigen Frau, die auf Wunsch der Familie durchgef\u00fchrt werden musste. \u201eWir haben auf ihr herumgedr\u00fcckt, bis die Rippen gebrochen sind\u201c, sagte sie. Der Satz schnitt durch jede abstrakte Debatte. Er f\u00fchrte zur eigentlichen Grenze. Wann ist es genug? Und wer darf diese Entscheidung treffen?<\/p>\n<p><strong>Hinter sauberen Akten\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Am Nachmittag ver\u00e4nderte sich der Ton. Die pers\u00f6nlichen Berichte blieben im Raum, doch Adelheid von St\u00f6sser zog die politische und institutionelle Linie durch zwanzig Jahre Vereinsarbeit. Von St\u00f6sser ist Krankenschwester, Lehrerin f\u00fcr Pflegeberufe und seit Jahrzehnten eine der beharrlichsten Kritikerinnen des deutschen Pflegesystems. 2005 gr\u00fcndete sie mit Mitstreitern den Pflege-Selbsthilfeverband e.V.,\u00a0\u00a02018 wurde daraus die Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V..<\/p>\n<p>Am Anfang stand die Hoffnung, \u00fcber die Politik verbindliche Ma\u00dfst\u00e4be zu schaffen. Von St\u00f6sser arbeitete in einer bundesweiten Gruppe an der \u201eCharta der Rechte hilfe- und pflegebed\u00fcrftiger Menschen\u201c mit. Das Dokument \u00fcbersetzte Grundrechte in den Pflegealltag. Selbstbestimmung, Schutz vor Gewalt und Vernachl\u00e4ssigung, eine angemessene Versorgung, Achtung der Privatheit und das Recht, als Person behandelt zu werden. Nichts daran war revolution\u00e4r. Gerade darin lag die Brisanz.<\/p>\n<p>Als die Charta fertig war, h\u00e4tten Vertreter von Tr\u00e4gern und Verb\u00e4nden eingewandt, ihre Umsetzung erfordere mehr Personal, andere Strukturen und zus\u00e4tzliche Mittel. Von St\u00f6sser erinnerte an die Versprechen derselben Einrichtungen. Auf Webseiten, in Brosch\u00fcren und Leitbildern wurde l\u00e4ngst eine Pflege beschrieben, die den Ma\u00dfst\u00e4ben der Charta entsprach. Erst als diese Versprechen \u00fcberpr\u00fcfbar werden sollten, galten sie als unrealistisch. Die Charta blieb unverbindlich. Kein Heim, keine Aufsicht und kein Gericht musste sich an ihr messen lassen. F\u00fcr von St\u00f6sser war sie am Ende ein \u201esch\u00f6nes\u201c Papier f\u00fcr die Ablage.<\/p>\n<p>Aus dieser Ern\u00fcchterung entstand die Einsicht, dass Ver\u00e4nderung nicht allein von Ministerien und Verb\u00e4nden zu erwarten war. Die Initiative begann, eigene Kriterien zu entwickeln, Missst\u00e4nde\u00a0\u00f6ffentlich zu machen und Menschen in konkreten Konflikten zu unterst\u00fctzen. Ein Gutachterteam besuchte Pflegeheime jeweils zwei Tage lang, sprach mit Bewohnern, Angeh\u00f6rigen und Besch\u00e4ftigten und beobachtete das Klima im Haus. Es ging nicht nur um korrekt ausgef\u00fcllte Formulare. Es ging um den Tonfall, um Aufmerksamkeit, um die Sorge, ob jemand im Rollstuhl in die Sonne gebracht wird, obwohl dies Zeit kostet. Zw\u00f6lf Einrichtungen erhielten eine Auszeichnung.<\/p>\n<p>Doch auch diese Erfahrung hatte eine bittere Seite. In einem ausgezeichneten Heim wechselte die Leitung. Die Person, die eine menschliche Kultur getragen hatte, wurde aus dem Haus gedr\u00e4ngt. Die Atmosph\u00e4re ver\u00e4nderte sich. Das Pr\u00e4dikat blieb zun\u00e4chst, die Wirklichkeit nicht. \u201eWenn die Haltung verschwindet, verschwindet die Qualit\u00e4t\u201c, fasste von St\u00f6sser das Problem zusammen. Regeln k\u00f6nnen Mindeststandards setzen. Sie k\u00f6nnen keine Menschlichkeit erzeugen, wenn jene fehlen, die sie t\u00e4glich leben.<\/p>\n<p>2012 stellte die Initiative ihre eigenen Auszeichnungen ein. Angesichts gl\u00e4nzender Pflegenoten wollte kaum eine Einrichtung das Risiko eingehen, bei einer realit\u00e4tsnahen Pr\u00fcfung schlechter abzuschneiden. Zur gleichen Zeit etablierte der Medizinische Dienst ein Pr\u00fcfsystem, das vor allem Dokumentationen bewertete. Die Pflegenoten lagen bald in einem erstaunlich guten Durchschnittsbereich. Ob Menschen wundgelegen, isoliert oder medikament\u00f6s ruhiggestellt wurden, lie\u00df sich hinter sauberen Akten verbergen. Wer richtig dokumentierte, konnte eine gute Note erhalten. Das Papier wurde zum Beweis f\u00fcr eine Wirklichkeit, die es nicht gab.<\/p>\n<p><strong>\u201eWas nachts passiert, sieht keiner\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Seit 2014 geh\u00f6rt die Besetzung der Nachtdienste zu den Schwerpunkten der Initiative. Von St\u00f6sser schilderte eine Praxis, die au\u00dferhalb der Heime kaum vorstellbar ist. Eine einzige Pflegekraft ist nachts mitunter f\u00fcr vierzig oder f\u00fcnfzig Menschen verantwortlich. In Bayern gilt nachts ein Mindestverh\u00e4ltnis von einer Pflegekraft zu vierzig Bewohnern, in Baden-W\u00fcrttemberg von einer besch\u00e4ftigten Person zu f\u00fcnfundvierzig Bewohnern. Schon diese Schl\u00fcssel zeigen, wie wenig Raum f\u00fcr individuelle Hilfe bleibt. Wer st\u00fcrzt, Schmerzen hat, sterbend im Bett liegt oder in einer demenziellen Krise umherwandert, konkurriert mit allen anderen um dieselbe Person.