{"id":6040,"date":"2026-05-28T18:18:43","date_gmt":"2026-05-28T16:18:43","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/estnische-maerchenstunde-und-ein-angriff-auf-ruegen\/"},"modified":"2026-05-28T18:18:43","modified_gmt":"2026-05-28T16:18:43","slug":"estnische-maerchenstunde-und-ein-angriff-auf-ruegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/estnische-maerchenstunde-und-ein-angriff-auf-ruegen\/","title":{"rendered":"Estnische M\u00e4rchenstunde und ein Angriff auf R\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Dagmar Henn<\/em><\/p>\n<p>Eigentlich gen\u00fcgt ja die EU-Au\u00dfenbeauftragte Kaja Kallas als abschreckendes Beispiel. Aber bisher scheint das noch nicht viel zu n\u00fctzen; es werden sogar estnische &#8222;Sicherheitsexperten&#8220; herumgereicht, um zu erkl\u00e4ren, dass Russland ganz dringend R\u00fcgen besetzen wolle.<\/p>\n<p>Nun hat R\u00fcgen zwar ein h\u00fcbsches kleines Museum zur Geschichte der Volksmarine, aber ansonsten ist da au\u00dfer Ferieninfrastruktur wenig Interessantes zu holen. Vielleicht liegt ja deshalb der Tanker Eventin immer noch vor der K\u00fcste, um einen kleinen K\u00f6der hinzuzuf\u00fcgen. Rechts davon gibt es eine viel kleinere Insel, auf der sich wenigstens brisantes Material finden lie\u00dfe, im Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems, das zu Viehseuchen forscht und interessanterweise in der Ukraine im Auftrag der Bundeswehr auch mit einem Labor aktiv war. Doch R\u00fcgen?<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu den estnischen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Der <em>M\u00fcnchner Merkur<\/em> und andere Bl\u00e4tter <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/warnung-angriff-auf-nato-putin-koennte-zuerst-deutschland-attackieren-experte-erklaert-seine-zr-94324334.html\">berufen<\/a> sich da auf Erkki Koort. Dieser Herr studierte an der Estnischen Akademie f\u00fcr Sicherheitswissenschaften, aber im Polizeistudiengang. Dann machte er zehn Jahre sp\u00e4ter einen Master in Verwaltung. Nach Angaben der Universit\u00e4t Tartu, genau genommen ihrem Online-Verzeichnis estnischer Schriftsteller, hat er f\u00fcr den Inlandsgeheimdienst und das Innenministerium gearbeitet, sich zuletzt aber eher dem Schreiben historischer Romane \u00fcber Estland im 14.\u00a0Jahrhundert gewidmet; damals hatten sich D\u00e4nemark und der Deutschritterorden das kleine Land geteilt. Jedenfalls darf man, wenn von estnischen Experten die Rede ist, eigentlich nie vergessen, dass das Land weniger als 1,4\u00a0Millionen Einwohner hat, die Konkurrenz also nicht allzu gro\u00df ist.<\/p>\n<p>Von diesem Experten stammt ein Szenario, nach dem &#8222;Putin&#8220; R\u00fcgen \u00fcberfallen k\u00f6nnte:<\/p>\n<p>&#8222;R\u00fcgen hingegen ist \u00fcber eine Br\u00fccke mit dem deutschen Festland verbunden. Dies k\u00f6nne russischen Soldaten die Infiltration erleichtern, meint der Experte. Sie k\u00f6nnten schrittweise, in kleineren Gruppen als Touristen getarnt, auf die Insel kommen. In einer weiteren Angriffswelle k\u00f6nnte die russische Armee zus\u00e4tzliche Soldaten ohne Hoheitskennzeichen auf R\u00fcgen anlanden lassen\u00a0\u2013 beispielsweise von einem Schiff der sogenannten Schattenflotte oder von einer gro\u00dfen Jacht. Mit einer \u00e4hnlichen Operation hatte Russland die ukrainische Halbinsel Krim im Jahr 2014 besetzt.&#8220;<\/p>\n<p>Nur, um f\u00fcr ein wenig historische Genauigkeit zu sorgen: Russland hatte es gar nicht n\u00f6tig, Soldaten von &#8222;au\u00dfen&#8220; auf die Krim zu holen, da ganz legal auf Grundlage eines mit der Ukraine geschlossenen Vertrags 12.000 Soldaten der russischen Schwarzmeerflotte dort stationiert waren. Auch die russische Marine hat Spezialeinheiten. Die mussten nur ihre Kasernen verlassen.<\/p>\n<p>Und viele davon stammten ohnehin von der Krim selbst; so wie auch viele Angeh\u00f6rige der ukrainischen Marine, von denen auch etwa 20.000 auf der Krim stationiert waren, aber nur 2.000 dann die Krim verlie\u00dfen; der Rest wechselte zur russischen Marine. Man kann allein aus dieser Konstellation erkennen, warum der Wunsch der Putschregierung, den Vertrag mit der Schwarzmeerflotte zu l\u00f6sen und die Ukraine in die NATO zu bringen, dort auf keine Gegenliebe stie\u00df \u2013 das h\u00e4tte bedeutet, dass sich Nachbarn pl\u00f6tzlich feindlich gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Aber der Herr ist Este. Und auch wenn er als heute F\u00fcnfzigj\u00e4hriger das Russische vermutlich wenigstens beherrscht, k\u00f6nnten ihn seine ideologischen Vorurteile daran gehindert haben, einen Blick auf die russische Seite der Geschichte zu werfen.