{"id":7987,"date":"2026-06-07T11:06:58","date_gmt":"2026-06-07T09:06:58","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/parlamentswahlen-in-armenien-ein-land-zwischen-korridor-und-front-von-sabiene-jahn\/"},"modified":"2026-06-07T11:06:58","modified_gmt":"2026-06-07T09:06:58","slug":"parlamentswahlen-in-armenien-ein-land-zwischen-korridor-und-front-von-sabiene-jahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/parlamentswahlen-in-armenien-ein-land-zwischen-korridor-und-front-von-sabiene-jahn\/","title":{"rendered":"Parlamentswahlen in Armenien \u2013 Ein Land zwischen Korridor und Front | Von Sabiene Jahn"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Im S\u00fcdkaukasus verdichten sich die Konfliktlinien einer neuen Weltordnung. Washington dr\u00e4ngt mit der sogenannten Trump Route auf einen Transitkorridor zwischen Aserbaidschan, Armenien und der T\u00fcrkei. Br\u00fcssel wirbt mit europ\u00e4ischer Ann\u00e4herung, Moskau warnt vor strategischer Abkopplung und Teheran f\u00fcrchtet die Einkreisung seiner Nordgrenze. Armenien steht damit vor einer Wahl, die weit \u00fcber Parteipolitik hinausreicht. Bleibt das kleine christliche Land Vermittler zwischen Ost und West oder wird es in die Logik einer neuen Front gegen Russland hineingezogen? Armenien sucht seinen Platz in einer Ordnung, die gerade neu vermessen wird.<\/p>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Sabiene Jahn.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Armenien w\u00e4hlt am 7. Juni 2026 ein neues Parlament. Auf dem Papier geht es um Mandate, Parteien, Koalitionen und den politischen Fortbestand von Ministerpr\u00e4sident Nikol Paschinjan. Tats\u00e4chlich verhandelt diese Wahl jedoch die strategische Lage eines kleinen christlichen Landes zwischen T\u00fcrkei, Aserbaidschan, Iran und Russland, die Zukunft des S\u00fcdkaukasus, die westliche Route nach Zentralasien, den Zugriff auf Handels- und Energiekorridore und schlie\u00dflich die Frage, ob Armenien eine Br\u00fccke zwischen Russland und Europa bleiben kann oder zum Puffer einer neuen Frontlinie wird. Die OSZE f\u00fchrt f\u00fcr diese Wahl eine Beobachtungsmission, rund 100 Beobachter der Parlamentarischen Versammlung der OSZE sind im Einsatz. Damit ist bereits die formale Dimension dieses Urnengangs sichtbar. (1)<\/p>\n<p>Der deutsche Journalist Patrik Baab hat dazu am 5. Juni ein Gespr\u00e4ch mit Ashot Grigorian vorgelegt, einem armenischen Unternehmer, Kulturvermittler und Diaspora-Akteur mit Sitz in Bratislava. Grigorian ist Pr\u00e4sident des Forums der Armenischen Verb\u00e4nde Europas. Seine Rolle in der armenischen Gemeinde der Slowakei ist dokumentiert. Seine Aussagen sind parteilich, gepr\u00e4gt von armenischer Erfahrung, russlandnaher Sicherheitslogik und tiefer Skepsis gegen\u00fcber westlicher Geopolitik. Gerade deshalb sind sie relevant. Sie zeigen jenen Blick, der in westlichen Analysen h\u00e4ufig als St\u00f6rger\u00e4usch behandelt wird, obwohl er f\u00fcr viele Armenier existentiell klingt. (2)<\/p>\n<p>Armenien ist historisch mehr als ein postsowjetischer Kleinstaat. Es versteht sich als eine der \u00e4ltesten christlichen Kulturen der Welt. Die traditionelle Datierung der Christianisierung als Staatsreligion liegt im Jahr 301. Der Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich 1915\/16 pr\u00e4gt das politische Ged\u00e4chtnis bis heute. Das \u201eUnited States Holocaust Memorial Museum\u201c spricht von mindestens 664.000 bis m\u00f6glicherweise 1,2 Millionen Toten. Viele armenische Darstellungen nennen rund 1,5 Millionen Opfer. Diese Zahlen sind mehr als historische Statistik. Sie erkl\u00e4ren, weshalb die Fragen von Grenze, Schutzmacht, Nachbarschaft und Verrat in Armenien eine seelische Tiefenschicht ber\u00fchren, die westliche Strategiepapiere kaum erfassen. (3)<\/p>\n<p><strong>Schauplatz eines F\u00fcnfecks<\/strong><\/p>\n<p>Der aktuelle Konflikt verdichtet sich an einem Wort: Korridor. Die von den USA gest\u00fctzte \u201eTrump Route for International Peace and Prosperity\u201c, kurz TRIPP, soll Aserbaidschan \u00fcber den S\u00fcden Armeniens mit seiner Exklave Nachitschewan und weiter mit der T\u00fcrkei verbinden. In Washington wurde am 8. August 2025 ein Rahmenprozess angesto\u00dfen. Armenien und Aserbaidschan haben den Entwurf eines Friedensabkommens paraphiert. Der politische Vollzug bleibt jedoch an weitere Bedingungen gekn\u00fcpft. Das \u201eCarnegie Endowment for International Peace\u201c, ein in Washington ans\u00e4ssiger au\u00dfenpolitischer Thinktank, beschreibt TRIPP als zentralen Baustein einer neuen s\u00fcdkaukasischen Verbindungsarchitektur. \u201eReuters\u201c verweist darauf, dass Washington \u00fcber diese Route den westlichen Zugang nach Zentralasien st\u00e4rken will. (4)<\/p>\n<p>Paschinjan verkauft diese \u00d6ffnung als \u201eCrossroads of Peace\u201c, als Befreiung Armeniens aus der Isolation. Die Grenzen zur T\u00fcrkei und zu Aserbaidschan sind seit den fr\u00fchen 1990er Jahren geschlossen. Eine \u00d6ffnung h\u00e4tte \u00f6konomisches Gewicht. Armenien k\u00f6nnte aus seiner Binnenlage heraus neue Transit- und Handelsfunktionen entwickeln. Doch jede Karte hat eine zweite Lesart. Was in Br\u00fcssel und Washington als Konnektivit\u00e4t erscheint, wirkt aus Moskau und Teheran wie eine geopolitische Schneise. Der \u201eGuardian\u201c beschreibt Armenien inzwischen als Schauplatz eines F\u00fcnfecks aus Russland, USA, T\u00fcrkei, Europa und Aserbaidschan. (5)<\/p>\n<p>Grigorians Warnung setzt an dieser Stelle an. Er sieht in TRIPP weit mehr als ein Infrastrukturprojekt. Aus seiner Sicht verschiebt der Korridor milit\u00e4rische und politische Gewichte im gesamten S\u00fcdkaukasus. Er \u00f6ffnet eine Achse zwischen T\u00fcrkei, Aserbaidschan und Zentralasien, st\u00e4rkt den sogenannten Mittleren Korridor und schw\u00e4cht zugleich den russisch gepr\u00e4gten Nord-S\u00fcd-Korridor. Auch iranische Sicherheitsinteressen werden unmittelbar ber\u00fchrt. Grigorians drastischste These ist, dass Armenien bei einer einseitigen Westbindung seine Staatlichkeit gef\u00e4hrden k\u00f6nnte, weil es sich von jenen beiden Nachbarn entfernte, die ihm bisher den engsten