<\/p>\n<p>\u201eWas nachts passiert, sieht keiner\u201c, sagte von St\u00f6sser. Der Satz erkl\u00e4rt, weshalb dieses Thema politisch so lange im Schatten blieb. In der Corona-Zeit wurde ausf\u00fchrlich \u00fcber Besuchsverbote gesprochen. Weniger Beachtung fand, dass dieselbe Nachtwache durch viele Zimmer ging und damit zur unfreiwilligen Verbindung zwischen s\u00e4mtlichen Bewohnern wurde. Schutz wurde \u00fcber Isolation organisiert, w\u00e4hrend die strukturelle Unterbesetzung unangetastet blieb.<\/p>\n<p>Auch das Betreuungsrecht wurde f\u00fcr die Initiative zu einem Feld praktischer Gegenwehr. Von St\u00f6sser berichtete von Menschen, die gegen ihren Willen unter rechtliche Betreuung gestellt oder in Einrichtungen gebracht worden waren, obwohl sie ihren Willen noch \u00e4u\u00dfern konnten. Manchmal reichten Schwerh\u00f6rigkeit, Verwirrung nach einem Krankenhausaufenthalt oder das Fehlen durchsetzungsf\u00e4higer Angeh\u00f6riger, damit andere \u00fcber Wohnung, Verm\u00f6gen und Lebensort entschieden.<\/p>\n<p>Die Initiative sammelte F\u00e4lle und ver\u00f6ffentlichte die Brosch\u00fcre \u201eErfahrungen mit rechtlicher Betreuung im Pflegebereich\u201c. Von St\u00f6sser schickte sie an die Mitglieder des Rechtsausschusses des Bundestages und wurde als Sachverst\u00e4ndige zu einer Anh\u00f6rung eingeladen. Die Reform, die 2023 in Kraft trat, st\u00e4rkte den Vorrang des Willens der betreuten Person und die unterst\u00fctzte Entscheidungsfindung. Sie beseitigte den Machtmissbrauch nicht. Sie ver\u00e4nderte jedoch den rechtlichen Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p>Wie viel davon im Einzelfall abh\u00e4ngt, ob jemand genau hinsieht, zeigte die Geschichte einer \u00fcber neunzigj\u00e4hrigen Frau. Nach einem Schlaganfall war sie halbseitig gel\u00e4hmt, auf einen Rollstuhl angewiesen und konnte nur schwer sprechen. Geistig war sie klar. Trotzdem galt sie als dement, ein Berufsbetreuer und das Heim entschieden \u00fcber ihr Leben. Zwei Freundinnen wandten sich an die Initiative. Von St\u00f6sser dokumentierte den Willen der Frau, ordnete Unterlagen und konfrontierte die Verantwortlichen mit den Rechtsverletzungen. Am Ende konnte die Frau die Einrichtung verlassen und wieder in einer von ihr gew\u00fcnschten Umgebung leben. F\u00fcr von St\u00f6sser geh\u00f6rt dieser Fall zu den wichtigsten Erfolgen der Vereinsgeschichte. Er zeigt, was \u201egelebte Ethik\u201c bedeutet. Den Willen eines Menschen auch dann ernst zu nehmen, wenn er leise, m\u00fchsam oder unbequem ge\u00e4u\u00dfert wird.<\/p>\n<p><strong>Die Summe der Defizite<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Bilanz der Konflikte r\u00fcckte ein Projekt in den Mittelpunkt, das die Grunds\u00e4tze des Vereins in den Alltag \u00fcbersetzt: Das HelferNetz-daheim. Das Angebot der Pflegeethik-Initiative bringt Menschen mit Unterst\u00fctzungsbedarf und geschulte Helfende aus der Region zusammen. Ziel ist, ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu erm\u00f6glichen und Angeh\u00f6rigen verl\u00e4ssliche Freir\u00e4ume zu verschaffen.<\/p>\n<p>Andrea Otten, Heilpraktikerin in Dattenberg und Alltagsbegleiterin, stellte bei der Veranstaltung die Arbeit des Netzwerks vor.\u00a0Die Helfer erhalten eine Basisschulung, Erste-Hilfe-Kenntnisse und Versicherungsschutz. Ihre Arbeit wird im Rahmen einer Aufwandsentsch\u00e4digung verg\u00fctet. Bei der Tagung berichtete Otten von 21 Helfenden, 40 Betreuungsvertr\u00e4gen und 22 Menschen, die regelm\u00e4\u00dfig begleitet wurden. Hinter den Zahlen stehen Spazierg\u00e4nge, Arzttermine, Friedhofsbesuche, Eink\u00e4ufe, gemeinsames Kochen und Stunden, in denen jemand einfach \u201enur\u201c da ist.<\/p>\n<p>Ursula Groteclaes erz\u00e4hlte von einem \u00e4lteren Mann. Alle paar Wochen sollte jemand die W\u00e4sche waschen und das Bett beziehen. Er sei bewusst gern allein gewesen und habe kein Bed\u00fcrfnis nach Gespr\u00e4chen gezeigt. Groteclaes hielt sich an die Vereinbarung. Nach einem halben Jahr begann er von seiner Familie, seinem Beruf und seinen Sorgen zu erz\u00e4hlen. N\u00e4he war entstanden.