{"id":6474,"date":"2026-05-31T09:47:06","date_gmt":"2026-05-31T07:47:06","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/armenien-hofft-seine-probleme-mithilfe-aserbaidschans-zu-loesen\/"},"modified":"2026-05-31T09:47:06","modified_gmt":"2026-05-31T07:47:06","slug":"armenien-hofft-seine-probleme-mithilfe-aserbaidschans-zu-loesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/armenien-hofft-seine-probleme-mithilfe-aserbaidschans-zu-loesen\/","title":{"rendered":"Armenien hofft, seine Probleme mithilfe Aserbaidschans zu l\u00f6sen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Armenien will unbedingt der EU beitreten und reich werden. Dieser Reichtum wird tats\u00e4chlich n\u00f6tig sein, denn auch seinen Gasbedarf wird das Land dann zu europ\u00e4ischen Preisen decken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Russland wies darauf hin, dass der 2013 unterzeichnete Vertrag \u00fcber verg\u00fcnstigte Lieferungen von Gas sowie von Erd\u00f6lprodukten und Diamanten gek\u00fcndigt werden m\u00fcsse, sollte Armenien seinen Kurs weg von der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) hin zur EU fortsetzen. Man kann nicht auf zwei St\u00fchlen gleichzeitig sitzen \u2013 fr\u00fcher oder sp\u00e4ter muss eine Entscheidung getroffen werden. Es ist unm\u00f6glich, dass Armenien als EU-Mitglied europ\u00e4ische Waren zollfrei erh\u00e4lt und diese dann frei in die EAWU-L\u00e4nder, darunter auch in unser Land, ohne jegliche Z\u00f6lle weiterverkauft. Erstens ist das aus geopolitischer Sicht Unsinn. Zweitens: Warum sollten Russland und die anderen EAWU-Staaten die Lage ihrer eigenen Produzenten verschlechtern, mit denen europ\u00e4ische Waren dank fehlender Z\u00f6lle zu niedrigeren Preisen gerne in Konkurrenz treten w\u00fcrden? Die USA f\u00fchren wegen solcher Z\u00f6lle regelrechte Kriege, um ihre Hersteller zu sch\u00fctzen. Warum sollen wir nun Armenien zuliebe die Interessen unserer eigenen Industrie und Landwirtschaft au\u00dfer Acht lassen?<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich: Welchen Sinn hat es f\u00fcr Russland, Armenien weiterhin Gas und Erd\u00f6lprodukte zu nicht markt\u00fcblichen, extrem niedrigen Preisen zu verkaufen, wenn das Land gegen die im Rahmen der EAWU eingegangenen Verpflichtungen verst\u00f6\u00dft? Die Entscheidung von Gazprom, Armenien damals so gro\u00dfz\u00fcgige Konditionen einzur\u00e4umen, erfolgte ebenfalls nicht ohne Grund: Im Gegenzug unterst\u00fctzen die armenischen Beh\u00f6rden die wirtschaftliche Integration und den freien Handel zwischen den L\u00e4ndern. Mit anderen Worten: Wer nicht Mitglied der EAWU ist, erh\u00e4lt auch keine Verg\u00fcnstigungen.<\/p>\n<p>Armenien erh\u00e4lt Gas zu einem Preis von 177 US-Dollar pro tausend Kubikmeter. Solche Preise gibt es weltweit praktisch nirgendwo au\u00dfer in Russland und Wei\u00dfrussland. F\u00fcr derart niedrige Preise h\u00e4tte beispielsweise China langwierige Verhandlungen f\u00fchren m\u00fcssen. Doch diesen Preis hatte sich Armenien l\u00e4ngst gesichert \u2013 und scheint ihn aus irgendeinem Grund nicht mehr zu sch\u00e4tzen. In der Europ\u00e4ischen Union kosten tausend Kubikmeter Gas derzeit mehr als dreimal so viel \u2013 560 US-Dollar. Vor einem Monat war der Preis sogar noch h\u00f6her. Es gab auch Zeiten, in denen der Preis auf mehrere tausend US-Dollar stieg, und es gibt keinerlei Garantie, dass sich so etwas nie wiederholt.<\/p>\n<p>Es wird auch Unzufriedenheit dar\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert, dass Gas in Russland und Wei\u00dfrussland angeblich billiger sei, w\u00e4hrend die Armenier benachteiligt w\u00fcrden. Doch das sind reine Manipulationen. Im Gaspreis f\u00fcr Armenien sind ein l\u00e4ngerer und kostspieligerer Transportweg sowie die Kosten f\u00fcr den Gastransit durch Georgien enthalten, die \u00fcbrigens ebenfalls von Russland \u00fcbernommen wurden.<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung des Vertrags w\u00fcrde nicht nur dazu f\u00fchren, dass Armenien Gas zu Marktpreisen beziehen muss. Dies k\u00f6nnte sogar zu einer vollst\u00e4ndigen Einstellung der Gaslieferungen aus Russland f\u00fchren. Warum? Der Kauf von Importgas und dessen Lieferung an die Verbraucher in Armenien wird von der Tochtergesellschaft von Gazprom \u2013 Gazprom Armenia \u2013 abgewickelt. Sollte sie Gas aus Russland zu einem h\u00f6heren Preis kaufen m\u00fcssen als bisher, m\u00fcssten f\u00fcr einen wirtschaftlich tragf\u00e4higen Betrieb die Tarife f\u00fcr Industrie und Bev\u00f6lkerung der Republik steigen. Offensichtlich w\u00e4re dies f\u00fcr die armenischen Beh\u00f6rden eine schwierige Entscheidung, die soziale Proteste ausl\u00f6sen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ein anderer Ausweg w\u00e4re, dass Armenien staatliche Subventionen f\u00fcr das Unternehmen