{"id":5755,"date":"2026-05-27T15:54:36","date_gmt":"2026-05-27T13:54:36","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/mageres-wachstum-explodierende-sozialkosten-duestere-prognosen-der-wirtschaftsweisen\/"},"modified":"2026-05-27T15:54:36","modified_gmt":"2026-05-27T13:54:36","slug":"mageres-wachstum-explodierende-sozialkosten-duestere-prognosen-der-wirtschaftsweisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/mageres-wachstum-explodierende-sozialkosten-duestere-prognosen-der-wirtschaftsweisen\/","title":{"rendered":"Mageres Wachstum, explodierende Sozialkosten: D\u00fcstere Prognosen der Wirtschaftsweisen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Der Sachverst\u00e4ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat seine Wachstumsprognose f\u00fcr die deutsche Wirtschaft deutlich nach unten korrigiert und gleichzeitig vor einem massiven Anstieg der Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge gewarnt. Als zentralen Belastungsfaktor benennen die Wirtschaftsweisen den Iran-Krieg \u2013 doch das Bild ist komplexer, als es das Fr\u00fchjahrsgutachten vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr preisbereinigt nur noch um 0,5\u00a0Prozent wachsen, so die Experten \u2013 im Herbst hatte der Rat noch ein Plus von 0,9 Prozent prognostiziert. F\u00fcr das Jahr 2027 rechnen die \u00d6konomen mit einem moderaten Zuwachs von 0,8 Prozent, getragen vor allem von staatlichen Milliardenausgaben zur Modernisierung der Infrastruktur. Die Inflationsrate d\u00fcrfte demnach im laufenden Jahr bei rund\u00a0drei\u00a0Prozent liegen und bis zum Jahr 2027 nur leicht auf 2,8 Prozent zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<h4><strong>Iran-Krieg soll zentrale Ursache sein<\/strong><\/h4>\n<p>Die Ungewissheit \u00fcber Dauer und Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die deutsche Wirtschaft stellt laut dem in Berlin vorgestellten Fr\u00fchjahrsgutachten ein &#8222;erhebliches Risiko&#8220; dar. Die hohen Energiekosten belasten demnach Unternehmen und Haushalte gleicherma\u00dfen, hemmen Investitionen und bremsen die Industrieproduktion weiter aus.<\/p>\n<p>Was die Sachverst\u00e4ndigen dabei ausblenden: Die strukturell hohen Energiepreise in Deutschland sind nicht allein dem Nahostkonflikt geschuldet. Mit\u00a0dem Beginn der russischen Sonderoperation in\u00a0der Ukraine entschied sich Deutschland aus politischen Gr\u00fcnden, auf russische Energielieferungen zu verzichten \u2013 eine bewusste Weichenstellung, die mit erheblichen volkswirtschaftlichen Kosten verbunden ist und das Energiepreisniveau dauerhaft auf einem erh\u00f6hten Niveau h\u00e4lt. Trotz einer gewissen Entspannung liegt das Gaspreisniveau\u00a0im Jahr 2026 weiterhin merklich \u00fcber den Werten vor der Energiekrise, und geopolitische Spannungen sorgen f\u00fcr anhaltende Unsicherheit. Die fortlaufenden und wiederholt versch\u00e4rften Sanktionen gegen Russland erh\u00f6hen das Risiko f\u00fcr Preisschwankungen bei Roh\u00f6l und Gas.<\/p>\n<p>Andere westliche L\u00e4nder lockern genau deshalb den Sanktionskurs inzwischen pragmatisch. Gro\u00dfbritannien hob zuletzt Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr den Transport von Fl\u00fcssigerdgas aus russischen Terminals auf, und auch Washington verl\u00e4ngerte eine Sanktionsausnahme f\u00fcr den Kauf russischen \u00d6ls \u2013 mit dem erkl\u00e4rten Ziel, energiepolitisch besonders verwundbare L\u00e4nder zu entlasten. Deutschland hingegen h\u00e4lt an seinem Kurs fest \u2013 mit entsprechenden Folgen f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Industrie und Mittelstand.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Sozialabgaben\u00a0bald bei 50\u00a0Prozent?<\/strong><\/p>\n<p>Neben dem Wachstumsausblick widmet sich das Fr\u00fchjahrsgutachten ausf\u00fchrlich der Finanzierungskrise der Sozialversicherungen. