{"id":7983,"date":"2026-06-07T10:18:03","date_gmt":"2026-06-07T08:18:03","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/als-tankstelle-verspottet-russlands-wirtschaft-ueberrascht-den-westen\/"},"modified":"2026-06-07T10:18:03","modified_gmt":"2026-06-07T08:18:03","slug":"als-tankstelle-verspottet-russlands-wirtschaft-ueberrascht-den-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/als-tankstelle-verspottet-russlands-wirtschaft-ueberrascht-den-westen\/","title":{"rendered":"Als &#8222;Tankstelle&#8220; verspottet \u2013 Russlands Wirtschaft \u00fcberrascht den Westen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Kirill Strelnikow<\/em><\/p>\n<p>Nicht alle Angeh\u00f6rigen von Spezialeinheiten erkennt man an Kevlar-Ausr\u00fcstung und Tarnkleidung \u2013 einige von ihnen tragen graue Einreiher, und von ihnen erwartet man weder gewagte Vorst\u00f6\u00dfe noch W\u00fcrgegriffe.<\/p>\n<p>Der russische Finanzminister Anton Siluanow, der \u00f6ffentliche Auftritte eher meidet, gab k\u00fcrzlich ein Interview, das einen wichtigen Gedanken sehr deutlich macht: Russland ist derzeit nicht nur in einen gro\u00df angelegten bewaffneten Konflikt verwickelt, sondern f\u00fchrt faktisch auch einen Weltkrieg \u2013 allerdings auf wirtschaftlicher Ebene. Und es ist keineswegs gesagt, dass diese zweite Front weniger wichtig ist.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick wirkte Siluanows Interview eher zur\u00fcckhaltend und erwartbar: Russland halte durch; der Jahresbeginn sei schwierig gewesen; angesichts steigender Staatsausgaben und eines Haushaltsdefizits seien mehr &#8222;Ma\u00dfhalten&#8220; und h\u00f6here Effizienz n\u00f6tig; zudem seien Ma\u00dfnahmen zur St\u00e4rkung der Einnahmenseite beschlossen worden.<\/p>\n<p>In Siluanows sachlicher Darstellung haben viele jedoch zwei entscheidende Punkte \u00fcbersehen, von denen einer ohne \u00dcbertreibung als Sensation bezeichnet werden kann.<\/p>\n<p>Erstens betonte der russische Finanzminister mehrfach, dass die Regierung laufend und umfassend daran arbeite, die Stabilit\u00e4t und Ausgewogenheit der Staatsfinanzen zu erh\u00f6hen. Auf welche Weise? Und hier ist die entscheidende Stelle: &#8222;Das Finanzministerium hat Gesetzesvorschl\u00e4ge vorbereitet, die darauf abzielen, die reibungslose Erf\u00fcllung der Haushaltsverpflichtungen unabh\u00e4ngig von \u00e4u\u00dferen Faktoren sicherzustellen.&#8220; Zugleich &#8222;d\u00fcrfte man kaum mit einer deutlichen Verbesserung der Lage und einer Senkung der entsprechenden Ausgaben in naher Zukunft rechnen.&#8220;<\/p>\n<p>In einfacher Sprache ausgedr\u00fcckt: Zus\u00e4tzliche Einnahmen durch die \u00d6l- und Gaskrise im Nahen Osten sind zwar erfreulich. Aber was heute da ist, kann morgen wieder weg sein, und unt\u00e4tig herumsitzen k\u00f6nnen und werden wir nicht. Au\u00dferdem besteht die M\u00f6glichkeit, dass der \u00e4u\u00dfere Druck weiter zunimmt und die Lage an der Front jederzeit besondere Entscheidungen erforderlich machen kann. Die Haltung der russischen Regierung im Allgemeinen und des Finanzministeriums im Besonderen ist kurz-, mittel- und langfristig maximal konservativ: eine Politik, die es unter allen Umst\u00e4nden erlaubt, die sozialen Verpflichtungen zu erf\u00fcllen sowie die Verteidigung und Sicherheit des Landes zu gew\u00e4hrleisten. Alles Weitere wird daraufhin analysiert, &#8222;welchen wirtschaftlichen Nutzen es bringt, ob Ergebnisse erzielt werden und wie es sich letztlich auf das Wohlergehen der Menschen auswirkt&#8220;.