{"id":5655,"date":"2026-05-27T08:39:42","date_gmt":"2026-05-27T06:39:42","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/blueten-der-sinophobie-gefaehrden-chinesische-zuege-europas-sicherheit\/"},"modified":"2026-05-27T08:39:42","modified_gmt":"2026-05-27T06:39:42","slug":"blueten-der-sinophobie-gefaehrden-chinesische-zuege-europas-sicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/blueten-der-sinophobie-gefaehrden-chinesische-zuege-europas-sicherheit\/","title":{"rendered":"Bl\u00fcten der Sinophobie: Gef\u00e4hrden chinesische Z\u00fcge Europas Sicherheit?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Alexej Danckwardt<\/em><\/p>\n<p>K\u00f6nnen Personenz\u00fcge Europas Sicherheit gef\u00e4hrden? Klingt l\u00e4cherlich, ist l\u00e4cherlich. Doch offenbar ist nicht nur die Russo-, sondern auch die Sinophobie auf der westasiatischen Halbinsel inzwischen so weit, dass das ernsthaft behauptet wird.<\/p>\n<p>Anlass der Hysterie: Der chinesische Wagen- und Lokomotivbauer CRRC baut ein Gesch\u00e4ft in Europa auf. Weltweit ist der Staatskonzern bereits zum gr\u00f6\u00dften Hersteller von Schienenfahrzeugen aufgestiegen und besonders im Bereich der Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge inzwischen globaler Technologief\u00fchrer.<\/p>\n<p>In Europa lief es bislang gegen die &#8222;Platzhirsche&#8220; Siemens, Alstom und Bombardier eher schleppend, doch nun gelang es CRRC vier (vier!) doppelst\u00f6ckige Elektroz\u00fcge mit dem Kosenamen &#8222;Panda&#8220; an die \u00f6sterreichische Westbahn zu verleasen. Die Garnituren sind seit dem 10. November 2025 im Fahrgastbetrieb unterwegs und begeistern verf\u00fcgbaren Kommentaren zufolge die Fahrg\u00e4ste.<\/p>\n<p>So ist auch der Autor des am Montag in der <em>Wirtschaftswoche (WiWo)<\/em> erschienen <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/industrie\/chinas-griff-nach-europas-bahn-westbahn-deal-als-weckruf\/100225929.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikels<\/a>, der Anlass zu diesem Kommentar bot, durchaus beeindruckt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Im Inneren riecht es nach fabrikfertigem Leder und es ist derart sauber, dass man sich beim Betreten kurz fragt, ob man die Stra\u00dfenschuhe nicht besser auszieht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dass sich die europ\u00e4ische Konkurrenz da unter Druck f\u00fchlt, ist nachvollziehbar: Ob Metrowagen, Elektro- oder Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge, Loks oder G\u00fcterwagen, die gesamte Produktpalette von CRRC gen\u00fcgt inzwischen h\u00f6chsten Anspr\u00fcchen und ist vollgepackt mit Innovation. Dass Siemens, Alstom und Bombardier die Politik zu Abschottung und Isolationismus dr\u00e4ngen werden, um ihr gem\u00fctliches europ\u00e4isches Oligopol zu sch\u00fctzen, war zu erwarten.<\/p>\n<p>Doch die Argumente, die kommen, beschr\u00e4nken sich nicht auf den &#8222;Erhalt heimischer Arbeitspl\u00e4tze&#8220;. Das mit den Arbeitspl\u00e4tzen kann ich als Ostdeutscher ohnehin kaum ernst nehmen, denn den traditionsreichen und international konkurrenzf\u00e4higen Lokomotiv- und Wagenbau der DDR hat niemand anderes vernichtet als die genannten &#8222;Platzhirsche&#8220;, allen voran Bombardier. Zehntausende Arbeitspl\u00e4tze gingen in Halle, G\u00f6rlitz, Bautzen und anderswo im deutschen Osten seit 1990 verloren, die meisten Werke existieren nicht mehr. Nicht einmal der Gigant in Halle-Ammendorf, der vier Jahrzehnte lang die gesamte Sowjetunion mit Schlafwagen versorgt hatte, blieb verschont.