{"id":7324,"date":"2026-06-03T21:05:47","date_gmt":"2026-06-03T19:05:47","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/ein-antisemitischer-vorfall-internet-anfrage-aus-israel-loest-skandal-um-bayerisches-hotel-aus\/"},"modified":"2026-06-03T21:05:47","modified_gmt":"2026-06-03T19:05:47","slug":"ein-antisemitischer-vorfall-internet-anfrage-aus-israel-loest-skandal-um-bayerisches-hotel-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/ein-antisemitischer-vorfall-internet-anfrage-aus-israel-loest-skandal-um-bayerisches-hotel-aus\/","title":{"rendered":"Ein antisemitischer Vorfall? Internet-Anfrage aus Israel l\u00f6st Skandal um bayerisches Hotel aus"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Israelische Touristen wollten einen Aufenthalt im Oberpf\u00e4lzer Hotel zum Hirschen buchen, das unweit der tschechischen Grenze im \u00d6rtchen Lam (rund 2.600 Einwohner) gelegen ist. Auf ihre Anfrage, die die Touristen \u00fcber das Buchungsportal booking.com gesendet hatten, antwortete ihnen das Hotel \u00fcber die Plattform: &#8222;Sorry, there are no jews allowed in our hotel.&#8220; (auf Deutsch: Es tut uns leid, aber in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.)<\/p>\n<p>Wie die <em>J\u00fcdische Allgemeine<\/em> (<em>JA<\/em>) <a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/israel\/bayerisches-hotel-will-keine-juden-beherbergen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtet<\/a>, wandten sich die Reisenden daraufhin mit einer Beschwerde an booking.com, das wiederum das Hotel aus der Liste nahm. Derzeit sei, so die Zeitung, die betreffende Unterkunft nicht mehr \u00fcber die Plattform buchbar.<\/p>\n<p><strong>Erinnerungen an die Drei\u00dfigerjahre<\/strong><\/p>\n<p>Zudem wurde das israelische Generalkonsulat in M\u00fcnchen aktiv. Israels Generalkonsulin f\u00fcr S\u00fcddeutschland zeigte sich emp\u00f6rt und schrieb auf X zu dem Vorfall:<\/p>\n<p><em>&#8222;Sind wir wieder in den 1930er Jahren? Ein Hotel hat einem Israeli folgendes geantwortet: &#8217;sorry, there are no Jews allowed in our hotel&#8216;. Ich bin froh dar\u00fcber, dass @bookingcom dieses Hotel von seiner Homepage verbannt hat.&#8220;<\/em><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n<blockquote class=\"twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Sind wir wieder in den 1930er Jahren? Ein Hotel hat einem Israeli folgendes geantwortet: \u201esorry, there are no Jews allowed in our hotel\u201c. <br \/>Ich bin froh dar\u00fcber, dass <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/x.com\/bookingcom?ref_src=twsrc%5Etfw\">@bookingcom<\/a> dieses Hotel von seiner Homepage verbannt hat. <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/t.co\/3hiBEK1dse\">pic.twitter.com\/3hiBEK1dse<\/a><\/p>\n<p>\u2014 Talya Lador (@TalyaLador) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/x.com\/TalyaLador\/status\/2061819276256759816?ref_src=twsrc%5Etfw\">June 2, 2026<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p> <script async src=\"https:\/\/platform.x.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script>\n                    <\/div>\n<\/p><\/div>\n<p>Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat bereits eine juristische Untersuchung gefordert, wie die <em>JA<\/em> schreibt. Josef Schuster, der Pr\u00e4sident des Zentralrats, habe erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die menschenverachtende Aussage &#8218;keine Juden erlaubt&#8216; l\u00e4sst sich unabh\u00e4ngig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen \u2026 Meine Erwartung ist, dass dieser Vorfall auf seine strafrechtlichen Konsequenzen \u00fcberpr\u00fcft wird.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Auch der Antisemitismusbeauftragte des bayerischen Justizministeriums ist mit dem Fall befasst. Das Ministerium ist dabei, rechtliche Schritte zu pr\u00fcfen. Allerdings sei gegenw\u00e4rtig noch unklar, ob ein f\u00f6rmliches Verfahren gegen das Hotel eingeleitet werde.<\/p>\n<p><strong>Hotel entschuldigt sich<\/strong><\/p>\n<p>Inzwischen habe sich das Hotel in Lam bei den israelischen Reisenden entschuldigt \u2013 und sie in den Bayerischen Wald eingeladen. Nach einer Welle von falschen Buchungsanfagen habe ein Hotelmitarbeiter aus Frustration \u00fcber zahlreiche Fake-Reservierungen in der letzten Zeit die antisemitische Antwort verfasst.<\/p>\n<p>Allerdings will Zentralratspr\u00e4sident Schuster diese Erkl\u00e4rung nicht gelten lassen, wie die <em>J\u00fcdische Allgemeine <\/em>unterstreicht:<\/p>\n<p><em>&#8222;Auch wenn ich die Entschuldigung f\u00fcr diese inakzeptable \u00c4u\u00dferung zur Kenntnis genommen habe, bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken w\u00fcrde.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>&#8222;Bedauerlicher Fehler&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber den skandal\u00f6sen Vorfall berichteten israelische Medien wie <em>y.net Global<\/em> oder die <em>Times of Israel<\/em>. Dar\u00fcber hinaus schl\u00e4gt die Nachricht Wellen in den sozialen Medien und unter Influencern.