{"id":6850,"date":"2026-06-01T20:03:11","date_gmt":"2026-06-01T18:03:11","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/promigeil-wenn-hotels-den-stars-und-sternchen-nachlaufen-37366030-html-3\/"},"modified":"2026-06-01T20:03:11","modified_gmt":"2026-06-01T18:03:11","slug":"promigeil-wenn-hotels-den-stars-und-sternchen-nachlaufen-37366030-html-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/promigeil-wenn-hotels-den-stars-und-sternchen-nachlaufen-37366030-html-3\/","title":{"rendered":"Rath checkt ein: Promigeil! Wenn Hotels den Stars und Sternchen nachlaufen"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Einst schm\u00fcckten sich Nobelherbergen mit prominenten Namen, wenn diese das Zeitliche gesegnet hatten. Heute inszeniert sich manches Haus als \u201ecelebrity hub\u201c. F\u00fcr Carsten K. Rath hat das mit Luxus nichts zu tun<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Fr\u00fcher war Prominenz in einem Hotel kein Spektakel, schon gar nicht sozialmedial. Sie war das stille Nebenprodukt von Stand und Klasse. In den gro\u00dfen europ\u00e4ischen H\u00e4usern gingen ber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeiten aus Adel, Politik, Kunst und Kultur ein und aus, ohne Blitzlichtgewitter oder Selfies. Im Ritz Paris etwa, im Claridge\u2019s in London, im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten, im <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/leben\/vip-gefuehl-fuer-alle--der--breidenbacher-hof--in-duesseldorf-37365990.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Rath checkt ein: VIP-Gef\u00fchl f\u00fcr alle: Der \u201eBreidenbacher Hof\u201c in D\u00fcsseldorf\">Breidenbacher Hof in D\u00fcsseldorf<\/a> oder im <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/leben\/hotel-sacher-in-wien--prunkstueck-der-lebenswertesten-stadt-der-welt-34430168.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Rath checkt ein: Hotel Sacher in Wien: Logieren in der \u201eKantine der Oper\u201c\">Hotel Sacher in Wien<\/a>. In den G\u00e4stelisten fanden sich Siegfried Lenz, Maria Callas, Romy Schneider, Aristoteles Onassis, Herbert von Karajan, David Rockefeller, Elizabeth Taylor und viele mehr.\u00a0<\/p>\n<p>\u00dcber ihre Aufenthalte wurde jedoch weitgehend der Nerzmantel des Schweigens gebreitet. Schlie\u00dflich checkten die oberen Zehntausend in diesen Luxushotels mindestens ebenso gern wegen des Komforts wie wegen der gebotenen Verschwiegenheit ein. Ein Ruf, den die Direktoren \u2013 die sich als diskrete Gastgeber verstanden \u2013 leidenschaftlich pflegten und verteidigten.<\/p>\n<\/p>\n<h2>Das Versprechen von Privatsph\u00e4re<\/h2>\n<p>Ich kenne diese Welt gut. In meiner Zeit in der internationalen Grandhotellerie habe ich selbst oft erlebt, was es bedeutet, wenn Staatspr\u00e4sidenten, Popstars oder Konzern-CEOs im Haus sind. \u00dcber keinen dieser G\u00e4ste wurde gesprochen, schon gar nicht \u00f6ffentlich. Wer versucht h\u00e4tte, daraus Kapital zu schlagen, h\u00e4tte nicht nur seinen Beruf verfehlt, sondern auch Konsequenzen bef\u00fcrchten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Selbst in meinem Buch \u201eSex bitte nur in der Suite\u201c habe ich viele Details der Anekdoten zu ber\u00fchmten Menschen weggelassen oder lediglich vage angedeutet. Nicht alles, was spannend ist, muss auch erz\u00e4hlt werden. Im Bewahren von Geheimnissen zeigt sich eine respektvolle Grundhaltung, finde ich.<\/p>\n<p>Umso auff\u00e4lliger ist der Gesinnungswandel, der sich heute in Teilen der Hotellerie beobachten l\u00e4sst. Fast entsteht der Eindruck, dass manches Haus und seine F\u00fchrung die N\u00e4he zu Stars und Sternchen geradezu suchen und als Strategie verstehen. Sichtbarkeit scheint Substanz zu ersetzen, gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche mediale Aufmerksamkeit wird zum erkl\u00e4rten Ziel. Oft sind es Hotels, denen es an eigener Identit\u00e4t und einer gewissen Strahlkraft fehlt, die sich, wo immer es geht, mit bekannten Gesichtern schm\u00fccken. Sie laden Influencer zu sich ein, TV-Promis, bieten sich als Location f\u00fcr Fotoproduktionen und Interviews an. Das Hotel wird zur bunten B\u00fchne, kein halbwegs ber\u00fchmter Gast bleibt unerw\u00e4hnt.