{"id":7864,"date":"2026-06-06T12:10:57","date_gmt":"2026-06-06T10:10:57","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/firmenflucht-nach-us-sanktionen-havanna-wehrt-sich-gegen-den-destabilisierungskurs-washingtons\/"},"modified":"2026-06-06T12:10:57","modified_gmt":"2026-06-06T10:10:57","slug":"firmenflucht-nach-us-sanktionen-havanna-wehrt-sich-gegen-den-destabilisierungskurs-washingtons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/firmenflucht-nach-us-sanktionen-havanna-wehrt-sich-gegen-den-destabilisierungskurs-washingtons\/","title":{"rendered":"Firmenflucht nach US-Sanktionen \u2013 Havanna wehrt sich gegen den Destabilisierungskurs Washingtons"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Aufgrund der von Washington gegen Kuba verh\u00e4ngten Sanktionen reduzieren europ\u00e4ische und andere westliche Unternehmen ihre Gesch\u00e4ftskontakte mit der sozialistischen Karibikinsel. Auch wenn Havanna in letzter Zeit bem\u00fcht war, das Verh\u00e4ltnis zu dem \u00fcberm\u00e4chtigen n\u00f6rdlichen Nachbarn zu normalisieren, scheinen die Gespr\u00e4che zwischen den ungleichen Partnern jedenfalls nicht im langfristigen Interesse Kubas zu verlaufen.<\/p>\n<p>So hat Kubas Pr\u00e4sident Miguel D\u00edaz-Canel in diesem Zusammenhang seinem US-Kollegen vorgeworfen, die &#8222;Blockade&#8220; gegen die Insel weiter zu versch\u00e4rfen, wie die <em>Berliner Zeitung<\/em> (<em>BLZ<\/em>) berichtet. Havanna werde sich gegen die &#8222;Aggressivit\u00e4t und Perversit\u00e4t der Yankee-Regierung&#8220; und auch gegen einen m\u00f6glichen &#8222;imperialistischen Angriff&#8220; wehren, so D\u00edaz-Canel.<\/p>\n<p>Die starken Worte des kubanischen Pr\u00e4sidenten sind vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Insel zu sehen, die durch den R\u00fcckzug ausl\u00e4ndischer Unternehmen aus Kuba versch\u00e4rft werden.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckgang des Tourismus<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten hatte Havanna auf die Entwicklung des Tourismus f\u00fcr westliche Besucher gesetzt. Nun ziehen sich jedoch spanische Reiseunternehmen, aber auch eine indonesische Hotelkette ganz oder teilweise aus dem Kuba-Gesch\u00e4ft zur\u00fcck. Auch ein kanadischer Anbieter wird die Karibikinsel verlassen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sieht es im Logistikbereich aus: Reedereien wie die franz\u00f6sische CMA CGM oder die deutsche Hapag-Lloyd h\u00e4tten sich bereits im vergangenen Monat dem st\u00e4rker werdenden Druck der USA gebeugt und die Bedienung kubanischer H\u00e4fen beendet.<\/p>\n<p><strong>Washington zielt auf die \u00f6konomische Basis der kubanischen F\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wie in der Vergangenheit in anderen F\u00e4llen greife die Trump-Regierung auf ein &#8222;bew\u00e4hrtes&#8220; Muster zur\u00fcck, wenn es darum gehe, ein Land zu destabilisieren. Die USA haben, so die <em>BLZ<\/em>, sogenannte Sekund\u00e4rsanktionen weltweit gegen Unternehmen verh\u00e4ngt, die mit Unternehmen und Machtstrukturen in Havanna in irgendeiner Weise kooperieren. Die Ma\u00dfnahmen zielten auf eine Schw\u00e4chung der Gaesa-Unternehmensgruppe (Grupo de Administraci\u00f3n Empresarial de las Fuerzas Armadas, deutsch: Gruppe f\u00fcr Unternehmensverwaltung der Streitkr\u00e4fte), die eng mit dem kubanischen Milit\u00e4r verbunden ist. Faktisch handelt es sich bei der Gaesa um einen Mischkonzern, der Banken, Hotels, Tankstellen sowie Teile des Einzel- und Au\u00dfenhandels kontrolliert. Washington droht, das Verm\u00f6gen ausl\u00e4ndischer Unternehmen einzufrieren, die mit der Gaesa zusammenarbeiten. Auch k\u00f6nnten die USA den Zugang zum US-Finanzsystem f\u00fcr entsprechende Firmen sperren. Das rabiate Vorgehen Washingtons gegen die Gaesa rechtfertigte der US-Au\u00dfenminister\u00a0Marco Rubio w\u00e4hrend einer Anh\u00f6rung im US-Senat mit der Behauptung, das Unternehmenskonglomerat kontrolliere &#8222;praktisch den gesamten Tourismussektor&#8220; Kubas.