strategischen R\u00fcckhalt gaben: Russland und Iran. (2)<\/p>\n<p>F\u00fcr westliche Strategen d\u00fcrfte Grigorians Warnung kaum r\u00e4tselhaft sein. Sie beschreibt genau jene Machtverschiebung, an der Washington, Br\u00fcssel und Ankara mit Korridorpolitik, Sicherheitskooperationen und Beitrittsversprechen arbeiten. Wer Armenien aus seiner russisch-iranischen Sicherheits- und Wirtschaftsbindung l\u00f6st, ver\u00e4ndert das Gleichgewicht des gesamten S\u00fcdkaukasus. Der materielle Kern seiner Einsch\u00e4tzung l\u00e4sst sich belegen. Armenien ist weiterhin eng mit Russland verflochten. \u201eReuters\u201c meldete, dass Armenien 2025 rund 82 Prozent seines Gases aus Russland bezog. Putin verwies im April darauf, Armenien zahle 177,50 Dollar pro 1.000 Kubikmeter, w\u00e4hrend die Preise in Europa deutlich h\u00f6her l\u00e4gen. Russland steht zugleich f\u00fcr etwa 35 Prozent des armenischen Au\u00dfenhandels, die EU f\u00fcr einen deutlich geringeren Anteil. Parallel erh\u00f6hte Moskau vor der Wahl den Druck. Es ging um Exportrestriktionen, Warnungen vor dem Verlust g\u00fcnstiger Energie und m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsunion. (6)<\/p>\n<p>Auch die Energiearchitektur bindet Armenien an Russland. Das Kernkraftwerk \u201eMetsamor\u201c arbeitet mit einem russischen VVER-440-Reaktor und liefert einen erheblichen Anteil des armenischen Stroms. Die russische Milit\u00e4rbasis 102 in Gjumri bleibt laut dem 2010 verl\u00e4ngerten Abkommen bis 2044 einer der hartn\u00e4ckigsten Bestandteile der russisch-armenischen Sicherheitsbeziehung. Wer Armenien aus der russischen Ordnung l\u00f6sen will, ber\u00fchrt damit Infrastruktur, Energie, Armee, Grenzen und Versorgung zugleich. (7)<\/p>\n<p>Die EU hat diesen Moment erkannt. Am 4. und 5. Mai 2026 fand in Jerewan erstmals ein EU-Armenien-Gipfel statt. Ant\u00f3nio Costa und Ursula von der Leyen vertraten die Europ\u00e4ische Union, Nikol Paschinjan die armenische Regierung. Auf der Agenda standen Energie, Transport, Digitalisierung, Sicherheit, der Frieden im S\u00fcdkaukasus und Visaerleichterungen. Bereits im April 2025 hatte Armenien ein Gesetz unterzeichnet, das den Prozess einer Ann\u00e4herung an die EU rechtlich er\u00f6ffnet. Paschinjan erkl\u00e4rte wiederholt, es handele sich um einen Integrationsprozess und noch um keinen formalen Beitrittsantrag. Genau in dieser L\u00fccke entsteht politische T\u00e4uschungsgefahr. Br\u00fcssel kann Ann\u00e4herung versprechen, Schutz jedoch kaum gew\u00e4hrleisten. (8)<\/p>\n<p>Der Vergleich mit Georgien liegt nahe. 2008 erhielt Georgien auf dem NATO-Gipfel von Bukarest eine Beitrittsperspektive, jedoch ohne klaren Zeitplan und ohne belastbare Sicherheitsgarantie. Wenige Monate sp\u00e4ter eskalierte der Krieg um S\u00fcdossetien. Der Westen lieferte politische Sympathie, Russland milit\u00e4rische Tatsachen. Armenien kennt diese Logik. Ein Staat kann in westlichen Reden bereits Teil des \u201efreien Europa\u201c sein und im Ernstfall doch allein auf dem Schlachtfeld stehen. (9)<\/p>\n<p>Der zweite Bruch liegt im Inneren. Paschinjan kam 2018 aus einer Protestbewegung an die Macht. Nach dem Krieg von 2020, dem Verlust Bergkarabachs 2023 und der Flucht von rund 100.000 Armeniern aus der Region wurde seine Regierung zum Symbol einer schmerzhaften Neuorientierung. F\u00fcr seine Anh\u00e4nger ist sie der Versuch, Realpolitik \u00fcber historische Romantik zu stellen. F\u00fcr seine Gegner ist sie Preisgabe armenischer Substanz. \u201eReuters\u201c beschreibt den Wahlkampf als Test f\u00fcr Paschinjans Friedenskurs mit Aserbaidschan und seine st\u00e4rkere Westbindung. Seine Regierungspartei \u201eZivilvertrag\u201c liegt in Umfragen vorn. Das Lager des russisch-armenischen Unternehmers Samwel Karapetjan folgt mit deutlichem Abstand. (10)<\/p>\n<p>Doch die demokratische Oberfl\u00e4che ist rau. Oppositionelle werfen Paschinjan autorit\u00e4re Methoden vor. Geistliche der Armenischen Apostolischen Kirche wurden seit 2025 in Verfahren wegen angeblicher Umsturzpl\u00e4ne verfolgt. Erzbischof Bagrat Galstanjan wurde mit weiteren Personen verhaftet. Samwel Karapetjan, russisch-armenischer Unternehmer und Unterst\u00fctzer kirchennaher Opposition, kam nach sechs Monaten Untersuchungshaft in Hausarrest. Die Beh\u00f6rden sprechen von Angriffen auf die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung. Kritiker sehen darin politisch motivierte Einsch\u00fcchterung. (11)<\/p>\n<p>Die Frage ist daher nicht nur, ob Paschinjan Armenien nach Westen f\u00fchren kann. Die eigentliche Frage lautet, ob er \u00fcberhaupt die staatsm\u00e4nnische Kraft besitzt, Armenien als Br\u00fccke zu erhalten. Eine solche Rolle verlangt mehr als Reformrhetorik und internationale Kontakte. Sie verlangt historisches Bewusstsein, R\u00fccksicht auf Diaspora, Kirche und Karabach-Trauma, Gespr\u00e4chsf\u00e4higkeit mit Russland und Iran sowie die F\u00e4higkeit, westliche Angebote anzunehmen, ohne das Land zur Verf\u00fcgungsmasse fremder Strategien zu machen. Genau daran bestehen erhebliche Zweifel. Paschinjans \u201eReal Armenia\u201c trennt den heutigen Staat von historischen Bindungen, die f\u00fcr viele Armenier Identit\u00e4tskern sind. Wer aber die eigene Diaspora, die Karabach-Erfahrung und die Apostolische Kirche politisch eind\u00e4mmt, kann schwerlich jene Br\u00fccke bauen, die Armenien zwischen Russland und Europa sein m\u00fcsste. (12)<\/p>\n<p>Grigorian geht weiter und erhebt einen besonders schweren Vorwurf gegen Paschinjan. Nach seiner Darstellung, gest\u00fctzt auf Quellen in armenischen Geheimdienstkreisen, habe Paschinjan wenige Monate nach seinem Amtsantritt Bergkarabach dem aserbaidschanischen Pr\u00e4sidenten Ilham Alijew f\u00fcr f\u00fcnf Milliarden Dollar angeboten. Der damalige Pr\u00e4sident von Belarus, Alexander Lukaschenko, und der damalige armenische Pr\u00e4sident Armen Sarkissjan h\u00e4tten das Gespr\u00e4ch nach Grigorians Angaben \u00fcber abgeh\u00f6rte Kan\u00e4le mitverfolgt. Alijew habe abgelehnt. Politisch w\u00e4re eine solche Offerte von erheblicher Bedeutung. Bergkarabach w\u00e4re damit von einer historischen, nationalen und sicherheitspolitischen Frage in eine