{"id":4570,"date":"2026-05-23T11:12:26","date_gmt":"2026-05-23T09:12:26","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/poli\/wiener-schule-am-limit-im-ramadan-kannst-du-zusperren\/"},"modified":"2026-05-23T11:12:26","modified_gmt":"2026-05-23T09:12:26","slug":"wiener-schule-am-limit-im-ramadan-kannst-du-zusperren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/poli\/wiener-schule-am-limit-im-ramadan-kannst-du-zusperren\/","title":{"rendered":"Wiener Schule am Limit: \u201eIm Ramadan kannst du zusperren\u201c"},"content":{"rendered":"<div>In einem neuen Podcast schl\u00e4gt ein Innenpolitikjournalist Alarm: An Wiener Brennpunktschulen sei normaler Unterricht oft kaum noch m\u00f6glich. Besonders drastisch sei die Lage w\u00e4hrend des Ramadans. Dazu kommen massive Deutschdefizite, kulturelle Parallelwelten und Kinder, die schon mit sechs Jahren abgeh\u00e4ngt sind. Clemens Neuhold kennt das Thema seit Jahren. Der langj\u00e4hrige Innenpolitikjournalist und Autor besch\u00e4ftigt sich intensiv mit Migration, Integration und Schulen. Nun sprach er im Podcast der Denkfabrik Agenda Austria \u00fcber seine Eindr\u00fccke aus einer Wiener Brennpunktschule. Sein Fazit: \u201eEine Wiener Mittelschule kannst du w\u00e4hrend des Ramadans zusperren.\u201c Das ist nicht als Provokation gemeint, sondern als Warnung. Leere Klassen, volle Probleme: Wiens Schulen k\u00e4mpfen mit Deutschdefiziten, Integrationsdruck und wachsenden Parallelwelten.APA\/HARALD SCHNEIDER \u201eDa kann nicht gelernt werden\u201c Der Profil-Journalist verbrachte eine Woche an einer Wiener Mittelschule. Der Besuch fiel in den islamsichen Fastenmonat Ramadan. Der Anteil muslimischer Sch\u00fcler sei an dieser Schule bei rund zwei Dritteln gelegen. Viele h\u00e4tten gefastet \u2013 teils schon ab zehn Jahren. Das Ergebnis: konzentrierter Unterricht sei kaum m\u00f6glich gewesen. Sch\u00fcler seien hungrig, m\u00fcde und geschw\u00e4cht gewesen. Manche h\u00e4tten sp\u00e4t in der Nacht gegessen oder seien sehr fr\u00fch aufgestanden. Der Sozialarbeiter habe versucht, mit religi\u00f6sen Argumenten gegenzusteuern. Schule sei schwere Arbeit, habe er den Kindern erkl\u00e4rt. Bei schwerer Arbeit m\u00fcsse man nicht fasten. Doch genau daran zeigt sich f\u00fcr Neuhold das Problem: Die Schule muss inzwischen Aufgaben \u00fcbernehmen, f\u00fcr die sie nie gebaut wurde. 40 Prozent starten ohne genug Deutsch Der Ramadan ist f\u00fcr Neuhold nur ein Symptom. Das gr\u00f6\u00dfere Problem ist die \u00dcberforderung des Bildungssystems durch Migration und fehlende Integration. In Wien seien mittlerweile rund 40 Prozent der Erstkl\u00e4ssler au\u00dferordentliche Sch\u00fcler. Sie k\u00f6nnen also dem Unterricht wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht regul\u00e4r folgen. In einzelnen Bezirken liege der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Alltagssprache sogar bei bis zu 90 Prozent. Neuholds Diagnose ist hart: \u201e\u00d6sterreich ist ein Hardcore-Zuwanderungsland.\u201c Das Problem: Die Systeme seien nie an diese Realit\u00e4t angepasst worden. Vor allem nicht die Schulen. Zwei Drittel sind in \u00d6sterreich geboren Besonders brisant ist eine weitere Zahl: Von jenen au\u00dferordentlichen Sch\u00fclern, die mit sechs Jahren nicht ausreichend Deutsch k\u00f6nnen, seien laut Neuhold zwei Drittel in \u00d6sterreich geboren. Genau darin liegt der Kern des Problems. Es geht nicht nur um neu zugewanderte Kinder. Es geht auch um Kinder, die hier aufwachsen \u2013 und trotzdem beim Schuleintritt nicht genug Deutsch k\u00f6nnen. Die Folgen ziehen sich oft \u00fcber Jahre. Neuhold berichtet von Jugendlichen, die mit 15, 16 oder sogar 17 Jahren noch in der Mittelschule sitzen. Normalerweise ist diese Schulform f\u00fcr Kinder nach der Volksschule vorgesehen. F\u00fcr Neuhold ist das ein sichtbares Zeichen daf\u00fcr, wie sehr sich fr\u00fche Vers\u00e4umnisse aufstauen. Oft werde am Ende nur noch \u201eweiter gewunken\u201c. Sozialarbeiter als letzte Rettung In der Schule, die Neuhold besuchte, sei Sozialarbeit zentral gewesen. Der