{"id":5914,"date":"2026-05-28T10:36:42","date_gmt":"2026-05-28T08:36:42","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/reiche-in-china-freundliche-worte-harte-interessen-37453764-html\/"},"modified":"2026-05-28T10:36:42","modified_gmt":"2026-05-28T08:36:42","slug":"reiche-in-china-freundliche-worte-harte-interessen-37453764-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/reiche-in-china-freundliche-worte-harte-interessen-37453764-html\/","title":{"rendered":"China-Reise: Charmeoffensive trifft H\u00e4rte: Reiche wirbt \u2013 China kontert"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Bundeswirtschaftsministerin Reiche verkneift sich Kritik bei ihrem Antrittsbesuch in China. Lieber schmeichelt sie ihren Gastgebern. Ob die Methode aufgeht? Fraglich<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Ein schlichter Bau im Herzen Pekings, Sitz des chinesischen\u00a0Handelsministeriums \u2013 der Tiananmen-Platz ist nur ein paar Minuten entfernt. Morgens um 10 Uhr ist die Show schnell erledigt. H\u00e4nde sch\u00fctteln, das Gegen\u00fcber anl\u00e4cheln, dann der Blick zur Kamera. Das alles zwischen zwei aufgebauten Fahnen, Deutschland, China. Dann eilen die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und ihr Amtskollege Wang Wentao hinauf in den Saal, den ein ausladendes Wandgem\u00e4lde schm\u00fcckt \u2013 Bambusb\u00fcsche, sch\u00f6n gr\u00fcn, ein Bild, das wohl beruhigen soll. Denn hier kann es hitzig werden, wenn Delegationen \u00fcber Handelsfragen in Streit geraten und die Zukunft ihrer Wirtschaft auf dem Spiel steht.\u00a0<\/p>\n<p>Aber einen handfesten Streit erwartet an diesem Mittwochmorgen Ende Mai eigentlich niemand. Doch kaum das Reiche richtig sitzt, kommt Wang, Chinas Handelsminister, auch schon zur Sache. In letzter Zeit habe China sehr viel Protektionismus der EU erlebt, h\u00e4lt er dem Besuch aus Deutschland vor. Antrittsbesuch hin oder her, f\u00fcr ihn kein Grund, die Dame allzu sanft anzupacken. \u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Stimmung zwischen den beiden Handelspartnern war schon mal besser. Die Volksrepublik beschr\u00e4nkt seit einem guten Jahr die Ausfuhr seltener Erden nach Europa, flutet aber zugleich die EU und besonders Deutschland mit hohen \u00dcbersch\u00fcssen wie zum Beispiel Elektroautos, Solarmodulen und Batteriezellen. Jahrzehntelang war es andersherum. Die deutsche Industrie profitierte vom Boom in China: Maschinenbauer und Autobauer lieferten Technik f\u00fcr den Aufstieg des Landes. Doch nun sind Deutschlands Kernindustrien in Bedr\u00e4ngnis. Das schl\u00e4gt sich l\u00e4ngst in den Zahlen nieder: Das Handelsdefizit der EU mit China stieg 2025 auf 359,3 Mrd. Euro \u2014 fast ein F\u00fcnftel mehr als im Vorjahr. Der Kontinent leidet schwer unter dem, was \u00d6konomen, den zweiten China-Schock nennen.<\/p>\n<p>Nur, so wie es Wang gerade sagt, klingt es, als ob die Chinesen in diesem Handelskonflikt die Leidtragenden seien. \u201eDie Unternehmen sagen, das gef\u00e4hrde unsere Kooperation\u201c, klagt er. \u00a0Reiche sitzt vor ihrem aufgeklappten Laptop. Ihre Miene ist undurchdringlich. Vers\u00f6hnlicher f\u00e4hrt der Mann fort: \u201eWir beide sind Nutznie\u00dfer der Globalisierung. Wir m\u00fcssen ein neues Kapital aufschlagen.