{"id":8061,"date":"2026-06-07T18:05:38","date_gmt":"2026-06-07T16:05:38","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/sparkasse-gelsenkirchen-prozess-wegen-geknackter-schliessfaecher-beginnt-37499948-html-4\/"},"modified":"2026-06-07T18:05:38","modified_gmt":"2026-06-07T16:05:38","slug":"sparkasse-gelsenkirchen-prozess-wegen-geknackter-schliessfaecher-beginnt-37499948-html-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/sparkasse-gelsenkirchen-prozess-wegen-geknackter-schliessfaecher-beginnt-37499948-html-4\/","title":{"rendered":"Geknackte Schlie\u00dff\u00e4cher: Jetzt kommt der Sparkassen-Einbruch von Gelsenkirchen vor Gericht"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Es war ein filmreifer Coup mit hoher Millionenbeute. Gesch\u00e4digte Kunden verklagen jetzt die Gelsenkirchener Sparkasse \u2013 doch die wehrt sich<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Es geht um einen der gr\u00f6\u00dften Einbruchs-Coups der deutschen Kriminalgeschichte \u2013 und einen m\u00f6glicherweise dreistelligen Millionenschaden. Nach Weihnachten 2025 drangen Unbekannte in eine Gelsenkirchener Sparkassen-Filiale ein und r\u00e4umten mehr als 3000 Schlie\u00dff\u00e4cher aus. Kommende Woche, am 11. Juni, starten vor dem Essener Landgericht die ersten beiden Zivilprozesse, in denen gesch\u00e4digte Kunden volle Haftung von der Bank verlangen. Allein die erste Kl\u00e4gerin fordert fast 400.000 Euro.<\/p>\n<h2>Was ist passiert?<\/h2>\n<p>Am 29. Dezember 2025 um 3.58 Uhr gibt es bei der Feuerwehr Gelsenkirchen Brandalarm f\u00fcr die Sparkassenfiliale im Stadtteil Buer. Die Einsatzkr\u00e4fte finden aber keine brennende, sondern eine geknackte Bank. Unbekannte T\u00e4ter haben sich w\u00e4hrend der Weihnachtstage von einer Tiefgarage aus zun\u00e4chst Zugang zu einem Archivraum verschafft. Von da aus arbeiteten sie sich mit einem Spezialbohrer in den Tresorraum der Bank vor.<\/p>\n<p>Dort brachen sie rund 3100 Kundenschlie\u00dff\u00e4cher auf und verschwanden mit ihrer Beute. Die Polizei spricht zun\u00e4chst von einem Schaden im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Die H\u00f6he der Beute ist aber schwer zu sch\u00e4tzen, da der Inhalt der Schlie\u00dff\u00e4cher nur den Eigent\u00fcmern bekannt ist. Sie k\u00f6nnte auch wesentlich h\u00f6her liegen \u2013 m\u00f6glicherweise gar im deutlich dreistelligen Millionenbereich. Von den T\u00e4tern, die ihre Tat offensichtlich minuti\u00f6s vorbereitet hatten, gibt es auch nach fast einem halben Jahr keine hei\u00dfe Spur.<\/p>\n<h2>Wer sind die Kl\u00e4ger?<\/h2>\n<p>In den Schlie\u00dff\u00e4chern lagerten oft Schmuck, gr\u00f6\u00dfere Summen Bargeld und Gold. Die erste Kl\u00e4gerin hatte dort fast 400.000 Euro deponiert, die aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung stammten und ihre einzige Altersabsicherung darstelle. Sie sei nun mittellos, sagt ihr Anwalt. Noch kurz vor der Tat sei sie zusammen mit ihrer Tochter am Schlie\u00dffach gewesen. Diese k\u00f6nne bezeugen, dass das Geld im Fach war.<\/p>\n<\/p>\n<p>Beim zweiten Kl\u00e4ger war mehrfach in der Privatwohnung eingebrochen worden, bevor er auf das Bankschlie\u00dffach vertraute. Jetzt seien nicht nur seine teuren Goldm\u00fcnzen weg, sondern auch die Eheringe seiner Gro\u00dfeltern\u00a0\u2013 unersetzlicher Familienschmuck. Der gemeldete Schaden betrage fast 49.000 Euro. \u201eIch habe geheult vor Wut\u201c, sagte der 63-J\u00e4hrige bei einem Pressetermin.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr beide Kl\u00e4ger und f\u00fcr Hunderte weitere Gesch\u00e4digte, die ebenfalls vor Gericht ziehen wollen, galt: Die Haftung der Sparkasse ist laut dem Schlie\u00dffachvertrag auf 10.300 Euro beschr\u00e4nkt, falls nicht ausdr\u00fccklich zus\u00e4tzlicher Versicherungsschutz vereinbart wurde. Dagegen geht der Kl\u00e4geranwalt Daniel Kuhlmann vor. Mehrere Anwaltskollegen bereiten ebenfalls Verfahren vor, um h\u00f6here Entsch\u00e4digungen f\u00fcr ihre Mandanten zu erreichen. Viele Sparkassenkunden sind w\u00fctend\u00a0\u2013 sie f\u00fchlen sich um ihre Ersparnisse gebracht.\u00a0<\/p>\n<h2>Warum soll die Sparkasse zahlen?