{"id":8073,"date":"2026-06-07T18:19:58","date_gmt":"2026-06-07T16:19:58","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/russland-plant-aufstockung-seiner-reserven-um-eine-billion-rubel\/"},"modified":"2026-06-07T18:19:58","modified_gmt":"2026-06-07T16:19:58","slug":"russland-plant-aufstockung-seiner-reserven-um-eine-billion-rubel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/russland-plant-aufstockung-seiner-reserven-um-eine-billion-rubel\/","title":{"rendered":"Russland plant Aufstockung seiner Reserven um eine Billion Rubel"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p><strong><\/strong>Das Volumen des Nationalen Wohlstandsfonds (NWF) werde im Juni um 220\u00a0Milliarden Rubel steigen, und bis Ende\u00a02026 k\u00f6nnte die Aufstockung eine Billion Rubel erreichen, erkl\u00e4rte der russische Finanzminister Anton Siluanow im Rahmen des Internationalen Wirtschaftsforums in St.\u00a0Petersburg\u00a0(SPIEF). Alles h\u00e4nge jedoch vom durchschnittlichen \u00d6lpreis ab, f\u00fcgte er hinzu.<\/p>\n<p>Dabei lehnte Siluanow den Vorschlag ab, Fondsmittel in Rubel anzulegen. Eine solche Idee hatte in St.\u00a0Petersburg Alexei Mordaschow ge\u00e4u\u00dfert, der Vorsitzende des Ausschusses des Russischen Verbands der Industriellen und Unternehmer\u00a0(RSPP) f\u00fcr Handelspolitik und WTO-Fragen. Siluanow zufolge ergibt es keinen Sinn, Reserven in Rubel zu bilden, da R\u00fccklagen in Dollar\u00a0\u2013 wie fr\u00fcher\u00a0\u2013 und in Yuan\u00a0\u2013 wie heute\u00a0\u2013 dazu dienten, Wechselkursschwankungen des Rubels auszugleichen.<\/p>\n<p>Nikolai Dudtschenko, Analytiker bei der Finanzgruppe Finam, meint dazu:<\/p>\n<p><em>&#8222;Noch vor Beginn der milit\u00e4rischen Sonderoperation in der Ukraine wurde der US-Dollar in den Jahren 2020\/21 aus der Struktur des Nationalen Wohlstandsfonds ausgeschlossen. Au\u00dferdem wurde der Anteil von Euro und Pfund Sterling reduziert. Zugleich wurden neue Aktiva aufgenommen\u00a0\u2013 Yuan, Yen und Gold. Nach Beginn der milit\u00e4rischen Sonderoperation wurden die Restbest\u00e4nde in Pfund Sterling, Euro und Yen auf null gesetzt, w\u00e4hrend Yuan und Gold faktisch zur Grundlage des Fonds wurden.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der russische Finanzminister sprach sich zudem f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zu einer strengeren Haushaltsregel aus. Dies h\u00e4ngt damit zusammen, dass in den vergangenen Jahren, als das Land zus\u00e4tzliche Finanzressourcen ben\u00f6tigt hatte, die Lockerung dieser Regel zur St\u00e4rkung des Rubelkurses beigetragen hatte. Nun ist man in der Regierung zu der Erkenntnis gelangt, dass man zu der fr\u00fcheren Politik zur\u00fcckkehren m\u00fcsse, damit der Wechselkurs berechenbarer wird.<\/p>\n<p>Nun sind die Regierungsvertreter zu der Erkenntnis gelangt, dass man zu der fr\u00fcheren Politik zur\u00fcckkehren m\u00fcsse, damit der Wechselkurs berechenbarer wird.<\/p>\n<p>Wladimir Tschernow, Analytiker bei Freedom Global, erl\u00e4utert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Nationale Wohlstandsfonds ist in den letzten Jahren nicht mehr nur ein &#8218;Sparstrumpf f\u00fcr schlechte Zeiten&#8216;, sondern zu einer tragenden S\u00e4ule der Haushaltsstabilit\u00e4t geworden. Nach dem Haushaltsgesetzbuch der Russischen F\u00f6deration kann der NWF zur Deckung des Defizits Bundeshaushalt eingesetzt werden, wobei er aus zus\u00e4tzlichen \u00d6l- und Gaseinnahmen gebildet wird. Das hei\u00dft: Wenn \u00d6l und Gas Mehreinnahmen bringen, wird dieses Geld zur\u00fcckgelegt. Wenn die Einnahmen zur\u00fcckgehen oder die Ausgaben stark steigen, wird auf den Fonds zur\u00fcckgegriffen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>In den letzten vier Jahren wurde der Fonds um 15\u00a0Billionen Rubel in Anspruch genommen, doch diese Mittel flossen nicht ausschlie\u00dflich zur Deckung von Haushaltsausgaben. Wie Siluanow zuvor erkl\u00e4rte, sind mehr als vier Billionen Rubel davon in die Wirtschaft sowie in die Infrastruktur- und Technologieentwicklung investiert worden.