<\/p>\n<p>Eine hochbetagte Frau, fast hundert Jahre alt, kannte ihre Vergesslichkeit und sch\u00e4mte sich daf\u00fcr. Fragen nach dem vergangenen Tag oder dem Mittagessen versetzten sie in Panik, weil sie die Antwort nicht wusste. Also stellte Groteclaes diese Fragen nicht mehr. Beide gingen denselben vertrauten Weg, besuchten bekannte Caf\u00e9s und sprachen \u00fcber fr\u00fchere Jahre. Dort war vieles wach. Die Frau musste nicht vorgef\u00fchrt bekommen, was ihr Ged\u00e4chtnis verloren hatte. Mit ihr buk Groteclaes Kuchen. Namen und famili\u00e4re Zusammenh\u00e4nge waren kaum noch abrufbar. Doch die H\u00e4nde wussten, wie Teig ger\u00fchrt und\u00a0\u00c4pfel gesch\u00e4lt werden. Als der Kuchen aus dem Ofen kam, fragte die Frau, woher er stamme. Es gab keinen Grund, sie zu korrigieren. Entscheidend war, dass sie f\u00fcr eine Weile etwas tun konnte, das ihr vertraut war. Die W\u00fcrde lag im Tun.<\/p>\n<p>Solche Begegnungen zeigen, was im engen Takt eines normalen Pflegedienstes verloren geht. Der Mensch erscheint dort leicht als Summe seiner Defizite. Das HelferNetz-daheim setzt an F\u00e4higkeiten, Gewohnheiten und Beziehungen an. Es ist organisierte N\u00e4he\u00a0\u2013 geschult, versichert und verl\u00e4sslich.<\/p>\n<p><strong>Wochen im Daueradrenalin<\/strong><\/p>\n<p>Wie weit Deutschland von einer solchen Verl\u00e4sslichkeit entfernt ist, zeigte der Bericht von Ingrid Brill aus St. Peter-Ording. Ihre Mutter erlitt im Alter von 89 Jahren eine Hirnblutung, wurde operiert und fiel ins Koma. Kaum war sie erwacht, begannen Diskussionen \u00fcber k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung, PEG-Sonde und Rehabilitation, als handele es sich um eine junge Patientin mit absehbarer Erholung. Brill setzte sp\u00e4ter durch, dass die Sonde entfernt wurde, nachdem keine Besserung mehr zu erwarten war. Die Mutter lebte noch sechs Jahre in einem Heim.<\/p>\n<p>Brill versuchte, Missst\u00e4nde \u00fcber Beschwerden und Strafanzeigen verfolgen zu lassen. Verfahren endeten mit dem Hinweis, es bestehe kein\u00a0\u00f6ffentliches Interesse. Sp\u00e4ter pflegte sie ihren deutlich \u00e4lteren Ehemann zu Hause. Das Haus wurde umgebaut, die Familie organisierte Tagespflege, Kurse und die Unterst\u00fctzung der Kinder. Pflege bedeutete rund um die Uhr Verantwortung. W\u00e4hrend der Corona-Zeit brachen Entlastungsm\u00f6glichkeiten zeitweise weg. Nach dem Tod ihres Mannes musste Brill erst selbst wieder zu Kr\u00e4ften kommen.<\/p>\n<p>Dann stellte sie fest, dass es auf der Halbinsel keine Tagespflege mehr gab. Eine Einrichtung war verkauft worden, Brandschutzauflagen und wirtschaftliche Erw\u00e4gungen f\u00fchrten zur Schlie\u00dfung. Manche Betroffene fanden Pl\u00e4tze im f\u00fcnfzig Kilometer entfernten Husum. Andere blieben zu Hause. Im Gespr\u00e4ch mit Pflegediensten, Wohlfahrtsverb\u00e4nden, Seniorenvertretungen und Kommunalpolitikern begegnete Brill \u00fcberall demselben Muster. Alle sahen das Problem, doch niemand f\u00fchlte sich in der Lage, es zu l\u00f6sen. F\u00fcr Kinder werden Kitas, Krippen und Horte als kommunale Infrastruktur geplant, damit Familien leben und arbeiten k\u00f6nnen. F\u00fcr alte Menschen fehlt vielerorts ein vergleichbares Selbstverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Den h\u00e4rtesten Einblick in den Alltag pflegender Angeh\u00f6riger gab ein Brief von Elke Feit, die selbst nicht zur Tagung nach Leutesdorf kommen konnte. Ihr Vater war nach Komplikationen eines Krankenhausaufenthaltes mit einem Bauchdeckenkatheter nach Hause entlassen worden. Feit musste lernen, Sauerstoff zu geben, den Katheter zu sp\u00fclen, Medikamente zu kontrollieren und die Ern\u00e4hrung zu organisieren. Zugleich stritt sie mit Klinik, Hausarzt, Pflegedienst, Pflegekasse und Medizinischem Dienst. Die Entlassung war zu fr\u00fch erfolgt. F\u00fcr das Krankenhaus war der Vater \u201ekein Fall mehr\u201c. F\u00fcr die Tochter begann der Fall erst.<\/p>\n<p>\u201eEigentlich muss man als pflegende Angeh\u00f6rige Psychologin,\u00a0\u00c4rztin, Pflegekraft, Juristin, K\u00e4mpferin und Mensch sein. Wie soll das gehen?\u201c, schrieb Feit. Sie beschrieb die M\u00fcdigkeit nach Wochen im Daueradrenalin, das st\u00e4ndige Fordern, Pr\u00fcfen, Lernen und Rechtfertigen. Sie w\u00fcnsche sich keine weiteren Beratungsangebote, erkl\u00e4rte sie, sie brauche aktive Hilfe. Keine Bittstellerrolle und keine neuen Schleifen. Ihr letzter Satz fasste den Tag zusammen, \u201eIch w\u00fcnsche mir, dass meine Angst, alt zu werden, nicht noch gr\u00f6\u00dfer wird.\u201c<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck in die Kommune<\/strong><\/p>\n<p>Aus diesen Geschichten ergab sich die politische Frage fast zwangsl\u00e4ufig. Adelheid von St\u00f6sser h\u00e4lt die deutsche Pflegeversicherung in ihrer gegenw\u00e4rtigen Form f\u00fcr strukturell verfehlt. Zu b\u00fcrokratisch, zu weit vom Alltag entfernt und zu stark auf die Verwaltung festgestellter Pflegebed\u00fcrftigkeit sei sie ausgerichtet. Das System verteilt Leistungen \u00fcber Pflegegrade, Kassen, Gutachten und Tr\u00e4ger. Es schafft damit Anspr\u00fcche, aber noch kein verl\u00e4ssliches Netz. Angeh\u00f6rige bleiben trotz anerkannter Pflegebed\u00fcrftigkeit oft die zentrale Versorgungsinstanz.