Transaktionsfrage verwandelt worden. F\u00fcr Grigorian f\u00fcgt sich dieser Vorwurf in ein gr\u00f6\u00dferes Bild politischer Preisgabe ein. Karabach erscheint demnach als fr\u00fches Hindernis auf dem Weg zu einer neuen au\u00dfenpolitischen Linie, die Armenien n\u00e4her an den Westen, an Aserbaidschan und an die t\u00fcrkisch gepr\u00e4gte Korridorpolitik heranf\u00fchrt. (2)<\/p>\n<p><strong>Diaspora wurde aus Wahl herausgedr\u00e4ngt<\/strong><\/p>\n<p>Die Diaspora bildet einen wahlpolitischen Schl\u00fcssel, der in westlichen Deutungen auffallend blass bleibt. Armenien hatte die Auslandswahl einst zugelassen. Vor den \u00c4nderungen von 2007 konnten armenische Staatsb\u00fcrger, die im Ausland lebten oder sich dort aufhielten, an diplomatischen und konsularischen Vertretungen w\u00e4hlen. Diese M\u00f6glichkeit wurde mit den \u00c4nderungen vom 26. Februar 2007 gestrichen, im unmittelbaren Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung der doppelten Staatsangeh\u00f6rigkeit. Die Venedig-Kommission und OSZE\/ODIHR hielten damals fest, dass alle Bestimmungen zur Auslandswahl aus dem Wahlgesetz entfernt wurden und diese \u00c4nderung faktisch bestimmte armenische B\u00fcrger entrechtete. (13)<\/p>\n<p>Die politische Begr\u00fcndung war offen ausgesprochen. Parlamentspr\u00e4sident Tigran Torosian, ein f\u00fchrender Vertreter der regierenden Republikanischen Partei, erkl\u00e4rte im Februar 2007, das Schicksal der Republik Armenien solle in erster Linie von jenen entschieden werden, die die Probleme des Landes kennen und von ihnen betroffen sind. Das ist das klassische Argument gegen Diasporawahlrecht. Wer im Ausland lebt, tr\u00e4gt die unmittelbaren Folgen innenpolitischer Entscheidungen nur begrenzt. Doch gerade im armenischen Fall greift diese Logik zu kurz. Armenier im Ausland sind keine beliebige Exilgruppe. Sie sind Teil einer durch Genozid, Krieg, Arbeitsmigration und postsowjetische Verwerfungen zerstreuten Nation. Viele finanzieren Familien in Armenien, investieren, pflegen Eigentum, erhalten Sprache und Kirche, wirken politisch f\u00fcr armenische Anliegen und k\u00f6nnten unter anderen politischen Bedingungen selbst zur\u00fcckkehren. Wer sie wahlrechtlich auf Distanz h\u00e4lt, trennt Staatsvolk und nationale Gemeinschaft k\u00fcnstlich voneinander. (14)<\/p>\n<p>Zur Zeit dieser \u00c4nderung regierte Robert Kotscharjan, der zweite Pr\u00e4sident Armeniens. Er stammte selbst aus Karabach und verk\u00f6rperte eine Sicherheitselite, die eng mit der Karabach-Frage, der Republikanischen Partei und der russischen Schutzlogik verbunden war. Nach dem Tod von Ministerpr\u00e4sident Andranik Margaryan r\u00fcckte Serzh Sargsyan am 4. April 2007 an die Spitze der Regierung und wurde 2008 Pr\u00e4sident. Die Einschr\u00e4nkung des Auslandswahlrechts war also kein Projekt Paschinjans. Sie entstand in einem \u00e4lteren Machtgef\u00fcge, das die gro\u00dfe, schwer kontrollierbare Diaspora offenbar als politischen Unsicherheitsfaktor betrachtete. Genau deshalb erh\u00e4lt die Regelung 2026 eine neue Sch\u00e4rfe. Was damals dem Schutz der inneren Machtbalance diente, kann heute in einem geopolitischen Richtungskampf zugunsten jener Kr\u00e4fte wirken, die von einer geschw\u00e4chten Diasporabeteiligung profitieren. (15)<\/p>\n<p>Eine Regierung, die sich als demokratische Erneuerung Armeniens pr\u00e4sentierte, h\u00e4tte die faktische Ausgrenzung der Diaspora aus dem Wahlprozess an den Anfang ihrer Reformrhetorik stellen k\u00f6nnen. Genau das geschah nicht. Das \u201eOSW Centre for Eastern Studies\u201c beschreibt Paschinjans Projekt als St\u00e4rkung staatlicher Institutionen bei gleichzeitiger Eind\u00e4mmung des Einflusses der Diaspora, der Karabach-Bewegung und der Armenischen Apostolischen Kirche. Damit wird verst\u00e4ndlich, weshalb die alte Wahlrechtskonstruktion heute eine neue Funktion erh\u00e4lt. Sie schw\u00e4cht genau jene Kr\u00e4fte, die Paschinjans Westkurs, seine Normalisierung mit Aserbaidschan und der T\u00fcrkei sowie die L\u00f6sung Armeniens aus der russischen Sicherheitslogik am ehesten bremsen k\u00f6nnten. (12)<\/p>\n<p>Der westliche Kontext macht den Befund noch heikler. Die EU war in Armenien schon sehr fr\u00fch pr\u00e4sent. Der EU-Armenien-Aktionsplan im Rahmen der Europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik wurde im November 2006 gebilligt und zielte auf engere politische, wirtschaftliche, sicherheitsbezogene und kulturelle Beziehungen, auf institutionelle Reformen, europ\u00e4ische Normen und eine st\u00e4rkere \u00f6ffentliche Kommunikation \u00fcber die EU in Armenien. Das EU-Strategiepapier 2007 bis 2013 beschrieb ausdr\u00fccklich die F\u00f6rderung Armeniens auf dem Weg zu Demokratie und Marktwirtschaft, die Umsetzung des Aktionsplans und eine st\u00e4rkere politische und sicherheitspolitische Kooperation. (16)<\/p>\n<p>Der deutsche Anteil an dieser Entwicklung verdient besondere Aufmerksamkeit. 2006 regierte in Berlin die erste Gro\u00dfe Koalition unter Angela Merkel. Das Ausw\u00e4rtige Amt lag bei der SPD. Au\u00dfenminister war Frank-Walter Steinmeier, die Entwicklungszusammenarbeit f\u00fchrte Heidemarie Wieczorek-Zeul. Die EU-Armenien-Politik jener Jahre lief formal \u00fcber Br\u00fcssel, politisch jedoch mit deutscher Mitverantwortung. Als der EU-Armenien-Aktionsplan im November 2006 gebilligt wurde, waren EU-Schlagworte bereits Teil jener Sprache, mit der die Europ\u00e4ische Union ihre \u00f6stliche Nachbarschaft formte. (17)<\/p>\n<p>Ab 2014 wurde daraus auch ein direkter deutscher F\u00f6rderstrang. Wieder lag das Ausw\u00e4rtige Amt bei Frank-Walter Steinmeier. Das Ministerium startete das Programm zur Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den L\u00e4ndern der \u201e\u00d6stlichen Partnerschaft und Russland\u201c. Zu den Ziell\u00e4ndern geh\u00f6ren Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Moldawien, die Ukraine und Russland. Gef\u00f6rdert werden unter anderem Medien, Wissenschaft, Bildung, Jugend, Zivilgesellschaft, Resilienz gegen Desinformation und Ann\u00e4herung an die EU. Damit wurde Hilfe f\u00fcr die sogenannte Zivilgesellschaft zugleich zu einem au\u00dfenpolitischen Instrument. Unter