{"id":8045,"date":"2026-06-07T16:05:12","date_gmt":"2026-06-07T14:05:12","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/wolfram-weimer-schwurbelt-sich-ein-souffle\/"},"modified":"2026-06-07T16:05:12","modified_gmt":"2026-06-07T14:05:12","slug":"wolfram-weimer-schwurbelt-sich-ein-souffle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/wolfram-weimer-schwurbelt-sich-ein-souffle\/","title":{"rendered":"Wolfram Weimer schwurbelt sich ein Souffl\u00e9"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Wenn Wolfram Weimer dem <em>Spiegel<\/em> ein Interview gibt, ist das schon ein Ereignis. Allein, weil es eine Nachricht ist, dass das einstige &#8222;Sturmgesch\u00fctz der Demokratie&#8220; einen Minister so ernst nimmt, der eigentlich schon Monate nach Amtsantritt mit seiner Masche &#8222;Minister f\u00fcr 80.000 Euro&#8220; jede Reputation los war und danach als Hilfsbeamter des Verfassungsschutzes bei der Pr\u00e4mierung von Buchhandlungen endg\u00fcltig den Fremdschamwert einer Annalena Baerbock anpeilte.<\/p>\n<p>Und Weimer liefert. Kleidet aber seinen Dummfug immer wieder mal in eine Sprache, die dem <em>Spiegel<\/em>-Leser dabei das Gef\u00fchl vermittelt, er lese jetzt etwas besonders Geistreiches:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die AfD ist eine Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr Protest, ein Sehnsuchtsort f\u00fcr Disruption. Wenn es uns, der Politik und den relevanten gesellschaftlichen Milieus im Zentrum der Republik, gemeinsam gelingt, das Land zu reparieren, dann wird dieser Schmerzensausdruck, und nichts anderes ist das Wahlverhalten der AfD-W\u00e4hler, auch nachlassen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Welch eine Woge des Gef\u00fchls. &#8222;Sehnsuchtsort f\u00fcr Disruption&#8220; ist immerhin eine ausgesprochen noble Art und Weise, die Aussage &#8222;die Leute w\u00fcnschen sich Ver\u00e4nderung&#8220; zu formulieren, so mit einem Touch von Poststrukturalismus, mit Ankl\u00e4ngen von Psychoanalyse durch das Wort &#8222;Projektion&#8220;. Und dann diese h\u00fcbsche Art und Weise, den Leser einzubeziehen, der selbstverst\u00e4ndlich zu den &#8222;relevanten gesellschaftlichen Milieus im Zentrum der Republik&#8220; geh\u00f6ren m\u00f6chte, die da &#8222;reparieren&#8220; sollen. Und wie gut tut es, wenn der Schmerz nachl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Sagt Weimer in diesen S\u00e4tzen etwas? Dass das Protestw\u00e4hler seien, der Rest ist pseudointellektuelle, aufgeblasene Dekoration. Aber Propaganda hat er gelernt, der Weimer, wenigstens f\u00fcr das <em>Spiegel<\/em>-Publikum.<\/p>\n<p>Dann redet er vom &#8222;Defining Moment&#8220;. Und dann folgt ein balzendes Abrutschen in Umgangssprache, als er von der AfD als &#8222;die&#8220; redet. Ein klein wenig verr\u00e4terisch ist, dass er auf die Frage, was er von der AfD machtpolitisch lernen k\u00f6nne, erwidert, er halte &#8222;vieles von dem, was sie machen, f\u00fcr zersetzend.&#8220; Das mit der &#8222;Zersetzung&#8220; ist eigentlich auf der Tabuwortliste der deutschen Politik, auch wenn es hinter Vokabeln wie &#8222;Delegitimierung&#8220; immer wieder hervorscheint. Die Kombination aus &#8222;Zersetzung&#8220; und &#8222;Hetze&#8220; gibt in Summe astreines Nazisprech, doch zum Gl\u00fcck kennt das kaum jemand, und Weimer wird schon keiner einen Strick draus drehen wollen.