{"id":8318,"date":"2026-06-08T21:06:38","date_gmt":"2026-06-08T19:06:38","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/einkaufen-boom-bei-eigenmarken-haben-markenprodukte-ausgedient-37505420-html-3\/"},"modified":"2026-06-08T21:06:38","modified_gmt":"2026-06-08T19:06:38","slug":"einkaufen-boom-bei-eigenmarken-haben-markenprodukte-ausgedient-37505420-html-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/einkaufen-boom-bei-eigenmarken-haben-markenprodukte-ausgedient-37505420-html-3\/","title":{"rendered":"Lebensmittel: Preisdruck im Supermarkt \u2013 Eigenmarken auf dem Vormarsch"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Kunden kaufen immer mehr Eigenmarken statt Markenprodukte. Warum den Markenherstellern die Kunden fehlen<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Ob Cola, Schokolade oder Ketchup: In Regalen von Superm\u00e4rkten und Discountern stehen Markenprodukte und die preisg\u00fcnstigeren Eigenmarken der H\u00e4ndler h\u00e4ufig nebeneinander. Abgestimmt wird an der Kasse. Das Ergebnis war zuletzt eindeutig: W\u00e4hrend Umsatz und Absatz von Eigenmarken 2025 zulegten, taten sich Herstellermarken schwer. Deren Umsatz stieg nur wegen der gestiegenen Preise, die verkaufte Menge sank. Das zeigen Zahlen des Marktforschungsinstituts Yougov.<\/p>\n<p>Verbraucher schauen beim Einkaufen derzeit stark auf die Preise und greifen deshalb h\u00e4ufig zu Eigenmarken wie Ja, Milsani oder Gut &amp; G\u00fcnstig. \u201eDie gro\u00dfen Herstellermarken sind austauschbarer geworden\u201c, schreibt Marktforscher Robert Kecskes in einem aktuellen YouGov-Report. 15 der 17 reichweitenst\u00e4rksten Dachmarken haben 2025 demnach K\u00e4ufer verloren. Bei dem Besonderen, das sie im Kern ausmachen sollte, seien sie teilweise hinter andere Marken zur\u00fcckgefallen, so Kecskes.\u00a0<\/p>\n<p>Laut Yougov sind 57 Prozent der Konsumenten Marken wichtig, mit zunehmendem Alter immer weniger. J\u00fcngere hingegen unterscheiden oft kaum noch und sehen Eigenmarken vielfach auf dem gleichen Niveau wie Herstellermarken. Die Grenzen verschwimmen Marktforschern zufolge. Einige Eigenmarken wie Balea, Isana oder dm Bio seien in der Wahrnehmung der Kunden bereits regul\u00e4re Marken. Wenn keine qualitativen Unterschiede mehr gesehen w\u00fcrden, bleibe als Differenzierungsmerkmal nur noch der Preis, so Kecskes.\u00a0<\/p>\n<h2>\u00c4rger zwischen Markenherstellern und Eigenmarken<\/h2>\n<p>Das Image vieler Markenhersteller hat laut Yougov Schaden erlitten\u00a0\u2013 vor allem durch gestiegene Preise, die viele Verbraucher als unversch\u00e4mt empfinden. Eigenmarken\u00a0\u2013 auch Handelsmarken genannt\u00a0\u2013 sind zwar ebenfalls teurer geworden, aber nach wie vor g\u00fcnstiger. Zudem \u00e4hneln sie bekannten Marken vielfach stark und das oft nicht nur geschmacklich.\u00a0<\/p>\n<p>Das sorgt manchmal auch f\u00fcr \u00c4rger. Der Safthersteller Eckes-Granini klagte vor Jahren gegen Edeka. Die Flaschen der Eigenmarke Albi \u00e4hnelten dem eigenen Design zu stark, hie\u00df es. Das Oberlandesgericht K\u00f6ln wies eine Unterlassungsklage jedoch zur\u00fcck. In einem parallelen Verfahren steht die Entscheidung noch aus.<\/p>\n<p>Eigenmarken haben unterschiedliche Urspr\u00fcnge: Manche stammen von Markenherstellern und werden nur umverpackt, andere werden von spezialisierten Produzenten gefertigt, und wieder andere stellen die Handelsketten selbst her, etwa in eigenen B\u00e4ckereien oder Kaffeer\u00f6stereien.<\/p>\n<p>In den Augen der Verbraucher sind Eigenmarken oft nicht schlechter. Viele sehen ein besseres Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis. Laut Yougov stieg der Marktanteil der Eigenmarken zwischen 2021 und 2025 von 41 auf 47 Prozent \u2013 so viel wie noch nie. Marktforscher sehen noch mehr Potenzial.<\/p>\n<h2>Einkaufen: Eigenmarken oft g\u00fcnstiger<\/h2>\n<p>Den h\u00f6chsten Eigenmarkenanteil haben laut Yougov Kategorien wie Fleisch, Wurst und Gefl\u00fcgel, Papierwaren wie Toilettenpapier oder Papierservietten und Konserven. Am st\u00e4rksten gewachsen ist der Anteil zuletzt bei Nahrungsfetten wie Butter und \u00d6len, Hei\u00dfgetr\u00e4nken wie Kaffee und S\u00fc\u00dfwaren wie Tafelschokolade.