<\/p>\n<p><strong>Wirksames Sanktionsinstrument \u2013 US-Kreditkarten funktionieren nicht mehr<\/strong><\/p>\n<p>Die Washingtoner Politik folgt auch auf anderem Gebiet ihrem erprobten Drehbuch: Die versch\u00e4rften US-Sanktionen richten sich gegen den internationalen Zahlungsverkehr des Karibikstaates. Daher werden die bislang weltweit dominierenden Mastercard- und Visa-Kreditkarten ab diesem Wochenende auf Kuba nicht mehr funktionieren, wie die kubanische Zentralbank mitgeteilt habe. Au\u00dferdem habe eine ausl\u00e4ndische Partnerbank bereits am 2. Juni die Zusammenarbeit mit dem kubanischen Finanzdienstleister Fincimex beendet. Als Begr\u00fcndung habe die Bank angef\u00fchrt, ab dem 6. Juni seien Gesch\u00e4fte mit Fincimex &#8222;rechtswidrig und unm\u00f6glich&#8220;, weshalb bestehende Vertr\u00e4ge nicht mehr erf\u00fcllt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Auch Fincimex geh\u00f6re zur Gaesa-Unternehmensstruktur. Havanna f\u00fchrt den Abbruch der Gesch\u00e4ftsbeziehungen auf eine Anordnung des US-Pr\u00e4sidenten von Anfang Mai zur\u00fcck, die Sanktionen gegen Unternehmen androht, die mit Gaesa \u2013 oder deren Tochtergesellschaften \u2013 zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Havanna sieht im Vorgehen Washingtons gegen Wirtschaftsaktivit\u00e4ten der Karibikinsel und ihrer internationalen Gesch\u00e4ftspartner eine &#8222;Erstickungsstrategie gegen das kubanische Volk&#8220;. Die kubanische F\u00fchrung bestreitet die US-Behauptung, die Gaesa verwende ihre Einnahmen aus dem Tourismusgesch\u00e4ft, dem Au\u00dfenhandel oder aus den Finanztransfers zur Finanzierung des Staatsapparats und des Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p><strong>Weitere Sanktionen und Versch\u00e4rfung der Wirtschaftskrise<\/strong><\/p>\n<p>Washington erh\u00f6ht den Druck auf Kuba jedoch nicht auf institutioneller Ebene, wie das Beispiel von Gaesa zeigt. Das US-Finanzministerium hat dar\u00fcber hinaus weitere extraterritoriale Sanktionen gegen die Familien von Pr\u00e4sident D\u00edaz-Canel sowie gegen Angeh\u00f6rige des ehemaligen Pr\u00e4sidenten Ra\u00fal Castro verh\u00e4ngt. Zudem hatte Washington im Mai 2026 Anklage gegen den 94-j\u00e4hrigen Castro erhoben (<em>RT DE<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/amerika\/280791-kuba-verurteilt-us-anklage-gegen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtete<\/a>).<\/p>\n<p>Derweil verfehlen die antikubanischen Sanktionen ihre Wirkung nicht. Besonders hart wird die Insel von einer Energiekrise getroffen, die durch das Ausbleiben von \u00d6llieferungen aus Venezuela verursacht wird, nachdem die USA Anfang des Jahres Pr\u00e4sident Nicol\u00e1s Maduro in einer Kommandoaktion gekidnappt und einen Regimewechsel herbeigef\u00fchrt hatten. Treibstoffmangel und Stromausf\u00e4lle sind die Folge, dazu sind Versorgungsengp\u00e4sse an der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Besuchten im Jahr 2018 noch rund 4,7 Millionen ausl\u00e4ndische Touristen die Insel, waren es 2026 nicht einmal halb so viele \u2013 nur noch 1,9 Millionen Besucher verzeichneten die kubanischen Statistiker. Im April 2026 seien gerade einmal 30.000 Touristen gekommen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund habe der Botschafter Kubas bei den Vereinten Nationen vor einer sich versch\u00e4rfenden &#8222;humanit\u00e4ren Notlage&#8220; gewarnt. Die Bef\u00fcrchtungen sind nicht aus der Luft gegriffen: Die Karibikinsel steht am Beginn der Hurrikan-Saison, und es drohe ein &#8222;explosiver Cocktail&#8220;, dessen Zutaten eine Wirtschaft im Niedergang, mangelhafte Versorgung und Energiekrise bilden.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/282213-russlands-vizepremier-russische-unternehmen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russlands Vizepremier: Russische Unternehmen sind bereit, in Projekte in Kuba zu investieren<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v73uja2\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgrund der von Washington gegen Kuba verh\u00e4ngten Sanktionen reduzieren europ\u00e4ische und andere westliche Unternehmen ihre Gesch\u00e4ftskontakte mit der sozialistischen Karibikinsel. 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