{"id":8821,"date":"2026-06-10T19:17:07","date_gmt":"2026-06-10T17:17:07","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/katherina-reiche-so-umgarnt-die-wirtschaftsministerin-die-energiebranche-37524612-html\/"},"modified":"2026-06-10T19:17:07","modified_gmt":"2026-06-10T17:17:07","slug":"katherina-reiche-so-umgarnt-die-wirtschaftsministerin-die-energiebranche-37524612-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/katherina-reiche-so-umgarnt-die-wirtschaftsministerin-die-energiebranche-37524612-html\/","title":{"rendered":"Zu Gast bei Freunden: Katherina Reiche  \u2013 Wie sich die Ministerin bei den Ex-Kollegen schl\u00e4gt"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Wirtschaftsministerin Reiche will die Energiewende neu aufstellen \u2013 und st\u00f6\u00dft auf Kritik, auch aus der Branche. Auf dem Branchenkongress sendet sie Kompromiss-Signale bei einem gro\u00dfen Streitpunkt<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Die Ministerin spricht schon eine Zeitlang, da sagt sie, sie wolle sich nun einmal \u201edurch die einzelnen Gesetze arbeiten\u201c. Kraftwerksgesetz, Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, Netzpaket, das neue Heizungsgesetz \u2013 es ist eine ganze Flut an zentralen Weichenstellungen, die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die Bundesregierung und die Koalition gerade voranbringen. An diesem Mittwoch stellt sich Reiche denjenigen, deren Gesch\u00e4ft von all diesen Gesetzen betroffen ist: den Managerinnen und Managern aus der Energiebranche.<\/p>\n<p>Es ist nicht lange her, dass die CDU-Politikerin im Publikum sa\u00df, als fr\u00fchere Minister beim gro\u00dfen Jahrestreffen des Branchenverbands BDEW auf der B\u00fchne ihre Politik erkl\u00e4rten \u2013 mal freundlicher, mal skeptischer be\u00e4ugt von den Unternehmenslenkern. Vor gut einem Jahr hat Reiche, zuletzt Chefin des Energieversorgers Westenergie, ihren Posten in der Energiewirtschaft aufgegeben, um Ministerin zu werden. Seither ist sie einigen Leuten auf die F\u00fc\u00dfe getreten, auch aus ihrer fr\u00fcheren Branche.<\/p>\n<p>Vor allem aus dem Lager der Erneuerbaren Energien sind viele nicht gut auf Reiche zu sprechen. Dass die Ministerin vor allem auf neue Gaskraftwerke setzt, die an dunklen und windarmen Tagen die Stromversorgung sichern sollen, brachte ihr den Spitznamen \u201eGas-Kathi\u201c ein \u2013 verbunden mit dem Vorwurf, den fossilen Energietr\u00e4ger Gas gegen\u00fcber gro\u00dfen Batteriespeichern zu bevorzugen. F\u00fcr einen heftigen Aufschrei in der Solarbranche sorgte die Ministerin, weil sie die garantierte staatliche F\u00f6rderung f\u00fcr Solaranlagen auf privaten Hausd\u00e4chern komplett abschaffen will. 20 Jahre nach der Einf\u00fchrung des EEG m\u00fcssten sich PV-Anlagen auch so rechnen, meint sie.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch das Netzpaket, mit dem Reiche den Ausbau der Erneuerbaren Energien besser mit dem Netzausbau synchronisieren will. Daf\u00fcr soll der Zubau in Regionen, in denen die Netze heute schon besonders \u00fcberlastet sind, unattraktiver werden, indem neue Anlagen keine Entsch\u00e4digung mehr bekommen, wenn sie bei zu hoher Einspeisung abgeregelt werden m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p>An diesem sogenannten Redispatchvorbehalt, der nach dem Willen von Reiches Ministerium schon in Gebieten gelten soll, in denen im Vorjahr drei Prozent der Erzeugung abgeregelt werden musste, gab es auch scharfe Kritik des BDEW. Dieses Kriterium verhindere Projekte und bremse den Ausbau zu stark, hie\u00df es dort. Vor Reiches Auftritt hatte BDEW-Pr\u00e4sident Stefan Dohler, im Hauptberuf Chef des Energiekonzerns EWE, die Hoffnung ge\u00e4u\u00dfert, die Ministerin werde in ihrer Rede Signale senden, dass sie bei dieser Regelung im Netzpaket noch einmal mit sich reden lasse.