Sozialarbeiter habe von fr\u00fch bis sp\u00e4t Termine gehabt. Immer wieder gehe es darum, Konflikte so weit zu entsch\u00e4rfen, dass Unterricht \u00fcberhaupt wieder m\u00f6glich wird. Lehrer brauchen ein Ventil, sagt Neuhold. Sie m\u00fcssen sagen k\u00f6nnen: Das schaffe ich nicht mehr allein. Positiv erw\u00e4hnt er Team-Teaching. In jeder Klasse habe es zwei Lehrer gegeben. Ohne solche Ma\u00dfnahmen gehe es an Brennpunktschulen kaum noch. Doch auch das reicht offenbar nicht. \u00d6sterreichweit gebe es rund 400 Brennpunktschulen. In Wien seien zwei Drittel der Mittelschulen betroffen. \u201eDas Kopftuch war das geringste Problem\u201c Beim Kopftuchverbot zeigt sich Neuhold gespalten. In der Schule, die er besuchte, sei das Kopftuch \u201edas geringste Problem\u201c gewesen. Die gr\u00f6\u00dferen Probleme seien andere: Kinder, die wochenlang nicht auftauchen. Kinder, die nur am Handy sind oder st\u00e4ndig zocken. Jugendliche, die schon spiels\u00fcchtig oder handys\u00fcchtig wirken. M\u00e4dchen, die fr\u00fch versprochen werden. Das Kopftuch sei ein Signalthema. Aber es l\u00f6se nicht die tieferen Probleme. Trotzdem h\u00e4lt Neuhold ein Verbot bis 14 f\u00fcr ein starkes staatliches Signal. Es gehe um die Sichtbarkeit von Weiblichkeit, M\u00e4dchen-Sein und Kindheit in der \u00d6ffentlichkeit. Der Staat m\u00fcsse klar sagen, was in \u00d6sterreich gilt. Alarmierende Einstellungen Im Podcast wird auch die Studie des Soziologen Kenan G\u00fcng\u00f6r angesprochen. Darin geht es um Einstellungen junger Migranten, Religiosit\u00e4t und Demokratie. Die genannten Zahlen sind brisant: 37 Prozent der Muslime wollten demnach, dass sich alle streng an den Islam halten. 46 Prozent der muslimischen Jugendlichen stimmten voll oder eher zu, dass sie f\u00fcr den Glauben k\u00e4mpfen und sterben w\u00fcrden. F\u00fcr Neuhold zeigt das: Integration ist nicht nur eine Sprachfrage. Es geht auch um Werte, Lebenswelten und die Bereitschaft, Teil der Gesellschaft zu werden. Er spricht von \u201eunsichtbaren oder sichtbaren Trennw\u00e4nden\u201c. Manche wollten offenbar nicht Teil einer westlichen Gesellschaft werden, die nicht religi\u00f6s dominiert ist. \u201eArabisierung\u201c des Austro-Islam Ein zentraler Begriff im Gespr\u00e4ch ist die \u201eArabisierung\u201c des Islam in \u00d6sterreich. Gemeint ist eine Ver\u00e4nderung der vergangenen Jahre. Neuhold unterscheidet zwischen \u00e4lteren muslimischen Zuwanderergruppen und neueren Gruppen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia oder Tschetschenien. Viele h\u00e4tten ein rigideres Islamverst\u00e4ndnis. Alltagsregeln seien bindender. Das wirke sich auch in Schulen aus. Unter j\u00fcngeren M\u00e4dchen mit Kopftuch seien in der beobachteten Schule nicht vor allem t\u00fcrkische M\u00e4dchen gewesen, sondern tschetschenische, syrische, afghanische und somalische M\u00e4dchen. Mit dieser Realit\u00e4t m\u00fcssten Lehrer, Sozialarbeiter und sp\u00e4ter auch Arbeitgeber umgehen. Wien glaubt an automatische Integration Scharf f\u00e4llt auch die politische Analyse aus. Neuhold sieht besonders in Wien einen alten Glauben an automatische Integration. Die Idee: Wer in Wien lebt, im Gemeindebau wohnt, arbeitet, \u00d6ffis f\u00e4hrt und Teil des st\u00e4dtischen Alltags wird, werde fr\u00fcher oder sp\u00e4ter schon integriert. Doch dieser Glaube funktioniere nur, solange es Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft gibt. Genau dieser Kontakt fehle aber in manchen Milieus zunehmend. Neuhold warnt: Wenn Parallelgesellschaften einmal entstanden sind, lassen sie sich schwer wieder ankoppeln. Linke schaut weg, Rechte redet nur Dabei spart Neuhold auch die politische Rechte nicht aus. Die \u00d6VP sei lange f\u00fcr Integration zust\u00e4ndig gewesen. Es habe harte Ansagen und Reformen gegeben. Doch bei der zweiten gro\u00dfen Zuwanderungswelle ab 2020 sei man erneut unvorbereitet gewesen. Viele h\u00e4tten wegen Corona gar nicht bemerkt, was passierte. Wieder seien viele Fl\u00fcchtlinge gekommen, viele Familien nachgezogen. In Wien seien zeitweise Hunderte neue