diesem Begriff firmieren h\u00e4ufig professionell organisierte, politisch vernetzte NGOs, Medienprojekte, Bildungsinitiativen und Dialogformate, die weit \u00fcber klassische B\u00fcrgergesellschaft hinausreichen. Formal geschieht dies im Namen von Demokratie, Pluralismus und Verst\u00e4ndigung. Strategisch wirkt es in genau jenem postsowjetischen Raum, der Russland umgibt und in dem Armenien heute zwischen Br\u00fcssel, Washington und Moskau neu ausgerichtet werden soll. (18)<\/p>\n<p>Damit entsteht ein Widerspruch, der in den Wahlbeobachtungen viel zu wenig Gewicht erh\u00e4lt. Europ\u00e4ische Akteure sprechen von demokratischer Transformation, Pluralismus und europ\u00e4ischer Ann\u00e4herung. Zugleich wird eine Wahlrechtsordnung hingenommen, die Millionen armenischer Landsleute faktisch aus dem Wahlprozess dr\u00e4ngt. Formal kann ein Staat die Auslandswahl begrenzen. Politisch bleibt es ein schwerer Makel, wenn ein Land mit knapp drei Millionen Einwohnern einer Diaspora von etwa sieben Millionen Menschen nur symbolische Restzug\u00e4nge er\u00f6ffnet. Besonders schwer wiegt dies, weil die gr\u00f6\u00dfte armenische Gemeinschaft au\u00dferhalb Armeniens in Russland lebt. Sch\u00e4tzungen nennen dort etwa 2,5 Millionen Armenier, andere Quellen sprechen von 2 bis 2,5 Millionen oder mehr. Genau diese Gruppe k\u00f6nnte in einer Wahl \u00fcber EU-Kurs, russische Sicherheitsbindung und Korridorpolitik erhebliches Gewicht besitzen. (19)<\/p>\n<p>Diese Regelung blieb \u00fcber die vergangenen Wahlperioden hinweg bestehen. 2017, 2018 und 2021 konnten aus dem Ausland nur eng begrenzte Gruppen abstimmen, vor allem diplomatisches und milit\u00e4risches Personal samt Familien. Die Zahlen zeigen den Charakter dieser Ausnahme. 2017 wurden 747 elektronische Auslandsstimmen gez\u00e4hlt. 2018 waren es 504. 2021 gaben nur 500 von 650 registrierten W\u00e4hlern auf diplomatischen und milit\u00e4rischen Listen ihre Stimme ab. Von echter Diasporabeteiligung kann bei solchen Zahlen daher keine Rede sein. Es handelt sich um eine symbolische Rest\u00f6ffnung f\u00fcr staatliches Personal. F\u00fcr 2026 best\u00e4tigt OSZE\/ODIHR erneut, dass die Stimmabgabe aus dem Ausland auf diplomatisches und milit\u00e4risches Personal begrenzt bleibt. Alle anderen im Ausland lebenden Wahlberechtigten k\u00f6nnen nur teilnehmen, wenn sie am Wahltag pers\u00f6nlich in Armenien erscheinen. (20)<\/p>\n<p>Hinzu kommt eine weitere Filterwirkung, die den Ausschluss der Diaspora versch\u00e4rft. Der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Vahagn Hovakimyan, erkl\u00e4rte im M\u00e4rz 2026, armenische B\u00fcrger, die seit zehn Jahren oder l\u00e4nger im Ausland leben, fielen f\u00fcr die Parlamentswahl aus den W\u00e4hlerlisten heraus. Diese Regel habe die Zahl der Wahlberechtigten gegen\u00fcber 2021\/ 2022 um rund 200.000 reduziert. Formal l\u00e4sst sich das Wahlrecht durch die Erneuerung eines Identit\u00e4tsdokuments \u00fcber ein Konsulat wiederherstellen. Praktisch bleibt es eine erhebliche H\u00fcrde, vor allem f\u00fcr jene Armenier, die in Russland, Europa oder den USA leben, famili\u00e4r und wirtschaftlich eng mit Armenien verbunden sind. Damit entsteht neben dem fehlenden Auslandswahlrecht ein zweiter Filter. Wer lange im Ausland lebt, wird aus dem aktiven Wahlk\u00f6rper herausgedr\u00e4ngt, obwohl er weiterhin Teil der armenischen Nation bleibt. (21)<\/p>\n<p><strong>Der Preis fremder Gro\u00dfmachtlogik<\/strong><\/p>\n<p>So entsteht der Verdacht einer doppelten Buchf\u00fchrung. Wenn westliche Regierungs- und Geheimdienstquellen gegen\u00fcber \u201eReuters\u201c \u00fcber angebliche russische Pl\u00e4ne berichten, russlandbasierte Armenier zur Wahl nach Armenien zu bringen, erscheint die Mobilisierung dieser B\u00fcrger als Einflussnahme. (4) Wenn dieselben B\u00fcrger seit 2007 aus dem Ausland heraus kaum Zugang zur Stimmabgabe haben, wird dies als technische Wahlrechtsfrage behandelt. An origin\u00e4r europ\u00e4ischen demokratischen Standards gemessen reicht das kaum aus. Eine Wahl kann sauber ausgez\u00e4hlt und zugleich politisch verzerrt sein, wenn ein erheblicher Teil des betroffenen Staatsvolks nur unter hohen praktischen H\u00fcrden teilnehmen kann. Im Fall Armeniens wirkt diese Konstruktion wie ein eingebauter Filter: Die Diaspora bleibt nationale Ressource, wirtschaftliche St\u00fctze und moralische Berufungsinstanz, aber an der Wahlurne wird sie zur St\u00f6rgr\u00f6\u00dfe. (22)<\/p>\n<p>Ashot Grigorian sieht Paschinjans EU-Kurs deshalb weniger als Ausdruck eines armenischen Volkswillens denn als Projekt einer F\u00fchrung, die ihre eigene Zukunft an Br\u00fcssel, Washington und f\u00fchrende europ\u00e4ische Hauptst\u00e4dte gebunden hat. Seine Deutung ist hart &#8211; Paschinjan handle aus pers\u00f6nlichem politischem Nutzen, eng vernetzt mit Emmanuel Macron, Friedrich Merz und Keir Starmer, unter zus\u00e4tzlichem Druck aus Washington. Der europ\u00e4ische Traum erscheint in dieser Lesart als Instrument. Er soll eine Bev\u00f6lkerung ansprechen, die auf Visaerleichterungen, Investitionen und westliche Anerkennung hofft, w\u00e4hrend die strategische Rechnung l\u00e4ngst woanders gemacht wird: Bei Korridoren, Sicherheitsbindung, Abkopplung von Russland und der Einbindung Armeniens in eine neue Frontstellung. (2) (23)<\/p>\n<p>Grigorian beschreibt die zeitliche Dimension dieser Strategie drastisch. F\u00fcr Armenien spricht er von Monaten, h\u00f6chstens einem Jahr, bis das Land milit\u00e4risch dem Westen untergeordnet w\u00e4re. F\u00fcr Russland nennt er einen l\u00e4ngeren Horizont, vielleicht f\u00fcnf Jahre. Gemeint ist eine gestaffelte strategische Erosion. Armenien w\u00e4re wegen seiner Gr\u00f6\u00dfe, Binnenlage, wirtschaftlichen Abh\u00e4ngigkeiten und milit\u00e4rischen Verwundbarkeit sehr schnell in die westliche Korridor- und Sicherheitslogik eingespannt. (2)<\/p>\n<p>An diesem Punkt kippt die Korridorfrage endg\u00fcltig von der Handels- in die Sicherheitslogik. Grigorian spricht davon, Washington wolle in Armenien eine NATO-Basis errichten. Die Provokation liegt auf der Hand. In Gjumri befindet sich seit Jahrzehnten die russische Milit\u00e4rbasis 102, eines der