<\/p>\n<p>Und der wichtigste Punkt: Anton Siluanow teilte mit, dass der Anteil der Einnahmen, die nicht aus dem \u00d6l- und Gasgesch\u00e4ft stammen, im russischen Haushalt kontinuierlich w\u00e4chst \u2013 inzwischen machen sie fast 80 Prozent des Bundeshaushalts und rund 90 Prozent des konsolidierten Gesamthaushalts aus. Das ist ein historischer H\u00f6chststand. Vor gerade einmal zehn Jahren machten die \u00d6l- und Gaseinnahmen noch mehr als die H\u00e4lfte des Staatshaushalts\u00a0(!) aus.<\/p>\n<p>Das l\u00e4uft auf eine einfache Feststellung hinaus: Nicht nur der Staatshaushalt hat sich transformiert \u2013 die gesamte russische Wirtschaft ist von Grund auf neu aufgestellt worden.<\/p>\n<p>Diese Tatsache ging v\u00f6llig unter im Dauergeschrei f\u00fchrender \u00d6konomen und echter Akademiker, die uns einreden wollten, die wirtschaftliche Lage sei katastrophal und ausweglos, das Haushaltsdefizit explodiere, der Westen werde unsere Wirtschaft endg\u00fcltig ruinieren und all dergleichen mehr.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit aber starren wir mit staunenden Gesichtern durch die Glasscheibe, hinter der sich ein wahres Wunder vollzieht: Vor dem Hintergrund historisch beispielloser Beschr\u00e4nkungen und Sanktionen (und gewaltiger Milit\u00e4rausgaben) gelingt es unserer Wirtschaft, diesen Schwierigkeiten nicht nur standzuhalten, sondern sogar zu wachsen. Zwar schrumpfte das BIP im ersten Quartal dieses Jahres um ein halbes Prozent, doch f\u00fcr das zweite Quartal wird ein Plus von einem Prozent erwartet.<\/p>\n<p>Was das &#8222;katastrophale&#8220; russische Haushaltsdefizit betrifft, von dem einem ja &#8222;die Haare zu Berge stehen und das Blut in den Adern gefriert&#8220; \u2013 werfen wir doch einen Blick auf die f\u00fchrenden Volkswirtschaften der Welt, die nicht unter Sanktionen stehen und wo &#8222;Elon Musk zusammen mit Apple im Wochentakt zum Mond fliegt&#8220;.<\/p>\n<p>Bei den anderen Volkswirtschaften\u00a0sind allerdings keine &#8222;biblischen&#8220; Wirtschaftswunder zu beobachten. Die USA haben ein Staatsdefizit von sechs Prozent, China von vier, Deutschland von drei, Indien von rund sechs, Gro\u00dfbritannien von f\u00fcnfeinhalb, Frankreich und Italien jeweils von vier Prozent.<\/p>\n<\/p>\n<p>Russland weist dagegen ein Haushaltsdefizit von gerade einmal zweieinhalb Prozent des BIP auf (die Tr\u00fcmmer dieser &#8222;Tankstelle&#8220; fliegen also pfeifend um die Welt).<\/p>\n<p>Hat unsere Wirtschaft Schwierigkeiten und Probleme? Nat\u00fcrlich. Dar\u00fcber spricht der russische Finanzminister h\u00f6chstpers\u00f6nlich Klartext, v\u00f6llig unverbl\u00fcmt und mit konkreten Zahlen untermauert \u2013 Verschw\u00f6rungstheorien sind hier v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Haben unsere Regierung und das Finanzministerium eine Vorstellung davon, wie diesen Problemen zu begegnen ist? Ja. Es gibt einen klaren Handlungsplan, der auf die Zukunft ausgerichtet ist, und stets einen Plan B.