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz liegt im Jahr 2026 bereits bei 42,3 Prozent. Aufgrund des demografischen Wandels d\u00fcrfte er bis zum Jahr 2030 auf 45,4 Prozent und bis zum Jahr 2040 auf 49,7 Prozent steigen. Berechnungen des Rates zufolge k\u00f6nnte dieser Anstieg das Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahr 2035 um bis zu 0,9 Prozent gegen\u00fcber einem Szenario ohne Beitragssatzerh\u00f6hungen dr\u00fccken. Besonders hart tr\u00e4fe es j\u00fcngere Generationen: Sie m\u00fcssten einen deutlich h\u00f6heren Anteil ihres Lebenserwerbseinkommens f\u00fcr Sozialbeitr\u00e4ge aufwenden als fr\u00fchere Jahrg\u00e4nge.<\/p>\n<p>Die Ursache benennen die Sachverst\u00e4ndigen klar: Der demografische Wandel \u2013 eine alternde Gesellschaft, sinkende Geburtenraten und der bevorstehende Renteneintritt geburtenstarker Jahrg\u00e4nge \u2013 zieht die Finanzierungsgrundlage der Sozialsysteme nachhaltig in Mitleidenschaft. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft K\u00f6ln werden die Ausgaben f\u00fcr die gesetzlichen Renten-, Pflege- und Krankenversicherungen bis 2035 kontinuierlich steigen \u2013 bei der Pflegeversicherung rechnen Experten mit einem Anstieg der Pro-Kopf-Ausgaben um 35 Prozent, bei der Rentenversicherung sogar um mindestens 52 Prozent.<\/p>\n<h4><strong>Reformvorschl\u00e4ge treffen Familien \u2013 andere Hebel bleiben ungenutzt<\/strong><\/h4>\n<p>Die Antworten des Sachverst\u00e4ndigenrats auf diese Herausforderung sind indes nicht unumstritten. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung schlagen die Wirtschaftsweisen unter anderem vor, die beitragsfreie Mitversicherung von nicht kindererziehenden Ehepartnern abzuschaffen. Bei der Pflegeversicherung empfehlen sie, Pflegeeinstufungen zu begrenzen sowie den Leistungszuschlag und den Entlastungsbetrag zu streichen. Ma\u00dfnahmen, die in erster Linie normale Familien und Pflegebed\u00fcrftige belasten.<\/p>\n<p>Strukturelle Stellschrauben, die das Verh\u00e4ltnis von Beitragszahlern zu Leistungsempf\u00e4ngern grundlegend verbessern k\u00f6nnten, werden hingegen kaum thematisiert: Eine\u00a0Verl\u00e4ngerung der Lebensarbeitszeit, wie sie auch aus dem konservativen politischen Lager immer wieder gefordert wird, oder eine konsequentere Aktivierung von Arbeitsvermeidung im Transferleistungssystem finden im Gutachten keine prominente Rolle. Dabei hatte die neue Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag durchaus angedeutet, das Sozialsystem st\u00e4rker auf Besch\u00e4ftigungsanreize auszurichten \u2013 und das B\u00fcrgergeld mit versch\u00e4rften Sanktionen bei Pflichtverst\u00f6\u00dfen reformiert. Zum 1. Juli 2026 wird das B\u00fcrgergeld\u00a0in die sogenannte &#8222;Grundsicherung&#8220; umbenannt; bei Pflichtverst\u00f6\u00dfen drohen k\u00fcnftig Leistungsk\u00fcrzungen von 30 Prozent f\u00fcr drei Monate.\u00a0Dass diese zaghaften Schritte reichen, um die strukturellen Schieflagen im Sozialversicherungssystem zu beheben, bezweifeln jedoch viele \u00d6konomen. Es sind dennoch Hebel, die bei der Pr\u00e4sentation des Fr\u00fchjahrsgutachtens des Sachverst\u00e4ndigenrats zu kurz kamen.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0<\/strong>\u2012\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/281363-merz-im-freien-fall-cdu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Merz im freien Fall: CDU diskutiert heimlich \u00fcber Kanzler-Nachfolge \u2013 W\u00fcst als Favorit<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v788df6\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sachverst\u00e4ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat seine Wachstumsprognose f\u00fcr die deutsche Wirtschaft deutlich nach unten korrigiert und gleichzeitig vor einem massiven Anstieg der Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge gewarnt. 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