<\/p>\n<p>Und dabei ist es nicht so, dass die &#8222;Gro\u00dfen Drei&#8220; den europ\u00e4ischen Markt mit ihren Produkten \u00fcbers\u00e4ttigt h\u00e4tten\u00a0\u2013 von \u00dcberproduktion keine Spur in der Branche. Ganz im Gegenteil: Bahn-, Tram- und Metrobetreiber leiden unter massiven Beschaffungsproblemen und abnehmender Zuverl\u00e4ssigkeit der Z\u00fcge, m\u00fcssen zum Teil veraltetes Rollmaterial \u00fcber seine kalkulierte Lebensdauer hinaus einsetzen, weil die Hersteller nicht liefern. Die\u00a0<em>WiWo<\/em> zitiert einen Experten (f\u00fcr kurze Zeit \u00fcberlegte ich, das Wort in Anf\u00fchrungszeichen zu setzen, aber an dieser Stelle hat der Mann noch recht, die Anf\u00fchrungszeichen kommen also sp\u00e4ter). Josef Doppelbauer, ehemaliger Chef der Europ\u00e4ischen Bahnagentur:<\/p>\n<p><em>&#8222;Rein wirtschaftlich macht die Entscheidung der Westbahn Sinn. Der europ\u00e4ische Bahnmarkt ist von Oligopolen gepr\u00e4gt, die Preise entsprechend hoch, die Wartezeiten lang. CRRC liefert innerhalb weniger Monate, bietet beste Qualit\u00e4t zu g\u00fcnstigen Preisen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Zudem l\u00e4sst CRRC in Europa produzieren, schafft Arbeitspl\u00e4tze eher, als dass es welche vernichtet. Also zieht Doppelbauer, ab nun &#8222;Experte&#8220; in Anf\u00fchrungszeichen, andere Register. <em>WiWo<\/em>:<\/p>\n<p><em>&#8222;Doppelbauer sieht jedoch ein Sicherheitsproblem. W\u00e4hrend der Fahrt tauschen sich Z\u00fcge andauernd \u00fcber verschiedene Schnittstellen mit ihrer Umwelt aus. Im harmlosen Fall saugt China diese Daten ab und sammelt so Informationen \u00fcber Europas kritische Infrastruktur.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Z\u00fcge, die f\u00fcr China spionieren? Nun, versuchen wir sachlich zu bleiben, auch wenn es schwer f\u00e4llt. Wo Schienen verlegt sind, wusste dank Landkarten schon 1840 jedermann. Heutzutage h\u00e4ngen \u00fcber nahezu jedem Fleck der Erde Satelliten im Weltraum, auch chinesische, die so nah heranzoomen k\u00f6nnen, dass nicht nur jedes Gleis \u2013 jeder Schotterstein erkennbar ist und gez\u00e4hlt werden kann. In Echtzeit. Jeder Privatmann kann auf Google Maps oder Yandex Karty die Wagen in jedem Zug an jedem beliebigen Ort der Welt und die wartenden Fahrg\u00e4ste auf jedem Bahnsteig z\u00e4hlen.\u00a0<\/p>\n<p>Fahrpl\u00e4ne sind \u00f6ffentlich. Man muss kein Spion sein, um zu wissen, wann welcher Zug wo abf\u00e4hrt. Au\u00dfer bei der Deutschen Bahn nat\u00fcrlich, f\u00fcr die Fahrpl\u00e4ne seit Jahren nur eine Art Absichtserkl\u00e4rung mit Toleranz von mehreren Stunden sind. Aber gegen die Deutsche Bahn hilft auch kein Spion, ja nicht einmal eine Wahrsagerin mit Tarotkarten. Versp\u00e4tungen werden \u00fcbrigens in Echtzeit online ver\u00f6ffentlicht. Und Milit\u00e4rz\u00fcge sind f\u00fcr jeden Fahrgast und jeden Anwohner mit Blick auf die Bahnstrecke sichtbar. Da braucht es keine spionierenden Z\u00fcge.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnte der Mann \u00fcberhaupt meinen? Welche Daten &#8222;tauschen Z\u00fcge andauernd \u00fcber verschiedene Schnittstellen mit ihrer Umwelt aus&#8220;? Nun, nur eine Art Daten: Streckensignale. W\u00e4hrend die Lokf\u00fchrer fr\u00fcher nach station\u00e4ren Form- und Lichtsignalen Ausschau hielten, die ihnen mitteilten, ob die nachfolgende Strecke frei (Signal leuchtet gr\u00fcn) oder von einem entgegenkommenden Zug belegt ist (Signal leuchtet rot), wird in der EU seit zwei Jahrzehnten an einem dynamischen Signalisationssystem gearbeitet: European Train Control System, ETCS.