festesten Elemente der armenisch-russischen Sicherheitsarchitektur. Ihr Stationierungsabkommen wurde bis 2044 verl\u00e4ngert. W\u00fcrde Armenien k\u00fcnftig westliche Milit\u00e4rinfrastruktur auf seinem Gebiet zulassen, betr\u00e4fe das den s\u00fcdlichen Sicherheitsg\u00fcrtel Russlands, die iranische Nordgrenze und den gesamten Raum zwischen Schwarzem Meer, Kaspischem Meer und Zentralasien. F\u00fcr Moskau w\u00e4re dies kaum anders zu lesen als der Versuch, den russischen St\u00fctzpunkt politisch zu entwerten und Armenien milit\u00e4risch umzupolen. (2) (7)<\/p>\n<p>Grigorians Stimme ist deshalb wertvoll, weil sie eine andere L\u00f6sung formuliert: Armenien als Br\u00fccke. Er beschreibt sich kulturell als Europ\u00e4er, politisch als Freund Russlands, armenisch als Vertreter eines Volkes, das in der Geschichte den Preis fremder Gro\u00dfmachtlogik bezahlt hat. Seine Einsch\u00e4tzung, \u201eWir Armenier sind Europ\u00e4er und wir sind absolute Freunde Russlands. Es gibt nur einen Weg, einen Dritten Weltkrieg zu verhindern: Europa muss mit Russland reden. Und wir Armenier k\u00f6nnen dabei helfen\u201c, verdient Aufmerksamkeit. (2)<\/p>\n<p><strong>Spiel mit der Eskalationslogik<\/strong><\/p>\n<p>Das ist der Gedanke, den Europa l\u00e4ngst aufgegeben hat. \u201eBr\u00fccke\u201c klingt schwach, \u201eFront\u201c hingegen klingt entschlossen. Dialog gilt als Naivit\u00e4t, Korridor als Fortschritt und Aufr\u00fcstung als Verantwortung. Genau diese Umwertung macht kleine Staaten gef\u00e4hrlich verwundbar. Wer Armenien helfen will, m\u00fcsste seine Neutralit\u00e4t, seine wirtschaftliche Mehrfachbindung, seine religi\u00f6se und historische Eigenart, seine Diaspora und seine Sicherheitslage respektieren.<br \/>Die EU m\u00fcsste aus der Ukraine, aus Georgien und aus den Verwerfungen der \u00d6stlichen Partnerschaft gelernt haben, dass geopolitische Verschiebungen an Russlands Rand keine technokratischen Erweiterungsprojekte sind. Doch Br\u00fcssel zieht aus diesen Erfahrungen keine erkennbare Konsequenz. Erneut werden historische Bindungen, regionale Verwundbarkeiten und elementare Sicherheitsinteressen \u00fcbergangen, als lie\u00dfe sich ein alter Kulturraum nach den Pl\u00e4nen westlicher Strategen neu vermessen. Die Provokation einer milit\u00e4rischen Eskalation wird dabei offenkundig in Kauf genommen, diesmal im S\u00fcdkaukasus und auf dem R\u00fccken Armeniens. Was als europ\u00e4ische Wertepolitik auftritt, wirkt l\u00e4ngst wie die Getriebenheit einer imperialen Machtmaschine. R\u00fccksichtslos, selbstgerecht und unf\u00e4hig, die V\u00f6lkergemeinschaften des Kontinents in ihrer gewachsenen Ordnung zu achten. (16) (18)<\/p>\n<p>Aserbaidschan zeigt, wie viel Kraft eine solche Balancepolitik verlangt. Baku ist ein Beispiel f\u00fcr machtpolitische Beweglichkeit. T\u00fcrkei, Israel, Russland, Iran, China, Zentralasien, USA und EU werden gegeneinander austariert. (24) Ein CNN-Bericht \u00fcber j\u00fcngste israelische Operationen auf aserbaidschanischem Gebiet zeigt jedoch, wie riskant diese Kunst geworden ist. (25) Wer mehreren Gro\u00dfm\u00e4chten zugleich Spielr\u00e4ume \u00f6ffnet, gewinnt Beweglichkeit, ger\u00e4t aber auch in die Gefahr, selbst zum Operationsraum fremder Konflikte zu werden. F\u00fcr Armenien w\u00e4re eine solche Rolle noch gef\u00e4hrlicher, weil das Land kleiner, verwundbarer und st\u00e4rker von Russland, Iran und seiner Diaspora abh\u00e4ngig ist. Eine totale Bindung an EU und USA w\u00fcrde das Problem versch\u00e4rfen. Armenien g\u00e4be seine bisherige Balance preis und liefe Gefahr, vom Br\u00fcckenstaat zum Operationsraum westlicher Interessen zu werden.<\/p>\n<p>Dass diese Politik international Vertrauen verliert, zeigte sich in New York. Deutschland scheiterte am 3. Juni 2026 mit seiner Kandidatur f\u00fcr einen nichtst\u00e4ndigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. In der Gruppe der westeurop\u00e4ischen und anderen Staaten gingen die beiden Sitze an Portugal und \u00d6sterreich. Portugal erhielt 134 Stimmen, \u00d6sterreich 131, Deutschland nur 104. F\u00fcr Berlin war dies mehr als eine diplomatische Niederlage. Es war ein Misstrauensvotum gegen eine Au\u00dfenpolitik, die von V\u00f6lkerrecht spricht, aber au\u00dferhalb des westlichen Lagers zunehmend als selektiv, lagergebunden und milit\u00e4risch aufgeladen wahrgenommen wird. (26)<\/p>\n<p>Au\u00dfenminister Johann Wadephul verwies trotz geheimer Abstimmung umgehend auf russische Gegenarbeit, ohne daf\u00fcr \u00f6ffentlich belastbare Belege vorzulegen. Zugleich r\u00e4umte er ein, Deutschlands Ukraine-Kurs und seine besondere Verantwortung gegen\u00fcber Israel k\u00f6nnten Stimmen gekostet haben. Und hier liegt die Pointe. Die Welt schaut auf Deutschland nicht mehr nur als Zahler und Bekenntnisstaat. Sie betrachtet Deutschland als Akteur mit doppelten Ma\u00dfst\u00e4ben. Wer in Gaza, in der Ukraine und nun im S\u00fcdkaukasus jeweils anders mit Souver\u00e4nit\u00e4t, Selbstbestimmung und Sicherheitsinteressen umgeht, verliert jene Glaubw\u00fcrdigkeit, die er als europ\u00e4ische F\u00fchrungsmacht beansprucht. Wer Armenien als Rampe gegen Russland, Iran oder China benutzt, degradiert einen alten christlichen Kulturstaat zur geopolitischen Verf\u00fcgungsmasse. (27)<br \/>Die Wahl am 7. Juni entscheidet daher \u00fcber mehr als Paschinjans Macht. Sie entscheidet \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Versprechen und Schutz, von Handelsroute und Souver\u00e4nit\u00e4t, von europ\u00e4ischer Sehnsucht und eurasischer Realit\u00e4t. Armenien braucht offene Wege, Handel, Reformen und Frieden mit seinen Nachbarn. Es braucht zugleich Schutz vor jener westlichen Gewohnheit, kleine L\u00e4nder in gro\u00dfe Konflikte hineinzuziehen und sie danach mit Solidarit\u00e4tsformeln zur\u00fcckzulassen.<br \/>Der S\u00fcdkaukasus ist kein Randgebiet. Er ist ein Scharnier zwischen Schwarzem Meer, Kaspischem Raum, Iran, Russland, T\u00fcrkei, Zentralasien und China. Wer dort eine neue Front baut, spielt mit einer Eskalationslogik, deren Folgen weit \u00fcber Armenien hinausreichen. Armenien kann Br\u00fccke sein. Als Frontstaat w\u00fcrde es zerrieben.