{"id":8597,"date":"2026-06-09T21:24:05","date_gmt":"2026-06-09T19:24:05","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/neuer-brandherd-japan-provoziert-china-zu-einer-maritimen-sonderoperation\/"},"modified":"2026-06-09T21:24:05","modified_gmt":"2026-06-09T19:24:05","slug":"neuer-brandherd-japan-provoziert-china-zu-einer-maritimen-sonderoperation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/neuer-brandherd-japan-provoziert-china-zu-einer-maritimen-sonderoperation\/","title":{"rendered":"Neuer Brandherd? Japan provoziert China zu einer &#8222;maritimen Sonderoperation&#8220;"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Oleg Issaitschenko<\/em><\/p>\n<p>China leitet eine maritime Sonderoperation zur Durchsetzung administrativer Befugnisse in den Gew\u00e4ssern \u00f6stlich von Taiwan ein. Wie die Zeitung <em>Global Times<\/em> berichtet, \u00fcbernimmt das chinesische Verkehrsministerium die koordinierende Rolle im Rahmen der eingeleiteten Ma\u00dfnahmen. An der Mission sind unter anderem die Seesicherheitsbeh\u00f6rden der Provinzen Fujian und Guangdong beteiligt. Ziel dieser Ma\u00dfnahmen sei die &#8222;umfassende Aus\u00fcbung der Befugnisse der Volksrepublik China zur Durchsetzung des Verwaltungsrechts&#8220; in dem Seegebiet, betont <em>Xinhua<\/em>.<\/p>\n<p>Die Mission stellt Pekings Reaktion auf die Versuche der Philippinen und Japans dar, einseitig die Delimitation der ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszone und des Festlandsockels zwischen den beiden Staaten durchzuf\u00fchren. Das betreffende Seegebiet liegt \u00f6stlich der Insel Taiwan.<\/p>\n<p>Die offizielle Sprecherin des Au\u00dfenministeriums der Volksrepublik China, Mao Ning, betonte, dass der Versuch Japans und der Philippinen, China zu umgehen und Verhandlungen \u00fcber die maritime Delimitation zu initiieren, einen &#8222;schwerwiegenden Versto\u00df&#8220; gegen das UN-Seerechts\u00fcbereinkommen sowie gegen andere internationale Gesetze und grundlegende Normen zur Regelung der internationalen Beziehungen darstelle, berichtet <em>RBC<\/em>.<\/p>\n<p>Dabei emp\u00f6rte die Erkl\u00e4rung Tokios und Manilas auch die Beh\u00f6rden Taiwans. So erkl\u00e4rte Zhu Fenglian, die Sprecherin des chinesischen B\u00fcros f\u00fcr Taiwan-Angelegenheiten, dass die beiden L\u00e4nder mit ihrer Initiative grob gegen das Seerecht verstie\u00dfen. Sie f\u00fcgte au\u00dferdem hinzu, dass die &#8222;Landsleute auf beiden Seiten der Meerenge zur chinesischen Nation geh\u00f6ren&#8220; und daher &#8222;gemeinsam die grundlegenden Interessen des Landes sch\u00fctzen&#8220; m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Der China-Experte Alexander Lukin erl\u00e4utert gegen\u00fcber der Zeitung <em>Wsgljad<\/em>:<\/p>\n<p><em>&#8222;Eine genauere \u00dcbersetzung des von China verwendeten Begriffs zur Beschreibung seines Vorgehens lautet: &#8218;maritime Sonderoperation zur Durchsetzung des Seerechts&#8216;. Dabei ist zu beachten, dass der Schwerpunkt st\u00e4rker auf dem rechtlichen Aspekt der angek\u00fcndigten Mission liegt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Er pr\u00e4zisiert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das hei\u00dft, f\u00fcr China besteht die vorrangige Aufgabe nicht darin, einen potenziellen Gegner niederzuschlagen, sondern die normale Rechtspraxis in dem Seegebiet wiederherzustellen, die infolge der Handlungen Japans und der Philippinen verletzt wurde. Dementsprechend setzt Peking f\u00fcr ein solches Ziel keineswegs milit\u00e4rische, sondern Polizeistrukturen ein.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Experte sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Faktisch geht es um den Einsatz der K\u00fcstenwache der Provinzen Fujian und Guangdong \u2013 das sind K\u00fcstenregionen des Landes, zu denen aus Sicht Chinas territorial auch die Senkaku-Inseln geh\u00f6ren, die zum Ausl\u00f6ser der aktuellen Konfrontation geworden sind. Das hei\u00dft, China hebt das Ausma\u00df der Ereignisse bewusst nicht auf die staatliche Ebene, sondern misst ihnen nur lokale Bedeutung bei.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Er f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<p><em>&#8222;Es ist wichtig zu verstehen: Die Zugeh\u00f6rigkeit der betreffenden Inseln ist umstritten. Seit vielen Jahrzehnten wird dar\u00fcber diskutiert, wem sie eigentlich geh\u00f6ren. Das Hauptziel der Entsendung von Polizeischiffen durch Peking besteht daher darin, Tokio und Manila zu demonstrieren, dass jede L\u00f6sung des Territorialstreits die Zustimmung Chinas erfordert.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Lukin bemerkt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Interessant ist, dass in diesem Fall Taipeh als Verb\u00fcndeter Pekings auftritt und die Vorg\u00e4nge ungef\u00e4hr genauso betrachtet wie die Vertreter der Kommunistischen Partei Chinas. Auch Taiwan hat n\u00e4mlich keineswegs vor, auf die chinesischen Inseln zu verzichten. Und w\u00e4hrend Taiwan noch bereit ist, sich mit der Kontrolle dieser Gebiete durch China abzufinden, kann von einer \u00dcbergabe des Territoriums an Japan keine Rede sein.