{"id":8680,"date":"2026-06-10T11:15:28","date_gmt":"2026-06-10T09:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/ex-politiker-und-ex-general-frieden-durch-dialog-mit-russland-von-tilo-graeser\/"},"modified":"2026-06-10T11:15:28","modified_gmt":"2026-06-10T09:15:28","slug":"ex-politiker-und-ex-general-frieden-durch-dialog-mit-russland-von-tilo-graeser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/ex-politiker-und-ex-general-frieden-durch-dialog-mit-russland-von-tilo-graeser\/","title":{"rendered":"Ex-Politiker und Ex-General: Frieden durch Dialog mit Russland | Von Tilo Gr\u00e4ser"},"content":{"rendered":"<div><!--kg-card-begin: html--><br \/>\n<iframe title=\"Ex-Politiker und Ex-General: Frieden durch Dialog mit Russland | Von Tilo Gr\u00e4ser\" width=\"560\" height=\"418\" src=\"https:\/\/tube4.apolut.net\/videos\/embed\/iNQL7feeFQgwHzuitHYepd\" allow=\"fullscreen\" sandbox=\"allow-same-origin allow-scripts allow-popups allow-forms\" style=\"border-radius: 8px\"><\/iframe><br \/>\n<!--kg-card-end: html--><\/p>\n<div class=\"kg-card kg-audio-card\">\n<div class=\"kg-audio-thumbnail placeholder kg-audio-hide\"><svg width=\"24\" height=\"24\" fill=\"none\"><path fill-rule=\"evenodd\" clip-rule=\"evenodd\" d=\"M7.5 15.33a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0ZM15 13.83a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0Z\"><\/path><path fill-rule=\"evenodd\" clip-rule=\"evenodd\" d=\"M14.486 6.81A2.25 2.25 0 0 1 17.25 9v5.579a.75.75 0 0 1-1.5 0v-5.58a.75.75 0 0 0-.932-.727.755.755 0 0 1-.059.013l-4.465.744a.75.75 0 0 0-.544.72v6.33a.75.75 0 0 1-1.5 0v-6.33a2.25 2.25 0 0 1 1.763-2.194l4.473-.746Z\"><\/path><path fill-rule=\"evenodd\" clip-rule=\"evenodd\" d=\"M3 1.5a.75.75 0 0 0-.75.75v19.5a.75.75 0 0 0 .75.75h18a.75.75 0 0 0 .75-.75V5.133a.75.75 0 0 0-.225-.535l-.002-.002-3-2.883A.75.75 0 0 0 18 1.5H3ZM1.409.659A2.25 2.25 0 0 1 3 0h15a2.25 2.25 0 0 1 1.568.637l.003.002 3 2.883a2.25 2.25 0 0 1 .679 1.61V21.75A2.25 2.25 0 0 1 21 24H3a2.25 2.25 0 0 1-2.25-2.25V2.25c0-.597.237-1.169.659-1.591Z\"><\/path><\/svg><\/div>\n<div class=\"kg-audio-player-container\"><audio src=\"https:\/\/apolut.net\/content\/media\/2026\/06\/tagesdosis-20260610-apolut.mp3\" preload=\"metadata\"><\/audio><\/p>\n<div class=\"kg-audio-title\">Tagesdosis 20260610 apolut<\/div>\n<div class=\"kg-audio-player\"><button class=\"kg-audio-play-icon\" aria-label=\"Play audio\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><path d=\"M23.14 10.608 2.253.164A1.559 1.559 0 0 0 0 1.557v20.887a1.558 1.558 0 0 0 2.253 1.392L23.14 13.393a1.557 1.557 0 0 0 0-2.785Z\"><\/path><\/svg><\/button><button class=\"kg-audio-pause-icon kg-audio-hide\" aria-label=\"Pause audio\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><rect x=\"3\" y=\"1\" width=\"7\" height=\"22\" rx=\"1.5\" ry=\"1.5\"><\/rect><rect x=\"14\" y=\"1\" width=\"7\" height=\"22\" rx=\"1.5\" ry=\"1.5\"><\/rect><\/svg><\/button><span class=\"kg-audio-current-time\">0:00<\/span><\/p>\n<div class=\"kg-audio-time\">\/<span class=\"kg-audio-duration\">1115.491625<\/span><\/div>\n<p><input type=\"range\" class=\"kg-audio-seek-slider\" max=\"100\" value=\"0\"><button class=\"kg-audio-playback-rate\" aria-label=\"Adjust playback speed\">1\u00d7<\/button><button class=\"kg-audio-unmute-icon\" aria-label=\"Unmute\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><path d=\"M15.189 2.021a9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h1.794a.249.249 0 0 1 .221.133 9.73 9.73 0 0 0 7.924 4.85h.06a1 1 0 0 0 1-1V3.02a1 1 0 0 0-1.06-.998Z\"><\/path><\/svg><\/button><button class=\"kg-audio-mute-icon kg-audio-hide\" aria-label=\"Mute\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><path d=\"M16.177 4.3a.248.248 0 0 0 .073-.176v-1.1a1 1 0 0 0-1.061-1 9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h.114a.251.251 0 0 0 .177-.073ZM23.707 1.706A1 1 0 0 0 22.293.292l-22 22a1 1 0 0 0 0 1.414l.009.009a1 1 0 0 0 1.405-.009l6.63-6.631A.251.251 0 0 1 8.515 17a.245.245 0 0 1 .177.075 10.081 10.081 0 0 0 6.5 2.92 1 1 0 0 0 1.061-1V9.266a.247.247 0 0 1 .073-.176Z\"><\/path><\/svg><\/button><input type=\"range\" class=\"kg-audio-volume-slider\" max=\"100\" value=\"100\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><img data-opt-id=1797105704  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/TD_20260610_Diplomatie-1.jpg\" alt=\"Ex-Politiker und Ex-General: Frieden durch Dialog mit Russland | Von Tilo Gr\u00e4ser\"><\/p>\n<p><strong>Klaus von Dohnanyi und Erich Vad auf der Suche nach dem Weg zum Frieden<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Kommentar von <strong>Tilo Gr\u00e4ser<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Deutschlands Kurs der massiven Aufr\u00fcstung, auch um wirtschaftliche Probleme zu bew\u00e4ltigen, sieht der ehemalige Bundeswehrgeneral Erich Vad als \u201eAusweg in die H\u00f6lle\u201c. F\u00fcr den ehemaligen SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi ist der Ukraine-Krieg \u201enicht unser Krieg\u201c. Deshalb fordert er wie Vad die Bundesregierung auf, den Dialog mit der russischen F\u00fchrung unter Pr\u00e4sident Wladimir Putin zu suchen. Es gehe darum, den Krieg in der Ukraine zu beenden, auch weil die Gefahr bestehe, dass er zu einem gro\u00dfen europ\u00e4ischen Krieg werden kann \u2013 der dann Deutschland ein letztes Mal zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Ex-General und der Ex-Politiker sagten das in einem Gespr\u00e4ch, das Roger K\u00f6ppel, Chefredakteur der Schweizer Zeitung <em>Die Weltwoche<\/em>, mit ihnen f\u00fchrte und am Dienstag <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/weltwoche.ch\/daily\/wir-fuettern-eine-blutmuehle-klaus-von-dohnanyi-und-erich-vad-ueber-den-ukraine-krieg-europa-und-den-weg-zum-frieden\/?ref=apolut.net\"><u>ver\u00f6ffentlichte<\/u><\/a>. Beide gehen mit der deutschen und europ\u00e4ischen Politik hart ins Gericht und warnen vor den Folgen der weiteren Eskalation gegen\u00fcber Russland. Anlass f\u00fcr das Gespr\u00e4ch ist das neue gemeinsame <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Frieden-Wie-geht-das\/2448?ref=apolut.net\"><u>Buch<\/u><\/a> von Dohnanyi und Vad mit dem Titel \u201eFrieden \u2013 wie geht das\u201c, k\u00fcrzlich erschienen im Westend Verlag.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnen jede und jeder das Buch selbst lesen oder sich das Gespr\u00e4chsvideo dazu anschauen. Aber die Aussagen der beiden sachkundigen M\u00e4nner sind allein wegen ihres Seltenheitswertes in der heutigen bundesdeutschen politischen und medialen Landschaft und erst recht wegen ihres Inhaltes wichtig, sodass ich sie im Folgenden zusammenfasse.<\/p>\n<p>So kritisiert Dohnanyi die Bundesregierung daf\u00fcr, \u201edass sie noch immer keinen Weg gefunden hat, mit Putin, mit Moskau zu reden, obwohl dieser gesagt hat: Schickt mir einen, mit dem ich reden kann.