{"id":5248,"date":"2026-05-25T21:16:05","date_gmt":"2026-05-25T19:16:05","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/neid-und-gier-haben-deutschlands-industrie-zerstoert\/"},"modified":"2026-05-25T21:16:05","modified_gmt":"2026-05-25T19:16:05","slug":"neid-und-gier-haben-deutschlands-industrie-zerstoert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/neid-und-gier-haben-deutschlands-industrie-zerstoert\/","title":{"rendered":"Neid und Gier haben Deutschlands Industrie zerst\u00f6rt"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Alexej Danckwardt<\/em><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n                                                <iframe title=\"Neid und Gier haben Deutschlands Industrie zerst\u00f6rt\" allowtransparency=\"true\" height=\"150\" width=\"100%\" style=\"border: none; min-width: min(100%, 430px);height:150px;\" scrolling=\"no\" data-name=\"pb-iframe-player\" src=\"https:\/\/www.podbean.com\/player-v2\/?i=s7v76-1ad1298-pb&amp;from=pb6admin&amp;share=1&amp;download=1&amp;rtl=0&amp;fonts=Arial&amp;skin=f6f6f6&amp;font-color=auto&amp;logo_link=episode_page&amp;btn-skin=7\" loading=\"lazy\"><\/iframe>\n                    <\/div>\n<\/p><\/div>\n<p>Am Donnerstag ver\u00f6ffentlichte der<em> Focus<\/em> einen langen <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/bosch-gibt-deutschland-strukturell-auf-doch-keiner-redet-darueber_4a6e7e4a-040b-46f4-9218-cf6d6db04847.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a>\u00a0von Philipp Raasch, seiner Selbstbeschreibung nach &#8222;Autopreneur&#8220; und Experte f\u00fcr die deutsche Automobilindustrie (&#8222;10 Jahre Mercedes, heute Analyst und Gr\u00fcnder&#8220;). In <a href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/de\/podcast\/der-autopreneur\/id1767152019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Podcasts<\/a> erkl\u00e4rt er regelm\u00e4\u00dfig die verzweifelte Lage der einst namhaften Autobauer und wie sie in das Schlamassel gerieten. Den <em>Focus<\/em>-Artikel gibt es auch als Podcast.\u00a0<\/p>\n<p>Dieses Mal ging es um Bosch, den weltweit gr\u00f6\u00dften Autozulieferer aus Gerlingen bei Stuttgart. Erstmals seit 2009 hat dieser im Gesch\u00e4ftsjahr 2025 einen operativen Verlust, 400 Millionen Euro, und den Wegfall von 22.000 Stellen in der Mobility-Branche in Deutschland angek\u00fcndigt. Nicht der erste Autozulieferer, der Stellen abbaut: Laut Raasch sind in Deutschland seit 2019 73.000 Stellen in der Branche weggefallen. Das Traditionsunternehmen Mahle hat 2025 sechs Werke geschlossen, vier weitere stehen vor dem Ende.<\/p>\n<p>Bosch selbst wird nicht untergehen: Das Unternehmen verl\u00e4sst Deutschland mehr oder weniger komplett (&#8222;strukturell&#8220;) und wird in China weitermachen, so die Tendenz und die Aussicht, die Raasch zeichnet. Schon der Titel verr\u00e4t es: &#8222;Bosch gibt Deutschland strukturell auf, keiner redet dar\u00fcber&#8220;. Und auch der pr\u00e4gnante Schlusssatz sagt dasselbe:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Grube in Leonberg ist zugesch\u00fcttet. Die Baugruben in Peking werden gerade ausgehoben. Bosch wird das \u00fcberleben. Nur eben woanders.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was sind die Gr\u00fcnde? Raasch erkl\u00e4rt es mit der Innovationsf\u00e4higkeit Chinas. W\u00e4hrend in Deutschland die Automobilindustrie eingeht, hat China den Sprung ins E-Auto-Zeitalter geschafft, und zwar als Vorreiter. Bosch mischt in China mit und verlegt seinen Schwerpunkt nun dorthin, wo die Hauptabnehmer sind. Klingt logisch.