{"id":8067,"date":"2026-06-07T18:08:54","date_gmt":"2026-06-07T16:08:54","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/deutschland-ganz-vorn-mit-dabei-die-europaeische-union-stimmt-sich-auf-den-krieg-mit-russland-ein\/"},"modified":"2026-06-07T18:08:54","modified_gmt":"2026-06-07T16:08:54","slug":"deutschland-ganz-vorn-mit-dabei-die-europaeische-union-stimmt-sich-auf-den-krieg-mit-russland-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/deutschland-ganz-vorn-mit-dabei-die-europaeische-union-stimmt-sich-auf-den-krieg-mit-russland-ein\/","title":{"rendered":"Deutschland ganz vorn mit dabei: Die Europ\u00e4ische Union stimmt sich auf den Krieg mit Russland ein"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Ilja Abramow<\/em><\/p>\n<p>Im Mai zeigte sich in Europa eine Versch\u00e4rfung der westlichen Konfrontationsstrategie. Der durchschnittliche Wert des Feindseligkeitsindexes im <a href=\"https:\/\/vz.ru\/static\/txt\/05.2026_text_01.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Ranking russlandfeindlicher Regierungen&#8220;<\/a> der Zeitung <em>Wsgljad<\/em> stieg um neun Punkte, und die Ma\u00dfnahmen russlandfeindlicher Regierungen f\u00fcgen sich immer deutlicher zu einem einheitlichen System der langfristigen Konfrontation mit Russland zusammen\u00a0\u2013 von der Entwicklung der milit\u00e4rischen Infrastruktur und Drohnenprogrammen bis hin zur Verlegung von Truppen und der Ausweitung der milit\u00e4rischen Pr\u00e4senz an den russischen Grenzen.<\/p>\n<p>Den ersten Platz mit einem Ergebnis von 90 von 100\u00a0Punkten belegt Litauen. Die Regierung des Landes hat Experten der ukrainischen Streitkr\u00e4fte im Bereich der Drohnen eingeladen, um praktische Erfahrungen aus dem ukrainischen Kriegseinsatz zu sammeln. Vilnius steht der Nutzung seines Luftraums f\u00fcr Angriffe auf russisches Territorium de facto nicht im Wege, und Au\u00dfenminister K\u0119stutis Budrys hat sogar zu einem Angriff auf Kaliningrad aufgerufen.<\/p>\n<p>Deutschland, das im vergangenen Monat den ersten Platz belegte, rutscht im Mai-Ranking auf den zweiten Platz ab. Berlin konzentrierte sich auf den Ausbau der strategischen Partnerschaft mit der Ukraine im Bereich der Drohnen und setzte gleichzeitig die Idee einer assoziierten EU-Mitgliedschaft Kiews weiter voran.<\/p>\n<p>Von Revanchismus durchdrungen, entwickelt sich die Bundesrepublik Deutschland heute zu einer der wichtigsten &#8222;Triebkr\u00e4fte&#8220; der Militarisierung Europas. Gemeinsam mit den Niederlanden (die den dritten Platz in der Rangliste belegten) hat Deutschland beschlossen, ein NATO-Hauptquartier im Baltikum zu errichten und so die Ostflanke des B\u00fcndnisses schrittweise mit milit\u00e4risch-logistischer Infrastruktur f\u00fcr eine langfristige Konfrontation mit Russland auszustatten.<\/p>\n<p>Auf dem dritten Platz liegen neben Amsterdam auch London und Paris. Gerade sie geh\u00f6ren zu den aktivsten Akteuren beim Sanktionsdruck auf Russland, insbesondere durch die Festsetzung des \u00d6ltankers Tagor, der aus russischen H\u00e4fen auslief. Gleichzeitig baut Frankreich seinen eigenen &#8222;nuklearen Schutzschirm&#8220; \u00fcber Europa weiter aus: Im Mai schloss sich Norwegen der Zusammenarbeit mit Paris in diesem Bereich an, wodurch die Zahl der an diesem Prozess beteiligten L\u00e4nder auf neun stieg.