\u201c Das sieht der 97-j\u00e4hrige ehemalige SPD-Politiker als \u201eein Vers\u00e4umnis der deutschen Politik\u201c. Vad macht darauf aufmerksam, dass die deutsche Politik sich daf\u00fcr entschieden habe, den Weg der Eskalation weiterzugehen. Beide sind sich einig, neben milit\u00e4rischer St\u00e4rke sei wichtig, \u201egleichzeitig auf politischen Dialog und Interessenausgleich\u201c zu setzen. Das mache Deutschland derzeit nicht, was zur \u201ehohen Eskalationsgefahr\u201c des Ukraine-Krieges beitrage.<\/p>\n<p>Die deutsche Politik sei sich dessen nicht bewusst, stimmt er K\u00f6ppels entsprechender Frage zu. Das zeige sich an der Bereitschaft, weitreichende Drohnensysteme bauen zu lassen, die Ziele in der Tiefe Russlands erreichen k\u00f6nnen. Das habe in Moskau zu der Reaktion gef\u00fchrt, potenzielle Ziele in Europa ins Visier zu nehmen. Der Ex-General verweist auch darauf, dass Russland sich als st\u00e4rkste Nuklearmacht der Welt mit ihrer strategischen Abschreckungswirkung nicht mehr ernst genommen f\u00fchlt. Er warnt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir sind kurz davor, in einen europ\u00e4ischen Krieg involviert zu werden, wenn diese Eskalation so weitergeht, wenn die politisch nicht gestoppt wird.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u201eKrieg ist keine rationale Option\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Dohnanyi stellt fest, \u201edass wir seit dem Satz von Pistorius, wir m\u00fcssten kriegst\u00fcchtig werden, in einer Entwicklung sind, die innenpolitisch in Deutschland den Krieg fast zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden l\u00e4sst\u201c. Es werde st\u00e4ndig dar\u00fcber diskutiert, ohne eine wirkliche Vorstellung zu haben, was Krieg bedeutet, sagt der 1929 Geborene. In einem Krieg mit Russland w\u00fcrden weite Teile Deutschlands zerst\u00f6rt \u2013 und die USA erst eingreifen, wenn ihnen drohe, Westeuropa an Russland zu verlieren.<\/p>\n<p>Wenn die Eskalation fortgesetzt werde, gebe es Vergeltungsschl\u00e4ge Russlands gegen Ziele in Europa, warnt Ex-General Vad, der unter anderem Milit\u00e4rberater von Angela Merkel war. Selbst wenn daraus ein nuklearer Krieg werde, m\u00fcsse verhandelt werden, stellt er klar, \u201eweil dieser nuklear gef\u00fchrte Krieg in der \u00e4u\u00dfersten Eskalationsstufe nicht zu gewinnen ist\u201c. Kl\u00fcger w\u00e4re es, vorher miteinander zu verhandeln. Und er betont:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMan kann Russland milit\u00e4risch schlichtweg nicht besiegen, man muss irgendwann mit Russland verhandeln.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend f\u00fcr die USA ein Krieg in Europa als f\u00fchrbar gelte, sei ein solcher aus deutscher Interessenlage heraus \u201ekeine rationale Option\u201c. Deshalb m\u00fcsse er verhindert werden, so Vad. Das sei nur politisch m\u00f6glich, erkl\u00e4rt er und verweist darauf, dass selbst im Kalten Krieg miteinander gesprochen wurde. Heute spiele die deutsche Politik \u201eregelrecht mit dem Feuer\u201c und treibe die milit\u00e4rische Eskalation hoch. Es sei heuchlerisch, wenn manche sagen, die Ukraine \u201ek\u00e4mpfe f\u00fcr uns\u201c: \u201eWir lassen junge Ukrainer hunderttausendfach sterben f\u00fcr unsere angebliche Freiheit.