<\/p>\n<p>Von St\u00f6sser pl\u00e4diert deshalb f\u00fcr einen grundlegenden Richtungswechsel. Langfristig h\u00e4lt sie die Abschaffung der Pflegeversicherung und eine steuerfinanzierte Versorgung in Verantwortung von L\u00e4ndern und Kommunen f\u00fcr den konsequenten Weg. Pflege solle schrittweise dorthin zur\u00fcckkehren, wo der konkrete Bedarf sichtbar wird. Sie verweist auf D\u00e4nemark und andere skandinavische L\u00e4nder, in denen St\u00e4dte und Gemeinden die Versorgung organisieren. Wer Hilfe ben\u00f6tigt, wendet sich an eine kommunale Stelle. Eine Fachkraft kommt ins Haus, ermittelt gemeinsam mit dem Betroffenen und der Familie den tats\u00e4chlichen Bedarf und erstellt einen Versorgungsplan. Ambulante Hilfe, Tagesbetreuung, Fahrdienste, Mahlzeiten, Kurzzeitpflege und station\u00e4re Angebote geh\u00f6ren zu einem\u00a0\u00f6rtlichen Netz. Ein Heim wird erst dann notwendig, wenn andere L\u00f6sungen nicht mehr tragen.<\/p>\n<p>Der entscheidende Unterschied liegt in der Perspektive. Eine Kommune hat ein Interesse daran, dass ihre B\u00fcrger m\u00f6glichst lange selbstst\u00e4ndig bleiben und Angeh\u00f6rige nicht zusammenbrechen. Pr\u00e4vention, fr\u00fche Hilfe und soziale Einbindung sparen nicht nur Kosten. Sie verhindern, dass aus einer kleinen Einschr\u00e4nkung eine umfassende Pflegebed\u00fcrftigkeit wird. Pflegefachkr\u00e4fte m\u00fcssten in einem solchen System weniger Zeit mit Abrechnung und Minutentakten verbringen. Ihre fachliche und soziale Kompetenz k\u00f6nnte wieder am Menschen ankommen.<\/p>\n<p><strong>Betroffene sto\u00dfen auf Wartelisten<\/strong><\/p>\n<p>Wie brandaktuell von St\u00f6ssers Kritik ist, zeigt der aktuelle Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Neuordnung der Pflegeversicherung. Vordergr\u00fcndig geht es \u2013 so das Ministerium \u2013 um Pr\u00e4vention und eine bessere Begleitung pflegebed\u00fcrftiger Menschen. Tats\u00e4chlich soll zugleich der Zugang zu Leistungen erschwert werden. Die Punkteschwellen f\u00fcr die Pflegegrade 1 bis 3 w\u00fcrden steigen. Nach den Berechnungen, auf die sich das Ministerium selbst beruft, k\u00f6nnten allein dadurch bei Erstbegutachtungen knapp zw\u00f6lf Prozent weniger Menschen als pflegebed\u00fcrftig anerkannt werden. Zusammen mit\u00a0\u00c4nderungen bei der Bewertung einzelner F\u00e4higkeiten w\u00e4ren es etwa 22 Prozent. Auch H\u00f6herstufungen k\u00f6nnten seltener werden.\u00a0<\/p>\n<p>Besonders einschneidend w\u00e4re die Ver\u00e4nderung bei Pflegegrad 1. Der monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro, mit dem bisher anerkannte Hilfen im Haushalt, Betreuung oder Alltagsbegleitung bezahlt werden k\u00f6nnen, soll ab 2027 entfallen. An seine Stelle tr\u00e4te eine sogenannte \u201ePflegebegleitung\u201c. Sie soll den Bedarf feststellen, beraten, geeignete Angebote vermitteln und darauf achten, dass Empfehlungen zu Pr\u00e4vention und Rehabilitation umgesetzt werden. Menschen, die erstmals in Pflegegrad 2 oder 3 eingestuft werden, sollen zudem in den ersten drei Monaten nur die H\u00e4lfte des vorgesehenen Entlastungsbudgets erhalten.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung des Ministeriums klingt zun\u00e4chst schl\u00fcssig. Der Entlastungsbetrag werde von weniger als der H\u00e4lfte der Berechtigten genutzt und habe eine Verschlechterung der Pflegebed\u00fcrftigkeit nicht ausreichend verhindert. Eine feste Ansprechperson k\u00f6nne fr\u00fcher erkennen, was fehlt, Angeh\u00f6rige entlasten und Hilfen besser koordinieren. Auch Sozialverb\u00e4nde halten eine solche Begleitung grunds\u00e4tzlich f\u00fcr sinnvoll. Eine bessere Pflegeberatung ist jedoch nicht das Problem. Problematisch wird sie dort, wo sie eine praktische Leistung ersetzt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt, die neue Beratung k\u00f6nne die L\u00fccke beim Pflegegrad 1 nicht schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Denn aus der geringen Nutzung einer Leistung folgt noch nicht, dass sie \u00fcberfl\u00fcssig ist. Viele Betroffene finden keinen anerkannten Anbieter, sto\u00dfen auf Wartelisten oder wissen nicht, wie sie den Anspruch abrechnen k\u00f6nnen. Besonders in l\u00e4ndlichen Regionen fehlt es an Menschen, die regelm\u00e4\u00dfig ins Haus kommen, beim Einkauf helfen, einen Spaziergang erm\u00f6glichen oder Angeh\u00f6rige f\u00fcr einige Stunden abl\u00f6sen. Die Bundesregierung l\u00f6st damit ein Zugangs- und Angebotsproblem, indem sie den Anspruch streicht. Das ist ungef\u00e4hr so, als w\u00fcrde man eine selten genutzte Buslinie abschaffen, ohne zu untersuchen, ob sie deshalb leer bleibt, weil sie nur zweimal am Tag f\u00e4hrt.