<\/p>\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article6a1fc4b51f46a650bff5d7e4\/buchungsanfrage-abgelehnt-in-unserem-hotel-sind-keine-juden-erlaubt-antisemitismusvorwurf-gegen-bayerisches-hotel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Recherchen<\/a> der <em>Welt<\/em> und des Journalisten Tobias Huch stellt sich der Vorfall etwas komplexer dar, was jedoch die antisemitische Reaktion des Angestellten nicht entschuldigen k\u00f6nne. So habe das Hotel tats\u00e4chlich seit Wochen mit betr\u00fcgerischen Anfragen \u00fcber booking.com zu k\u00e4mpfen. Die Hotelangestellten h\u00e4tten die Anfrage aus Israel f\u00fcr einen Betrugsversuch gehalten \u2013 was er nicht war. Dies h\u00e4tten die Hotelinhaber gegen\u00fcber der <em>Welt<\/em> best\u00e4tigt.<\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n<blockquote class=\"twitter-tweet\">\n<p lang=\"zxx\" dir=\"ltr\"><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/t.co\/qaJGNsPQDq\">https:\/\/t.co\/qaJGNsPQDq<\/a><\/p>\n<p>\u2014 Tobias Huch (@TobiasHuch) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/x.com\/TobiasHuch\/status\/2061918330378690728?ref_src=twsrc%5Etfw\">June 2, 2026<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p> <script async src=\"https:\/\/platform.x.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script>\n                    <\/div>\n<\/p><\/div>\n<p>Nach einer Darstellung des Journalisten Huch lasse sich bei den Betrugsversuchen ein Muster erkennen. Dabei ginge es um gestohlene Nutzerdaten, fiktive Identit\u00e4ten und G\u00e4ste, die nie erscheinen. Die &#8222;Masche&#8220; sei &#8222;immer dieselbe&#8220;: Nach einer vermeintlichen Buchung \u00fcber das Portal versuche jemand, \u00fcber den Chat von booking.com Kontakt mit dem Hotel aufzunehmen, sich &#8222;Vertrauen zu erschleichen&#8220; und die weitere Kommunikation auf andere Kan\u00e4le zu leiten, um schlie\u00dflich die Preisgabe von Bankdaten zu provozieren.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund sei den Hotelmitarbeitern die Anfrage aus Israel als betr\u00fcgerisch vorgekommen. Nur in Ausnahmef\u00e4llen k\u00e4men Reservierungsanfragen aus L\u00e4ndern au\u00dferhalb der EU. Au\u00dferdem sei die &#8222;Schreibweise in der Anfrage \u2026 ein Wirrwarr aus Gro\u00df- und Kleinbuchstaben gewesen, die Adresse der Auftraggeber habe sich bei Google nicht finden lassen&#8220;, so die <em>Welt<\/em>.<\/p>\n<p>Daher h\u00e4tten die Hotelangestellten schon aus formalen Gr\u00fcnden die Anfrage als Betrugsversuch gewertet. Doch wo aus Gr\u00fcnden der Vorsicht lediglich eine kurze Absage angebracht gewesen w\u00e4re, h\u00e4tten die Angestellten aus \u00dcberlastung und Frustration \u00fcberreagiert, was dann in der diskriminierenden Absage m\u00fcndete.<\/p>\n<p><strong>Versuche der Schadensbegrenzung<\/strong><\/p>\n<p>Die Betreiberfamilie habe sich in einem Schreiben, das in Kopien auch an die Bayerische Staatskanzlei gegangen sei, von dem Vorgehen der Mitarbeiter distanziert, sich gleichzeitig aber sch\u00fctzend hinter sie gestellt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren. Jedoch ist es so wie \u00fcberall, wir, und unsere Mitarbeiter sind auch nur Menschen, und manchmal geht der \u00c4rger mit einem durch.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Auch an die israelischen Touristen habe sich das Hotel gewandt und erkl\u00e4rt, Diskriminierung und Ausgrenzung geh\u00f6rten nicht zum Leitbild des Unternehmens.<\/p>\n<p>Auf X finden sich neben zahlreichen Verurteilungen des Hotels und seiner Mitarbeiter aber auch nachdenkliche Stimmen. So schreibt der Nutzer &#8222;Monke, der Ingenieur&#8220;: &#8222;Ich lehne sowas ab. Wie ist das aber mit Hotels die keine #AfD Politiker und W\u00e4hler erlauben? da heisst es dann &#8218;Hausrecht&#8216;?&#8220; Und der Nutzer &#8222;Forklift&#8220; \u00fcberlegt: &#8222;Wenn das Hotel Muslime nicht angenommen h\u00e4tte, h\u00e4tten Sie das sicher gefeiert.&#8220;<\/p>\n<p>\u00dcbrigens hatte im Februar 2025 das Bayerische Staatsministerium f\u00fcr Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie das Hotel zum Hirschen ausdr\u00fccklich <a href=\"https:\/\/www.stmwi.bayern.de\/presse\/pressemeldungen\/52-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gelobt<\/a>. Das &#8222;Projekt&#8220; in dem oberpf\u00e4lzischen Beherbungsbetrieb sei &#8222;vorbildlich und wegweisend. Nachmachen ist ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht&#8220;. Damals ging es um die Umstellung der Hotelheizung auf Holzhackschnitzel.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/281474-muenchen-wird-ort-ersten-yad\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">In M\u00fcnchen und Leipzig: Erste Yad-Vashem-Gedenkst\u00e4tten au\u00dferhalb Israels<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v3w0t6y\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Israelische Touristen wollten einen Aufenthalt im Oberpf\u00e4lzer Hotel zum Hirschen buchen, das unweit der tschechischen Grenze im \u00d6rtchen Lam (rund 2.600 Einwohner) gelegen ist. 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