{"id":6540,"date":"2026-05-31T17:01:51","date_gmt":"2026-05-31T15:01:51","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/katherina-reiches-doppelstandards-im-land-des-laechelns\/"},"modified":"2026-05-31T17:01:51","modified_gmt":"2026-05-31T15:01:51","slug":"katherina-reiches-doppelstandards-im-land-des-laechelns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/katherina-reiches-doppelstandards-im-land-des-laechelns\/","title":{"rendered":"Katherina Reiches Doppelstandards im Land des L\u00e4chelns"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p>Am 26.\u00a0Mai 2026 brach die Bundesministerin f\u00fcr Wirtschaft und Energie Katherina Reiche zu ihrer ersten China-Reise auf. Mit einer Delegation von fast 40 Bossen gro\u00dfer Industrieunternehmen wie BASF, Siemens Energy und Thyssenkrupp war es eine der gr\u00f6\u00dften und hochrangigsten deutschen Wirtschaftsdelegationen der letzten Jahre. Die Reise fand in einem Klima statt, das zwischen wirtschaftlichem Pragmatismus und politischer &#8222;De-Risking&#8220;-Strategie der EU hin- und hergerissen ist. Einerseits sehen die machtversessenen B\u00fcrokraten in Br\u00fcssel, die die EU in eine zentralistische Gro\u00dfmacht verwandeln wollen, die Volksrepublik China zunehmend durch ihre geopolitische Brille als globalen Konkurrenten, weshalb sie den Handel mit China einschr\u00e4nken wollen. Und andererseits k\u00f6nnen und wollen deutsche Unternehmen den riesigen chinesischen Markt einfach nicht ignorieren.<\/p>\n<p>Eine Methode der EU und ihrer f\u00fchrenden Mitgliedsl\u00e4nder, um Druck auf China auszu\u00fcben, ist die Drohung mit Antisubventionsverfahren, die von ihrer Angst vor einem zweiten &#8222;China-Shock&#8220; durch die Unterbrechung wichtiger Lieferketten durch China gez\u00e4hmt wird. Innerhalb dieses Rahmens ist ein zentrales Element der europ\u00e4ischen Strategie die sogenannte &#8222;Net-Zero Industry&#8220;-Direktive\u00a0(NZI), die 2024 in Kraft trat. Dieses Gesetz soll die Produktion sogenannter Netto-Null-CO\u2082-Technologien in der EU massiv ausbauen\u00a0\u2013 darunter Solarpaneele, Windkraftanlagen, Batterien, W\u00e4rmepumpen, Elektrolyse sowie Technologien zur CO\u2082-Abscheidung und -Speicherung. Das erkl\u00e4rte Ziel ist: Bis 2030 soll die EU mindestens 40\u00a0Prozent ihres j\u00e4hrlichen Bedarfs an diesen strategischen Technologien selbst herstellen. Zus\u00e4tzlich strebt man bis 2040 einen Anteil von 15\u00a0Prozent an der weltweiten Produktion an, was angesichts der realen Wettbewerbsverh\u00e4ltnisse mit China auf den internationalen M\u00e4rkten f\u00fcr die EU ein nicht zu realisierender Wunschtraum bleibt.<\/p>\n<p>Die NZI-Direktive vereinfacht Genehmigungsverfahren (in der Regel zw\u00f6lf bis 18\u00a0Monate), verleiht strategischen Projekten Priorit\u00e4tsstatus und schafft Koordinationsplattformen f\u00fcr Finanzierung. Es geht nicht nur um Klimaziele, sondern auch um die Reduzierung von Abh\u00e4ngigkeiten von Drittstaaten\u00a0\u2013 vor allem von China\u00a0\u2013 und um die St\u00e4rkung der industriellen Wettbewerbsf\u00e4higkeit Europas. Finanziert wird das Ganze nicht prim\u00e4r durch neue EU-Mittel, sondern durch nationale Beihilfen, bestehende Fonds und private Investitionen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ambitioniert ist der &#8222;European Chips&#8220;-Direktive der EU von 2023. Sie soll den Anteil der EU an der weltweiten Produktion fortgeschrittener Halbleiter von derzeit etwa zehn Prozent auf 20\u00a0Prozent bis 2030 steigern. Dazu sollen mindestens 43\u00a0Milliarden Euro an \u00f6ffentlichen Investitionen mobilisiert werden\u00a0\u2013 \u00fcberwiegend \u00fcber nationale Staatshilfen der Mitgliedstaaten\u00a0\u2013, erg\u00e4nzt durch private Mittel, was insgesamt rund 86\u00a0Milliarden Euro ergeben soll. Die Direktive umfasst Forschungs- und Pilotlinien auf EU-Ebene sowie massive Unterst\u00fctzung f\u00fcr neue Chip-Fabriken. Bis Ende\u00a02025 wurden auf diese Weise bereits Investitionen in H\u00f6he von \u00fcber 69\u00a0Milliarden Euro zusammengestellt.