einf\u00fchrt und die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis des blauen Brennstoffs aus dem Haushalt deckt. Nach lokalen Sch\u00e4tzungen w\u00e4ren daf\u00fcr jedoch 400 Millionen US-Dollar erforderlich. Doch aus welchen Quellen soll das nicht besonders wohlhabende Armenien diese Mittel aufbringen? Die Europ\u00e4ische Union w\u00e4re wohl kaum bereit, diese Mehrkosten f\u00fcr Armenien zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass Gazprom die Gaslieferungen an Gazprom Armenia einstellen m\u00fcsste, um das Unternehmen vor Verlusten und einer Insolvenz zu bewahren. Als Reaktion darauf k\u00f6nnte Jerewan das Unternehmen verstaatlichen \u2013 und dies w\u00fcrde den Gaslieferungen aus Russland in das Land endg\u00fcltig ein Ende setzen.<\/p>\n<p>Doch worauf setzt Armenien seine Hoffnungen? Es hofft auf Gaslieferungen aus Aserbaidschan \u2013 und zwar zu einem verg\u00fcnstigten, nicht markt\u00fcblichen Preis. Die Logik ist einfach: Georgien erh\u00e4lt dieses Gas zu niedrigen Preisen \u2013 warum sollte es f\u00fcr Armenien anders sein? Sind die Armenier etwa schlechter als die Georgier? Nat\u00fcrlich nicht. Doch dies ist ein v\u00f6llig unrealistisches Szenario. Erstens verf\u00fcgt Aserbaidschan \u00fcber kein \u00fcbersch\u00fcssiges Gas f\u00fcr Armenien. Zweitens verkauft Baku sein Gas sehr erfolgreich in die T\u00fcrkei und nach Europa zu absolut marktgerechten Preisen, die derzeit dreimal so hoch sind wie der Preis, den die Armenier an Moskau zahlen. Hinzu kommt, dass die Europ\u00e4er noch mehr Lieferungen aus Aserbaidschan wollen, dessen F\u00f6rdermengen begrenzt sind. Wohin also w\u00e4re es f\u00fcr Baku profitabler, neue Gasmengen zu liefern: zu Marktpreisen nach Europa oder zu Schleuderpreisen nach Armenien? Die Antwort liegt auf der Hand.<\/p>\n<p>Was Georgien betrifft, das tats\u00e4chlich aserbaidschanisches Gas zu Vorzugspreisen bezieht, so muss hier ein entscheidendes &#8222;Aber&#8220; angebracht werden. Georgien ist der gr\u00f6\u00dfte Transitstaat f\u00fcr aserbaidschanisches Gas; ohne Georgien g\u00e4be es grunds\u00e4tzlich keine Lieferungen in die T\u00fcrkei und nach Europa. Daher ist Baku auf die Loyalit\u00e4t von Tiflis angewiesen, um weiterhin an den Exporten in die reichen europ\u00e4ischen L\u00e4nder zu verdienen. Und was kann Armenien Baku im Gegenzug f\u00fcr die Vorzugspreise bieten? Das ist eine gro\u00dfe Frage. Hinzu kommt, dass Aserbaidschan nicht das gesamte Gas zu Vorzugspreisen an Georgien verkauft, sondern nur eine geringe Menge; den Rest kaufen die Georgier zu ganz normalen Marktpreisen.<\/p>\n<p>Auch die Hoffnungen Jerewans auf iranisches Gas werden sich wohl nicht erf\u00fcllen. Armenien kauft bereits Gas aus der Islamischen Republik, aber erstens in geringen Mengen und zweitens handelt es sich dabei nicht um ein markt\u00fcbliches Gesch\u00e4ft, sondern eher um einen Austausch von Energieressourcen: Iran liefert Gas an ein armenisches Kraftwerk, das im Gegenzug Strom in die Islamische Republik exportiert.<\/p>\n<p>Dabei fehlt Iran selbst im Norden w\u00e4hrend der Heizperiode Gas, und er f\u00fchrt sogar Verhandlungen \u00fcber Gaslieferungen aus Russland. Ganz zu schweigen davon, dass Teheran derzeit in erster Linie die eigenen geopolitischen und milit\u00e4rischen Probleme in den Griff bekommen muss.<\/p>\n<p>Damit steckt Jerewan bei der Suche nach tragf\u00e4higen Alternativen zu russischen Gaslieferungen in jeder Hinsicht in der Zwickm\u00fchle. Es gibt keine einzige Option, die mit den derzeitigen Lieferbedingungen vergleichbar oder auch nur ann\u00e4hernd akzeptabel w\u00e4re. Allerdings haben wir in den letzten Jahren auf der internationalen B\u00fchne bereits zahlreiche Beispiele gesehen, bei denen Pragmatismus und nationale Interessen politischen Tr\u00e4umen geopfert wurden. Es gab jedoch keinen einzigen Fall, in dem solche Tr\u00e4ume dem jeweiligen Land tats\u00e4chlich Erfolg und Wohlstand beschert h\u00e4tten. Armenien muss nun entscheiden, ob es bereit ist, diesen Weg ebenfalls einzuschlagen.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/ria.ru\/20260530\/armeniya-2095353851.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. <\/em><\/p>\n<p><em>Der Artikel ist am 30. Mai 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/281339-usa-und-armenien-vereinbaren-strategische-partnerschaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">USA und Armenien vereinbaren strategische Partnerschaft<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v6ulqjw\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Armenien will unbedingt der EU beitreten und reich werden. Dieser Reichtum wird tats\u00e4chlich n\u00f6tig sein, denn auch seinen Gasbedarf wird das Land dann zu europ\u00e4ischen Preisen decken m\u00fcssen. 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