\u201c<\/p>\n<p>Ex-SPD-Politiker Dohnanyi bedauert, dass derzeit von den Parteien im Bundestag nur die AfD sich f\u00fcr Dialog mit Russland einsetzt. Im Parlament werde nicht mehr \u00fcber M\u00f6glichkeiten der friedlichen Zusammenarbeit mit Russland diskutiert. Der Ex-Minister und fr\u00fchere B\u00fcrgermeister von Hamburg sieht als einen der Gr\u00fcnde daf\u00fcr Feigheit, als \u201eRussland-Versteher\u201c oder \u201ePutin-Propagandist\u201c diffamiert zu werden. Dabei habe Russlands Pr\u00e4sident Putin k\u00fcrzlich erst wieder erkl\u00e4rt, er sei bereit, auch \u00fcber den Ukraine-Krieg zu reden, wenn die EU jemanden schicke, mit dem er reden k\u00f6nne. Doch die EU sei nicht in der Lage, jemanden daf\u00fcr zu benennen, beklagen Dohnanyi und Vad.<\/p>\n<p>Der Ex-General sieht es als \u201ebrandgef\u00e4hrlich\u201c an, dass in Deutschland Politiker und Medien immer wieder behaupten, eine milit\u00e4rische L\u00f6sung und eine Niederlage f\u00fcr Russland seien m\u00f6glich. Das geschieht derzeit gerade wieder verst\u00e4rkt, in dem \u00fcber eine \u201eKriegswende\u201c durch die ukrainischen Drohnenangriffe auf Russland fabuliert wird. Das sei nicht realistisch, betont Vad, \u201eweil Russland einfach die Eskalationsdominanz hat\u201c. Zudem sei die Bedeutung der Region aus der strategischen Beurteilung der Russen so bedeutsam \u201ewie die Karibik zum Beispiel f\u00fcr die Amerikaner\u201c.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWenn sie nach Hause gehen, haben sie Ihre Reputation als Weltmacht verspielt. Dann wird Russland in sich zusammenbrechen. Und ein Zusammenbruch der russischen F\u00f6deration hei\u00dft: \u00dcber 120 verschiedene V\u00f6lkerrechtssubjekte werden dann autonom. Dann haben wir ein Riesenchaos. Wir k\u00f6nnen auch geostrategisch kein Interesse daran haben, dass die russische F\u00f6deration zerbricht.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u201eRussland ist unbesiegbar\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Dohnanyi erinnert an die Erkenntnis des einstigen Reichskanzlers Otto von Bismarck von Ende des 19. Jahrhunderts, dass Russland eine \u201eunbesiegbare Nation\u201c sei. Das habe dieser mit der Tiefe und der Vielf\u00e4ltigkeit des Landes begr\u00fcndet. Bismarck habe \u201esehr klar erkannt, mit wem wir es zu tun haben, wenn wir uns mit Russland anlegen. Und ich glaube, das hat sich in Wahrheit nicht ge\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<p>Hamburgs Ex-B\u00fcrgermeister sieht Deutschland \u201ein der Hand der US-Amerikaner, die sich nicht leisten k\u00f6nnen, Westeuropa an Russland zu verlieren\u201c. Die USA h\u00e4tten ein Interesse daran, dass Deutschland sich mit Russland nicht verst\u00e4ndige, erinnert er mit Hinweis auf die Wolfowitz-Doktrin von 1992, sowie ebenso ein Interesse, keinen Konkurrenten zuzulassen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas ist die US-amerikanische Strategie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und das wird sie auch in Zukunft sein. Denn wenn Westeuropa in russische H\u00e4nde fiele, dann w\u00e4re es in der Tat mit der US-amerikanischen Weltmacht vermutlich vorbei.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die USA w\u00fcrden in einem Krieg in Europa aus geostrategischen Gr\u00fcnden erst eingreifen, erg\u00e4nzt Vad, wenn sie bef\u00fcrchten, die Hegemonie \u00fcber Westeuropa zu verlieren. Er best\u00e4tigt, dass die NATO-Osterweiterung \u201eder wesentliche Kriegsgrund\u201c ist. Zwar sei auf dem Nato-Gipfel 2008 in Bukarest die vorgesehene Aufnahme der Ukraine auch durch den Widerspruch von Bundeskanzlerin Merkel \u2013 Vad war als ihr Berater dabei \u2013 verhindert worden. Danach habe selbst Zbigniew Brzezinski davor gewarnt, die Ukraine in die Nato zu holen. Aber das sei ignoriert worden, auch durch den Kiewer Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj, der 2019 die angestrebte Nato-Mitgliedschaft in die ukrainische Verfassung aufnehmen lie\u00df.