<\/p>\n<p><strong>Prognosen gehen auseinander<\/strong><\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Ministerpr\u00e4sident ergibt sich erst aus der anschlie\u00dfenden Mehrheitsbildung. Im Zentrum steht Nikol Paschinjan mit seiner Regierungspartei \u201eZivilvertrag\u201c. Ihm gegen\u00fcber stehen vor allem \u201eStarkes Armenien\u201c um den russisch-armenischen Unternehmer Samwel Karapetjan, die \u201eArmenien-Allianz\u201c des fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten Robert Kotscharjan und \u201eBl\u00fchendes Armenien\u201c um Gagik Zaruikjan. OC Media beschreibt diese vier Lager als die entscheidenden Machtpole der Wahl.<\/p>\n<p>Samwel Karapetjan gilt politisch als zentrale Figur von \u201eStarkes Armenien\u201c und wurde von seinem Lager als m\u00f6glicher Ministerpr\u00e4sident pr\u00e4sentiert. Nach armenischem Verfassungsrecht steht dem jedoch seine zus\u00e4tzliche russische und zypriotische Staatsangeh\u00f6rigkeit entgegen. Formal f\u00fchrt deshalb sein Neffe Narek Karapetjan die Wahlliste. Samwel Karapetjan bleibt dennoch die politische Schwerkraft des B\u00fcndnisses. Diese Konstruktion zeigt, wie sehr die Wahl \u00fcber formale Listen hinaus von Personen, Netzwerken, Loyalit\u00e4ten und geopolitischen Bindungen gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p>Die Umfragen vor der Wahl zeigen ein deutlich schwankendes Bild. Reuters nennt kurz vor dem Urnengang f\u00fcr Paschinjans \u201eZivilvertrag\u201c je nach Erhebung etwa 24 bis 32 Prozent. \u201eStarkes Armenien\u201c liegt demnach bei etwa 6 bis 11 Prozent. Andere armenische beziehungsweise diasporische Darstellungen weisen teils deutlich h\u00f6here Werte f\u00fcr Paschinjans Partei aus und sehen auch Karapetjans Lager st\u00e4rker. Diese Spreizung ist politisch aufschlussreich. Sie verweist auf unterschiedliche Erhebungsmethoden und verschiedene Lager\u00f6ffentlichkeiten.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bildquelle: <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/g\/zulkarnaenart?ref=apolut.net\">zmotions<\/a> \/ shutterstock<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Der Beitrag erschien zuerst am 6.6.2026 auf <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/armenien-zwischen-korridor-und-front\/?ref=apolut.net\">Globalbridge<\/a>.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p><strong>Quellen und Anmerkungen (abgerufen am 6. Juni 2026):<\/strong><\/p>\n<p>(1) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/odihr.osce.org\/node\/662896?ref=apolut.net\">https:\/\/odihr.osce.org\/node\/662896<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.oscepa.org\/en\/news-a-media\/press-releases\/2026\/some-100-osce-pa-observers-to-deploy-for-parliamentary-elections-in-armenia?ref=apolut.net\">https:\/\/www.oscepa.org\/en\/news-a-media\/press-releases\/2026\/some-100-osce-pa-observers-to-deploy-for-parliamentary-elections-in-armenia<\/a><\/p>\n<p>(2) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/patrikbaab.substack.com\/p\/armenia-is-a-new-war-looming?ref=apolut.net\">https:\/\/patrikbaab.substack.com\/p\/armenia-is-a-new-war-looming<\/a><\/p>\n<p>(3) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/encyclopedia.ushmm.org\/content\/en\/article\/the-armenian-genocide-1915-16-overview?ref=apolut.net\">https:\/\/encyclopedia.ushmm.org\/content\/en\/article\/the-armenian-genocide-1915-16-overview<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.britannica.com\/event\/Armenian-Genocide?ref=apolut.net\">https:\/\/www.britannica.com\/event\/Armenian-Genocide<\/a><\/p>\n<p>(4) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/carnegieendowment.org\/research\/2026\/03\/rewiring-the-south-caucasus-tripp-and-the-new-geopolitics-of-connectivity?ref=apolut.net\">https:\/\/carnegieendowment.org\/research\/2026\/03\/rewiring-the-south-caucasus-tripp-and-the-new-geopolitics-of-connectivity<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/imported-voters-fake-websites-russias-covert-efforts-stop-armenias-pivot-west-2026-05-29\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/imported-voters-fake-websites-russias-covert-efforts-stop-armenias-pivot-west-2026-05-29\/<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/turkey-welcomes-strategic-transit-corridor-after-azerbaijan-armenia-peace-deal-2025-08-09\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/turkey-welcomes-strategic-transit-corridor-after-azerbaijan-armenia-peace-deal-2025-08-09\/<\/a><\/p>\n<p>(5) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2026\/may\/25\/armenia-election-crossroads-between-east-west?ref=apolut.net\">https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2026\/may\/25\/armenia-election-crossroads-between-east-west<\/a><\/p>\n<p>(6) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/russia-ups-pressure-armenia-ahead-sundays-election-2026-06-01\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/business\/russia-ups-pressure-armenia-ahead-sundays-election-2026-06-01\/<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/armenpress.am\/en\/article\/1251101?ref=apolut.net\">https:\/\/armenpress.am\/en\/article\/1251101<\/a><\/p>\n<p>(7) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/world-nuclear.org\/information-library\/country-profiles\/countries-a-f\/armenia?ref=apolut.net\">https:\/\/world-nuclear.org\/information-library\/country-profiles\/countries-a-f\/armenia<\/a>\u2028<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/daviscenter.fas.harvard.edu\/insights\/russian-military-base-armenia-eye-geopolitical-storm?ref=apolut.net\">https:\/\/daviscenter.fas.harvard.edu\/insights\/russian-military-base-armenia-eye-geopolitical-storm<\/a><\/p>\n<p>(8) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2026\/03\/26\/first-ever-eu-armenia-summit-to-take-place-on-4-and-5-may-2026\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2026\/03\/26\/first-ever-eu-armenia-summit-to-take-place-on-4-and-5-may-2026\/<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/asia-pacific\/armenia-adopts-law-launch-eu-accession-process-2025-04-04\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/asia-pacific\/armenia-adopts-law-launch-eu-accession-process-2025-04-04\/<\/a><\/p>\n<p>(9) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.nato.int\/en\/about-us\/official-texts-and-resources\/official-texts\/2008\/04\/03\/bucharest-summit-declaration?ref=apolut.net\">https:\/\/www.nato.int\/en\/about-us\/official-texts-and-resources\/official-texts\/2008\/04\/03\/bucharest-summit-declaration<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/researchbriefings.files.parliament.uk\/documents\/SN04819\/SN04819.