{"id":4579,"date":"2026-05-23T14:42:10","date_gmt":"2026-05-23T12:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/finanzen\/wirecard-skandal-aufklaerung-nicht-erwuenscht-37426914-html-3\/"},"modified":"2026-05-23T14:42:10","modified_gmt":"2026-05-23T12:42:10","slug":"wirecard-skandal-aufklaerung-nicht-erwuenscht-37426914-html-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/finanzen\/wirecard-skandal-aufklaerung-nicht-erwuenscht-37426914-html-3\/","title":{"rendered":"Meinung: Wirecard-Skandal: Aufkl\u00e4rung nicht erw\u00fcnscht"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>In \u00d6sterreich wurde ein fr\u00fcherer Verfassungssch\u00fctzer und Marsalek-Helfer wegen Spionage f\u00fcr Russland verurteilt. In dem Geheimdienstskandal gibt es viele Bez\u00fcge nach Deutschland \u2013 doch kaum jemand schaut mehr hin<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Man k\u00f6nnte es sich leicht machen und den Fall des Ex-Verfassungssch\u00fctzers Egisto Ott, der am Mittwochabend in Wien wegen Spionage f\u00fcr Russland zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden ist, als eine \u00f6sterreichische Angelegenheit abhaken. Ein gro\u00dfer Geheimdienstskandal zwar, auch mit Verbindungen zum Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek, der heute wohl f\u00fcr russische Dienste arbeitet \u2013 aber eben nur eine Sache, die im Nachbarland spielt und dar\u00fcber hinaus wenig Bedeutung hat.<\/p>\n<p>Ein solcher Reflex w\u00fcrde gut dazu passen, wie es in Deutschland sechs Jahre nach der Pleite von Wirecard um die Aufarbeitung des Skandals steht. Politik und Publikum sind angesichts der vielen Wirrungen in dem Fall l\u00e4ngst abgestumpft. <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/staatsschutz-nimmt-wirecard-anlegeranwalt-ins-visier-37058036.html\" class=\"external-link\">Und vor den Gerichten schleppen sich sowohl das Strafverfahren als auch der Anleger-Musterprozess so z\u00e4h dahin<\/a>, dass man fast das Gef\u00fchl bekommt, die Justiz scheue eine Entscheidung.<\/p>\n<\/p>\n<p>Doch tats\u00e4chlich gibt es im Fall des fr\u00fcheren Verfassungssch\u00fctzers Ott, der laut den \u00f6sterreichischen Ermittlern nicht erst seit der Wirecard-Pleite jahrelang Spitzeldienste im Auftrag von Marsalek \u00fcbernommen hat, zahlreiche Verbindungen nach Deutschland \u2013 und in Kreise deutscher Sicherheitsbeh\u00f6rden. Deshalb weist das \u2013 noch nicht rechtskr\u00e4ftige \u2013 Urteil jetzt erneut in Erinnerung, dass in der Wirecard-Aff\u00e4re noch viele Fragen vollkommen ungekl\u00e4rt sind, auch zum Verhalten und der Rolle deutscher Beh\u00f6rden.<\/p>\n<h2>Ex-Geheimdienstbeauftragter traf Marsalek<\/h2>\n<p>Diese Fragen beginnen damit, warum auch fr\u00fchere hochrangige Sicherheitsbeamte aus Deutschland im Umfeld Otts auftauchten. Zu dessen Netzwerk geh\u00f6rte auch sein fr\u00fcherer Vorgesetzter beim Wiener Verfassungsschutz, ein Mann namens Martin Weiss, der ab 2018 f\u00fcr Marsalek arbeitete. \u00dcber Jahre reichte Weiss Dutzende Auftr\u00e4ge von Marsalek an Ott weiter. Insbesondere sollte Ott diskret Beh\u00f6rdendatenbanken anzapfen, um f\u00fcr den Wirecard-Manager Zielpersonen wie Investigativjournalisten, einen aus Russland gefl\u00fcchteten Geheimdienstler oder Gesch\u00e4ftspartner abzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Belegt ist, dass Bernd Schmidbauer, der jahrelange Geheimdienstkoordinator unter Bundeskanzler Helmut Kohl, enge Kontakte zu Weiss und Ott pflegte. So erfuhr Schmidbauer im Herbst 2018 auch davon, dass Marsalek aus einem \u00f6sterreichischen Ministerium an geheime Dokumente der Anti-Chemiewaffenorganisation OPCW zu dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal mit dem Kampfstoff Nowitschok gelangt war \u2013 wohl unter Mithilfe von Ott. Nach eigenen Angaben traf sich Schmidbauer daraufhin mit Marsalek, weil er sich Sorgen dar\u00fcber machte, dass sensible Nowitschok-Dokumente vagabundieren und sogar bei einem Manager aus der Wirtschaft landeten.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Was aber stellte Schmidbauer mit diesem Wissen an? Behielt er es f\u00fcr sich? Oder wie kann es sein, dass ein fr\u00fcherer Top-Sicherheitsbeamter mit Marsalek \u00fcber Geheimdienstthemen plauschte, aber Informationen \u00fcber Marsaleks Aktivit\u00e4ten angeblich nie bei Schmidbauers fr\u00fcheren Kollegen in den Sicherheitsbeh\u00f6rden landeten? Bis heute h\u00e4lt die Bundesregierung daran fest, dass deutsche Nachrichtendienste Marsalek bis zur Pleite von Wirecard im Juni 2020 nicht auf dem Schirm gehabt h\u00e4tten. <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/wirecard-skandal--bundesregierung-mauert-im-fall-marsalek-31807428.html\" class=\"external-link\">Man muss kein ausgepr\u00e4gter Verschw\u00f6rungstheoretiker sein, um Zweifel an dieser Aussage zu haben.