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Der K\u00f6der ist ausgeworfen. Zwei Exportl\u00e4nder, \u201edie doch eigentlich \u00e4hnliche Interessen verfolgen m\u00fcssten\u201c \u2013 wenn da nicht die EU mit ihren \u00c4ngsten w\u00e4re. Die Absicht ist klar: Wang versucht, einen Spalt zwischen die Europ\u00e4er zu treiben. Denn die EU dr\u00e4ngt zu st\u00e4rkeren Schutzma\u00dfnahmen gegen\u00fcber China, mit dem \u201eIndustrial Accelerator Act\u201c etwa sollen chinesische Investitionen an Bedingungen gekn\u00fcpft werden.\u00a0<\/p>\n<p>Reiche l\u00e4sst Wangs kleine Provokation an sich abperlen. Sie umwirbt ihren Amtskollegen lieber. \u201eWir wollen chinesische Investitionen\u201c, sagt sie und preist dann im offiziellen Teil noch schnell die drei chinesischen\u00a0Astronauten, die vor ein paar Tagen auf der Raumstation \u201eTiangong\u201c gelandet\u00a0sind.\u00a0Dann gehen die T\u00fcren zu.<\/p>\n<p>Zwei Tage Zeit hat sich Reiche f\u00fcr diesen ersten Besuch in China genommen. Es ist eine stressige Tour, eng durchgetaktet mit wenig Luft f\u00fcr intensivere Gespr\u00e4che mit den Unternehmern, die sie begleiten. 35 Wirtschaftsvertreter wurden eingeladen. Alte Bekannte wie BASF-Chef Markus Kamieth und der Schaeffler-Vorstand der E-Mobility-Sparte Thomas Stierle sind dabei, aber auch Vertreter von Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien (Enpal, Nordex) und Start-ups. Jeder musste einzeln anreisen, da kein Regierungsflieger frei oder einsatzf\u00e4hig war, hei\u00dft es dazu im Bundeswirtschaftsministerium.<\/p>\n<h2>Reiche schw\u00e4rmt von der St\u00e4rke Chinas<\/h2>\n<p>Reiche trifft zentrale Figuren der chinesischen Regierung, mancher hat erst in letzter Minute Zeit f\u00fcr sie, Vizeminister Zhou Haibing etwa, verantwortlich f\u00fcr die National Development und Reformkommission. Das Gremium legt die F\u00fcnf-Jahrespl\u00e4ne fest und damit, welche wichtigen Schl\u00fcsselindustrien der Staat p\u00e4ppelt. Deutlich l\u00e4nger als geplant spricht sie mit Vizepremier He Lifeng, was ihr Ministerium als klares Zeichen sieht, dass China die Deutsche sch\u00e4tzt. Es seien gute Gespr\u00e4che gewesen, die sich um Rohstoffengp\u00e4sse und Lieferketten gedreht h\u00e4tten \u2013 viel mehr ist nicht zu erfahren.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Wer Katherina Reiche auf dieser Tour beobachtet, erlebt eine \u00fcberaus freundliche Ministerin \u2013 und das mit Bedacht. Reiche, so l\u00e4sst sie es selbst durchklingen, ist \u00fcberzeugt, dass Deutschland nicht in der Position ist, den Chinesen Bedingungen aufzuzwingen. Wer auf Investitionen aus China hofft, um Deutschlands Technologie-R\u00fcckstand aufzuholen, sollte nett daherkommen.\u00a0<\/p>\n<p>Respekt und Anerkennung \u2013 ist Teil ihrer China-Strategie. Wo sie auch auftritt, Reiche schw\u00e4rmt von der St\u00e4rke Chinas. Beim Garten-Empfang der deutschen Botschafterin verbeugt sie sich vor der \u201eangriffslustigen Mittelschicht\u201c Chinas, die Dinge auch mal \u201eausprobiert und macht\u201c, auch die Technologief\u00fchrerschaft der Chinesen darf nie fehlen. Immer schwingt eine Spur Bewunderung mit, gepaart mit einer Portion Unmut dar\u00fcber, dass Deutschland so satt ist.\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Bundeswirtschaftsministerin Reiche verkneift sich Kritik bei ihrem Antrittsbesuch in China. Lieber schmeichelt sie ihren Gastgebern. Ob die Methode aufgeht? 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