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/researchbriefings.files.parliament.uk\/documents\/SN04819\/SN04819.pdf<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/casebook.icrc.org\/case-study\/georgiarussia-independent-international-fact-finding-mission-conflict-south-ossetia?ref=apolut.net\">https:\/\/casebook.icrc.org\/case-study\/georgiarussia-independent-international-fact-finding-mission-conflict-south-ossetia<\/a><\/p>\n<p>(10) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/armenias-election-test-pashinyans-peace-drive-after-war-defeat-2026-06-04\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/armenias-election-test-pashinyans-peace-drive-after-war-defeat-2026-06-04\/<\/a><\/p>\n<p>(11) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/armenia-arrests-archbishop-over-alleged-coup-plot-2025-06-25\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/armenia-arrests-archbishop-over-alleged-coup-plot-2025-06-25\/<\/a>\u2028<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/oc-media.org\/russian-armenian-tycoon-karapetyan-placed-under-house-arrest-following-six-month-detention\/?ref=apolut.net\">https:\/\/oc-media.org\/russian-armenian-tycoon-karapetyan-placed-under-house-arrest-following-six-month-detention\/<\/a><\/p>\n<p>(12) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.osw.waw.pl\/en\/publikacje\/osw-commentary\/2026-06-03\/armenia-ahead-election-between-russia-and-west?ref=apolut.net\">https:\/\/www.osw.waw.pl\/en\/publikacje\/osw-commentary\/2026-06-03\/armenia-ahead-election-between-russia-and-west<\/a><\/p>\n<p>(13) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/odihr.osce.org\/odihr\/elections\/armenia\/201231?ref=apolut.net\">https:\/\/odihr.osce.org\/odihr\/elections\/armenia\/201231<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/odihr.osce.org\/sites\/default\/files\/f\/documents\/4\/0\/201231.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/odihr.osce.org\/sites\/default\/files\/f\/documents\/4\/0\/201231.pdf<\/a><\/p>\n<p>(14) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/eurasianet.org\/armenia-allows-dual-citizenship-amid-controversy?ref=apolut.net\">https:\/\/eurasianet.org\/armenia-allows-dual-citizenship-amid-controversy<\/a><\/p>\n<p>(15) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/robertkocharyan.am\/en\/about\/biography?ref=apolut.net\">https:\/\/robertkocharyan.am\/en\/about\/biography<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.president.am\/en\/serzhsargsyan\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.president.am\/en\/serzhsargsyan\/<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.gov.am\/en\/news\/calendar\/2007\/04\/06\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.gov.am\/en\/news\/calendar\/2007\/04\/06\/<\/a><\/p>\n<p>(16) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.eeas.europa.eu\/sites\/default\/files\/armenia_enp_ap_final_en.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/www.eeas.europa.eu\/sites\/default\/files\/armenia_enp_ap_final_en.pdf<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.deutscharmenischegesellschaft.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/EU-Komission-COUNTRY-STRATEGY-PAPER-2007-2013-Armenia.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/www.deutscharmenischegesellschaft.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/EU-Komission-COUNTRY-STRATEGY-PAPER-2007-2013-Armenia.pdf<\/a><\/p>\n<p>(17) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/biografie\/frank-walter-steinmeier.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/biografie\/frank-walter-steinmeier.html<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bmz.de\/de\/ministerium\/geschichte\/chronik-minister?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bmz.de\/de\/ministerium\/geschichte\/chronik-minister<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/196242\/Kapitel_06_02_Zusammensetzung_der_Bundeskabinette_-_Namensliste.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/196242\/Kapitel_06_02_Zusammensetzung_der_Bundeskabinette_-_Namensliste.pdf<\/a><\/p>\n<p>(18) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/aussenpolitik\/europa\/erweiterung-nachbarschaft\/nachbarschaftspolitik\/zivilgesellschaft-projekte-oestliche-partnerschaft-301008?ref=apolut.net\">https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/aussenpolitik\/europa\/erweiterung-nachbarschaft\/nachbarschaftspolitik\/zivilgesellschaft-projekte-oestliche-partnerschaft-301008<\/a>\u2028<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/oepr.diplo.de\/?ref=apolut.net\">https:\/\/oepr.diplo.de\/<\/a><\/p>\n<p>(19) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/diasporafordevelopment.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/CF_Armenia-v.2.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/diasporafordevelopment.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/CF_Armenia-v.2.pdf<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.migrationpolicy.org\/article\/development-through-diversity-engaging-armenia%E2%80%99s-new-and-old-diaspora?ref=apolut.net\">https:\/\/www.migrationpolicy.org\/article\/development-through-diversity-engaging-armenia\u2019s-new-and-old-diaspora<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/armenpress.am\/en\/article\/515067?ref=apolut.net\">https:\/\/armenpress.am\/en\/article\/515067<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.1lurer.am\/en\/2026\/04\/24\/In-the-last-3%E2%80%934-years-20-000%E2%80%9325-000-compatriots-from-diaspora-have-become-citizens-of-Armenia-Hovha\/1502079?ref=apolut.net\">https:\/\/www.1lurer.am\/en\/2026\/04\/24\/In-the-last-3\u20134-years-20-000\u201325-000-compatriots-from-diaspora-have-become-citizens-of-Armenia-Hovha\/1502079<\/a><\/p>\n<p>(20) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/odihr.osce.org\/sites\/default\/files\/f\/documents\/6\/7\/328226.