{"id":7913,"date":"2026-06-06T18:03:10","date_gmt":"2026-06-06T16:03:10","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/wegen-falscher-frage-an-eu-kommission-gekuendigt-italienischer-journalist-zieht-vor-gericht\/"},"modified":"2026-06-06T18:03:10","modified_gmt":"2026-06-06T16:03:10","slug":"wegen-falscher-frage-an-eu-kommission-gekuendigt-italienischer-journalist-zieht-vor-gericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/wegen-falscher-frage-an-eu-kommission-gekuendigt-italienischer-journalist-zieht-vor-gericht\/","title":{"rendered":"Wegen &#8222;falscher Frage&#8220; an EU-Kommission gek\u00fcndigt \u2013 italienischer Journalist zieht vor Gericht"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Der italienische Journalist Gabriele Nunziati arbeitete bis Oktober 2025 f\u00fcr die Nachrichtenagentur <em>Agenzia Nova<\/em>, die ihm nach einer kritischen Frage an die EU-Kommission gek\u00fcndigt hatte. Wie die <em>Ostdeutsche Allgemeine<\/em> (<em>OAZ<\/em>) berichtet, wird am kommenden Dienstag das Gerichtsverfahren er\u00f6ffnet. Der Jobverlust des mutigen Redakteurs hatte im vergangenen Herbst international f\u00fcr Aufsehen gesorgt (<em>RT DE<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/europa\/260943-eu-parlament-jobverlust-fuer-italienischen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtete<\/a>\u00a0mehrfach). F\u00fcr seinen Prozess erh\u00e4lt Nunziati Unterst\u00fctzung von verschiedener Seite: Der italienische Zweig von Amnesty International sowie mehrere Organisationen, die f\u00fcr Presse- und Meinungsfreiheit eintreten, haben angek\u00fcndigt, Nunziati zu unterst\u00fctzen. Darunter sind der Journalistenverband Stampa Romana, die B\u00fcrgerrechtsvereinigung Articolo21 sowie das Netzwerk No Bavaglio (&#8222;Kein Maulkorb&#8220;), das sich gegen Zensurtendenzen wendet. Die Unterst\u00fctzungsgruppen wollen am Verhandlungstag eine Solidarit\u00e4tskundgebung f\u00fcr Nunziati vor dem Gericht in Rom abhalten.<\/p>\n<p><strong>Alles andere als eine rein pers\u00f6nliche Angelegenheit<\/strong><\/p>\n<p>Gegen\u00fcber der <em>Berliner Zeitung<\/em> (<em>BLZ<\/em>) hat Nunziati unterstrichen, dass es ihm um mehr geht als nur um seinen pers\u00f6nlichen Fall. Die Zeitung zitiert ihn mit der Aussage: &#8222;Von Anfang an wusste ich, dass dies der richtige Weg ist.&#8220; Dem couragierten Redakteur geht es um eine Grundsatzfrage. Nunziati erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p><em>&#8222;Einen Journalisten wegen einer einzigen Frage zu entlassen, ist eine ernsthafte Bedrohung f\u00fcr unsere Demokratien. Es offenbart eine Machtstruktur, die sich f\u00fcr unantastbar h\u00e4lt und glaubt, Menschen nach Belieben behandeln zu k\u00f6nnen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>W\u00fcrde man nach der K\u00fcndigung wegen einer kritischen Frage klein beigeben, w\u00fcrde dies, so Nunziati, darauf hinauslaufen, &#8222;die Aush\u00f6hlung unserer Pressefreiheit zuzulassen&#8220;. Dass er die Klage angestrengt habe, sei f\u00fcr ihn &#8222;ein Kampf aus Prinzip&#8220;, und zwar im doppelten Sinne. Dem Italiener gehe es einerseits um die grundlegenden Werte des Journalismus, andererseits um die Interessen j\u00fcngerer Kollegen, die unter prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen produzieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nunziati habe seinen Schritt, vor Gericht zu ziehen, in einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang gestellt:<\/p>\n<p>&#8222;Viele versuchen unter schwierigen Bedingungen, ihre Arbeit bestm\u00f6glich zu machen, in einem System, das sie zerm\u00fcrbt und ihnen das Gef\u00fchl geben will, machtlos zu sein.