<\/p>\n<p>Doch ist das wirklich alles? Mangelte es am Willen? Ist die deutsche Ingenieurskunst ausgestorben? Mit Verlaub, aber das zu behaupten w\u00e4re Unsinn. Alle deutschen Autobauer hatten konkrete Pl\u00e4ne f\u00fcr den Einstieg in den Elektroantrieb, und es gab vielversprechende Ans\u00e4tze. Um zu verstehen, was wirklich geschehen ist, sollte man einen Blick zur\u00fcckwerfen, so zehn bis zw\u00f6lf Jahre weit.<\/p>\n<p>Das in Deutschland hergestellte Auto hatte neben dem heimischen Markt zwei Asse im \u00c4rmel: den chinesischen Markt\u00a0\u2013 und den russischen. Der chinesische ist noch da, aber eben mit seinen Spielregeln, die nicht nur Bosch nun zum Auswandern aus der schw\u00e4bischen Heimat zwingen.<\/p>\n<p>Der russische hatte auch seine Regeln, weshalb deutsche Autobauer damals massiv in Russland investierten: Um Einfuhrz\u00f6lle zu vermeiden, wurden in Kaliningrad und in Provinzen rund um Moskau Fabriken f\u00fcr die Endmontage gebaut.\u00a0Der Gro\u00dfteil der Wertsch\u00f6pfung fand bei &#8222;russischen&#8220; BMW, Mercedes und VW dennoch in Deutschland statt. Alles bis auf die Endmontage. Forschung und Entwicklung sowieso. Russland ist nicht China. Russische Regeln \u2013 deutsche Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Mercedes-Benz er\u00f6ffnete sein russisches Werk 2019 in Jessipowo nordwestlich von Moskau, wo es 250 Millionen Euro investiert hatte. Keine drei Jahre sp\u00e4ter wurde die Produktion eingestellt, 2023 verkaufte Mercedes-Benz das gesamte Russlandgesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Volkswagen hatte sein Hauptwerk in Kaluga, ausgelegt f\u00fcr 225.000 Fahrzeuge pro Jahr, ein weiteres in Nischni Nowgorod. 2023 wurden sie ohne R\u00fcckkaufoption ver\u00e4u\u00dfert.\u00a0<\/p>\n<p>Opel wurden ebenfalls in Kaluga montiert, im Werk der Stellantis-Gruppe. Seit 2022 vorbei. BMW lie\u00df in Kaliningrad fertigen, plante den Bau eines eigenen Werkes, auch vorbei.\u00a0<\/p>\n<p>Warum z\u00e4hlen wir das auf? Nun, der russische Markt war f\u00fcr die deutschen Autobauer eine fast so sichere Heimbasis wie der deutsche. Die Russen liebten deutsche Autos und waren bereit, daf\u00fcr zu zahlen. Ob berechtigt oder nicht, sie galten zwischen Kaliningrad und Wladiwostok als das H\u00f6chste und Beste, das der Automobilbau weltweit zu bieten hat. Bis 2022 wurden j\u00e4hrlich \u00fcber 200.000 Pkw deutscher Marken in Russland montiert, nochmals 100.000 bis 150.000 Neuwagen aus deutscher Produktion in das Land eingef\u00fchrt. Hinzu kam trotz hoher Z\u00f6lle ein reger Gebrauchtwagenhandel, was dem Absatz im Inland sicher nicht abtr\u00e4glich war.<\/p>\n<p>Diese Zahlen m\u00f6gen im Vergleich zu den damaligen deutschen Autoexporten in die USA und nach China wenig beeindruckend sein. Der Verband der deutschen Automobilindustrie bezifferte den Anteil Russlands an deutschen Neuwagenexporten mit drei bis vier Prozent. Doch darf nicht vergessen werden, dass der russische Markt f\u00fcr die deutschen Autobauer vor allem ein Premiummarkt war \u2013 Absatz fanden Luxuskarossen mit hoher Gewinnmarge. Leicht verdientes, schnelles Geld. Genau das Geld, das seit 2022 f\u00fcr Entwicklung und Innovation fehlt.