<\/p>\n<p>Aus Sicht von Dohnanyi tr\u00e4gt Selenskyj damit \u201eeinen wesentlichen Anteil an dem Krieg\u201c. Das sei keine russische Propaganda, \u201esondern eine n\u00fcchterne Analyse der Zusammenh\u00e4nge\u201c. Er f\u00fcgt hinzu: \u201eSolange wir das im Westen nicht begreifen und die Interessen von Selenskyj und die Interessen der Nationalisten in der Ukraine nicht von der wahren Lage trennen, solange wird es keinen Frieden in dieser Region geben.\u201c Und er stellt klar:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs ist nicht unser Krieg. Wir haben die Ukraine nicht in die NATO bringen wollen. Wir waren dagegen. Der Selenskyj hat es gegen unseren Willen vorangetrieben, indem er es weiterhin in seine Verfassung geschrieben hat.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Vad kritisiert, dass die westliche Politik mit der Unterst\u00fctzung der Ukraine \u201eeine Blutm\u00fchle\u201c f\u00fcttere, \u201ewo Hunderttausende junger Ukrainer und Russen inzwischen schon gefallen sind\u201c. Dem Westen falle nichts anderes ein, als nur weiter Waffen zu liefern. Die damit verbundene Eskalation drohe in einen europ\u00e4ischen Krieg umzuschlagen, \u201eden wir nicht brauchen k\u00f6nnen, aus deutscher Sicht am allerwenigsten\u201c. Der Ex-General f\u00fcgt hinzu: \u201eAlso ich verstehe diese Politik nicht.\u201c<\/p>\n<p>Ex-Bundesminister und SPD-Au\u00dfenpolitiker von Dohnanyi fordert Bundeskanzler Friedrich Merz auf, nach Moskau zu fahren, ohne darauf zu warten, dass die EU sich darauf einigen kann. \u201eDas werden die nie tun\u201c, stellt er klar und fordert von Merz \u201eim Auftrag des deutschen Volkes und gem\u00e4\u00df dem Auftrag als deutscher Bundeskanzler\u201c mit Putin zu reden. Das Angebot des russischen Pr\u00e4sidenten, mit den Europ\u00e4ern \u00fcber den Ukraine-Krieg zu reden, sei unbeantwortet geblieben.<\/p>\n<p><strong>\u201eRegelrecht kindisches Verhalten\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Bundesregierung m\u00fcsse den bisherigen Grundsatz, nichts d\u00fcrfe \u00fcber die K\u00f6pfe der Ukrainer hinweg entschieden werden, aufgeben, fordert von Dohnanyi. Er h\u00e4lt einen Friedensplan aus Berlin f\u00fcr notwendig, w\u00e4hrend die anderen europ\u00e4ischen L\u00e4nder derzeit nicht handlungsf\u00e4hig seien. Es m\u00fcsse einen Dialog mit Russland geben, auch dar\u00fcber, wie sich die F\u00fchrung in Moskau, \u201ewie sich Putin oder sein Nachfolger vorstellt, wie wir miteinander in Frieden leben k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir haben ein starkes Interesse, dass es einen Frieden gibt. Und wenn Selenskyj au\u00dfer Stande ist, einen solchen Frieden zustande zu bringen, m\u00fcssen wir ihn auch eventuell \u00fcber seinen Kopf hinweg mit den Russen versuchen zu organisieren. Ich bin nicht der Meinung, dass ein Land, das seinen Krieg nicht finanzieren kann, aber die Finanzen und die Waffen anderer V\u00f6lker braucht, um seinen Krieg zu finanziert, alleine bestimmen kann, wann Frieden zu schlie\u00dfen ist.