{"id":4871,"date":"2026-05-25T08:52:21","date_gmt":"2026-05-25T06:52:21","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/finanzen\/chinas-industrie-ist-die-wahre-gefahr-fuer-deutsche-unternehmen-37429330-html-4\/"},"modified":"2026-05-25T08:52:21","modified_gmt":"2026-05-25T06:52:21","slug":"chinas-industrie-ist-die-wahre-gefahr-fuer-deutsche-unternehmen-37429330-html-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/finanzen\/chinas-industrie-ist-die-wahre-gefahr-fuer-deutsche-unternehmen-37429330-html-4\/","title":{"rendered":"Wirtschaftskrise: Chinas Industrie: Die Gefahr, die in Deutschland notorisch ignoriert wird"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>\u00dcber die Ursachen der deutschen Misere herrscht Konsens: Alles ist zu teuer, zu alt, zu langsam. Eine neue Studie widerspricht: Das wahre Problem sei China. Dagegen helfe nur ein Mittel \u2013 aber die Regierung bremse immer wieder\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Der \u00d6konom Clemens Fuest fasste die verbreitete Stimmung im Land diese Woche sehr sch\u00f6n zusammen: \u201eEs steht au\u00dfer Frage, dass nach sieben Jahren wirtschaftlicher Stagnation Strukturreformen unerl\u00e4sslich sind\u201c, sagte der Pr\u00e4sident des renommierten Ifo-Instituts in M\u00fcnchen <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/bundesregierung-hat-laut-clemens-fuest--kein-konzept--wo-sie-hinwill--37416984.html\" class=\"external-link\">im Gespr\u00e4ch mit Capital<\/a>, es brauche dringend \u201eeinen umfassenden Ansatz, wie langfristig mehr Wachstum in Deutschland entsteht\u201c. Von der Regierung forderte Fuest Ver\u00e4nderungen, die am Ende drei Dinge bewirken sollten: \u201emehr Arbeit, mehr Investitionen und mehr Innovationen. In allen drei Bereichen sind wir im Vergleich zum Ausland nicht gut genug aufgestellt.\u201c<\/p>\n<p>Im Jura-Studium lernt man den Terminus der \u201eherrschenden Meinung\u201c, oft abgek\u00fcrzt mit \u201eh. M.\u201c. Damit bezeichnet man die \u00fcberwiegende Rechtsauffassung, am besten zementiert durch Urteile hoher Gerichte. Wenn man so will, vertritt Fuest in der hiesigen \u00d6konomen-Szene die \u201eherrschende Meinung\u201c \u2013 manche w\u00fcrden sogar sagen, wenn er spricht, ist das ein Urteil der h\u00f6chsten Instanz: Deutschlands wirtschaftlicher Niedergang geht demnach zur\u00fcck auf eine verh\u00e4ngnisvolle Melange aus verkrusteten staatlichen und unternehmerischen Strukturen, hohen und \u00fcber Jahre weiter gestiegenen Kosten, fehlenden Innovationen und einer alternden Gesellschaft, die mehr an das Verteilen und weniger an das Verdienen des Wohlstands denkt.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Im Ergebnis fehlen Unternehmen und Investoren die glaubhaften Aussichten, dass sich Mut und Risiko \u2013 landl\u00e4ufig auch Investitionen genannt \u2013 in Deutschland f\u00fcr sie auszahlen werden. Weshalb die Strukturen immer weiter verkrusten. Es entsteht eine Spirale des Niedergangs, aus der nur harte Reformen wieder heraushelfen: Steuersenkungen, die Arbeit und Investitionen belohnen, B\u00fcrokratieabbau, und Einschnitte bei den Sozialleistungen, die die Arbeitskosten senken und den Standort wieder wettbewerbsf\u00e4hig machen.\u00a0<\/p>\n<p>Und doch gibt es zur \u201eh. M.\u201c so gut wie immer auch eine gegenl\u00e4ufige Ansicht, die \u201eabweichende Meinung\u201c, meist vertreten von einigen wenigen, nicht selten aber besonders gewitzten K\u00f6pfen, die mindestens einen gro\u00dfen Spa\u00df daran haben, die \u201eherrschende Meinung\u201c argumentativ herauszufordern. Und eine solche \u201ea. M.\u201c erschien diese Woche in Form einer Studie unter dem Titel <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.cer.eu\/publications\/archive\/policy-brief\/2026\/china-shock-20-cost-germanys-complacency\" class=\"external-link\">\u201eChina shock 2.0. \u2013 the cost of Germany\u2019s complacency\u201c<\/a>, \u00fcbersetzt so viel wie \u201edie Kosten der deutschen Selbstzufriedenheit\u201c.