{"id":6691,"date":"2026-06-01T13:07:13","date_gmt":"2026-06-01T11:07:13","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/rente-geht-es-so-weiter-fuehrt-kein-weg-an-der-rente-mit-70-vorbei-37462472-html-2\/"},"modified":"2026-06-01T13:07:13","modified_gmt":"2026-06-01T11:07:13","slug":"rente-geht-es-so-weiter-fuehrt-kein-weg-an-der-rente-mit-70-vorbei-37462472-html-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/rente-geht-es-so-weiter-fuehrt-kein-weg-an-der-rente-mit-70-vorbei-37462472-html-2\/","title":{"rendered":"Rentenreform: Wenn es so weiterl\u00e4uft, f\u00fchrt kein Weg an der Rente mit 70 vorbei"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Viele Stellschrauben k\u00f6nnten die Rentenl\u00fccke schlie\u00dfen \u2013 oder zumindest verkleinern. Doch bislang bewegt sich kaum etwas. Am Ende bleibt wohl nur: l\u00e4nger arbeiten<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Konservative Politiker wie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fordern die Rente mit 70 schon lange. In D\u00e4nemark etwa ist der Renteneintritt bereits an die Lebenserwartung gekoppelt. Hierzulande sorgen die angeblichen Pl\u00e4ne der Rentenkommission, das Eintrittsalter schrittweise anzuheben, noch f\u00fcr <a rel=\"noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Rentenkommission-wirbt-wohl-fuer-hoeheres-Eintrittsalter-id30843363.html\" class=\"external-link\">helle Aufregung<\/a>. Das Dementi folgte prompt \u2013 entschieden sei nichts. Mag sein. Trotzdem stehen alle Zeichen auf einen sp\u00e4teren Renteneintritt.<\/p>\n<p>Bisher geht es der gesetzlichen Rente <a rel=\"noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Eine-Schock-Nachricht-fuer-Renten-Paniker-id30012999.html\" class=\"external-link\">weniger schlecht, als die \u00f6ffentliche Debatte vermuten l\u00e4sst<\/a>. Fest steht allerdings, dass sie mit dem Renteneintritt der Babyboomer an ihre Grenzen sto\u00dfen wird. Schon heute kommen auf einen Altersrentner nur noch zwei Beitragszahler. Das umlagefinanzierte System \u2013 die arbeitende Bev\u00f6lkerung zahlt mit ihren Beitr\u00e4gen die aktuellen Renten \u2013 braucht zus\u00e4tzliche Geldquellen, wenn die gesetzliche Rente auch in Zukunft den Lebensstandard im Alter zumindest im Grundsatz sichern soll.<\/p>\n<\/p>\n<p>Solche Geldquellen f\u00fcr die Rentenkasse gibt es viele, allerdings vielmehr in der Theorie als in der Praxis. Es ist schlicht unrealistisch, dass diese angezapft werden.<\/p>\n<h2><strong>Mehr Zuwanderung<\/strong><\/h2>\n<p>Neue Beitragszahler k\u00f6nnten aus dem Ausland kommen. Eine Erh\u00f6hung der durchschnittlichen Netto-Zuwanderung von 250.000 auf 350.000 Personen pro Jahr w\u00fcrde den Beitragsanstieg sp\u00fcrbar bremsen, rechnet das Forschungsinstitut der gewerkschaftsnahen Hans-B\u00f6ckler-Stiftung vor. In den vergangenen Jahren ist die Netto-Zuwanderung allerdings gesunken. Zwar von einem hohen Niveau, doch der ausdr\u00fcckliche politische Wille lautet weniger Migration. Die rechtsextreme AfD ist in Wahlumfragen zur st\u00e4rksten Partei aufgestiegen. Solch ein gesellschaftliches Klima lockt auch keine Fachkr\u00e4fte an, die im Gegensatz zu Fl\u00fcchtlingen einwandern sollen, sondern schreckt ab.<\/p>\n<h2><strong>H\u00f6here Geburtenrate<\/strong><\/h2>\n<p>Die Menschen, die schon in Deutschland leben, k\u00f6nnten auch einfach mehr Beitragszahler auf die Welt bringen. Die Zahlen versprechen das Gegenteil: Das Geburtendefizit erreichte im vergangenen Jahr mit rund 352.000 weniger Geburten als Sterbef\u00e4llen einen neuen H\u00f6chststand. Der demografische Wandel ist nicht mehr zu stoppen.