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ex-General Vad sieht ebenfalls die deutsche Verantwortung f\u00fcr ein Ende des Ukraine-Krieges, \u201eweil eine Eskalation des Ukraine-Krieges, die ja derzeit l\u00e4uft, ein Umschlag in einen europ\u00e4ischen Krieg Deutschland massiv betreffen wird und auch zerst\u00f6ren wird\u201c. Deshalb fordere die deutsche nationale Interessenlage, alles f\u00fcr ein Ende des Krieges zu tun. Die stattdessen fortgesetzte provokative deutsche und europ\u00e4ische Politik sei wie das sprichw\u00f6rtliche \u201ePfeifen im Walde\u201c. Es sei \u201eein regelrecht kindisches Verhalten, eine Nuklearmacht wie Russland so herauszufordern\u201c.<\/p>\n<p>In dem Gespr\u00e4ch geht es auch um den Zusammenhang der Kriege in der Ukraine und gegen den Iran. Diese w\u00fcrden miteinander zusammenh\u00e4ngen, erkl\u00e4rt Vad, auch weil sie Stellvertreterkriege seien: In der Ukraine gehe es um den Konflikt zwischen den USA und Russland und im Mittleren Osten gehe es gegen Russland und China als Unterst\u00fctzer des Iran. In beiden F\u00e4llen gebe es aber keine milit\u00e4rische L\u00f6sung, ist sich der Ex-General sicher. Der US-amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran sei \u201eein richtiges Werbeprogramm f\u00fcr Nuklearwaffen\u201c: Ein Land, das diese habe, werde nicht so behandelt wie es die USA und Israel mit anderen ohne Atomwaffen tun.<\/p>\n<p>Zu den Gr\u00fcnden f\u00fcr die massive Aufr\u00fcstung in Deutschland und auch in der EU geh\u00f6rt f\u00fcr Ex-General Vad der Glaube, mithilfe der Kriegs\u00f6konomie die wirtschaftlichen Probleme bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Doch das sei ein \u201eAusweg in die H\u00f6lle\u201c, warnt er mit Hinweis auf die deutsche Vergangenheit. Mit solchen Begr\u00fcndungen sei auch in den 1930er Jahren aufger\u00fcstet und Vollbesch\u00e4ftigung erreicht worden \u2013 um dann in den Krieg zu ziehen. Eine Kriegs\u00f6konomie bringe h\u00f6chstens kurzfristige Impulse f\u00fcr die Wirtschaft. Sie als grunds\u00e4tzliche L\u00f6sung zu sehen sei aber \u201ekompletter Irrglaube\u201c, betont Vad.<\/p>\n<p>Dohnanyi sieht im Unterschied zu ihm keinen zwangsl\u00e4ufigen Weg aus der Kriegs\u00f6konomie in den Krieg. Im faschistischen Deutschland sei sie eingef\u00fchrt worden, \u201eweil Adolf Hitler einen Krieg wollte\u201c. Das sei heute nicht so, meint der ehemalige SPD-Politiker \u2013 und \u00fcbersieht dabei, dass damals gro\u00dfe und m\u00e4chtige Teile der deutschen Wirtschaft Hitlers Kriegskurs unterst\u00fctzten, weil sie davon profitierten.<\/p>\n<p><strong>\u201eWehrhafte Neutralit\u00e4t\u201c als Ziel<\/strong><\/p>\n<p>Er spricht sich f\u00fcr eine \u201ewehrhafte Neutralit\u00e4t\u201c Deutschlands und auch der EU aus, f\u00fcr \u201eEuropa als die Schweiz der Welt\u201c. Das sei der \u201eeinzig vern\u00fcnftige Weg in die Zukunft\u201c, auch wenn eine solche Neutralit\u00e4t \u201ewie die meisten vern\u00fcnftigen Dinge faktisch unerreichbar\u201c sei. Doch es bleibe das \u201eideale Ziel\u201c, auch weil die Bev\u00f6lkerungsmehrheit \u201esehr zufrieden\u201c w\u00e4re mit einem neutralen Europa als \u201eSchweiz der Welt\u201c. Nur die Elite w\u00fcrde nicht beginnen, das zu kapieren. Dohnanyi sagt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir k\u00f6nnen ein Vorbild f\u00fcr die Welt sein. Wir k\u00f6nnen als Europa zeigen, dass Staaten mit unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Sprachen, unterschiedlichen politischen Interessen sich zusammenf\u00fcgen k\u00f6nnen zu etwas, was wir wehrhafte Neutralit\u00e4t nennen w\u00fcrden. Das ist ein Zeichen, ein Vorbild. Europa ist ein Vorbild f\u00fcr die Welt, aber nicht milit\u00e4risch, sondern politisch, \u00f6konomisch, sozial.