<\/p>\n<p>Darin vertreten die \u00d6konomen Sander Tordoir und Brad Setser die These, Deutschlands Unternehmen litten nicht vornehmlich unter verkrusteten Strukturen, hohen Kosten und fehlender Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Sondern sie w\u00fcrden plattgemacht und an den Rand gedr\u00e4ngt von einer immer \u00fcberm\u00e4chtigeren chinesischen Industrie. Besonders pikant dabei ist der Vorwurf der \u201ecomplacency\u201c. Denn das war viele Jahre der Kampfbegriff f\u00fcr all jene, die Deutschen und Europ\u00e4ern gerne vorhielten, satt, tr\u00e4ge und reformm\u00fcde zu sein \u2013 selbstzufrieden eben. Jetzt schnappen sich Tordoir und Setser den Begriff und interpretieren ihn ganz anders: n\u00e4mlich als hochriskante Ignoranz vor der chinesischen \u00dcbermacht, der man nur mit Protektionismus begegnen k\u00f6nne.\u00a0<\/p>\n<p>Man muss nicht alles teilen, was Tordoir und Setser auf ihren 24 Seiten launig zusammentragen. Aber eine Bereicherung f\u00fcr die \u00f6konomische Debatte ist ihr Aufsatz allemal.\u00a0<\/p>\n<p>Im Kern dreht sich ihre Analyse um den rasanten Aufstieg Chinas in zentralen Branchen und M\u00e4rkten: etwa bei der Versorgung der Welt mit Rohstoffen, seltenen Erden und chemischen Grundstoffen f\u00fcr die Pharmaindustrie; im Bereich von Chips und Robotern; vor allem auf dem Markt f\u00fcr Elektroautos und Batterien. In all diesen M\u00e4rkten ist China heute dominierend, sowohl technologisch als auch gemessen am Umsatz. Besonders frappierend ist der Aufstieg der chinesischen Autoindustrie auf dem Weltmarkt seit dem Ende der Corona-Pandemie, wie diese Grafik zeigt.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Setser und Tordoir kommen zu dem Schluss, dass die verschiedenen Zweige der chinesischen Industrie ihre europ\u00e4ischen Wettbewerber in den kommenden Jahren komplett verdr\u00e4ngen und ihr Gesch\u00e4ft \u00fcbernehmen werden. Sowohl auf dem Weltmarkt als auch in ihren Heimatm\u00e4rkten. Das Schicksal der deutschen Solarindustrie, vor kaum mehr als 15 Jahren noch weltweit eine Vorzeigeindustrie und heute nicht mehr existent, da komplett chinesisch, w\u00e4re demnach nur ein Vorgeschmack. Oder der Niedergang der US-Industrie in den 2000er Jahren, der brutale Verfall in Metropolen wie Detroit, der erahnen l\u00e4sst, was auf Regionen wie Stuttgart noch zukommt.\u00a0<\/p>\n<h2>China ist der Hauptgrund f\u00fcr die deutsche Misere<\/h2>\n<p>Anders als wahrscheinlich Fuest und viele deutsche \u00d6konomen machen die beiden Autoren nicht mangelnde deutsche Wettbewerbsf\u00e4higkeit und fehlende Strukturreformen als Haupttreiber dieser Entwicklung aus \u2013 sondern eine aggressive Wirtschafts-, Fiskal- und Handelspolitik Chinas. Die kommunistische F\u00fchrung in Peking habe die Offenheit der westlichen Wirtschaft und den vielleicht auch etwas naiven Gesch\u00e4ftssinn hiesiger Unternehmen gnadenlos ausgenutzt. Ein knallharter Wissenstransfer nach China durch Zugangsbarrieren zum chinesischen Markt, hohe direkte und indirekte Subventionen f\u00fcr chinesische Unternehmen zum Aufbau von \u00dcberkapazit\u00e4ten, die gezielte Dominanz bei Rohstoffen und eine bewusste Abwertung der chinesischen W\u00e4hrung h\u00e4tten die chinesische Industrie vielmehr massiv bevorteilt.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Chinas Warenexporte in die Welt wuchsen 2025 doppelt so stark wie der Welthandel insgesamt, und im ersten Quartal 2026 legten sie noch mal um 15 Prozent zu. So ein einseitiges Wachstum funktioniert nur, wenn andere verlieren. Besonders betroffen: Deutschland. Allein seit 2023 habe die deutsche Wirtschaft etwa drei Prozent ihrer j\u00e4hrlichen Wirtschaftsleistung BIP durch Verluste im Export verloren, den Gro\u00dfteil im China-Gesch\u00e4ft, so Tordoir und Setser. Grob gesch\u00e4tzt 400.000 Arbeitspl\u00e4tze in der Industrie seien hierzulande bereits durch den R\u00fcckgang der China-Exporte verloren gegangen. Die Dauerkrise der deutschen Wirtschaft seit sechs Jahren, der Einbruch der Nachfrage nach \u201emade in Germany\u201c, sei nicht allein Folge fehlender Arbeitsmoral oder hoher Lohn- und Energiekosten, sondern gehe auf die zunehmende und zunehmend unfaire Dominanz der Chinesen zur\u00fcck.