<\/p>\n<p><strong>Rechtzeitig entlasten<\/strong><\/p>\n<p>Im Kreis Neuwied zeigt sich diese Trennung besonders deutlich. Dort gibt es Pflegest\u00fctzpunkte und das rheinland-pf\u00e4lzische Angebot \u201eGemeindeschwester plus\u201c. Die Fachkr\u00e4fte beraten, f\u00fchren pr\u00e4ventive Gespr\u00e4che und vermitteln vorhandene Hilfen. Sie \u00fcbernehmen jedoch keine regelm\u00e4\u00dfige Alltagsbegleitung. Auch ambulante Pflegedienste sind in erster Linie f\u00fcr k\u00f6rperbezogene Pflege, medizinische Versorgung und Haushaltshilfe im vereinbarten Leistungsrahmen zust\u00e4ndig. Ein gemeinsamer Theaterbesuch, der Weg zum Fu\u00dfball- oder Golfplatz oder einige Stunden Gesellschaft geh\u00f6ren meist nicht zu ihrem Alltag.<\/p>\n<p>Genau diese L\u00fccke schlie\u00dft das Angebot \u201eHelferNetz-daheim\u201c der Pflegeethik-Initiative Deutschland. Die Helfer beraten nicht nur. Sie kommen ins Haus, verbringen Zeit mit den Menschen und verschaffen Angeh\u00f6rigen Freiraum. Sie werden durch den Verein geschult, versichert und k\u00f6nnen f\u00fcr ihre T\u00e4tigkeit eine Verg\u00fctung im Rahmen der \u00dcbungsleiterpauschale erhalten. Trotzdem finden sich nur begrenzt Menschen, die eine solche Aufgabe dauerhaft und verl\u00e4sslich \u00fcbernehmen. Denn Alltagsbegleitung ist mehr als eine gelegentliche Gef\u00e4lligkeit. Sie verlangt Zeit, Verantwortung und die Bereitschaft, wiederzukommen.<\/p>\n<p>Von St\u00f6ssers Kritik richtet sich deshalb gegen einen grundlegenden Denkfehler. Der Staat formuliert einen finanziellen Anspruch, stellt jedoch kein fl\u00e4chendeckendes Angebot bereit. Vereine, Wohlfahrtsverb\u00e4nde oder engagierte B\u00fcrger m\u00fcssen Helfer finden, schulen, versichern, Eins\u00e4tze koordinieren und die Abrechnung organisieren. Fehlen solche Strukturen, bleibt der Anspruch ungenutzt. Seine geringe Nutzung wird anschlie\u00dfend als Beleg daf\u00fcr angef\u00fchrt, dass man ihn streichen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Dass dabei auch ein Sparziel verfolgt wird, verschweigt der Entwurf nicht. Die ver\u00e4nderte Begutachtungssystematik soll die Pflegeversicherung bereits 2027 um 1,3 Milliarden Euro entlasten, bis 2030 werden 4,2 Milliarden Euro j\u00e4hrlich erwartet. Der Wegfall des Entlastungsbetrags bei Pflegegrad 1 soll weitere 400 bis 500 Millionen Euro einsparen. Nur ein Teil der bisherigen Mittel flie\u00dft in die neue Pflegebegleitung. Pr\u00e4vention und Ausgabenk\u00fcrzung werden damit in derselben Ma\u00dfnahme verbunden.<\/p>\n<p>Von St\u00f6sser bestreitet nicht den Wert guter Beratung. Sie bezweifelt, dass ein Gespr\u00e4ch jene Hilfe ersetzen kann, die Pflegebed\u00fcrftige und Angeh\u00f6rige im Alltag tats\u00e4chlich ben\u00f6tigen. Pr\u00e4vention beginnt f\u00fcr sie nicht mit einer weiteren Verwaltung der Zust\u00e4ndigkeit. Sie beginnt dort, wo jemand kommt und rechtzeitig entlastet. Das \u201eHelferNetz-daheim\u201c zeigt im Kleinen, wie eine solche Hilfe aussehen kann. Zugleich macht es sichtbar, was dem Pflegesystem fehlt. Die\u00a0\u00f6ffentliche Gew\u00e4hr, dass aus einem gesetzlichen Anspruch auch ein erreichbares Angebot wird.<\/p>\n<p><strong>Eine andere Pflegekultur<\/strong><\/p>\n<p>Der Umbau muss nicht mit einem bundesweiten Gro\u00dfgesetz beginnen. Gemeinden k\u00f6nnten zun\u00e4chst den tats\u00e4chlichen Bedarf erheben. Sie wissen, wie viele \u00e4ltere Menschen vor Ort leben, verschicken Geburtstagsgr\u00fc\u00dfe und Seniorenkalender. Sie k\u00f6nnten auch fragen, wer allein ist, wer einen Angeh\u00f6rigen pflegt, wo Tagespflege fehlt und an welcher Stelle wenige Stunden Entlastung eine Krise verhindern w\u00fcrden. Hausbesuche, Gespr\u00e4che und lokale Pflegekonferenzen lieferten ein genaueres Bild als allgemeine Prognosen. Tagespflege k\u00f6nnte als kommunale Aufgabe verstanden werden, \u00e4hnlich selbstverst\u00e4ndlich wie eine Kita. B\u00fcrgergenossenschaften k\u00f6nnten\u00a0\u00f6rtliche Pflegezentren, Demenz-Wohngemeinschaften und Begegnungsr\u00e4ume finanzieren. Entscheidend w\u00e4re, dass die Infrastruktur nicht bei jedem Betreiberwechsel oder Renditeproblem verschwindet.<\/p>\n<p>Dahinter steht das Subsidiarit\u00e4tsprinzip. Was eine Familie leisten kann, soll sie leisten k\u00f6nnen, jedoch ohne daran zu zerbrechen. Wo ihre Kr\u00e4fte oder M\u00f6glichkeiten nicht reichen, ist die Gemeinde gefordert. Danach folgen Kreis und Land. Die gegenw\u00e4rtige Pflege dreht dieses Verh\u00e4ltnis um. Entscheidungen werden weit entfernt getroffen, w\u00e4hrend die konkrete Verantwortung vor Ort liegen bleibt.