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Schelfgebiete, Wirtschaftszonen und die Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber Inseln seien Dauerthemen, die in den Beziehungen zwischen den asiatischen Staaten immer wieder Spannungen ausl\u00f6sen, merkt der Milit\u00e4rexperte Juri Ljamin an. Er weist darauf hin, dass die japanischen Beh\u00f6rden auf Arbeitsebene nichtstaatliche Beziehungen zu Taipeh unterhalten, w\u00e4hrend die philippinischen Beh\u00f6rden \u2013 obwohl sie sich verbal zum &#8222;Ein-China-Prinzip&#8220; bekennen \u2013 Besuche auf der Insel durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Ljamin meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Es \u00fcberrascht nicht, dass China so heftig auf den Versuch reagiert hat, Wirtschaftszonen unter Umgehung Pekings aufzuteilen, und die Durchf\u00fchrung einer maritimen Operation ank\u00fcndigte. Deren Ziel besteht darin, deutlich zu machen, dass das Land eigene Interessen hat, die es zu verteidigen bereit ist.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung des Analytikers entwickeln sich die aktuellen Ereignisse bislang im Rahmen fr\u00fcherer Konfliktsituationen dieser Art. Der Experte erl\u00e4utert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich denke, dass China diese Operation so lange durchf\u00fchren kann, wie es dies f\u00fcr notwendig erachtet, da es \u00fcber die entsprechenden M\u00f6glichkeiten verf\u00fcgt. Mehr noch: Ich schlie\u00dfe nicht aus, dass bei Bedarf auch die Marine der chinesischen Volksbefreiungsarmee (PLAN) hinzugezogen werden k\u00f6nnte.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Sichtweise vertreten die Autoren des Telegram-Kanals &#8222;Asiatar&#8220;. Sie stellen fest:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das bilaterale Format zur L\u00f6sung von Grenzfragen ohne Ber\u00fccksichtigung chinesischer Interessen ist f\u00fcr die lokalen Beh\u00f6rden inakzeptabel.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Analysten sind der Meinung:<\/p>\n<p><em>&#8222;Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnten nach erfolgreichen Verhandlungen Schiffe der K\u00fcstenwache Japans und der Philippinen sowie anderer Verb\u00fcndeter in dem Seegebiet auftauchen \u2013 etwas, was in China keine Begeisterung hervorruft. Und die Perspektive, die Taiwaner in irgendeiner Form in diesen Dialog einzubeziehen, wird noch negativer bewertet.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Experten weisen darauf hin, dass sich \u00e4hnliche Ereignisse bereits im Jahr 2023 ereignet haben: Damals k\u00fcndigte China eine dreit\u00e4gige Patrouille in der Taiwanstra\u00dfe an und erkl\u00e4rte, dass vorbeifahrende Schiffe einer umfassenden Kontrolle unterzogen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der aktuelle Fall unterscheidet sich dadurch, dass Peking diesmal keinen zeitlichen Rahmen vorgab.<\/p>\n<p>&#8222;Asiatar&#8220; erl\u00e4utert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das hei\u00dft, die Sonderoperation kann auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Chinesen unter Berufung auf die Gew\u00e4hrleistung der Sicherheit nicht nur ihre Pr\u00e4senz \u00f6stlich von Taiwan verst\u00e4rken, sondern auch einige Schiffe anhalten k\u00f6nnten \u2013 solche Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle gab es bereits.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Analytiker pr\u00e4zisieren:<\/p>\n<p><em>&#8222;Dabei geht es eher um eine verst\u00e4rkte Pr\u00e4senz der Sicherheitskr\u00e4fte sowie um die Demonstration der Unzufriedenheit mit den japanisch-philippinischen Verhandlungen als um eine abstrakte Operation zur Einnahme der Insel. Allerdings k\u00f6nnten die Chinesen den aktuellen Fall offenbar auch dazu nutzen, Letzteres einmal zu erproben \u2013 das Szenario einer &#8218;Quarant\u00e4ne&#8216; und der Kontrolle des Verkehrs in der N\u00e4he von Taiwan als Druckmittel gegen\u00fcber dieser Insel ist in Peking offensichtlich nicht in Vergessenheit geraten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dennoch merkt Lukin an: Eine milit\u00e4rische Eskalation der aktuellen Auseinandersetzungen sei \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich. Er erl\u00e4utert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Schlie\u00dflich bestehen die Streitigkeiten um die Senkaku-Inseln schon seit zu vielen Jahren, und Japan gilt nach wie vor als wichtiger Handelspartner Chinas. Zudem vergisst Peking nicht, dass Tokio unter dem Schutzschirm Washingtons steht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Lukin schlie\u00dft:<\/p>\n<p><em>&#8222;Mit anderen Worten: Die Faktoren, die gegen den Ausbruch eines Konflikts sprechen, haben derzeit eindeutig die Oberhand. Doch die Beziehungen zwischen China und Japan verschlechtern sich weiter. Vor Kurzem kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Seiten wegen der Absicht Tokios, Taiwan im Falle eines Konflikts beizustehen. Die Rhetorik Chinas wirkte damals ungew\u00f6hnlich scharf, was f\u00fcr das Land untypisch ist. Die Probleme zwischen den beiden Staaten werden weiter zunehmen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 7. Juni 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Oleg Issaitschenko<\/em><\/strong><em> ist ein Analyst bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/282478-china-startet-marineoperation-oestlich-von\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">China startet Marineoperation \u00f6stlich von Taiwan<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v77unmu\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Oleg Issaitschenko China leitet eine maritime Sonderoperation zur Durchsetzung administrativer Befugnisse in den Gew\u00e4ssern \u00f6stlich von Taiwan ein. 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