<\/p>\n<p>Putzig ist auch diese Passage: &#8222;Wir stehen am Ende von sieben mageren Jahren, und diese Jahre waren nicht irgendeine Konjunkturdelle, sondern es waren heftige magere Jahre.&#8220; Also mal abgesehen davon, dass die Geschichte der sieben fetten und sieben mageren Jahre eine Staatslegitimationserz\u00e4hlung ist, in der es um Vorsorge im Interesse der Bev\u00f6lkerung geht \u2013 etwas, das man im heutigen Deutschland nicht einmal mehr buchstabieren kann \u2013, ist die Ansicht, da w\u00e4re irgendwas vorbei und jetzt w\u00fcrde es besser statt schlechter, ungef\u00e4hr so intelligent und wirklichkeitsnah wie die, die Energiesanktionen h\u00e4tten Russland geschadet und nicht Deutschland.<\/p>\n<p>Also gibt er zu, dass &#8222;Deutschland &#8230; in einem miserablen Zustand&#8220; ist. Was selbstverst\u00e4ndlich nichts mit der Politik zu tun hat. Und dann kommt er mit einer ganz tollen Metapher und vergleicht Deutschland mit einem Patienten auf dem OP-Tisch (und die Regierung Merz dann mit dem guten Chirurgen). Es brauche eben eine &#8222;pragmatische Politik des konzentrierten Zugriffs&#8220;, etwas schwer zu deuten, weil Zugriff eine Polizeivokabel ist. Und jetzt spritze eben das Blut.<\/p>\n<p>Das geht dann sogar dem kreuzbraven <em>Spiegel<\/em> zu weit, der darauf verweist, viele s\u00e4hen den Platz f\u00fcr Bundeskanzler Friedrich Merz eher in der Poststelle als am OP-Tisch.<\/p>\n<p>Und da schwingt sich Weimer dann zu Lobpreisungen auf. Muss ja, ist ja mit Merz befreundet. In Merz sehe man &#8222;einen echten Kanzler&#8220;, sozusagen einen reinkarnierten Bismarck. Der habe die Autorit\u00e4t, &#8222;Deutschland durch die Krise zu f\u00fchren&#8220;. Nett gesagt, nur hindurch ist nicht heraus, und wenn ich mir diese Bundesregierung als Arzt am OP-Tisch mit Deutschland als Patienten vorstelle, denke ich eher an illegale Organentnahmen als an irgendeine Form der Heilung.<\/p>\n<p>Die Migrationskrise habe die Regierung schon gel\u00f6st, meint er dann, dann m\u00fcsse sie noch &#8222;das Geh\u00e4use der Sicherheit neu bauen&#8220;, wegen des Russlandkriegs \u2013 da sitzt ihm ein Unternehmen Barbarossa irgendwie quer im Hals, scheint es \u2013 und &#8222;den Staat reformieren, die Sozialsysteme umbauen und den Aufschwung schaffen&#8220;.<\/p>\n<p>Was er auch ganz toll findet, ist die &#8222;Neukonstruktion der NATO unter deutscher F\u00fchrung&#8220;. Wie gesagt, Barbarossa, das war ja auch deutsche F\u00fchrung, das muss wohl so sein bei &#8222;Russlandkriegen&#8220;.<\/p>\n<p>Und \u00fcberhaupt werde die AfD &#8222;noch in dieser Legislaturperiode zusammenfallen wie ein Souffl\u00e9&#8220;. Ihr fehle &#8222;die moralische und intellektuelle Substanz&#8220;.<\/p>\n<p>Klar, die anderen Parteien sind gerade auch nicht so f\u00fcr Neuwahlen, also wird man sich irgendwie durchmogeln wollen, wenn die Koalition platzt; aber erwartet Weimer ernsthaft, dass dieses Merz-Spektakel noch l\u00e4nger als zwei Jahre h\u00e4lt?