\u00a0<\/p>\n<p>Die Angst vor dem Altwerden entsteht selten allein aus der Aussicht auf den Tod. Sie w\u00e4chst aus dem Wissen, wie das Leben davor aussehen kann. Abh\u00e4ngig von \u00fcberlasteten Diensten, wechselnden Bezugspersonen, anonymen Entscheidungen und Angeh\u00f6rigen, die f\u00fcr jede Entlastung k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Entscheidend ist, ob Menschen in ihrem vertrauten Umfeld weiterhin am Leben teilhaben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das \u201eHelferNetz-daheim\u201c im Kreis Neuwied zeigt, wie eine Antwort aussehen kann. Seine Bedeutung liegt nicht allein in den einzelnen Eins\u00e4tzen. Das Projekt f\u00fchrt vor, was auch andernorts fehlt, eine verl\u00e4ssliche Verbindung zwischen professioneller Pflege, famili\u00e4rer Verantwortung und dem Leben au\u00dferhalb der eigenen Wohnung. Ein Spaziergang, ein Theaterabend oder einige Stunden Gesellschaft erscheinen im Leistungssystem nebens\u00e4chlich. F\u00fcr einen pflegebed\u00fcrftigen Menschen k\u00f6nnen sie den Unterschied zwischen Teilhabe und zunehmender Isolation bedeuten.<\/p>\n<p>Das Beispiel ist regional, das Konzept dahinter reicht viel weiter. \u00dcberall, wo \u00e4ltere Menschen zu Hause leben m\u00f6chten, braucht es Personen und Strukturen, die zwischen medizinischer Versorgung und privater Aufopferung jene L\u00fccke schlie\u00dfen, in der Alltag \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich bleibt. Eine andere Pflegekultur beginnt deshalb nicht erst mit dem n\u00e4chsten Reformgesetz. Sie beginnt dort, wo Gemeinden, Vereine und B\u00fcrger Verantwortung so organisieren, dass Hilfe nicht nur bewilligt wird, sondern tats\u00e4chlich ankommt.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<h3 id=\"quellen-und-anmerkungen\">Quellen und Anmerkungen<\/h3>\n<p><strong>(abgerufen am 24.Juli 2026)<\/strong><\/p>\n<p>1.) Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V.: Bericht zur 20.Jahrestagung in Leutesdorf:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/2025\/11\/23\/was-am-ende-zaehlt\/?ref=apolut.net\">https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/2025\/11\/23\/was-am-ende-zaehlt\/<\/a><\/p>\n<p>2.) Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V.: Verein, Sitz und Arbeitsfelder:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/?ref=apolut.net\">https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/<\/a><\/p>\n<p>3.) Vorstand: Funktionen und beruflicher Hintergrund von Adelheid von St\u00f6sser, Dr. Fee Friese und Andrea Otten:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/vorstand\/?ref=apolut.net\">https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/vorstand\/<\/a><\/p>\n<p>4.) Vereinsgeschichte: Umbenennung des Pflege-Selbsthilfeverbands zum 18. Januar 2018:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/ueber-uns\/?ref=apolut.net\">https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/ueber-uns\/<\/a><\/p>\n<p>5.) Bundesministerium f\u00fcr Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Charta der Rechte hilfe- und pflegebed\u00fcrftiger Menschen:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bmbfsfj.bund.de\/bmbfsfj\/service\/publikationen\/charta-der-rechte-hilfe-und-pflegebeduerftiger-menschen-77446?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bmbfsfj.bund.de\/bmbfsfj\/service\/publikationen\/charta-der-rechte-hilfe-und-pflegebeduerftiger-menschen-77446<\/a><\/p>\n<p>6.) Charta, vollst\u00e4ndige Fassung:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bmbfsfj.bund.de\/resource\/blob\/93450\/be474bfdb4016bbbca9bf87b4cb9264b\/charta-der-rechte-hilfe-und-pflegebeduerftiger-menschen-data.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bmbfsfj.bund.de\/resource\/blob\/93450\/be474bfdb4016bbbca9bf87b4cb9264b\/charta-der-rechte-hilfe-und-pflegebeduerftiger-menschen-data.pdf<\/a><\/p>\n<p>7.) Pflege-Selbsthilfeverband: Historisches Projekt \u201eAuszeichnung menschenw\u00fcrdige Pflege\u201c:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.heimauszeichnung.de\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.heimauszeichnung.de\/<\/a><\/p>\n<p>8.) Pflege-Selbsthilfeverband: Kritik am fr\u00fcheren System der Pflegenoten:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.pflege-shv.de\/index.php?page=pflegenoten&amp;ref=apolut.net\">https:\/\/www.pflege-shv.de\/index.php?page=pflegenoten<\/a><\/p>\n<p>9.) Bayern: Gesetzlicher Mindestpersonaleinsatz im Nachtdienst, \u00a7 19 Abs. 5 AVPfleWoqG:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/BayAVPfleWoqG-19?ref=apolut.net\">https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/BayAVPfleWoqG-19<\/a><\/p>\n<p>10.) Baden-W\u00fcrttemberg: Mindestbesetzung im Nachtdienst, \u00a7 10 LPersVO:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.landesrecht-bw.de\/bsbw\/document\/jlr-NNLBW00007CCCNN00000000022?ref=apolut.net\">https:\/\/www.landesrecht-bw.de\/bsbw\/document\/jlr-NNLBW00007CCCNN00000000022<\/a><\/p>\n<p>11.) Pflegeethik-Initiative: Nachtdienst und personelle Unterbesetzung aus Sicht des Vereins:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/initiativen\/?ref=apolut.net\">https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/initiativen\/<\/a><\/p>\n<p>12.) B\u00fcrgerliches Gesetzbuch: Bestellung eines Betreuers nur bei Erforderlichkeit und nicht gegen den freien Willen:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__1814.