{"id":7798,"date":"2026-06-05T23:04:24","date_gmt":"2026-06-05T21:04:24","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/bafoeg-wer-hier-spart-spart-an-deutschlands-zukunft-meinung-37492666-html-3\/"},"modified":"2026-06-05T23:04:24","modified_gmt":"2026-06-05T21:04:24","slug":"bafoeg-wer-hier-spart-spart-an-deutschlands-zukunft-meinung-37492666-html-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/bafoeg-wer-hier-spart-spart-an-deutschlands-zukunft-meinung-37492666-html-3\/","title":{"rendered":"Meinung: Will Dorothee B\u00e4r die Baf\u00f6g-Reform in Wirklichkeit retten? Hoffentlich"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Die geplante Baf\u00f6g-Reform steht auf der Kippe. Das sendet ein fatales Signal an Studierende. Aber vielleicht sind die Zweifel von Forschungsministerin B\u00e4r auch nur der Versuch, die Reform zu retten<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Es k\u00f6nnte nat\u00fcrlich sein, dass Dorothee B\u00e4r schlauer ist, als viele denken. Mit ihrem \u00f6ffentlichen Zweifel, ob die Koalition das n\u00f6tige Geld f\u00fcr eine Baf\u00f6g-Erh\u00f6hung aufbringen wird, hat die Forschungsministerin einen Sturm der Entr\u00fcstung ausgel\u00f6st \u2013 und immerhin jene, die an den Studierenden sparen wollen, geh\u00f6rig unter Druck gesetzt. Zum Beispiel ihren eigenen Unions-Fraktionschef Jens Spahn. Er war der Erste, der die geplante Reform der Ausbildungsreform infrage stellte. Ob ihr Ziel wom\u00f6glich war, die eigene Reform zu retten?<\/p>\n<p>Fest steht: Es trifft einen wunden Punkt in der Gesellschaft, wenn Geld gerade da gespart werden soll, wo es dringend gebraucht wird \u2013 f\u00fcr eine Generation, die sowieso schon oft das Gef\u00fchl hat, dass sie von der Politik nicht gesehen und ernst genommen wird. Dorothee B\u00e4r hat drei Kinder. Wer wei\u00df, was sie manchmal zu Hause zu h\u00f6ren bekommt?<\/p>\n<p>Jedenfalls hat sie den Fokus nun auf diese Frage gerichtet. W\u00e4hrend die Lebenshaltungskosten durch den Irankrieg weiter steigen und Wohnkosten in Universit\u00e4tsst\u00e4dten seit Jahren explodieren, will die Unionsfraktion ausgerechnet bei denen sparen, die in ihre Zukunft investieren und dabei kaum \u00fcber die Runden kommen.\u00a0<\/p>\n<h2>Was in der Baf\u00f6g-Debatte nicht beachtet wird<\/h2>\n<p>Dem soll in dem fertigen Gesetzentwurf, den auch Finanzminister Lars Klingbeil schon abgesegnet hat, begegnet werden: Die Wohnkostenpauschale f\u00fcr Studierende, die nicht mehr zu Hause wohnen, soll zum kommenden Wintersemester von 380 auf 440 Euro im Monat erh\u00f6ht werden. Danach soll das Baf\u00f6g schrittweise dauerhaft auf das Niveau der Grundsicherung angehoben werden.\u00a0<\/p>\n<p>Der Bedarf ist unstrittig. In zahlreichen St\u00e4dten reicht der Grundsatz bei weitem nicht mal f\u00fcr ein WG-Zimmer. Die meisten Studierenden, rund 65 Prozent, m\u00fcssen deshalb neben dem Studium jobben. Und hier f\u00e4ngt B\u00e4r an, mit fragw\u00fcrdigen Argumenten zu hantieren. Sie findet, es sei \u201ekein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben \u2013 viele sammeln dabei sogar wichtige Erfahrungen f\u00fcrs Leben und den Beruf\u201c.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Dabei blendet B\u00e4r einen entscheidenden Punkt aus: Baf\u00f6g-Bezieher d\u00fcrfen nur auf Minijob-Basis Geld dazuverdienen, also 550 Euro im Monat. Sonst wird ihnen der Satz gek\u00fcrzt. Damit fallen die meisten Werkstudentenjobs weg, weil man da in der Regel mehr verdient. Es bleiben also schlechter bezahlte Gelegenheitsjobs wie im Verkauf oder der Gastronomie. Die bieten aber in den seltensten F\u00e4llen \u201ewichtige Erfahrungen f\u00fcr den Beruf\u201d, wie B\u00e4r es darzustellen versucht, oder lassen den Lebenslauf gl\u00e4nzen.<\/p>\n<h2>Ein fatales Signal<\/h2>\n<p>Egal, ob hinter B\u00e4rs unscharfen \u00c4u\u00dferungen in einem Interview eine Strategie stecken sollte oder nur Hilflosigkeit: Sie h\u00e4tte als Irgendwas-mit-Zukunft-Ministerin durchaus bessere Argumente f\u00fcr ihre Reform gehabt: Denn fast wichtiger als der dringende Bedarf der Baf\u00f6g-Bezieher ist, welches fatale Signal die Union damit an die Bev\u00f6lkerung sendet: Bildung ist nicht wichtig genug, um daf\u00fcr Geld auszugeben. Chancengerechtigkeit herzustellen, damit alle Kinder und jungen Erwachsenen, egal welcher Herkunft, Zugang zum gleichen Bildungsstandard bekommen, r\u00fcckt in den Hintergrund. Die Union untergr\u00e4bt damit ausgerechnet eines ihrer eigenen Kernanliegen. Wer mehr Wachstum, Innovation und Wettbewerbsf\u00e4higkeit fordert, kann schwerlich riskieren, dass junge Menschen ihr Studium aus finanziellen Gr\u00fcnden abbrechen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Dazu f\u00e4llt die Debatte in eine Zeit, in der sich immer mehr junge Menschen von den etablierten Parteien abwenden. Die Union sendet mit ihrer Kehrtwende eine Botschaft, die weit \u00fcber das Baf\u00f6g hinausreicht: Wenn gespart werden muss, geh\u00f6rt Bildung offenbar zu den ersten Posten auf der Streichliste. F\u00fcr eine Partei, die Zukunftsf\u00e4higkeit und Leistung so h\u00e4ufig beschw\u00f6rt, w\u00e4re das ein bemerkenswertes Signal. Und man kann nur hoffen, dass Ministerin B\u00e4r so schlau ist, das erkannt zu haben. Und so clever, ihre Widersacher zu \u00fcberlisten, indem sie sich ihnen zu f\u00fcgen scheint. Aber wirklich sicher kann man nicht sein.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel ist eine \u00dcbernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland geh\u00f6rt. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Die geplante Baf\u00f6g-Reform steht auf der Kippe. Das sendet ein fatales Signal an Studierende. 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