<\/p>\n<p>Viele Markenartikel kaufen Verbraucher hingegen oft nur noch im Angebot \u2013 besonders Kaffee, Sekt, Tiefk\u00fchlpizzen, Windeln und Tafelschokolade. Fast ein Drittel des Umsatzes mit Markenprodukten wurde 2024 im Sonderangebot erzielt. Die Hersteller stecken in einem Dilemma: Eine treue K\u00e4uferschaft, die das Produkt regelm\u00e4\u00dfig und auch zum Normalpreis kauft, entsteht dadurch nicht.\u00a0<\/p>\n<h2>Nutella, Coca-Cola, Red Bull<\/h2>\n<p>\u201eOhne die Promotion w\u00fcrden die Shopper nicht mehr bei der Stange bleiben\u201c, schreibt Kecskes. Au\u00dfer dem Sonderpreis h\u00e4tten sie oft nicht mehr viel, was sie besonders mache. Auf manche Marken k\u00f6nnen H\u00e4ndler dennoch kaum verzichten\u00a0\u2013 wie etwa Nutella, Coca-Cola, Red Bull oder Kellogg\u2019s. Kunden erwarten, dass diese Produkte angeboten werden \u2013 sonst kaufen sie woanders ein.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Die H\u00e4ndler haben ihr Eigenmarken-Sortiment auch infolge der zunehmenden Nachfrage in den vergangenen Jahren ausgebaut. Damit reagieren sie auf die gestiegenen Lebensmittelpreise und ein h\u00f6heres Preisbewusstsein der Kunden. Traditionell haben Discounter den h\u00f6heren Eigenmarkenanteil. F\u00fcr die Superm\u00e4rkte sind diese allerdings ebenfalls wichtig, um preislich konkurrenzf\u00e4hig zu sein.\u00a0<\/p>\n<p>Welche Bedeutung Eigenmarken haben, zeigt eine im Januar durchgef\u00fchrte Yougov-Umfrage. Viele Kunden von Superm\u00e4rkten (48 Prozent) und Discountern (55 Prozent) nennen gute Eigenmarken als Grund f\u00fcr die Wahl des Einkaufsortes.\u00a0<\/p>\n<p>Eigenmarken gibt es in verschiedenen Preisklassen \u2013 von g\u00fcnstigen Einstiegsmarken bis hin zu Premium-Linien wie Rewe Feine Welt, Edeka Herzst\u00fccke oder dm Bio. Dieses Premium-Segment legte 2025 mit einem Umsatzplus von 11 Prozent \u00fcberdurchschnittlich stark zu. Die finanzielle Situation vieler Haushalte hat sich laut Yougov entspannt. Das Qualit\u00e4tsbewusstsein sei wieder leicht gestiegen, die Mehrheit wolle sich von Zeit zu Zeit etwas g\u00f6nnen, hei\u00dft es.\u00a0<\/p>\n<p>Experten wie Kecskes sehen einen weiteren Grund daf\u00fcr, dass gro\u00dfe Marken an Besonderheit verlieren. Viele Hersteller h\u00e4tten das Branding vernachl\u00e4ssigt und zu wenig in Innovationen investiert. Zu einem \u00e4hnlichen Schluss kommt eine Studie unter Leitung der Dualen Hochschule Baden-W\u00fcrttemberg Heilbronn: Im Handel schafft es die Mehrzahl neuer Produkte demnach nicht, sich dauerhaft einen Platz in den Regalen zu erk\u00e4mpfen. Mehr als zwei Drittel der Neuerungen verschwinde fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wieder aus dem Angebot. \u201eUnternehmen, die nicht erfolgreich innovieren, verlieren langfristig ihre \u00dcberlebensf\u00e4higkeit.\u201c<\/p>\n<h2>Angesagte Marken: Fritz-Kola, Koro, Gustavo Gusto<\/h2>\n<p>Es sei wichtig, Marken wieder eine Seele zu geben, so Kecskes. Nur so lie\u00dfen sich Konsumenten \u00fcberzeugen, einen h\u00f6heren Preis zu bezahlen. Vor allem J\u00fcngere suchten nach einer Kommunikation, in der die Marke ihre Bed\u00fcrfnisse ernst nehme. Als Positivbeispiele nennt er die Marken Fritz-Kola, Gustavo Gusto, Koro oder More Nutrition.<\/p>\n<\/p>\n<p>Rewe-Chef Lionel Souque sagte bereits 2024, Markenartikel m\u00fcssten einen Mehrwert haben. \u201eDie Leute sind nicht bereit, nur wegen der Marke das Doppelte zu bezahlen.\u201c<\/p>\n<p>Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten kauften Verbraucher nicht einfach nur ein Produkt, sondern Verl\u00e4sslichkeit, sagt Markenverbands-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Patrick Kammerer. Eine starke Marke entstehe durch dauerhaft eingel\u00f6stes Vertrauen \u2013 nicht durch einen g\u00fcnstigen Preis.<\/p>\n<p>Sinnbildlich daf\u00fcr steht Milka. Der Schokoladenhersteller Mondelez hatte 2025 die Packungsgr\u00f6\u00dfen vieler Sorten reduziert und die Preise erh\u00f6ht. Die Verbraucherzentrale Hamburg klagte wegen Irref\u00fchrung \u2013 und bekam Recht. Der Marketing-Experte Andreas Baetzgen sieht dadurch das Marken-Image besch\u00e4digt. Milka habe jahrzehntelang von Vertrauen, Wiedererkennbarkeit und emotionaler N\u00e4he gelebt. Dieses Vertrauen sei ausgenutzt worden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Kunden kaufen immer mehr Eigenmarken statt Markenprodukte. 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