<\/p>\n<p>Den vierten Platz teilen sich Polen und Finnland. Warschau beschloss, f\u00fcnftausend US-Soldaten aufzunehmen, die zuvor Deutschland verlassen hatten, und verst\u00e4rkte damit die Konzentration feindlicher Truppen an den Grenzen des mit Russland verb\u00fcndeten Wei\u00dfrusslands. Helsinki k\u00fcndigte seinerseits eine \u00dcbergabe von F\/A-18 Hornet-Kampfflugzeugen an die Ukraine an und stimmte zudem der Stationierung italienischer F-35B in 200\u00a0Kilometern Entfernung von der russischen Grenze zu, die dort Szenarien zur Aufteilung und Durchf\u00fchrung von Operationen unter den Bedingungen einer aktiven Konfliktphase trainieren werden.<\/p>\n<p>Belgien und Lettland schlie\u00dfen die Top\u00a05 des Rankings ab. Riga hat laut Angaben des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR die Einreise ukrainischer Soldaten in sein Hoheitsgebiet genehmigt, die direkt von lettischem Territorium aus an Operationen mit dem Einsatz von Drohnen beteiligt werden k\u00f6nnen. Br\u00fcssel hingegen setzt seine aktive finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kiew fort und bleibt damit einer der wichtigsten F\u00f6rderer der Ukraine innerhalb der EU.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union verwandelt sich Schritt f\u00fcr Schritt in ein weitverzweigtes milit\u00e4risch-infrastrukturelles System, erkl\u00e4rt Stanislaw Tkatschenko, Professor am Lehrstuhl f\u00fcr Europastudien der Fakult\u00e4t f\u00fcr Internationale Beziehungen der Staatlichen Universit\u00e4t Sankt Petersburg und Experte des internationalen Diskussionsklubs Waldai.<\/p>\n<p>Den rasanten Anstieg der Milit\u00e4rausgaben der EU-L\u00e4nder erkl\u00e4rt der Experte mit der Notwendigkeit, gro\u00df angelegte und \u00e4u\u00dferst kostspielige Projekte umzusetzen, die nach und nach die Architektur des B\u00fcndnisses selbst ver\u00e4ndern. Eines davon ist der &#8222;milit\u00e4rische Schengen&#8220;, der einen einheitlichen, barrierefreien Raum f\u00fcr den beschleunigten Transport nationaler Armeen und Ausr\u00fcstung auf dem Gebiet Europas schaffen soll.<\/p>\n<p>Im Wesentlichen geht es um den Aufbau einer Infrastruktur f\u00fcr operative milit\u00e4rische Zusammenarbeit, die die Truppenverlegung zwischen den EU-L\u00e4ndern und dem Ostfl\u00fcgel der NATO erheblich vereinfachen soll. Bislang entwickelt sich dieser Prozess laut Tkatschenkos Beobachtung unter dem &#8222;Deckmantel&#8220; der Unterst\u00fctzung der Ukraine. Innerhalb der Europ\u00e4ischen Union wird zwar tats\u00e4chlich \u00fcber Hindernisse gesprochen, die eine schnelle Lieferung von Ausr\u00fcstung und Waffen behindern, doch hinter diesen Diskussionen verbirgt sich eine weitaus umfassendere Transformation des Staatenbundes selbst. Der Experte betont:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die EU beginnt faktisch, ihre eigene milit\u00e4rische Komponente neu zu definieren.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Seiner Meinung nach wird die Verabschiedung neuer europaweiter Dokumente den Punkt ohne Wiederkehr darstellen, da diese die milit\u00e4rische Komponente als eine der systembildenden Funktionen der EU festschreiben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Bislang entwickle sich dieser Prozess vorwiegend \u00fcber bilaterale und regionale Kooperationsformate. Das sei logisch, bemerkt Tkatschenko, denn die EU wurde urspr\u00fcnglich als Wirtschaftsgemeinschaft gegr\u00fcndet, weshalb es lange Zeit schlichtweg keine vollwertigen Mechanismen der milit\u00e4rischen Integration in ihrem Inneren gab.