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__1814.html<\/a><\/p>\n<p>13.) B\u00fcrgerliches Gesetzbuch: Vorrang der W\u00fcnsche und unterst\u00fctzte Entscheidungsfindung, \u00a7 1821 BGB:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__1821.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__1821.html<\/a><\/p>\n<p>14.) Pflegeethik-Initiative: Betreuungswillk\u00fcr und Erfahrungen im Pflegebereich:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/category\/initiativen\/?ref=apolut.net\">https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/category\/initiativen\/<\/a><\/p>\n<p>15.) HelferNetz-daheim: Aufgaben, Zielgruppe und Einsatzgebiet Kreis Neuwied:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/2024\/02\/07\/haeusliche-pflege-auf-mehrere-schultern-verteilen\/?ref=apolut.net\">https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/2024\/02\/07\/haeusliche-pflege-auf-mehrere-schultern-verteilen\/<\/a><\/p>\n<p>16.) Bundesfinanzministerium: Steuerliche Voraussetzungen der \u00dcbungsleiterpauschale bei Betreuung und Pflege:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/esth.bundesfinanzministerium.de\/lsth\/2024\/A-Einkommensteuergesetz\/II-Einkommen\/2-Steuerfreie-Einnahmen\/Paragraf-3-Druck\/r-3-26.html?ref=apolut.net\">https:\/\/esth.bundesfinanzministerium.de\/lsth\/2024\/A-Einkommensteuergesetz\/II-Einkommen\/2-Steuerfreie-Einnahmen\/Paragraf-3-Druck\/r-3-26.html<\/a><\/p>\n<p>17.) D\u00e4nemark: Kommunale Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Altenpflege, h\u00e4usliche Pflege und Rehabilitation:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/lifeindenmark.borger.dk\/healthcare\/the-danish-healthcare-system\/how-the-danish-healthcare-system-works?ref=apolut.net\">https:\/\/lifeindenmark.borger.dk\/healthcare\/the-danish-healthcare-system\/how-the-danish-healthcare-system-works<\/a><\/p>\n<p>18.) D\u00e4nemark: Individuelle Bedarfspr\u00fcfung und kommunaler Versorgungsplan:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/lifeindenmark.borger.dk\/healthcare\/the-danish-healthcare-system\/holistic-care?ref=apolut.net\">https:\/\/lifeindenmark.borger.dk\/healthcare\/the-danish-healthcare-system\/holistic-care<\/a><\/p>\n<p>19.) D\u00e4nemark: Kommunale Pr\u00fcfung des Bedarfs an betreutem Wohnen oder einem Pflegeheimplatz:\u00a0<br \/><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/lifeindenmark.borger.dk\/healthcare\/nursing-homes-and-elder-care\/nursing-homes?ref=apolut.net\">https:\/\/lifeindenmark.borger.dk\/healthcare\/nursing-homes-and-elder-care\/nursing-homes<\/a><\/p>\n<p>20.) Pflegeethik-Initiative: Adelheid von St\u00f6ssers Stellungnahme zum Pflegereformvorhaben 2026:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/2026\/06\/10\/pflegereform-2026-weiter-in-die-falsche-richtung\/?ref=apolut.net\">https:\/\/pflegeethik-initiative.de\/2026\/06\/10\/pflegereform-2026-weiter-in-die-falsche-richtung\/<\/a><\/p>\n<p>21.) Bundesgesundheitsministerium: Geltender Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro monatlich:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/pflege-zu-hause\/weitere-leistungen-und-angebote-zur-unterstuetzung-im-alltag?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/pflege-zu-hause\/weitere-leistungen-und-angebote-zur-unterstuetzung-im-alltag<\/a><\/p>\n<p>22.) Bundesgesundheitsministerium: \u00dcbersichtsseite zum Pflegeneuordnungsgesetz; derzeit laufendes Verfahren:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/service\/gesetze-und-verordnungen\/detail\/pflegeneuordnungsgesetz-pnog?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/service\/gesetze-und-verordnungen\/detail\/pflegeneuordnungsgesetz-pnog<\/a><\/p>\n<p>23.) Bundesgesundheitsministerium: Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes vom 5. Juni 2026; Schwellenwerte, Pflegegrade und Pflegebegleitung:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/Gesetze_und_Verordnungen\/GuV\/P\/RefE-Pflegeneuordnungsgesetz_PNOG.