{"id":6685,"date":"2026-06-01T13:02:08","date_gmt":"2026-06-01T11:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/rohstoff-route-diese-bahnlinie-soll-europas-china-abhaengigkeit-brechen-37459896-html-3\/"},"modified":"2026-06-01T13:02:08","modified_gmt":"2026-06-01T11:02:08","slug":"rohstoff-route-diese-bahnlinie-soll-europas-china-abhaengigkeit-brechen-37459896-html-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/rohstoff-route-diese-bahnlinie-soll-europas-china-abhaengigkeit-brechen-37459896-html-3\/","title":{"rendered":"Lobito-Korridor: Rohstoff-Route: Diese Bahnlinie soll Europas China-Abh\u00e4ngigkeit brechen"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Eine neue Bahnroute durch Afrika soll Europas Zugang zu kritischen Rohstoffen sichern \u2013 schneller, g\u00fcnstiger und unabh\u00e4ngiger von China. Deutsche Firmen mischen mit<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Alles, was man f\u00fcr die Energiewende braucht, kann hier gefunden werden: in den rohstoffreichen Bergbauregionen der Demokratischen Republik Kongo und Sambias, und auch weiter s\u00fcdwestlich, in Angola. Eine neue Bahnroute soll kritische Bodensch\u00e4tze f\u00fcr moderne Schl\u00fcsseltechnologien wie Kupfer, Kobalt, Lithium, Coltan, Nickel und seltene Erden nach Europa bringen. Der sogenannte Lobito-Korridor verspricht schnellen, sicheren und g\u00fcnstigen Transport. Vor allem soll er Chinas wachsendem Einfluss in Afrika etwas entgegensetzen.<\/p>\n<p>Bei ihrem China-Besuch diese Woche hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina\u00a0Reiche\u00a0(CDU) verl\u00e4ssliche Zug\u00e4nge und faire Marktzugangsbedingungen zu kritischen Rohstoffen und seltenen Erden angemahnt. Berlin ist bei strategisch wichtigen G\u00fctern stark abh\u00e4ngig von Peking. Das f\u00fchre zu wirtschaftlicher Verwundbarkeit, warnen Experten, auch weil China Deutschlands Abh\u00e4ngigkeit zunehmend als politisches Druckmittel nutze. Alternative Lieferketten gelten daher als unabdingbares Risikomanagement f\u00fcr die deutsche Wirtschaft.<\/p>\n<p>Als Gegenmodell zu Chinas Neuer Seidenstra\u00dfe hat die Europ\u00e4ische Union (EU) ihre globale Infrastrukturinitiative \u201eGlobal Gateway\u201c konzipiert, deren Flagschiff der Lobito-Korridor ist. Auch die USA investieren stark. \u201eWer bei dem Projekt vorn mitmischt, wird sich einen gro\u00dfen Teil des Mineralreichtums Afrikas sichern k\u00f6nnen\u201c, glaubt der angolanische \u00d6konom\u00a0Benedito\u00a0Mavo. Das Megaprojekt werde zu einer der wichtigsten Transportwege weltweit werden. Zahlreiche europ\u00e4ische und deutsche Unternehmen sind schon involviert.<\/p>\n<\/p>\n<h2>Strategischer Handelskorridor<\/h2>\n<p>Der Lobito-Korridor ist l\u00e4ngst mehr als Zukunftsmusik. Der l\u00e4ngste Teil der geplanten Bahnstrecke ist bereits in Betrieb und verl\u00e4uft \u00fcber knapp 1800 Kilometer von der kongolesischen Industriestadt Kolwezi bis an den angolanischen Atlantikhafen Lobito. Die Konzession h\u00e4lt ein europ\u00e4isches Konsortium unter dem Namen \u201eLobito Atlantic Railway\u201c (LAR), bestehend aus dem Rohstoffh\u00e4ndler Trafigura, dem Bauunternehmen Mota-Engil und dem Bahnbetreiber Vecturis.\u00a0<\/p>\n<p>Vom Hafen in Lobito ist es \u00fcber den Atlantischen Ozean ein relativ kurzer Wasserweg bis nach Westeuropa oder in die USA. Was noch fehlt, sind 450 Kilometer Gleise ins Herz des sambischen Kupferg\u00fcrtels, beziehungsweise eine 800 Kilometer lange Alternativroute, die direkt von Angola nach Sambia f\u00fchrt. Diese sollen bis 2028 fertig sein.<\/p>\n<p>In Afrika befinden sich nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen rund 30 Prozent der weltweiten Bodensch\u00e4tze. Der Kongo und Sambia geh\u00f6ren zu den gr\u00f6\u00dften Produzenten von Kupfer, das in Solarmodulen und Windkraftanlagen verwendet wird. Der Kongo ist zudem einer der weltweit gr\u00f6\u00dften Produzenten von Kobalt, das f\u00fcr Batterien von Elektroautos n\u00f6tig ist. Auch Angola verf\u00fcgt neben gro\u00dfen \u00d6lvorkommen \u00fcber kritische Mineralvorkommen f\u00fcr moderne Schl\u00fcsseltechnologien.