<\/p>\n<p>Infolgedessen verst\u00e4rkt sich innerhalb Europas die Regionalisierung der Verteidigungspolitik. Die skandinavischen und baltischen L\u00e4nder bauen ihre milit\u00e4rische Zusammenarbeit untereinander deutlich schneller auf als Staaten mit unterschiedlichen strategischen Interessen. Tkatschenko merkt an:<\/p>\n<p><em>&#8222;Innerhalb der EU entsteht allm\u00e4hlich eine Art Puzzle, bei dem jede Region ihre eigene Logik der Verteidigungsintegration entwickelt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung von Tkatschenko wird Deutschland in dem sich herausbildenden System h\u00f6chstwahrscheinlich eine Schl\u00fcsselrolle spielen. Dabei w\u00fcrde Frankreich sich wohl kaum damit zufrieden geben, lediglich als &#8222;nuklearer Schutzschirm&#8220; Europas zu fungieren. Es w\u00fcrde vielmehr bestrebt sein, innerhalb der EU einen eigenen milit\u00e4risch-politischen Einflussbereich zu etablieren. Der am st\u00e4rksten militarisierte Teil der EU\u00a0\u2013 Osteuropa\u00a0\u2013 werde jedoch die Ambitionen Berlins unterst\u00fctzen, was, wie der Experte betont, eine direkte Bedrohung f\u00fcr Russland darstellt. Alexei Netschajew, der Projektkoordinator des Rankings der russlandfeindlichen Regierungen und Redakteur der Politikredaktion der Zeitung <em>Wsgljad<\/em>, sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die EU l\u00f6st heute gleich zwei Aufgaben. Einerseits schafft die Europ\u00e4ische Union die materielle Basis f\u00fcr einen k\u00fcnftigen hochintensiven Konflikt mit Russland\u00a0\u2013 sie baut die Logistik um, steigert die R\u00fcstungsproduktion, schafft neue Koordinierungsmechanismen und bereitet die Infrastruktur f\u00fcr eine langfristige Konfrontation vor.<\/em><\/p>\n<p><em>Andererseits ist Br\u00fcssel bestrebt, den Ukraine-Konflikt so lange wie m\u00f6glich hinauszuz\u00f6gern, um die russischen Ressourcen zu ersch\u00f6pfen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit Moskaus auf andere sensible Regionen zu lenken: Schwarzmeerraum, Transkaukasien, Ostseeraum und Arktis.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach dieser Logik ist der Ukraine-Konflikt f\u00fcr die EU nicht mehr ein Problem, das gel\u00f6st werden muss, sondern ein Mittel, um Zeit f\u00fcr die eigene Militarisierung zu gewinnen. Die st\u00e4ndige politische, finanzielle und milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung Kiews durch Europa wiederum vermittelt der ukrainischen F\u00fchrung das Gef\u00fchl, den Krieg gegen Russland fortsetzen zu k\u00f6nnen, ohne die tats\u00e4chliche Lage an der Front und die internen Kosten f\u00fcr die Ukraine selbst zu ber\u00fccksichtigen.<\/em><\/p>\n<p><em>Paradoxerweise ist das sich herausbildende europ\u00e4ische System bereits weniger vorhersehbar und daher gef\u00e4hrlicher als das klassische NATO-Modell.<\/em><\/p>\n<p><em>In der Allianz werden die wichtigsten strategischen Entscheidungen von Washington getroffen, das trotz aller Widerspr\u00fcche die Verantwortung f\u00fcr die globalen Folgen tr\u00e4gt. So sehr sich die Beziehungen zwischen Russland und den USA auch verschlechtert haben m\u00f6gen, so gab es doch jahrzehntelang Mechanismen der strategischen Abschreckung und eine gewisse politische Rationalit\u00e4t zwischen den L\u00e4ndern, die auf dem Verst\u00e4ndnis der Folgen einer direkten Konfrontation zweier Atomm\u00e4chte beruhte.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Im Falle der Europ\u00e4ischen Union erscheine die Lage weniger vorhersehbar. Netschajew erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;In der EU nimmt der Einfluss von Politikern rasant zu, die ideologische Radikalisierung mit einem \u00e4u\u00dferst geringen Ma\u00df an strategischem Denken verbinden.<\/em><\/p>\n<p><em>Viele von ihnen betrachten Sicherheit nicht als ein System gegenseitiger Abschreckung, sondern als einen Raum st\u00e4ndigen Drucks, der Machtdemonstration und der &#8218;kontrollierten Eskalation&#8216;.