<\/p>\n<p>Dieses braucht keine station\u00e4ren Signale mehr, sondern tauscht \u00fcber am Gleis angebrachte &#8222;Eurobalisen&#8220; \u2013 man sieht die gelben Schachteln inzwischen \u00fcberall\u00a0\u2013 Daten mit dem vorbeifahrenden Zug aus. Das System wei\u00df daher stets, wo sich welcher Zug befindet und in welche Richtung er wie schnell auf welchem Gleis f\u00e4hrt. Es verarbeitet alle Informationen in Bruchteilen von Sekunden und zeigt dem Lokf\u00fchrer direkt im F\u00fchrerstand an, ob er weiterfahren kann, und wenn ja, mit welcher Geschwindigkeit. In sp\u00e4teren Entwicklungsstufen ist so auch das automatische Steuern des Zuges m\u00f6glich und in einigen Elementen sogar im Einsatz.<\/p>\n<p>Dem Zug teilt das System allerdings kaum mehr mit, als eine gute alte Verkehrsampel: &#8222;Rot&#8220;, &#8222;Gr\u00fcn&#8220; und die zul\u00e4ssige H\u00f6chstgeschwindigkeit. Was die chinesischen &#8222;Spionagez\u00fcge&#8220; auf diesem Weg in Erfahrung bringen k\u00f6nnen, ist also maximal, wann wieder einmal ein liegengebliebener deutscher ICE f\u00fcnf Stunden lang die Strecke blockiert hat. Nichts anderes, aber bestimmt abendf\u00fcllendes Material f\u00fcr Belustigung und Kneipengel\u00e4chter in China.<\/p>\n<p>&#8222;Experte&#8220; Doppelbauer bef\u00fcrchtet mehr:<\/p>\n<p><em>&#8222;Im schlimmeren Fall nutzt China den Zugriff eines Tages, um das Bahnnetz lahmzulegen. Dazu gen\u00fcge es, die zul\u00e4ssige H\u00f6chstgeschwindigkeit der Z\u00fcge aus China auf null zu setzen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Aus China ferngesteuerte Z\u00fcge, die deutsche Milit\u00e4rtransporte an die Ostfront blockieren also &#8230; Nochmals: Das Zugkontrollsystem hei\u00dft European Train Control System, <strong>Europ\u00e4isches<\/strong> Zugkontrollsystem. Programmiert von europ\u00e4ischen Informatikern, kontrolliert aus europ\u00e4ischen Datenzentren. Vielleicht bauen die Chinesen einen geheimen Chip in ihre Z\u00fcge ein, den kein europ\u00e4ischer Ingenieur entdecken kann? Nun, in dem Fall schleppt man den liegengebliebenen Zug mit einer Hilfslok ab, wie es bei der Deutschen Bahn Alltag ist, und die Strecke ist in einer halben Stunde wieder frei. Gebt mir einen Job in der Europ\u00e4ischen Bahnagentur \u2013 wo andere nur Gefahren sehen, habe ich die L\u00f6sungen!<\/p>\n<p>Wenn sich Ihr Nachwuchs, werter Leser, derzeit Gedanken \u00fcber seine berufliche Zukunft macht, habe ich einen todsicheren Tipp: Der Nachwuchs soll Psychiatrie studieren! Der Job ist auf Jahrzehnte krisensicher. Jeden Tag offenbart es der Blick in Presse und Fernsehen aufs Neue: In Europa fehlen Hunderttausende Psychiater mit Fachgebiet Paranoia. Anders l\u00e4sst sich das alles nicht mehr erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema &#8211;<\/strong>\u00a0<a href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/281043-neid-und-gier-haben-deutschlands-industrie-zerstoert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Neid und Gier haben Deutschlands Industrie zerst\u00f6rt<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n                                                <iframe title=\"Jeffrey Sachs' kurz gefasste Geschichte der Russophobie\" allowtransparency=\"true\" height=\"300\" width=\"100%\" style=\"border: none; min-width: min(100%, 430px);height:300px;\" scrolling=\"no\" data-name=\"pb-iframe-player\" src=\"https:\/\/www.podbean.com\/player-v2\/?from=embed&amp;i=ab2k7-1a235a2-pb&amp;square=1&amp;share=1&amp;download=1&amp;fonts=Arial&amp;skin=f6f6f6&amp;font-color=auto&amp;rtl=0&amp;logo_link=episode_page&amp;btn-skin=7&amp;size=300\" loading=\"lazy\" allowfullscreen=\"\"><\/iframe>\n                    <\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Alexej Danckwardt K\u00f6nnen Personenz\u00fcge Europas Sicherheit gef\u00e4hrden? 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