<\/p>\n<p>Die Statistiken zeigten, dass der NWF nominell gesehen zwar ein gro\u00dfes Volumen aufweise, die tats\u00e4chlich verf\u00fcgbare Sicherheitsreserve\u00a0\u2013 also der liquide Teil des Fonds\u00a0\u2013 jedoch stark geschrumpft sei, merkt Tschernow an. Anfang\u00a02022 habe das Gesamtvolumen des Fonds bei etwa 13,6\u00a0Billionen Rubel gelegen; zum 1.\u00a0Januar 2026 habe es sich mit 13,4\u00a0Billionen Rubel kaum ver\u00e4ndert. Die liquiden Aktiva seien jedoch von 8,8\u00a0Billionen Rubel (Stand: 1.\u00a0Februar 2022) auf 4,08\u00a0Billionen Rubel zur\u00fcckgegangen. In den letzten f\u00fcnf Monaten sei das Gesamtvolumen des Fonds auf 12,955\u00a0Billionen Rubel gesunken, w\u00e4hrend der liquide Teil auf 3,412\u00a0Billionen Rubel geschrumpft sei.<\/p>\n<p>Daher ist die Absicht des Finanzministeriums, die Haushaltsregel zu versch\u00e4rfen, um die Reserven aufzustocken, statt sie zu verbrauchen, durchaus nachvollziehbar. Doch wird es gelingen, bis Ende 2026 eine Billion Rubel dem Fonds zuzuf\u00fchren?<\/p>\n<p>Daf\u00fcr m\u00fcssten drei Bedingungen erf\u00fcllt sein, sagt Tschernow: Der durchschnittliche Preis f\u00fcr Roh\u00f6l der Sorte Urals m\u00fcsse deutlich \u00fcber der im Haushalt angesetzten Schwelle von 59\u00a0US-Dollar je Barrel liegen; der Rubelkurs d\u00fcrfe nicht zu stark sein, da dies die \u00d6l- und Gaseinnahmen in Rubel verringern w\u00fcrde; und es d\u00fcrfe keinen starken R\u00fcckgang der physischen \u00d6l- und Gasexportmengen geben.<\/p>\n<p>Der Experte ist der Ansicht:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich denke, dass eine Aufstockung um eine Billion Rubel m\u00f6glich ist, vorausgesetzt, die Spannungen im Nahen Osten und um die Stra\u00dfe von Hormus sorgen daf\u00fcr, dass der \u00d6lpreis fast das ganze Jahr \u00fcber hoch bleibt. Sollte der \u00d6lpreis jedoch wieder auf das Niveau vom Jahresbeginn 2026 zur\u00fcckfallen, w\u00e4hrend der Rubel weiterhin stark bleibt, wird die Aufstockung deutlich geringer ausfallen. Angesichts der Tatsache, dass die \u00d6l- und Gaseinnahmen im Zeitraum Januar bis Mai immer noch etwa 30\u00a0Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen, erscheint die Billion eher als Obergrenze eines optimistischen Szenarios und nicht als Garantie.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Versch\u00e4rfung der Haushaltsregel um einen US-Dollar pro Jahr auf 55\u00a0US-Dollar bis 2030 soll dazu beitragen, den NWF wieder aufzuf\u00fcllen, statt ihn zu verbrauchen. Derzeit ist im Haushalt ein Basispreis f\u00fcr \u00d6l von 59\u00a0US-Dollar je Barrel angesetzt. Liegt der Preis f\u00fcr Roh\u00f6l der Sorte Urals dar\u00fcber, wie es derzeit der Fall ist, soll alles, was \u00fcber 59\u00a0US-Dollar hinausgeht, in die Reserven flie\u00dfen und nicht f\u00fcr laufende Ausgaben verwendet werden.<\/p>\n<p>Tschernow sagt: &#8222;Wenn der Preis f\u00fcr Roh\u00f6l der Sorte Urals bei 70 bis 80\u00a0US-Dollar pro Barrel liegt, erm\u00f6glicht die Haushaltsregel tats\u00e4chlich h\u00f6here R\u00fccklagen; wenn der Urals-Preis jedoch wieder auf 50 bis 55\u00a0US-Dollar f\u00e4llt, k\u00f6nnen keine R\u00fccklagen gebildet werden.