<\/p>\n<h2><strong>Mehr Erwerbsbeteiligung<\/strong><\/h2>\n<p>In der Bev\u00f6lkerung schlummert noch jede Menge ungehobenes Arbeitskr\u00e4ftepotenzial, vor allem bei Frauen und Arbeitslosen. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen nimmt zwar zu, doch die H\u00e4lfte aller weiblichen sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten arbeitete zuletzt in Teilzeit, und der Anteil bleibt bis zu den rentennahen Altersgruppen so hoch. F\u00fcr eine gleichm\u00e4\u00dfigere Verteilung von Sorgearbeit br\u00e4uchte es einen fundamentalen gesellschaftlichen Wandel, vorangeht es aber nur in Trippelschritten. Auch das Potenzial von Arbeitslosen wird je nach Bedarf mal besser, mal schlechter ausgesch\u00f6pft. Nicht einmal der branchen\u00fcbergreifend grassierende Fachkr\u00e4ftemangel hat zu einer echten Wende gef\u00fchrt.<\/p>\n<h2><strong>Mehr Arbeit oder Produktivit\u00e4t<\/strong><\/h2>\n<p>Von der arbeitenden Bev\u00f6lkerung fordert die Bundesregierung mehr Einsatz \u2013 Schluss mit \u201eLifestyle-Teilzeit\u201c. In den Jahren zuvor kreiste die Debatte dagegen um eine Absenkung der Arbeitszeit, und das hatte einen Grund. Viele f\u00fchlen sich schon jetzt ausgebrannt. Die Belastung ist real, wie Arbeitspsychologen und Ausf\u00e4lle wegen psychischer Erkrankungen best\u00e4tigen, Arbeitsverdichtung und Tempo sind rasant gestiegen. Daran wird auch K\u00fcnstliche Intelligenz so schnell nichts \u00e4ndern, erst einmal beschert sie so manchem sogar noch mehr Stress. Deren versprochene Produktivit\u00e4tssteigerungen m\u00fcssen sich erst zeigen, der gro\u00dfe Knall blieb vorerst aus.<\/p>\n<\/p>\n<h2><strong>Mehr Beitragszahler aus der arbeitenden Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/h2>\n<p>In der Diskussion ist auch, dass Beamte und Selbst\u00e4ndige in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen m\u00fcssen. Auf selbst\u00e4ndige Beitragszahler k\u00f6nnte sich Schwarz-Rot wohl noch verst\u00e4ndigen, ein Ende der Pensionen ist dagegen schwer vorstellbar, h\u00f6chstens deren Reform. Schon jetzt fehlen dem \u00f6ffentlichen Dienst Hunderttausende Besch\u00e4ftigte. Bundeskanzler Friedrich Merz verwies vor Kurzem auf den \u201everfassungsrechtlich gesch\u00fctzten Anspruch\u201c des Beamtentums \u2013 \u00fcber das Grundgesetz werde er sich nicht hinwegsetzen.<\/p>\n<h2><strong>H\u00f6here Beitr\u00e4ge<\/strong><\/h2>\n<p>Die Rentenversicherungsbeitr\u00e4ge d\u00fcrften schon bald Richtung 20 Prozent steigen, und es k\u00f6nnte noch weiter nach oben gehen. Doch schon jetzt belegt Deutschland bei den Lohnnebenkosten einen Spitzenplatz. Hinzu kommen erwartbar steigende Kosten f\u00fcr Pflege und Gesundheitsversorgung. Noch h\u00f6here Abgaben sind vor diesem Hintergrund schwer vermittelbar. Auch den Arbeitgebern, die deutsche Wirtschaft steckt ohnehin schon seit Jahren in einer Schw\u00e4chephase.<\/p>\n<h2><strong>Gutverdiener st\u00e4rker zur Kasse bitten<\/strong><\/h2>\n<p>Die Schweiz verteilt in der gesetzlichen Rentenversicherung st\u00e4rker um. Die Beitr\u00e4ge werden auf das gesamte Gehalt f\u00e4llig, es gibt keine Beitragsbemessungsgrenze, ab der keine Beitr\u00e4ge mehr zu zahlen sind. Gedeckelt sind daf\u00fcr die Renten. Bei sehr hohen Einkommen bekommen die Beitragszahler sp\u00e4ter deutlich weniger Rente, als sie eingezahlt haben. Das passt schwerlich zum Verst\u00e4ndnis der Union von Leistungsgerechtigkeit.<\/p>\n<\/p>\n<h2><strong>H\u00f6here Steuerzusch\u00fcsse<\/strong><\/h2>\n<p>Die Belastung des Bundeshalts durch die Rente ist zwar <a rel=\"noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Eine-Schock-Nachricht-fuer-Renten-Paniker-id30012999.html\" class=\"external-link\">gesunken<\/a>. Eine R\u00fcckkehr zu h\u00f6heren Zusch\u00fcssen ist angesichts der angespannten Haushaltslage mit Milliardenl\u00fccken jedoch schwer vorstellbar. Finanzminister Lars Klingbeil will den Zuschuss stattdessen sogar <a rel=\"noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Klingbeils-Kuerzungsplan-fuehrt-zwangslaeufig-zu-hoeheren-Rentenbeitraegen-id30776176.html\" class=\"external-link\">k\u00fcrzen<\/a>.