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Von den sogenannten Eliten ist auch Ex-Regierungsberater Vad entt\u00e4uscht, wie er in dem Gespr\u00e4ch erkl\u00e4rt. Grund ist f\u00fcr ihn \u201edie ganze Kriegsdebatte\u201c der letzten vier Jahre \u2013 \u201eda brauche ich eine Zeit lang zu, um das zu verkraften\u201c. Doch die meisten Menschen in Deutschland w\u00fcrden ihm und von Dohnanyi zustimmen, ist er sich sicher.<\/p>\n<p>In vielen Fragen ist den beiden zuzustimmen, gerade bei der Aufgabe, einen gro\u00dfen Krieg in Europa zu verhindern. Nat\u00fcrlich gibt es auch Punkte, wo mit ihnen zu diskutieren w\u00e4re, so \u00fcber die Frage, ob wirklich zur Sicherheit milit\u00e4rische St\u00e4rke notwendig ist, wie Vad meint. Dar\u00fcber, was es hei\u00dft, dass Deutschland statt \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c \u201everteidigungsf\u00e4hig\u201c sein m\u00fcsse. Auch dar\u00fcber, wer denn Deutschland bedroht, das Land, das in seiner Geschichte fast jedes Nachbarland \u00fcberfallen und angegriffen hat. Das nun erstmalig in der deutschen Geschichte seit mehreren hundert Jahren mit den L\u00e4ndern im Osten und im Westen in einem partnerschaftlichen oder freundschaftlichen Verh\u00e4ltnis ist, zum Teil in den gleichen B\u00fcndnissen oder Organisationen, wie mir 2019 der SPD-Politiker Karsten D. Voigt <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.textstelle.news\/2019\/02\/12\/fur-deutschland-iosteuropa-wichtiger-als-russland\/?ref=apolut.net\"><u>erkl\u00e4rte<\/u><\/a>.<\/p>\n<p>Und mir f\u00e4llt dazu ein leicht abgewandeltes Zitat von Max Horckheimer vom Vorabend des Zweiten Weltkrieges ein: \u201eWer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Krieg schweigen\u201c. Wir m\u00fcssen dennoch miteinander \u00fcber den Frieden reden, wie er erm\u00f6glicht und gesichert werden kann. Auch wenn der Kapitalismus den Krieg in sich tr\u00e4gt, \u201eso wie die schlafende Wolke den Sturm tr\u00e4gt\u201c, wie der am Vorabend des Ersten Weltkrieges ermordete Friedensaktivist Jean Jaures vor mehr als 130 Jahren <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.jaures.eu\/2014\/05\/10\/le-capitalisme-porte-en-lui-la-guerre-1895\/?ref=apolut.net\"><u>erkl\u00e4rte<\/u><\/a>. Dohnanyi und Vad bieten wichtige Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr eine dringend notwendige Debatte \u00fcber den Weg zur\u00fcck zu einer deutschen Friedenspolitik. Weil solche Anst\u00f6\u00dfe gegenw\u00e4rtig so selten sind, sind die des Ex-Politikers und des Ex-Generals umso beachtens- und bemerkenswerter.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dank an den Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Symbol f\u00fcr Diplomatie: Flaggen von Russland und Deutschland auf Schreibtisch<\/p>\n<p>Bildquelle: Fly Of Swallow Studio \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagesdosis 20260610 apolut 0:00 \/1115.491625 1\u00d7 Klaus von Dohnanyi und Erich Vad auf der Suche nach dem Weg zum Frieden Ein Kommentar von Tilo Gr\u00e4ser. Deutschlands Kurs der massiven Aufr\u00fcstung, auch um wirtschaftliche Probleme zu bew\u00e4ltigen, sieht der ehemalige Bundeswehrgeneral Erich Vad als \u201eAusweg in die H\u00f6lle\u201c. 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