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/Gesetze_und_Verordnungen\/GuV\/P\/RefE-Pflegeneuordnungsgesetz_PNOG.pdf<\/a><\/p>\n<p>24.) Bundesgesundheitsministerium: Erl\u00e4uterung der einzelnen Ma\u00dfnahmen und Finanzwirkungen:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/P\/PNOG\/PNOG_Erlaeuterung_Massnahmen.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/P\/PNOG\/PNOG_Erlaeuterung_Massnahmen.pdf<\/a><\/p>\n<p>25.) Bund-L\u00e4nder-Arbeitsgruppen: Fachliche Eckpunkte und Begr\u00fcndung der Neuausrichtung:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/Z\/Zukunftspakt_Pflege\/20251211_Papier_der_Fachebenen.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/Z\/Zukunftspakt_Pflege\/20251211_Papier_der_Fachebenen.pdf<\/a><\/p>\n<p>26.) Bundesgesundheitsministerium: Fragen und Antworten zum Entlastungsbetrag und zur geplanten Pflegebegleitung:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/service\/gesetze-und-verordnungen\/guv-21-lp\/pnog?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/service\/gesetze-und-verordnungen\/guv-21-lp\/pnog<\/a><\/p>\n<p>27.) Verbraucherzentrale Bundesverband: Stellungnahme zum Referentenentwurf; Kritik an fehlenden Angeboten und der K\u00fcrzung bei Pflegegrad 1:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/Gesetze_und_Verordnungen\/Stellungnahmen_WP21\/Pflegeneuordnungsgesetz_-_PNOG\/vzbv_Stellungnahme_PNOG_bf.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/Gesetze_und_Verordnungen\/Stellungnahmen_WP21\/Pflegeneuordnungsgesetz_-_PNOG\/vzbv_Stellungnahme_PNOG_bf.pdf<\/a><\/p>\n<p>28.) Landkreis Neuwied: Gemeindeschwesterplus; Beratung und Vermittlung, keine pflegerischen T\u00e4tigkeiten:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.kreis-neuwied.de\/leben-im-landkreis\/soziales\/angebote-zur-pflege\/gemeindeschwesterplus\/2026-gs-flyer-drei-fk-pr-mit-impressum.pdf?cid=9uv&amp;ref=apolut.net\">https:\/\/www.kreis-neuwied.de\/leben-im-landkreis\/soziales\/angebote-zur-pflege\/gemeindeschwesterplus\/2026-gs-flyer-drei-fk-pr-mit-impressum.pdf?cid=9uv<\/a><\/p>\n<p>29.) Landkreis Neuwied: Pflegest\u00fctzpunkte, Gemeindeschwesterplus und anerkannte Alltagsangebote:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.kreis-neuwied.de\/leben-im-landkreis\/soziales\/angebote-zur-pflege\/uebersicht-pflegeangebote\/stadt-neuwied\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.kreis-neuwied.de\/leben-im-landkreis\/soziales\/angebote-zur-pflege\/uebersicht-pflegeangebote\/stadt-neuwied\/<\/a><\/p>\n<p>30.) Deutscher Bundestag: Regul\u00e4rer Weg eines Regierungsentwurfs und drei parlamentarische Lesungen:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/aufgaben\/gesetzgebung_neu\/gesetzgebung\/weg-255468?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/aufgaben\/gesetzgebung_neu\/gesetzgebung\/weg-255468<\/a><\/p>\n<p>31.) Bundesrat: Fristen im Gesetzgebungsverfahren; regul\u00e4r sechs Wochen, in besonderen F\u00e4llen drei oder neun Wochen:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundesrat.de\/DE\/aufgaben\/gesetzgebung\/verfahren\/verfahren-node.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundesrat.de\/DE\/aufgaben\/gesetzgebung\/verfahren\/verfahren-node.html<\/a><\/p>\n<p>32.) Deutscher Bundestag: Sitzungswochen 2026; m\u00f6gliche Zeitfenster, keine PNOG-Terminierung:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/plenum\/sitzungskalender\/bt2026-1084980?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/plenum\/sitzungskalender\/bt2026-1084980<\/a><\/p>\n<p>33.) AOK: Fortlaufende \u00dcbersicht zum Verfahrensstand des Pflegeneuordnungsgesetzes:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.aok.de\/pp\/gesetz\/pnog\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.aok.de\/pp\/gesetz\/pnog\/<\/a><\/p>\n<p>Das Bundesgesundheitsministerium ver\u00f6ffentlicht weiterhin nur den Referentenentwurf. Ein Kabinettsbeschluss sowie verbindliche Termine f\u00fcr die erste, zweite oder dritte Lesung sind noch nicht ausgewiesen. Verbindliche Termine f\u00fcr die parlamentarische Beratung des Pflegeneuordnungsgesetzes stehen bislang nicht fest.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Beitrag erschien zuerst am 11. September 2026 auf <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/mehr-angst-vor-dem-heim-als-vor-dem-tod\/?ref=apolut.net\"><u>Globalbridge<\/u><\/a>.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Zimmer in Pflegeeinrichtung<br \/>Bildquelle: Kittyfly \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Es gibt Themen, die erst dann sichtbar werden, wenn man lange genug \u00fcber sie schweigt. Die Pflege von Menschen geh\u00f6rt dazu. Sie verschwindet im L\u00e4rm des\u00a0\u00f6ffentlichen Betriebs \u2013 zwischen Reformversprechen, Kostenstatistiken und Schlagzeilen, die den Alltag selten treffen. 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