<\/p>\n<p>Beide Direktiven w\u00e4ren ohne eine Lockerung der strengen EU-Beihilferegeln nicht umsetzbar. Normalerweise verbietet das EU-Recht wettbewerbsverzerrende Staatshilfen weitgehend. In Krisenzeiten und f\u00fcr strategische Ziele (Chips, gr\u00fcne Technologien, Resilienz) gelten jedoch Sonderregelungen und tempor\u00e4re Rahmenwerke wie das Clean Industrial State Aid Framework. W\u00e4hrend auch Deutschland die diese neuen zig Milliarden Euro Subventionsspielr\u00e4ume intensiv ausnutzt, hat die deutsche Wirtschaftsministerin bei ihrem Besuch in China den Chinesen die Subvention ihrer strategischen Industrien vorgeworfen, weil diese den ehrlichen globalen Wettbewerb verzerren. Das ist wiederum eine typisch deutsche Heuchelei, wie nachfolgende konkrete Beispiele zeigen werden:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>F\u00fcr das TSMC-Chipwerk in Dresden genehmigte die EU-Kommission f\u00fcnf Milliarden Euro deutsche Staatshilfen bei einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund zehn Milliarden Euro.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>F\u00fcr das Intel-Werk in Magdeburg waren urspr\u00fcnglich bis zu zehn Milliarden Euro deutsche Subventionen vorgesehen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Hinzu kommen milliardenschwere Programme zur Senkung von Strom- und Netzentgelten f\u00fcr die Industrie, f\u00fcr IPCEI-Projekte f\u00fcr Batterien und Wasserstoff (allein Deutschland subventioniert hier mit mehreren Milliarden Euro) sowie der Klima- und Transformationsfonds.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Insgesamt hat Deutschland in den letzten Jahren Hunderte Milliarden Euro an industriellen Subventionen und Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen\u00a0\u2013 insbesondere w\u00e4hrend der Energiekrise \u2013 ausgegeben. Das ist in Relation zur Wirtschaftsleistung teilweise vergleichbar oder sogar h\u00f6her als das, was China vorgeworfen wird.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hier offenbart sich ein klarer Doppelstandard. Die EU und Deutschland kritisieren Chinas &#8222;staatlich gelenkte&#8220; Industriepolitik und angebliche \u00dcberkapazit\u00e4ten bei Elektroautos, Batterien und Solartechnik als Marktverzerrung. Gleichzeitig betreiben sie selbst eine massive industriepolitische Offensive, um eigene Produktionskapazit\u00e4ten aufzubauen und Abh\u00e4ngigkeiten zu reduzieren. Die USA tun mit ihrem Inflation Reduction Act\u00a0(IRA)\u00a0\u2013 750\u00a0Milliarden Dollar an Steuergutschriften und Subventionen\u00a0\u2013 genau dasselbe, ohne vergleichbar scharf kritisiert zu werden.<\/p>\n<p>Wenn Deutschlands jahrzehntelange Export\u00fcbersch\u00fcsse bei Autos und Maschinen als Ausdruck von Wettbewerbsf\u00e4higkeit gelten, warum sollen dann Chinas Erfolge bei neuen Schl\u00fcsseltechnologien automatisch &#8222;unfair&#8220; sein? Die eigentlichen Herausforderungen der europ\u00e4ischen Industrie \u2013 n\u00e4mlich hohe Energiekosten, b\u00fcrokratische Lasten und Investitionsabfl\u00fcsse \u2013 werden dadurch nicht gel\u00f6st. Viele deutsche Konzerne haben l\u00e4ngst erkannt, dass die Formel &#8222;Forschung und Entwicklung in Europa \u2013 Produktion in China&#8220; nicht mehr ausreicht. Sie verlagern zunehmend auch die Forschung und Entwicklung nach China, um von der Innovationsgeschwindigkeit dort zu profitieren. China ist f\u00fcr diese Konzerne l\u00e4ngst kein reiner Absatzmarkt mehr, sondern ein zentraler Knotenpunkt globaler Wertsch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Die Spannung zwischen wirtschaftlich getriebener Kooperation und politisch motivierter Entkopplung k\u00f6nnte kaum gr\u00f6\u00dfer sein. Reiches Reise mit ihrer prominenten Delegation zeigt, dass die deutsche Wirtschaft auf pragmatische Zusammenarbeit setzt. Die Zukunft der EU-China-Beziehungen wird davon abh\u00e4ngen, ob beide Seiten Raum f\u00fcr diese Pragmatik lassen\u00a0\u2013 oder ob ideologische Narrative und selektive Emp\u00f6rung \u00fcber Subventionen die wirtschaftlichen Realit\u00e4ten weiter verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Eine noch bessere L\u00f6sung w\u00e4re, wenn endlich die Vernunft nach Deutschland und in die EU zur\u00fcckkehren, die gr\u00fcne Deindustrialisierungspolitik aus dem Fenster geworfen w\u00fcrde und wir im politischen Rahmen zum Frieden mit Russland und zum Zugang zu preiswerter und sicherer Energie f\u00fcr Deutschland und Europa zur\u00fcckfinden w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/281214-blueten-sinophobie-gefaehrden-chinesische-zuege\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bl\u00fcten der Sinophobie: Gef\u00e4hrden chinesische Z\u00fcge Europas Sicherheit?<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v77yfoi\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Rainer Rupp Am 26.\u00a0Mai 2026 brach die Bundesministerin f\u00fcr Wirtschaft und Energie Katherina Reiche zu ihrer ersten China-Reise auf. 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