\u00a0<\/p>\n<p>Interessant f\u00fcr die deutsche Debatte ist aber nicht nur die Problemanalyse, sondern ihre politischen Ableitungen. N\u00fcchtern stellen Tordoir und Setser fest: \u201eObwohl China der deutschen Industrie bereits einen Gro\u00dfteil ihres Mittagessens weggegessen hat und sich nun auf das Dinner vorbereitet, z\u00f6gert Deutschland.\u201c Die fehlende Nachfrage aus China seit 2023 sei \u201eder st\u00e4rkste Grund f\u00fcr die wirtschaftliche Malaise Deutschlands\u201c, die Regierung in Berlin tue aber nichts dagegen. Statt sich allein im B\u00fcrokratieabbau und in Strukturreformen aufzureiben, fordern die \u00d6konomen einen h\u00e4rteren Protektionismus gegen\u00fcber China: Hohe Importz\u00f6lle auf chinesische Einfuhren, vor allem in den Bereichen, in denen europ\u00e4ische Industrien bedroht sind \u2013 ganz so, wie es Donald Trump bereits angefangen hat. Einen Vorrang f\u00fcr Produkte \u201emade in Europe\u201c auf dem hiesigen Markt. Und einen Joint Venture-Zwang f\u00fcr chinesische Unternehmen, die in Europa produzieren wollen \u2013 so, wie es China f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investoren vorsah. Die Autoren vermeiden die offensichtliche Provokation, doch ihre Botschaft ist klar: Im Handel mit China sollten Europa und vor allem Deutschland mehr Trump wagen. \u00a0<\/p>\n<h2>Die USA fallen als Alternative zu China aus<\/h2>\n<p>In Br\u00fcssel und Paris werden solche Ans\u00e4tze bereits lebhaft diskutiert, doch tats\u00e4chlich ist es vor allem die deutsche Bundesregierung, die bei solchen Vorschl\u00e4gen oft auf die Bremse tritt. Man f\u00fcrchtet die Vergeltung der Chinesen. Was wiederum verst\u00e4ndlich ist, denn die Franzosen hatten in China nie so viel zu verlieren wie es die Deutschen heute noch haben. Hinzu kommt, dass Europa bei wichtigen strategischen Roh- und Grundstoffen abh\u00e4ngig ist von Lieferungen aus China, nicht nur in der Halbleiterproduktion, sondern auch in der R\u00fcstungsindustrie. Wer die Konfrontation mit China sucht, sollte Alternativen als Partner haben.\u00a0<\/p>\n<p>Wahrscheinlich nicht von ungef\u00e4hr <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/zoelle--eu-macht-den-weg-frei-fuer-zolldeal-mit-den-usa-37416836.html\" class=\"external-link\">hat die EU diese Woche den Weg f\u00fcr das neue Handelsabkommen mit den USA<\/a> freigemacht. Wenn auch z\u00e4hneknirschend, denn klar ist: Auch die USA sind nicht mehr der verl\u00e4ssliche Verb\u00fcndete, unter Donald Trump sowieso nicht, und nach ihm wahrscheinlich auch nicht. Auf diese Zwickm\u00fchle gehen Tordoir und Setser kaum ein \u2013 sie haben vor allem eine methodische Empfehlung: In gewisser Weise m\u00fcsse die EU die chinesischen Methoden \u00fcbernehmen, strategische Kompetenzen etwa in der Rohstoffversorgung mit hohen Subventionen wieder aufbauen und seinen Markt ansonsten gnadenlos abschotten \u2013 China kopieren, um mit China mithalten zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Mitunter wirken die Befunde der beiden \u00d6konomen wie eine Provokation, aber in einer Situation, in der das Land so sehr auf die eigenen Probleme und Defizite schaut, gleicht die Studie einem Weckruf: Es lohnt sich in jedem Fall, den Blick zu weiten.\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>\u00dcber die Ursachen der deutschen Misere herrscht Konsens: Alles ist zu teuer, zu alt, zu langsam. Eine neue Studie widerspricht: Das wahre Problem sei China. 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