<\/h2>\n<p>Die Kl\u00e4ger fordern unbegrenzte Haftung und werfen der Sparkasse schwere Vers\u00e4umnisse bei der Sicherung des Tresorraums vor. Wegen ihres fahrl\u00e4ssigen Verhaltens hafte sie in vollem Umfang, sagt der Kl\u00e4geranwalt. Kuhlmann st\u00fctzt sich dabei auf ein von ihm beauftragtes Gutachten des renommierten Sicherheitsexperten Sascha Puppel aus Erkelenz. Demnach sei das Geld in der Bank nicht im \u201ebranchen\u00fcblichen Umfang nach dem Stand der Technik\u201c gesch\u00fctzt worden.\u00a0<\/p>\n<p>Kuhlmann zufolge w\u00e4re das etwa eine Video\u00fcberwachung in Tresorraum und Parkhaus, au\u00dferdem die Sicherung der Brandschutzt\u00fcr, \u00fcber die die T\u00e4ter in die Sparkassenr\u00e4ume gelangten. Er wirft der Bank vor, dass es offensichtlich auch keine regelm\u00e4\u00dfigen Patrouilleng\u00e4nge rund um den Tresorraum gegeben habe. Selbst nach einem ersten Feueralarm in der Sparkasse seien die T\u00e4ter unentdeckt geblieben\u00a0\u2013 die ebenfalls alarmierten Wachleute zogen wieder ab.\u00a0<\/p>\n<h2>Was sagt die Sparkasse?<\/h2>\n<p>Die Sparkasse weist die Vorw\u00fcrfe strikt zur\u00fcck. Im Vorfeld hatte sie immer wieder pauschal auf ihrem Standpunkt beharrt, dass der Tresor nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert gewesen sei. Presseanfragen nach Details zum Thema Sicherheit im Tresorraum blockte sie dabei monatelang ab. Kein Au\u00dfenstehender bekam den Raum zu sehen, nicht einmal die wenigen Kunden, deren F\u00e4cher nicht geknackt worden waren. Sie k\u00f6nnen sich ihr Eigentum zwar abholen, aber nicht im Tresorraum. Die Wertsachen werden unter notarieller Aufsicht herausgeholt und an einem anderen Ort \u00fcbergeben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sparkasse argumentiert au\u00dferdem, dass die Einbrecher Zehntausende Gegenst\u00e4nde aus den Schlie\u00dff\u00e4chern im Tresorraum zur\u00fcckgelassen haben\u00a0\u2013 darunter auch werthaltige Dinge. Die Zuordnung und R\u00fcckgabe an die rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzer ben\u00f6tige viel Zeit. Solange dies nicht abgeschlossen sei, k\u00f6nnten die Kl\u00e4ger gar nicht wissen, wie hoch ihr tats\u00e4chlicher Schaden sei. Es sei m\u00f6glich, dass die von ihnen als fehlend gemeldeten Wertsachen zum Teil oder vollst\u00e4ndig im Tresorraum zur\u00fcckgeblieben seien.<\/p>\n<h2>Was ist vom Prozess zu erwarten?<\/h2>\n<p>Es handelt sich um zwei Zivilprozesse. Es geht dabei \u201enur\u201c um Geld, nicht um Straftaten und ihre S\u00fchne\u00a0\u2013 schlie\u00dflich sind die T\u00e4ter noch fl\u00fcchtig. Am Anfang des Zivilprozesses steht eine G\u00fcteverhandlung. Der Vorsitzende Richter fragt die Bereitschaft zu einem Vergleich ab. Diese d\u00fcrfte angesichts der hohen Summen, die auf dem Spiel stehen, \u00e4u\u00dferst gering sein.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Anwalt Kuhlmann, der nach eigenen Angaben rund 650 Mandanten vertritt, m\u00f6chte am liebsten eine Musterl\u00f6sung erreichen, die dann ohne neue Prozesse auf seine anderen Mandanten \u00fcbertragen werden kann. Die Bereitschaft der Bank dazu d\u00fcrfte gering sein.<\/p>\n<p>Terminiert sind zwei Verhandlungen mit 30 Minuten Abstand hintereinander\u00a0\u2013 eine abschlie\u00dfende L\u00f6sung der komplexen Fragen scheint in der knappen Zeit unwahrscheinlich. Ob weitere Termine bestimmt werden, entscheidet das Gericht unter Leitung des Vorsitzenden.<\/p>\n<h2>Wie lange dauert das alles?<\/h2>\n<p>So unsicher der Ausgang der Verfahren auch ist\u00a0\u2013\u00a0eins scheint ziemlich klar: Es wird wohl Jahre dauern bis zu einer rechtskr\u00e4ftigen Entscheidung. Nach einem vergleichbaren Sparkassen-Einbruch im August 2021 dauerte es fast zwei Jahre, bis das Landgericht Hamburg zugunsten einer h\u00f6heren Kundenentsch\u00e4digung entschied. Damals hatten Einbrecher mehr 600 Schlie\u00dff\u00e4cher in Norderstedt bei Hamburg ausger\u00e4umt. Dann folgten Berufung, Gutachten und Gegengutachten. Erst Ende Mai dieses Jahres \u2013 also nach fast f\u00fcnf Jahren \u2013 hob das OLG die Landgerichtsentscheidung wieder auf. Gegen die Entscheidung ist keine Revision m\u00f6glich, der Prozess k\u00f6nnte aber trotzdem weitergehen: Der klagende Anwalt hat Nichtzulassungsbeschwerde angek\u00fcndigt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Es war ein filmreifer Coup mit hoher Millionenbeute. 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