<\/p>\n<p>&#8222;Es herrscht doch offenbar selbst in der Koalition tiefe Verzweiflung \u00fcber den Zustand der Regierung&#8220;, merkte dann auch der <em>Spiegel<\/em> an. Und Weimer? Wirft nochmal &#8222;Defining Moment&#8220; in die Runde. Als besagte das irgendwas. Auch wenn als Angebot eigentlich nur die Beschw\u00f6rung geboten wird, wie bei einem Hexendoktor: &#8222;Wir brauchen nach sieben Jahren jetzt endlich einen Aufschwung.&#8220; G\u00fcnstiges Erdgas w\u00e4re da wohl wirkungsvoller als Weimersche Gebete.<\/p>\n<p>Aber Weimer ist Ideologe und sieht das Problem eher propagandistisch: &#8222;Die Mitte ist leitbildhaft unterzuckert&#8220;. Als w\u00e4re man nicht all die letzten Jahre Tag und Nacht eingetunkt worden in die Vorgaben, was nun als gut und richtig zu sehen sei, bis es aus den Ohren wieder herauslief. Bilder gibt es mehr als genug. Es ist die Wirklichkeit, die nicht gen\u00fcgt.<\/p>\n<p>Noch ein Satz, der eindeutig das Pr\u00e4dikat &#8222;Geschwurbel&#8220; verdient: &#8222;Das Geh\u00e4use der B\u00fcrgerlichkeit ist immer die Eigentlichkeit, nicht die M\u00f6glichkeit&#8220;. Wenn das hei\u00dfen sollte, dass man die Probleme realistisch sehen muss, dann w\u00e4ren wir wieder beim russischen Erdgas, aber was das wirklich hei\u00dfen soll? Wer wei\u00df. Hauptsache, der <em>Spiegel<\/em>-Leser ist beeindruckt. Wobei, bei den vielen &#8222;Geh\u00e4usen&#8220;, die Weimer da zusammenschwatzt \u2013 war einer seiner Vorfahren K\u00fcfer? Oder Weinbergschneckensammler?<\/p>\n<p>&#8222;Wir sind seit Jahrhunderten die Wissensnation der Welt, eine &#8218;Smart Nation&#8216; der Neugierigen und Bessermacher, weltoffene Kinder von Humanismus, Reformation und Aufkl\u00e4rung.&#8220; Ja, geht doch runter wie \u00d6l, oder? Wenn man mal von Deindustrialisierung und &#8222;Russlandkrieg&#8220; absieht, oder dem R\u00fcstungswahn, und dass da auch beim Migrationsproblem eigentlich gar nichts gel\u00f6st ist, wenn gerade mal der Zustrom etwas zur\u00fcckgeht, und das mit dem Aufschwung nichts wird, selbst wenn Weimer sich einen Lendenschutz umbindet und am Tegernsee rund um ein Lagerfeuer tanzt.<\/p>\n<p>Aber ja, wenn man ein abendliches Gespr\u00e4ch mit einem Minister f\u00fcr 80.000 Euro an irgendwelche eitlen Fatzken zu verkaufen gewohnt ist, dann muss man wissen, mit welchem Geschw\u00e4tz man so tun kann, als w\u00e4re man gebildet. In diesem Sinne ist Weimer der angemessene Nachfolger von Robert Habeck auf dem Posten des Dummschw\u00e4tzers, der am besten im Verfertigen von aufgeblasenem Nichts ist.<\/p>\n<p>Das sichert ihm wenigstens eine zweite Karrierechance, sollten ihm seine ganzen Peinlichkeiten irgendwann doch auf die F\u00fc\u00dfe fallen. Dann k\u00f6nnte er immer noch Tierfiguren aus Schlauchballons formen und auf Jahrm\u00e4rkten verkaufen, das m\u00fcsste ihm liegen.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2014\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/262017-medienbericht-merz-staatsminister-verkauft-abendessen-mit-kabinettsmitglieder-fuer-80000-euro\/\">Medienbericht: Merz-Staatsminister verkauft Abendessen mit Kabinettsmitgliedern f\u00fcr 80.000 Euro <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v70nm6y\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Wolfram Weimer dem Spiegel ein Interview gibt, ist das schon ein Ereignis. 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