&#8220; Seine Motivation begr\u00fcndet er k\u00e4mpferisch: &#8222;Ich wei\u00df nicht, wie diese Geschichte enden wird. Aber wenn ich es nicht versucht h\u00e4tte, w\u00e4re das bereits eine Niederlage gewesen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Besorgniserregende Tendenzen<\/strong><\/p>\n<p>Amnesty International hat, wie die <em>OAZ<\/em> schreibt, erkl\u00e4rt, dass es sich bei der K\u00fcndigung von Nunziati keineswegs um einen &#8222;Einzelfall&#8220;, sondern um ein Anzeichen f\u00fcr weitverbreitete Tendenzen handele, wonach die Presse- und Meinungsfreiheit in Italien bedroht seien.<\/p>\n<p>Gerade die Berichterstattung \u00fcber Pal\u00e4stina sei zunehmend von Zensur und repressiven Ma\u00dfnahmen betroffen. Meinungsfreiheit d\u00fcrfe nicht nur f\u00fcr ausgew\u00e4hlte F\u00e4lle gelten, so Amnesty. Die Organisation sprach sich daf\u00fcr aus, dass Mitarbeiter von Medien besser institutionell gesch\u00fctzt sein m\u00fcssten. Jedwede politische oder redaktionelle Beeinflussung sei zur\u00fcckzuweisen. Das Recht der B\u00fcrger auf Information d\u00fcrfe nicht eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>Auf der Solidarit\u00e4tskundgebung werden etliche prominente italienische Journalisten erwartet. Zudem h\u00e4tten Vertreter von Journalistenschulen und anderer Medienverb\u00e4nde ihre Teilnahme zugesagt.<\/p>\n<p><strong>Ein unzul\u00e4ssiger Vergleich?<\/strong><\/p>\n<p>Zu der skandal\u00f6sen und international beachteten Entlassung Nunziatis war es gekommen, nachdem der Korrespondent im Herbst 2025 \u2013 noch im Dienst f\u00fcr die Agenzia Nova in Br\u00fcssel \u2013 w\u00e4hrend einer Pressekonferenz der EU-Kommission der Sprecherin Paula Pinho eine kritische Frage zu Gaza gestellt hatte. Zuvor hatte die EU-Kommission wiederholt die Auffassung vertreten, Russland m\u00fcsse f\u00fcr die Zerst\u00f6rungen in der Ukraine Reparationen zahlen. Daraufhin stellte Nunziati folgende Frage:<\/p>\n<p><em>&#8222;Wenn Russland f\u00fcr den Wiederaufbau der Ukraine zahlen muss, muss dann Israel f\u00fcr den Wiederaufbau des Gazastreifens zahlen?&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Pinho habe die Beantwortung verweigert, die Frage jedoch als &#8222;sehr interessant&#8220; bezeichnet. Der Austausch zwischen Nunziati und Pinho wurde auf Video festgehalten und verbreitete sich in den sozialen Medien. Wenige Tage darauf beendete die italienische Nachrichtenagentur das Arbeitsverh\u00e4ltnis mit ihrem Br\u00fcsseler Reporter. Zur Erkl\u00e4rung habe die Agentur sp\u00e4ter die Erkl\u00e4rung nachgeschoben, die Frage sei &#8222;fachlich falsch&#8220; gewesen. Angeblich sei der Video-Mitschnitt von &#8222;russischen nationalistischen Kan\u00e4len&#8220; und &#8222;Medien mit Verbindungen zum politischen Islam&#8220; verbreitet worden \u2013 und habe die <em>Agenzia Nova<\/em> in Erkl\u00e4rungsn\u00f6te gebracht.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie das Gerichtsverfahren enden wird, d\u00fcrfte der Prozess als solcher erneut die internationale Aufmerksamkeit auf den Zustand der Presse- und Meinungsfreiheit in Europa richten. Die <em>OAZ<\/em> res\u00fcmiert: &#8222;Im Kern geht es um die Frage, ob ein Journalist seinen Arbeitsplatz verlieren darf, weil er eine politisch unbequeme Frage gestellt hat.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/261098-wer-kritisch-fragt-wird-verbannt-der-eu-eklat-um-einen-italienischen-journalisten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wer kritisch fragt, wird verbannt: Der EU-Eklat um einen italienischen Journalisten<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v6z6vkm\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der italienische Journalist Gabriele Nunziati arbeitete bis Oktober 2025 f\u00fcr die Nachrichtenagentur Agenzia Nova, die ihm nach einer kritischen Frage an die EU-Kommission gek\u00fcndigt hatte. 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