<\/p>\n<p>Dass da &#8222;Vorurteile&#8220; wom\u00f6glich noch eine Untertreibung ist, zeigt sich an einer anderen Stelle. Als Begr\u00fcndung, warum er meint, Russland k\u00f6nne Deutschland angreifen, hei\u00dft es n\u00e4mlich:<\/p>\n<p>&#8222;Grunds\u00e4tzlich ist Deutschland Koort zufolge als Angriffsziel fest in der &#8218;russischen DNA&#8216;\u00a0verankert. Grund daf\u00fcr sei der Zweite Weltkrieg. &#8218;Dieses kulturelle Erbe ist nicht nur Teil des Regimes, sondern auch eine Mentalit\u00e4t der einfachen Bev\u00f6lkerung&#8216;, sagt der Leiter des Instituts f\u00fcr Innere Sicherheit an der Estnischen Akademie der Sicherheitswissenschaften.&#8220;<\/p>\n<p>Allein diese Stelle h\u00e4tte stutzig machen m\u00fcssen. Wer hat noch einmal wen angegriffen im Zweiten Weltkrieg? Wie war das mit dem Unternehmen Barbarossa? Historisch findet sich das immer nur andersherum, und zwar bis zur\u00fcck bis 1242 zur Schlacht auf dem Peipussee, der Koort etwas sagen m\u00fcsste, schlie\u00dflich verl\u00e4uft durch ihn die H\u00e4lfte der estnisch-russischen Grenze. Und es gibt diese Schlacht <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IcPixaWL2Pg&amp;t=1373s\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">verfilmt<\/a> von Sergei Eisenstein, mit Musik von Sergei Prokofjew. Damals war dort der Eroberungszug der Deutschritter Richtung Osten gestoppt worden.<\/p>\n<p>Und jedes weitere Mal war es erst die Gegenbewegung, der Abschluss der Verteidigung, die hier als &#8222;Angriff&#8220; Russlands auf Deutschland gedeutet wird. Zuletzt eben nach dem \u00dcberfall der Naziwehrmacht. Also, wenn etwas in der &#8222;russischen DNA&#8220; verankert ist, dann, vor deutschen \u00dcberf\u00e4llen auf der Hut zu sein; ein Angriffsziel ist weit eher in der deutschen DNA verankert.<\/p>\n<p>Wer jedoch die Niederringung der Naziarmee als &#8222;Angriff&#8220; gegen Deutschland deutet, der muss sich mit den angreifenden Nazis identifizieren. Anders ist diese v\u00f6llige Umkehrung der Geschichte nicht zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens, der direkt gew\u00e4hlte Abgeordnete f\u00fcr R\u00fcgen ist von der AfD. R\u00fcgen, das einmal einer der wichtigsten Standorte der DDR-Volksmarine war, hat f\u00fcr die Bundesmarine kaum eine Bedeutung, und die Fischerei ist unter \u00c4gide der EU auch l\u00e4ngst nicht mehr das, was sie einmal war. Die R\u00fcgener sind wahrscheinlich nicht sehr daran interessiert, von der NATO vor vermeintlich drohenden Russen gesch\u00fctzt zu werden.<\/p>\n<p>Die verkehrte Sicht auf den Zweiten Weltkrieg jedenfalls, die Koort zu erkennen gibt, m\u00fcsste als Signal, was von seinen \u00fcbrigen Bewertungen zu halten ist, eigentlich gen\u00fcgen. Tut sie es aber nicht. Daf\u00fcr gibt es dann noch einen Expolitiker der FDP, &#8222;mittlerweile in der R\u00fcstung t\u00e4tig&#8220;, welch \u00dcberraschung bei der Partei von Marie-Agnes Strack-Zimmermann, der den estnischen M\u00e4rchenerz\u00e4hler noch best\u00e4tigt:<\/p>\n<p>&#8222;Erkki Koort hat recht. Putins Russland baut sein Angriffspotenzial auf die NATO seit Jahren systematisch aus. Bei einer Invasion w\u00e4re Deutschland die Drehscheibe f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der B\u00fcndnispartner.&#8220;<\/p>\n<p>Das mit der Drehscheibe trifft ja zu, aber doch nicht \u00fcber R\u00fcgen\u00a0&#8230; Wenn \u00fcberhaupt im Osten, dann Rostock, aber die Bundeswehr ist eine Westarmee, da reden wir von Hamburg, Bremen, Wilhelmshaven\u00a0&#8230; Und warum sollte man daf\u00fcr \u00fcberhaupt irgendeine Insel einnehmen, wenn man das Problem von \u00fcber Wasser transportierten Truppen mit Raketen l\u00f6sen kann?<\/p>\n<p>Nein, es geht nur darum, den doofen Deutschen wieder einmal weiszumachen, dass morgen der b\u00f6se Iwan vor der T\u00fcr steht, um noch ein paar Milliarden mehr f\u00fcr Rheinmetall rauszuholen. Auf R\u00fcgen selbst erschreckt eine solche Erz\u00e4hlung, mit oder ohne estnischem M\u00e4rchenonkel, aber vermutlich nur westdeutsche Touristen.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/gesellschaft\/251932-fuer-frieden-und-gerechte-kommunalpolitik\/\">F\u00fcr Frieden und eine gerechte Kommunalpolitik\u00a0\u2013 B\u00fcrgermeister von Hiddensee schreibt Offenen Brief <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v6w0bv2\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dagmar Henn Eigentlich gen\u00fcgt ja die EU-Au\u00dfenbeauftragte Kaja Kallas als abschreckendes Beispiel. 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