<\/p>\n<\/p>\n<h2>Das Hotel als Boulevard-B\u00fchne<\/h2>\n<p>Mitunter dr\u00e4ngt sich in diesem Szenario der Hotelier gleich selbst mit ins Bild. In diesem Moment verliert ein Haus meinem Empfinden nach genau das, was es eigentlich auszeichnen sollte: Diskretion, W\u00fcrde und Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ein guter Hotelier wei\u00df um diese Balance: Er ist pr\u00e4sent, jedoch nie aufdringlich. Seine Aufgabe sieht er darin, anderen ihren Auftritt zu erm\u00f6glichen, und nicht darin, selbst Teil der Inszenierung zu werden. Ein eitler Hoteldirektor hingegen m\u00f6chte stets Gastgeber und gleichzeitig ein Akteur der \u201eHandlung\u201c sein. Er will gesehen, abgelichtet und zitiert werden. Die Selbstdarstellung \u00fcberdeckt so die inh\u00e4rente Qualit\u00e4t eines Luxushotels.\u00a0<\/p>\n<h2>Aller Glamour ist nur geliehen<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich sorgen bekannte Namen f\u00fcr Aufmerksamkeit, f\u00fcr Klicks und Likes, f\u00fcr wachsende Reichweite und, vielleicht auch f\u00fcr eine kurzfristig erh\u00f6hte Nachfrage. In gewissen neureichen Kreisen. Die entscheidende Frage aber lautet: Wen zieht man mit dem Promi-Joker an? Zahlende (Stamm-)G\u00e4ste, die ein Haus aufgrund seiner Servicequalit\u00e4t und Atmosph\u00e4re ansteuern, oder solche, die darauf hoffen, beim Fr\u00fchst\u00fcck einen Star am Nebentisch zu ersp\u00e4hen? Suchen sie verl\u00e4ssliche Klasse oder tempor\u00e4re Showeffekte?<\/p>\n<p>Dass es auch anders geht, beweisen einige ehrw\u00fcrdige Luxushotels bis heute. Unter anderem das Hotel Sacher in Wien, wo man eine ungemein illustre Geschichte pflegt, ohne prominente G\u00e4ste in Echtzeit zu vermarkten. Oder Schloss Elmau, wo einem zwar des \u00d6fteren bekannte Pers\u00f6nlichkeiten begegnen, jedoch nicht plakativ inszeniert, sondern in einem intellektuell-kulturellen Rahmen: bei Gespr\u00e4chen, Konzerten, Lesungen.<\/p>\n<\/p>\n<h2>Lasst die Prominenten in Ruhe!<\/h2>\n<p>In diesem Zusammenhang erinnere ich mich gut an einen Elmau-Aufenthalt mit meinem Sohn David. Beim Fr\u00fchst\u00fcck sa\u00df der international bekannte Fu\u00dfballtrainer Thomas Tuchel in unserer N\u00e4he. David fragte Dietmar M\u00fcller-Elmau, ob wohl ein Foto mit Tuchel m\u00f6glich sei. Der Hotelier antwortete, dass Leute wie Tuchel genau deshalb nach Elmau k\u00e4men \u2013 weil man sie hier nicht st\u00f6re oder bedr\u00e4nge. Eine klare Haltung, die in der klassischen Grandhotellerie traditionell h\u00f6her gewichtet wird, vor allem in der Schweiz, als bei Luxus-Newcomern.<\/p>\n<p>Mein Rat: Begegnen Sie H\u00e4usern, die allzu offensiv mit prominenten Namen werben, mit der n\u00f6tigen Skepsis. Warum wird der Promifaktor so stark betont? Vielleicht, weil das eigentliche Produkt Schw\u00e4chen im Service, der K\u00fcche und dem Ambiente kompensieren muss?<\/p>\n<h2>Wenn G\u00e4ste blo\u00df Publikum sind<\/h2>\n<p>In einem guten Hotel stehen Sie als Gast im Mittelpunkt, schlie\u00dflich tragen Sie das Haus in wirtschaftlicher Hinsicht. Ist man dort jedoch meist damit besch\u00e4ftigt, ber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeiten und Boulevard-Sternchen in Szene zu setzen, dann sind Sie blo\u00df das Publikum.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Hotellerie alter Schule wusste es besser. Sie machte aus Prominenz kein Schauspiel, sondern sicherte ihre Privatsph\u00e4re. F\u00fcr sie war wahrer Luxus nicht, gesehen zu werden, sondern unbeobachtet zu bleiben. Ein wahrhaft grandioses Hotel erkennt man folglich daran, wen es sch\u00fctzt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Einst schm\u00fcckten sich Nobelherbergen mit prominenten Namen, wenn diese das Zeitliche gesegnet hatten. Heute inszeniert sich manches Haus als \u201ecelebrity hub\u201c. F\u00fcr Carsten K. 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