{"id":7770,"date":"2026-06-05T20:09:05","date_gmt":"2026-06-05T18:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/geplatzte-eli-lilly-investition-die-lehren-aus-dem-pharma-fiasko-37492900-html-3\/"},"modified":"2026-06-05T20:09:05","modified_gmt":"2026-06-05T18:09:05","slug":"geplatzte-eli-lilly-investition-die-lehren-aus-dem-pharma-fiasko-37492900-html-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/geplatzte-eli-lilly-investition-die-lehren-aus-dem-pharma-fiasko-37492900-html-3\/","title":{"rendered":"Meinung: Die Lehren aus dem Eli-Lilly-Fiasko"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Hinter den geplatzten Investitionen des Pharmariesen Eli Lilly steckt ein hausgemachtes Problem der deutschen Wirtschaftspolitik. Der Fall zeigt, warum teure Industriepolitik am Ende zum Bumerang werden kann<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Es ist eine Nachricht, die passt zur Stimmung im Land wie der ber\u00fchmte Deckel auf den Topf: <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/investitionsdaempfer--us-pharmariese-eli-lilly-kuerzt-deutschland-plaene-37490978.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Pharmaindustrie: Investitionsd\u00e4mpfer: US-Pharmariese Eli Lilly k\u00fcrzt Deutschland-Pl\u00e4ne\">Der US-Pharmariese Eli Lilly streicht seine geplante Investition in ein riesiges neues Werk in der N\u00e4he von Mainz zusammen<\/a>. Statt der einmal versprochenen 2,3 Mrd. Euro will der Konzern f\u00fcr den neuen deutschen Standort nur noch etwa die H\u00e4lfte ausgeben. Zum Spatenstich vor etwas mehr als zwei Jahren war eigens noch der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz angereist und schw\u00e4rmte von einem \u201eph\u00e4nomenalen Aufbruch\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>Heute beschleicht einen eher das mulmige Gef\u00fchl eines ph\u00e4nomenalen Abbruchs. Zeitgleich mit Eli Lilly k\u00fcndigte auch der benachbarte Pharmakonzern Boehringer Ingelheim an, bereits geplante Investitionen in deutsche Standorte in H\u00f6he von 900 Mio. Euro abzusagen. Wenn es noch Beispiele f\u00fcr den wirtschaftlichen Niedergang des Landes gebraucht h\u00e4tte \u2013 bitte sch\u00f6n, hier sind sie.\u00a0<\/p>\n<p>Allerdings, die Lage ist etwas komplizierter. Es stimmt, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland derzeit mit enormen Problemen k\u00e4mpft: Hohe Lohn- und Lohnnebenkosten, teure Energiepreise, eine allgemeine Verunsicherung \u00fcber die wirtschaftlichen Aussichten im Land und in der ganzen Welt, dazu eine alternde Gesellschaft \u2013 das alles f\u00fchrt zu weniger Investitionen, weniger Innovationen, weniger Gr\u00fcndungen neuer Unternehmen, und es untergr\u00e4bt die Zuversicht, die sich wahrscheinlich alle so dringend w\u00fcnschen.\u00a0<\/p>\n<p>Und doch passen die bitterb\u00f6sen Klagen der Pharmakonzerne, die nun ebenfalls den Abgesang auf den deutschen Standort anstimmen, nicht so ganz ins Bild. Im Gegenteil: Sie illustrieren eher, was in der deutschen Wirtschaftspolitik immer wieder und seit Jahren schon schiefl\u00e4uft.\u00a0<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfinvestitionen von Eli Lilly, Boehringer und anderen Arzneimittelherstellern waren das Ergebnis einer sehr gezielten, auf Pharmakonzerne zugeschnittenen, und ausgesprochen teuren Industriepolitik. F\u00fcr die Ansiedlungen und Investitionen versprach die damalige Ampelkoalition ein gro\u00dfz\u00fcgiges und ziemlich intransparentes Entgegenkommen bei der k\u00fcnftigen Verg\u00fctung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland. Wenn man sich wundert, warum die Gesundheitsausgaben in Deutschland so hoch sind und die Krankenkassenbeitr\u00e4ge von Jahr zu Jahr steigen, dann liegt hier eine der Erkl\u00e4rungen.\u00a0<\/p>\n<p>Etwas \u00fcberspitzt k\u00f6nnte man sagen: Eine einzelne Branche wurde besonders gep\u00e4ppelt, auf Kosten der Allgemeinheit, der Beitragszahler und der Arbeitgeber. Es war ein Gesch\u00e4ft nach dem alten Quid-pro-quo-Prinzip, das immer in beide Richtungen geht: Man bekommt etwas, muss daf\u00fcr aber auch etwas leisten. Man k\u00f6nnte auch sagen: Man wird abh\u00e4ngig und macht sich ein bisschen erpressbar.\u00a0<\/p>\n<h2>Die Standortbedingungen m\u00fcssen sich f\u00fcr alle Unternehmen bessern<\/h2>\n<p>Genau aus dieser Abh\u00e4ngigkeit versucht sich die aktuelle Regierung mit ihrer j\u00fcngst beschlossenen Gesundheitsreform zu befreien. Alle sollen einen Beitrag leisten, um die desolaten Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen und die stetig steigenden Ausgaben zu begrenzen \u2013 auch die Pharmahersteller. Das verstehen die jetzt offenbar als Aufk\u00fcndigung des alten Deals. Zu Recht wahrscheinlich, trotzdem ist die Reform richtig \u2013 und m\u00fcsste nach Ansicht von Experten gerade im Pharmabereich eigentlich sogar noch weitergehen. Denn zur Wahrheit geh\u00f6rt auch: Pharmakonzerne wie Eli Lilly machen exorbitante Gesch\u00e4fte, allein im vergangenen Jahr blieben von 65 Mrd. Dollar Umsatz mehr als 20 Mrd. Dollar Gewinn, nach Steuern.\u00a0<\/p>\n<p>Der R\u00fcckzug der Pharmahersteller wirkt jetzt wie ein Fiasko, das eigentliche Problem liegt aber woanders: Es fehlt an einer Wirtschaftspolitik, die Standortbedingungen f\u00fcr alle Unternehmen gleicherma\u00dfen verbessert \u2013 durch g\u00fcnstigere Energiekosten, bessere Investitionsbedingungen, ein wettbewerbsf\u00e4higes Steuer- und Abgabensystem. Je mehr der Staat aber in dieser Lage versucht, einzelne Branchen oder Unternehmen zu bevorteilen, desto weniger Spielraum hat er anschlie\u00dfend, die Bedingungen f\u00fcr alle zu verbessern.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Wenn die Absage der Pharmahersteller also eine Lehre f\u00fcr die aktuelle Regierung bereith\u00e4lt, dann die, endlich f\u00fcr bessere Standortbedingungen zu sorgen, und zwar f\u00fcr alle Unternehmen. Hier haben Union und SPD zwar schon einiges versucht, aber es ist nach wie vor viel zu wenig, und allzu oft ging es an anderer Stelle auch genau in die entgegengesetzte Richtung. Vor allem aber bleiben alle Beschl\u00fcsse und Reformen bisher immer wieder weit hinter den vielen vollmundigen Ank\u00fcndigungen zur\u00fcck.\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Hinter den geplatzten Investitionen des Pharmariesen Eli Lilly steckt ein hausgemachtes Problem der deutschen Wirtschaftspolitik. 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