<\/a><\/p>\n<p>Auch in einer fr\u00fcheren Geheimdienstaff\u00e4re in \u00d6sterreich, bei der Ott mitmischte, gibt es Verbindungen nach Deutschland. Anfang 2019 lie\u00df der damalige Innenminister Herbert Kickl von der rechtsgerichteten FP\u00d6 eine Razzia in der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde BVT durchf\u00fchren \u2013 auf Grundlage eines Konvoluts an Vorw\u00fcrfen, an dem Ott ma\u00dfgeblich mitwirkte. Als auch Schmidbauer in diesem Fall als Zeuge bei der Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft aussagen musste, k\u00fcmmerten sich Weiss und Ott um ihn und organisierten zudem einen Termin bei Kickl. Als Kickl nach der Razzia einen Experten suchte, der ihm dabei helfen sollte, das BVT neu aufzustellen, fiel seine Wahl auf Klaus-Dieter Fritsche, zuvor Geheimdienstkoordinator von Kanzlerin Angela Merkel und Sicherheitsstaatssekret\u00e4r im Bundesinnenministerium. Dass Fritsche 2019 auch als Lobbyist f\u00fcr Wirecard t\u00e4tig war, mag nur ein Zufall sein.\u00a0<\/p>\n<p>Was im Rahmen des Prozesses gegen Ott zudem auff\u00e4llt, ist, in welchem Kontrast das Vorgehen von Staatsanwaltschaft und Justiz gegen das Marsalek-Netzwerk in \u00d6sterreich zu dem der Pendants in Deutschland steht. So l\u00e4sst der Prozess gegen Ott auch das Verhalten der M\u00fcnchner Staatsanwaltschaft, die im Fall Wirecard ermittelt, in einem merkw\u00fcrdigen Licht erscheinen. Im Zuge der Ermittlungen in \u00d6sterreich stellte sich heraus, dass die M\u00fcnchner Staatsanw\u00e4lte den Ott-Kompagnon Weiss im Fr\u00fchjahr 2022 zu einer Zeugenvernehmung empfangen haben \u2013 obwohl Weiss damals vor dem Zugriff der \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden nach Dubai gefl\u00fcchtet war. Von dem Besuch bei den Kollegen in M\u00fcnchen erfuhren die Wiener Ermittler, die Weiss als Mitglied einer russischen \u201enachrichtendienstlichen Zelle\u201c mit Marsalek und Ott einstufen, erst viel sp\u00e4ter.<\/p>\n<h2>\u201eSicherer Hafen\u201c Dubai<\/h2>\n<p>Unklar ist, was sich die deutschen Strafverfolger von Weiss\u2018 Aussagen versprachen. Klar ist dagegen, dass sie f\u00fcr die Vernehmung einen Deal mit dem Marsalek-Vertrauten schlossen und ihm freies Geleit zusicherten. Das Protokoll der Vernehmung in M\u00fcnchen enth\u00e4lt seltsame Andeutungen der beteiligten Staatsanw\u00e4lte, die Raum f\u00fcr Spekulationen lassen. So sagte ein Staatsanwalt zu Weiss: \u201eWir haben uns an die Zusagen alle gehalten, die Sie hier hergebracht haben.\u201c Eine Kollegin stellte laut Protokoll fest: \u201eSie gehen &#8230; sie nach Dubai\u00a0\u2026\u00a0sind jetzt in einem sicheren Hafen Dubai.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Solche S\u00e4tze klingen eigenartig \u2013 erst recht, wenn sie von einer Staatsanwaltschaft kommen, die bei Wirecard jahrelang zuschaute und auch nicht verhinderte, dass Marsalek nach Auffliegen der Bilanzmanipulationen bei Wirecard unter tatkr\u00e4ftiger Hilfe von Weiss fl\u00fcchten konnte. Besonders absurd wird es dadurch, dass Weiss Marsalek vorab dar\u00fcber informiert hatte, dass er in M\u00fcnchen aussagen werde. In einem Chat mit einem anderen Kompagnon meldete Marsalek sp\u00e4ter erleichtert, dass \u201eunser Freund\u201c wieder sicher aus Deutschland ausreisen konnte.<\/p>\n<\/p>\n<p>All das ist eigentlich nicht neu. Doch bislang wurden die klaren Bez\u00fcge nach Deutschland, die die Ermittlungen gegen das Marsalek-Netzwerk in \u00d6sterreich aufgezeigt haben, hierzulande mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen \u2013 gerade in der Politik. Insofern klingt es hohl und naiv, wenn der Gr\u00fcnen-Sicherheitspolitiker und Geheimdienstkontrolleur Konstantin von Notz jetzt auf X fordert, das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und das Bundesinnenministerium m\u00fcssten alles tun, um die Verbindungen des Ott-Skandals nach Deutschland \u201er\u00fcckhaltlos aufzukl\u00e4ren\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>In den sechs Jahren nach dem Zusammenbruch von Wirecard haben die deutschen Beh\u00f6rden selbst wenig Anstalten gemacht, die Rolle staatlicher Stellen im Skandal um den Zahlungskonzern und Marsalek mit seinem Nebenjob als mutma\u00dflicher Russlandspion zu beleuchten. Mit Appellen allein wird sich daran nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>In \u00d6sterreich wurde ein fr\u00fcherer Verfassungssch\u00fctzer und Marsalek-Helfer wegen Spionage f\u00fcr Russland verurteilt. 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