<\/p>\n<h2>Europas Antwort auf Chinas Neue Seidenstra\u00dfe<\/h2>\n<p>In vergangenen Jahrzehnten hat Peking in ganz Afrika Stra\u00dfen, H\u00e4fen, Bahnlinien und andere Infrastrukturprojekte gebaut und sich so Zugriff auf die reichen Bodensch\u00e4tze des Kontinents gesichert. Zudem kontrolliert China viele Minen und Verarbeitungsbetriebe f\u00fcr kritische Mineralien in Afrika. Der Westen war lange abwesend. Der Lobito-Korridor soll dieses Vers\u00e4umnis korrigieren und Europa und den USA eine eigene, zuverl\u00e4ssige Rohstoffachse sichern.<\/p>\n<p>Im Rahmen von \u201eGlobal Gateway\u201c stellen die EU und neun Mitgliedstaaten, einschlie\u00dflich Deutschland, Investitionen in H\u00f6he von \u00fcber 2 Mrd. Euro bereit. Die USA haben bereits Hunderte Millionen Dollar zugesagt. Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier hatte bei seinem Besuch in Angola im November 2025 deutsche Unternehmen ausdr\u00fccklich zu Investitionen entlang der Strecke aufgerufen, die \u201ewirtschaftlich von ungeheurer Bedeutung\u201c sei.<\/p>\n<p>Die deutsche Industrie \u2013 von der Automobilbranche \u00fcber den Maschinenbau bis zur Chemie \u2013 ist in hohem Ma\u00dfe auf kritische Rohstoffe angewiesen. Ein gut funktionierender Lobito-Korridor w\u00fcrde deutschen Unternehmen direktere, transparentere und politisch weniger riskante Lieferketten erm\u00f6glichen. Und die Abh\u00e4ngigkeit von China reduzieren.<\/p>\n<h2>Zeit, Geld und CO\u2082-Emissionen sparen<\/h2>\n<p>Bisher werden Rohstofflieferungen haupts\u00e4chlich per Lkw auf maroden Stra\u00dfen an weit entfernte H\u00e4fen transportiert. Entweder bis nach Durban in S\u00fcdafrika, auf einer gut 3000 Kilometer langen Strecke, f\u00fcr die ein Lastwagen etwa vier Wochen braucht. Oder rund 2200 Kilometer nach Daressalam in Tansania \u2013 trotz des k\u00fcrzeren Wegs eine Fahrtdauer von rund 35 Tagen.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Schlechtes Wetter, Unf\u00e4lle und Verz\u00f6gerungen an Grenz\u00fcberg\u00e4ngen tragen zu langen Transportzeiten bei. Von Kolwezi bis nach Lobito sind es mit der Bahn dagegen nur sieben Tage, sagt LAR-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Nicolas Gregoir. Das spare Zeit, Geld und CO\u2082-Emissionen. Ein weiterer Vorteil des Lobito-Korridors: Entlang der westafrikanischen K\u00fcste ist das Risiko der Piraterie geringer als an der K\u00fcste vor dem Horn von Afrika, wo besonders vor Somalia immer wieder Angriffe auf Schiffe gemeldet werden.<\/p>\n<p>Das europ\u00e4ische Konsortium hat den kommerziellen G\u00fcterverkehr auf der Strecke offiziell im Februar 2024 aufgenommen. Sechs Monate sp\u00e4ter fuhr die erste Kupferlieferung aus dem Kongo mit Ziel USA \u00fcber die Schienen. Im Mai 2026 folgte der erste Kobalttransport. Nach Angaben von Gregoir wurden 2025 rund 200.000 Tonnen internationale Fracht bef\u00f6rdert. Das seien im globalen Vergleich zwar geringe Mengen, doch die Kapazit\u00e4t steige stetig. Ziel sei eine Million Tonnen pro Jahr.<\/p>\n<p>Auch am Hafen von Lobito sind Sanierungsarbeiten im Gang, um f\u00fcr Rohstofftransporte in gro\u00dfem Volumen bereit zu sein. Bahnschienen werden bis direkt an den Trockenhafen und an Frachtterminals gelegt. Das Hafenbecken wird vertieft, damit auch die weltweit gr\u00f6\u00dften Containerschiffe mit Tiefg\u00e4ngen von bis zu 17 Metern anlegen k\u00f6nnen. F\u00fcnfzehn Autominuten entfernt ist ein internationaler Flughafen in Betrieb.<\/p>\n<h2>Deutsche Unternehmen am Zug<\/h2>\n<p>Der Korridor werde bald zum Knotenpunkt f\u00fcr Transporte Richtung USA und EU werden, glaubt der Hapag-Lloyd-Vertriebsleiter f\u00fcr Angola, Marco Ligeiro. Die Reederei hat bereits Kupfer \u00fcber den Lobito-Korridor nach Asien und Europa transportiert. Auch Kunden von DHL Global Forwarding zeigten reges Interesse an der Bahnstrecke, sagt deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer f\u00fcr Sub-Sahara Afrika, Egidio Monteiro.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Um einen Auftrag zur Verbesserung der Fahrgeschwindigkeit und Sicherheit des Lobito-Korridors bewirbt sich derzeit die Bahnsparte Mobility von Siemens. Die deutsche Firma Gauff GmbH hat einen Auftrag f\u00fcr den Bau eines 170 Kilometer langen Stra\u00dfenabschnitts gewonnen, der zwischen den angolanischen St\u00e4dten Munhango und Luena parallel zum Eisenbahnkorridor verlaufen soll.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Eine neue Bahnroute durch Afrika soll Europas Zugang zu kritischen Rohstoffen sichern \u2013 schneller, g\u00fcnstiger und unabh\u00e4ngiger von China. 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