<\/p>\n<p>Dies l\u00f6st bei unseren Feinden, Gegnern und selbst unseren &#8222;Fast-Partnern&#8220; starken \u00c4rger aus. So wird etwa im j\u00fcngsten Bericht der US-Geheimdienste an den Kongress mit Bedauern festgestellt: &#8222;Moskau ist dank der aufgebauten wirtschaftlichen Mechanismen in der Lage, den westlichen Sanktionen und Exportbeschr\u00e4nkungen standzuhalten.&#8220;<\/p>\n<p>Das best\u00e4tigt auch das Portal <em>EU Perspectives<\/em>: &#8222;Die russische Wirtschaft hat sich als weitaus widerstandsf\u00e4higer erwiesen, als viele Analysten es 2022 vorhergesagt hatten. Die Sanktionen haben die russische Wirtschaft nicht zum Einsturz gebracht. [\u2026] Sie ver\u00e4ndern ihre Struktur.&#8220;<\/p>\n<p>In einem aktuellen Bericht der Sorbonne Alliance (Frankreich) mit dem bezeichnenden Titel &#8222;Warum Russland so widerstandsf\u00e4hig gegen Sanktionen ist?&#8220; wird festgehalten, dass sich &#8222;nach fast vier Jahren das Bild einer umfassenden Resilienz ergibt: Die russische Wirtschaft hat bessere Ergebnisse erzielt, als allgemein erwartet worden war.&#8220;<\/p>\n<p>Tja, und wie konnte es nur dazu kommen? Man hat uns doch schon hundertmal totgesagt und zu Grabe getragen.<\/p>\n<p>Die Antwort darauf gab in ihrem aktuellen Analysebericht die Allianz SE (einer der gr\u00f6\u00dften Versicherer und Finanzkonzerne der Welt): &#8222;Eine starke Haushalts- und Industriepolitik [der Regierung \u2013 <em>Anm. d. Red<\/em>.] erlaubt es Russland, sich an die Sanktionen anzupassen und neue Handelspartner zu finden.&#8220;<\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass Herr Siluanow nicht pers\u00f6nlich am Hochofen in der Wechselschicht steht und auch nicht von morgens bis abends Getreide s\u00e4t \u2013 aber die ausl\u00e4ndischen Analysen zeigen: Zu den entscheidenden Faktoren des kleinen (wobei, nein \u2012 gro\u00dfen) russischen Wirtschaftswunders geh\u00f6ren Professionalit\u00e4t und Beharrlichkeit ganz konkreter Leute in ihren B\u00fcros.<\/p>\n<p>Ein Denkmal f\u00fcr einen Finanzbeamten in einer Komposition mit &#8222;Arbeiter und Kolchosb\u00e4uerin&#8220; wird es wohl nicht geben \u2012 aber das k\u00f6nnen wir irgendwie verkraften.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/ria.ru\/20260603\/rossiya-2096343201.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 3. Juni 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.<\/p>\n<p><\/em><strong>Mehr zum Thema <\/strong>\u2013 <a href=\"https:\/\/freedert.online\/russland\/280562-rubel-auf-rekordniveau-trumps-iran\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rubel auf Rekordniveau: Trumps Iran-Politik bleibt ohne Exit-Strategie in der Sackgasse stecken<\/a><em><br \/><\/em><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v783msq\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Kirill Strelnikow Nicht alle Angeh\u00f6rigen von Spezialeinheiten erkennt man an Kevlar-Ausr\u00fcstung und Tarnkleidung \u2013 einige von ihnen tragen graue Einreiher, und von ihnen erwartet man weder gewagte Vorst\u00f6\u00dfe noch W\u00fcrgegriffe. 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