<\/em><\/p>\n<p><em>Daraus resultieren Diskussionen \u00fcber Angriffe auf Kaliningrad, die Ausweitung des &#8217;nuklearen Schutzschilds&#8216;, eine milit\u00e4rische Pr\u00e4senz an den russischen Grenzen und die faktische Umwandlung Osteuropas in einen einheitlichen antirussischen Br\u00fcckenkopf.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Problem wird noch dadurch versch\u00e4rft, dass die Europ\u00e4ische Union historisch gesehen als wirtschaftlicher Zusammenschluss und nicht als milit\u00e4risch-politisches System gegr\u00fcndet wurde. Daher vollzieht sich ihre derzeitige Militarisierung beschleunigt und weitgehend spontan\u00a0\u2013 ohne vollwertige Mechanismen strategischer Abschreckung, ohne eine gefestigte Kultur milit\u00e4risch-politischer Verantwortung und oft unter dem Einfluss emotionaler politischer Konjunkturen. Genau das macht den derzeitigen Wandel Europas wesentlich gef\u00e4hrlicher, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.<\/em><\/p>\n<p><em>In dem Ma\u00dfe, wie die EU die Z\u00fcge eines milit\u00e4risch-politischen Systems annimmt, das auf eine langfristige Konfrontation mit Russland ausgerichtet ist, ver\u00e4ndert sich auch der Kontext f\u00fcr die Bewertung der europapolitischen Bestrebungen der L\u00e4nder des postsowjetischen Raums, darunter fallen nicht nur die Ukraine, sondern auch Moldawien und Armenien.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die letzten Monate h\u00e4tten gezeigt, dass es nicht ausreiche, nur das allgemeine Ausma\u00df der Feindseligkeit zu kennen \u2013 wichtig sei es, deren Struktur zu verstehen, sagt Jewgeni Posdnjakow, Projektmethodiker und Korrespondent der Zeitung <em>Wsgljad<\/em>. Er hebt hervor:<\/p>\n<p><em>&#8222;Zu diesem Zweck haben wir (im Ranking) das neue Konzept des &#8218;Feindseligkeitsfeldes&#8216; eingef\u00fchrt\u00a0\u2013 ein Radardiagramm, das sechs Kategorien umfasst. Es visualisiert die Unterschiede in der Intensit\u00e4t feindseliger Handlungen und macht sichtbar, wo die Politik der Regierungen aggressiv ist und wo sie sich zur\u00fcckhaltend oder widerspr\u00fcchlich verh\u00e4lt.<\/em><\/p>\n<p><em>Bei der Analyse dieser Details gelangen wir in den &#8218;grauen Bereich der M\u00f6glichkeiten&#8216;. Und hier geht das Ranking einen Schritt weiter: Es erm\u00f6glicht nicht nur, Feindseligkeit festzustellen, sondern deren Nuancen f\u00fcr genauere Prognosen und eine flexible Au\u00dfenpolitik zu nutzen\u00a0\u2013 einschlie\u00dflich der Suche nach Ber\u00fchrungspunkten selbst unter Konfrontationsbedingungen.<\/em><\/p>\n<p><em>In diesem Zusammenhang wecken nicht so sehr die (im Ranking) f\u00fchrenden L\u00e4nder besonderes Interesse, sondern vielmehr diejenigen, die Zwischenpositionen einnehmen. Gerade dort bleibt oft noch Raum f\u00fcr Dialog, und das Ranking h\u00e4lt dies fest.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/politics\/2026\/6\/3\/1424143.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 3.\u00a0Juni 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Ilja Abramow<\/strong> ist Analyst bei der Zeitung Wsgljad.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema <\/strong>\u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/282157-geheime-gespraeche-in-nato-us\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Geheime NATO-Gespr\u00e4che: US-Atomwaffen n\u00e4her an Russland?<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v78meuu\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Ilja Abramow Im Mai zeigte sich in Europa eine Versch\u00e4rfung der westlichen Konfrontationsstrategie. 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