<\/p>\n<p>Die Kapit\u00e4ne der deutschen Automobilindustrie waren jedenfalls nicht unzufrieden. Der Trend wies in Russland nach oben und da war das vierte Standbein, das dem Stuhl, auf dem die Autobauer sa\u00dfen, Stabilit\u00e4t verlieh. Es ist bis heute nicht gekl\u00e4rt, warum und auf wessen Weisung sie den russischen Markt, in den \u00fcber die Jahre mehr als nur Peanuts investiert wurden, so schnell aufgaben. Reden will dar\u00fcber bis heute keiner.<\/p>\n<p>Vielleicht waren es nicht sie, die in den Jahren zuvor auf Feindschaft mit Russland setzten. Nicht die objektiven Interessen ihrer Branche jedenfalls, denn wer wei\u00df schon, welche Aktienpakete die Manager privat halten. Ganz andere Segmente des deutschen und multinationalen Kapitals waren vor Gier und Neid getrieben und entwickelten den Plan, Russland \u00fcber die Ukraine unter Druck zu setzen, es letztlich \u2013 mit einem Weltkrieg oder ohne \u2013 zu zerschlagen, zu vernichten und sich seine Reicht\u00fcmer unter den Nagel zu rei\u00dfen. Der Plan, der seit 2013 umgesetzt wird.<\/p>\n<p>Von diesen Haien und Heuschrecken abgesehen konnte Deutschland gut mit Russland leben, Handel treiben und auf langfristiger Basis profitieren. Ob von dem Gas und \u00d6l, ob von den germanophilen russischen Absatzm\u00e4rkten.<\/p>\n<p>Selber schuld sind sie dennoch: Wer seine eigenen Interessen bei seinen eigenen Politikern nicht durchsetzen kann, wer auf die au\u00dfenpolitische Linie seines Landes keinen Einfluss nimmt, wer in alter Verbundenheit auf falsche Parteien und fremdverkaufte Politiker setzt, soll sich hinterher nicht beschweren. Ja, war es denn nicht klar, wohin die aggressiven Expansionspl\u00e4ne von EU und NATO f\u00fchren? War es denn nicht verst\u00e4ndlich, dass es abgrundtief amoralisch ist, so eng verwandte V\u00f6lker wie die Russen und die Ukrainer gegeneinander aufzuhetzen, sie auseinanderrei\u00dfen zu wollen? Und dass Russland fr\u00fcher oder sp\u00e4ter (es hat es eher sp\u00e4ter als fr\u00fcher getan) reagieren muss?<\/p>\n<p>Gab es das eigentlich schon mal in der Geschichte des Kapitalismus, dass gro\u00dfe Konzerne ihren eigenen Profitinteressen zuwiderhandelten? Dass sie die Politik derart vollst\u00e4ndig nicht im Griff hatten? Karl Marx h\u00e4tte sich sehr gewundert &#8230;<\/p>\n<p>In Russland haben sie sich inzwischen an chinesische Marken gew\u00f6hnt. Manche haben sich in sie auch verliebt. Wenn ich in Moskau mit dem Taxi fahre, frage ich den Taxifahrer oft, wie ihm denn der &#8222;Chinese&#8220; gef\u00e4llt. Man h\u00f6rt nichts Schlechtes mehr.<\/p>\n<p>Darum lohnt es sich nicht, Tr\u00e4nen zu vergie\u00dfen. Weder um die deutsche Automobilindustrie und ihre Kapit\u00e4ne, noch um Deutschlands Gr\u00fcn w\u00e4hlenden S\u00fcdwesten, in dem sie angesiedelt sind. Bosch wird \u00fcberleben und, so viel ist sicher, seine zugelieferten Teile werden ihren Weg nach Russland finden. Nur eben aus China.\u00a0<\/p>\n<p>Und der Rest ist an Neid und Gier verstorben. Dass es nicht die eigenen waren, macht es auch nicht besser.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/russland\/161780-russischer-automarkt-2022-jahr-umwaelzungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischer Automarkt 2022: Das Jahr der Umw\u00e4lzungen<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v77sxym\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Alexej Danckwardt Am Donnerstag ver\u00f6ffentlichte der Focus einen langen Artikel\u00a0von Philipp Raasch, seiner Selbstbeschreibung nach &#8222;Autopreneur&#8220; und Experte f\u00fcr die deutsche Automobilindustrie (&#8222;10 Jahre Mercedes, heute Analyst und Gr\u00fcnder&#8220;). 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