&#8220;<\/p>\n<p>Was den Rubel betrifft, so habe die Versch\u00e4rfung der Haushaltsregel seiner Meinung nach eher m\u00e4\u00dfig negative Auswirkungen, da das Finanzministerium mehr Devisen und Gold kaufen werde. Einen starken Kursverfall des Rubels allein deswegen sollte man jedoch nicht erwarten. Der Druck werde vom t\u00e4glichen Transaktionsvolumen, den \u00d6lpreisen, den Importen und der Politik der Zentralbank abh\u00e4ngen, meint der Experte.<\/p>\n<p>Dudtschenko merkt dazu an: &#8222;Das Ergebnis wird eine langfristige Aufstockung des Nationalen Wohlstandsfonds bei g\u00fcnstiger Konjunktur sein. Dies wiederum k\u00f6nnte Druck auf den Rubelkurs aus\u00fcben, da die eingehenden Exporterl\u00f6se teilweise durch Transaktionen des Finanzministeriums absorbiert werden k\u00f6nnten. Andererseits sollte man bedenken, dass die Zentralbank &#8218;Spiegeloperationen&#8216; durchf\u00fchrt\u00a0\u2013 also Ma\u00dfnahmen, die den Handlungen des Finanzministeriums entgegengesetzt sind\u00a0\u2013, um den Einfluss der Haushaltsoperationen auf den Rubelkurs zu verringern.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr den Haushalt ist dies nat\u00fcrlich ein Pluspunkt. Tschernow meint dazu:<\/p>\n<p><em>&#8222;Eine strengere Haushaltsregel verringert die Abh\u00e4ngigkeit der Staatsausgaben von vor\u00fcbergehend hohen \u00d6lpreisen und stellt den liquiden Teil des Nationalen Wohlstandsfonds wieder her. F\u00fcr den Rubel ist dies ein Minuspunkt, allerdings ein kontrollierbarer, da die Devisenk\u00e4ufe des Finanzministeriums eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Aufwertung des Rubels abfedern und den Exporteuren teilweise zugutekommen werden.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr die Inflation sei der Effekt komplexer, f\u00fcgt der Experte hinzu: Ein schw\u00e4cherer Rubel k\u00f6nne \u00fcber Importe und Erwartungen zus\u00e4tzlichen Druck erzeugen, strengeres Haushalten verringere jedoch den fiskalischen Impuls.<\/p>\n<p>F\u00fcr Exporteure sei ein solches Szenario vorteilhaft, da \u00d6l- und Gasunternehmen, Metallurgen, D\u00fcngemittelhersteller und Goldf\u00f6rderer von einem schw\u00e4cheren Rubel profitieren. F\u00fcr Unternehmen mit importabh\u00e4ngigen Kosten und hoher Schuldenlast w\u00e4re der Effekt dagegen negativ.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/6\/6\/1425075.html\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 6.\u00a0Juni 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Olga Samofalowa<\/strong><\/em><em> ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung Wsgljad.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong><em>\u00a0\u2013 <a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/wirtschaft\/282338-vizechef-russischen-zentralbank-russland-muss\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vizechef der russischen Zentralbank: Russland muss westliche Sanktionen &#8222;ignorieren&#8220;<\/a><\/em><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v78o1is\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Das Volumen des Nationalen Wohlstandsfonds (NWF) werde im Juni um 220\u00a0Milliarden Rubel steigen, und bis Ende\u00a02026 k\u00f6nnte die Aufstockung eine Billion Rubel erreichen, erkl\u00e4rte der russische Finanzminister Anton Siluanow im Rahmen des Internationalen Wirtschaftsforums in St.\u00a0Petersburg\u00a0(SPIEF). 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