Sch\u00fcler pro Monat angekommen. Seine Bilanz: Die erste Welle 2015 bis 2017 h\u00e4tte \u00d6sterreich noch schaffen k\u00f6nnen. Die zweite Welle habe man nicht mehr geschafft. Sprachtest mit drei Jahren Was also tun? Neuhold unterst\u00fctzt eine fr\u00fche Sprachstandsfeststellung. Am besten schon mit drei Jahren, etwa im Rahmen des Mutter-Kind-Passes. Wenn ein Kind praktisch kein Deutsch kann, m\u00fcsse sofort gegengesteuert werden. Nicht erst mit sechs. Dann sei es oft fast zu sp\u00e4t. Er fordert eine Art Vorschule f\u00fcr Kinder mit gro\u00dfen Sprachdefiziten. Nicht nur 20 Stunden Kindergarten, sondern deutlich mehr. Im Gespr\u00e4ch f\u00e4llt die Zahl von 30 Stunden. Der Gedanke dahinter: Wer mit vier Jahren gezielt gef\u00f6rdert wird, hat noch eine Chance. Wer erst mit sechs auff\u00e4llt, startet oft schon abgeh\u00e4ngt. \u201eEs geht immer um die Kinder\u201c Neuhold betont mehrfach: Es gehe nicht darum, Kinder abzuschreiben. Im Gegenteil. Es gehe darum, sie zu sch\u00fctzen. Vor Verwahrlosung. Vor Parallelwelten. Vor patriarchalen Strukturen. Vor einem Leben ohne echte Bildungschance. Daf\u00fcr brauche es klare Sprache. Klare Regeln. Und einen Grundkonsens dar\u00fcber, was \u00d6sterreich ausmacht. Sein Appell: Lehrer d\u00fcrfen mit diesen Problemen nicht allein bleiben. Aber der Staat darf sie auch nicht l\u00e4nger verdr\u00e4ngen.<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem neuen Podcast schl\u00e4gt ein Innenpolitikjournalist Alarm: An Wiener Brennpunktschulen sei normaler Unterricht oft kaum noch m\u00f6glich. Besonders drastisch sei die Lage w\u00e4hrend des Ramadans. Dazu kommen massive Deutschdefizite, kulturelle Parallelwelten und Kinder, die schon mit sechs Jahren abgeh\u00e4ngt sind. Clemens Neuhold kennt das Thema seit Jahren. Der langj\u00e4hrige Innenpolitikjournalist und Autor besch\u00e4ftigt sich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4846,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_gspb_post_css":"","_uag_custom_page_level_css":"","fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-4570","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-poli"],"blocksy_meta":[],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=1920&resize=1920,1080&ssl=1",1920,1080,true],"thumbnail":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=150&resize=150,150&ssl=1",150,150,true],"medium":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=300&resize=300,300&ssl=1",300,300,true],"medium_large":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=768&resize=768,0&ssl=1",768,0,true],"large":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=1024&resize=1024,1024&ssl=1",1024,1024,true],"1536x1536":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=1536&resize=1536,1536&ssl=1",1536,1536,true],"2048x2048":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=2048&resize=2048,2048&ssl=1",2048,2048,true],"trp-custom-language-flag":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=18&resize=18,12&ssl=1",18,12,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"admin","author_link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/author\/admin\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"In einem neuen Podcast schl\u00e4gt ein Innenpolitikjournalist Alarm: An Wiener Brennpunktschulen sei normaler Unterricht oft kaum noch m\u00f6glich. Besonders drastisch sei die Lage w\u00e4hrend des Ramadans. Dazu kommen massive Deutschdefizite, kulturelle Parallelwelten und Kinder, die schon mit sechs Jahren abgeh\u00e4ngt sind. Clemens Neuhold kennt das Thema seit Jahren. Der langj\u00e4hrige Innenpolitikjournalist und Autor besch\u00e4ftigt sich&hellip;","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4570","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4570"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4570\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4570"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4570"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4570"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}