<\/p>\n<h2><strong>Mehr private Vorsorge<\/strong><\/h2>\n<p>Der Kanzler schockte vor Kurzem mit der Aussage, die gesetzliche Altersvorsorge werde \u201eallenfalls noch die Basisabsicherung sein f\u00fcr das Alter\u201c. Statt die gesetzliche Rente zu stabilisieren, l\u00e4sst sich auch noch mehr auf die betriebliche oder private Vorsorge setzen. Schon seit der Riester-Reform vor einem Vierteljahrhundert soll dieses Drei-S\u00e4ulen-System den Lebensstandard im Alter sichern. Das Problem: Es <a rel=\"noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/So-hoch-sind-private-und-betriebliche-Renten-bisher-id30738831.html\" class=\"external-link\">funktioniert immer noch nicht<\/a>. W\u00fcrde trotzdem noch mehr Gewicht auf die Zusatzvorsorge gelegt, verschiebt sich f\u00fcr die j\u00fcngeren Generationen nur der Topf, in den sie mehr einzahlen sollen. Bei niedrigen Einkommen und hohen Mieten ist die Eigenvorsorge aber nur schwer m\u00f6glich, angesichts der massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten noch weniger.<\/p>\n<h2><strong>Belastungen ungleich verteilt<\/strong><\/h2>\n<p>Unter den aktuellen Vorzeichen ist es somit unwahrscheinlich, dass die gesetzliche Rente ohne sp\u00e4teren Renteneintritt stabilisiert wird. Die Rente mit 70 klingt f\u00fcr viele Menschen zwar unzumutbar, eine schrittweise Anhebung des Eintrittsalters w\u00e4re angesichts der gestiegenen Lebenserwartung aber weniger dramatisch, als es zun\u00e4chst klingt. Zumindest wenn die Lasten wenigstens am Ende des Erwerbslebens fairer verteilt werden.<\/p>\n<p>Menschen mit physisch oder psychisch belastenden T\u00e4tigkeiten verlassen den Arbeitsmarkt fr\u00fcher. Unterschiedliche Belastungen werden bei Rentenreformen bisher jedoch wenig ber\u00fccksichtigt. So kommen etwa bei der fr\u00fchzeitigen Rente nach 45 Versicherungsjahren viele aus Berufen mit relativ geringer Belastung, wie Renten-Experten des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) ausf\u00fchren. Von den langj\u00e4hrig Versicherten, die abschlagsfrei in Rente gehen, war nicht einmal jeder Dritte im Berufsleben im Schnitt sehr stark belastet. Menschen hingegen, die lange in sehr belastenden Jobs gearbeitet haben, etwa in der Pflege oder im Handwerk, kommen demnach oft gar nicht auf so viele Versicherungsjahre.<\/p>\n<\/p>\n<p>Daneben haben Menschen mit geringer Bildung und geringem Einkommen eine niedrigere Lebenserwartung, beziehen also nicht nur weniger, sondern auch k\u00fcrzer Rente. Bei einer Anhebung des Renteneintrittsalters k\u00f6nnten diese Ungleichheiten ber\u00fccksichtigt werden. Wer in einem Knochenjob schuftet, sollte fr\u00fcher in Rente gehen k\u00f6nnen als andere. Wer erst einmal jahrelang auf Kosten der Allgemeinheit studieren darf, um damit einen weniger belastenden Job mit h\u00f6herem Gehalt und besserer Gesundheit zu erreichen, kann l\u00e4nger arbeiten als bis 67 &#8211; oder mit Abschl\u00e4gen bei der gesetzlichen Rente leben.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag ist zuerst bei ntv.de erschienen. Das Nachrichtenportal geh\u00f6rt wie Capital zu RTL Deutschland.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Viele Stellschrauben k\u00f6nnten die Rentenl\u00fccke schlie\u00dfen \u2013 oder zumindest verkleinern. Doch bislang bewegt sich kaum etwas. 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