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/odihr.osce.org\/sites\/default\/files\/f\/documents\/6\/7\/328226.pdf<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/odihr.osce.org\/sites\/default\/files\/f\/documents\/b\/7\/413555.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/odihr.osce.org\/sites\/default\/files\/f\/documents\/b\/7\/413555.pdf<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/cdn.osce.org\/sites\/default\/files\/f\/documents\/5\/4\/502386_0.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/cdn.osce.org\/sites\/default\/files\/f\/documents\/5\/4\/502386_0.pdf<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/odihr.osce.org\/sites\/default\/files\/documents\/official_documents\/2026\/05\/ARM%20Parliamentary%202026_EOM_interim%20report_22.05.2026.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/odihr.osce.org\/sites\/default\/files\/documents\/official_documents\/2026\/05\/ARM Parliamentary 2026_EOM_interim report_22.05.2026.pdf<\/a><\/p>\n<p>(21) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/arminfo.info\/full_news.php?id=99178&amp;lang=3&amp;ref=apolut.net\">https:\/\/arminfo.info\/full_news.php?id=99178&amp;lang=3<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/panarmenian.net\/m\/eng\/news\/331478?ref=apolut.net\">https:\/\/panarmenian.net\/m\/eng\/news\/331478<\/a><\/p>\n<p>(22) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.venice.coe.int\/webforms\/documents\/default.aspx?pdffile=CDL-AD(2011)022-e&amp;ref=apolut.net\">https:\/\/www.venice.coe.int\/webforms\/documents\/default.aspx?pdffile=CDL-AD(2011)022-e<\/a><\/p>\n<p>(23) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.primeminister.am\/en\/press-release\/item\/2025\/05\/16\/Nikol-Pashinyan-meeting\/?ref=oc-media.org\">https:\/\/www.primeminister.am\/en\/press-release\/item\/2025\/05\/16\/Nikol-Pashinyan-meeting\/?ref=oc-media.org<\/a><\/p>\n<p>(24) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.cacianalyst.org\/publications\/analytical-articles\/item\/13899-azerbaijan-pushes-ahead-with-its-balancing-strategy.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.cacianalyst.org\/publications\/analytical-articles\/item\/13899-azerbaijan-pushes-ahead-with-its-balancing-strategy.html<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.ips.ac.rs\/publikacija.php?id=2858&amp;ref=apolut.net\">https:\/\/www.ips.ac.rs\/publikacija.php?id=2858<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/top-center.org\/js\/ckfinder\/userfiles\/files\/Azerbaijani%20Foreign%20Policy%20in%202025-%20Key%20Highlights%281%29.pdf?ref=apolut.net\">https:\/\/top-center.org\/js\/ckfinder\/userfiles\/files\/Azerbaijani Foreign Policy in 2025- Key Highlights(1).pdf<\/a>\u2028<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/energy\/turkey-plans-tanap-style-electricity-corridor-with-azerbaijan-minister-says-2026-06-01\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/business\/energy\/turkey-plans-tanap-style-electricity-corridor-with-azerbaijan-minister-says-2026-06-01\/<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/turkey-welcomes-strategic-transit-corridor-after-azerbaijan-armenia-peace-deal-2025-08-09\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/turkey-welcomes-strategic-transit-corridor-after-azerbaijan-armenia-peace-deal-2025-08-09\/<\/a><\/p>\n<p>(25) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2026\/06\/05\/middleeast\/azerbaijan-israel-iran-war-intl?ref=apolut.net\">https:\/\/edition.cnn.com\/2026\/06\/05\/middleeast\/azerbaijan-israel-iran-war-intl<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/oc-media.org\/israel-sent-troops-to-azerbaijan-during-iran-war-sources-tell-cnn\/?ref=apolut.net\">https:\/\/oc-media.org\/israel-sent-troops-to-azerbaijan-during-iran-war-sources-tell-cnn\/<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/eurasia\/azerbaijan-rejects-cnn-report-alleging-territory-used-for-operations-against-iran\/3957591?ref=apolut.net\">https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/eurasia\/azerbaijan-rejects-cnn-report-alleging-territory-used-for-operations-against-iran\/3957591<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20260605-azerbaijan-rejects-cnn-report-alleging-territory-used-for-operations-against-iran\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20260605-azerbaijan-rejects-cnn-report-alleging-territory-used-for-operations-against-iran\/<\/a><\/p>\n<p>(26) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/americas\/austria-portugal-trinidad-tobago-zimbabwe-elected-un-security-council-2026-06-03\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/americas\/austria-portugal-trinidad-tobago-zimbabwe-elected-un-security-council-2026-06-03\/<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.euronews.com\/my-europe\/2026\/06\/03\/germany-fails-to-gain-seat-on-un-security-council?ref=apolut.net\">https:\/\/www.euronews.com\/my-europe\/2026\/06\/03\/germany-fails-to-gain-seat-on-un-security-council<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.wsls.com\/news\/world\/2026\/06\/03\/portugal-and-austria-defeat-germany-for-seats-on-the-un-security-council\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.wsls.com\/news\/world\/2026\/06\/03\/portugal-and-austria-defeat-germany-for-seats-on-the-un-security-council\/<\/a>; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/media.un.org\/unifeed\/en\/asset\/d358\/d3582109?ref=apolut.net\">https:\/\/media.un.org\/unifeed\/en\/asset\/d358\/d3582109<\/a><\/p>\n<p>(27) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/germany-puts-brave-face-un-security-council-defeat-2026-06-03\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/germany-puts-brave-face-un-security-council-defeat-2026-06-03\/<\/a><\/p>\n<p><!--kg-card-begin: html--><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Im S\u00fcdkaukasus verdichten sich die Konfliktlinien einer neuen Weltordnung. 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