<\/p>\n<h2>\u201eZweite Phase der Energiewende\u201c<\/h2>\n<p>Das jedenfalls ist die Ausgangslage f\u00fcr die Ministerin, die sich bisher schwerer als manch einer ihrer Vorg\u00e4nger tut, ihr Publikum zu umgarnen. Als Reiche dann nach der Mittagspause zu den 1000 G\u00e4sten redet, bem\u00fcht sie sich um eine doppelte Botschaft: Die Energiewende sei \u201eeine Erfolgsgeschichte\u201c, sagt sie. Aber man befinde sich nun in ihrer \u201ezweiten Phase\u201c. Die Bundesregierung stehe zum Klimaschutz, niemand stelle die Ausbauziele f\u00fcr die Erneuerbaren Energien infrage. Bei dem wachsenden Anteil von \u00d6kostrom an der Stromerzeugung gebe es allerdings auch \u201eeine andere Seite der Medaille\u201c: Probleme mit Dunkelflauten, immer mehr Stunden mit negativen Strompreisen, in denen subventionierter \u00dcberschussstrom billig ins Ausland abgegeben werden muss, Milliardenkosten f\u00fcr die Stabilisierung der Netze. \u201eDas sind keine Sch\u00f6nheitsfehler\u201c, sagt Reiche \u2013\u00a0sondern \u201eSystemsignale\u201c.<\/p>\n<p>Nach ihrem Amtsantritt im Mai 2025 hat sich Reiche deshalb in die Mission gest\u00fcrzt, bei der Energiewende nachzusteuern. Dies f\u00fchrt jetzt dazu, dass sich eine ganze Reihe an wichtigen Gesetzen staut. Schon einzeln w\u00e4re es schwierig diese Gesetze in der Koalition durchzubekommen, weil es zwischen Union und SPD unterschiedliche Sichtweisen gibt, etwa bei der Abschaffung der EEG-F\u00f6rderung.\u00a0<\/p>\n<p>Jetzt aber liegen im Energiebereich mehrere Gro\u00dfvorhaben auf dem Tisch, die auch noch miteinander verwoben sind. Bei den vielen Gesetzesverfahren haben die Fachverb\u00e4nde mitunter nur wenige Tage Zeit, fingerdicke Gesetzentw\u00fcrfe durchzusehen und Stellungnahmen abzugeben \u2013 was im BDEW zuletzt f\u00fcr Unmut sorgte. Man wolle bei den Gesetzen \u201enicht reingr\u00e4tschen\u201c, aber eben schon vern\u00fcnftig konsultiert werden, sagte Pr\u00e4sident Dohler vor Reiches Rede.<\/p>\n<h2>Reiche: Offen f\u00fcr andere Vorschl\u00e4ge<\/h2>\n<p>Doch bei dem Auftritt im Saal ist von schlechter Stimmung nicht viel zu sp\u00fcren. In der Darstellung wirke es manchmal so, als g\u00e4be es \u201eun\u00fcberbr\u00fcckbare Gr\u00e4ben\u201c zwischen der Branche und dem, was das Ministerium wolle, wundert sich Reiche. \u201eIch sehe das nicht.\u201c Sp\u00e4ter, in der Fragerunde, schmeichelt Dohler, es sei \u201ebeeindruckend\u201c, wie tief Reiche in den Themen sei, trotz der hohen \u201ePackungsdichte\u201c.<\/p>\n<p>In ihrer Rede deutete Reiche beim umstrittenen Redispatchvorbehalt Kompromissbereitschaft an. Es brauche eine Regelung, die eine bessere Steuerung des Erneuerbaren-Ausbaus erm\u00f6gliche, sagt sie. Man m\u00fcsse herauskommen aus dem System, in dem Abschaltungen von Anlagen \u201evorprogrammiert\u201c seien. Bislang erhalten Betreiber Entsch\u00e4digungen, wenn die Netze bei viel Sonne und Wind den produzierten Strom nicht abtransportieren k\u00f6nnen. Reiche will diese Entsch\u00e4digungen in solchen Netzengpassgebieten streichen, damit neue Anlagen m\u00f6glichst woanders entstehen \u2013 oder zumindest keine Kosten f\u00fcr nicht genutzten Strom erzeugen. Sie sei aber offen f\u00fcr Vorschl\u00e4ge, wie dieses \u201esteuernde Element\u201c f\u00fcr den Erneuerbaren-Ausbau genau aussehen solle, sagt die Ministerin.<\/p>\n<p>Am Ende verabschieden ihre fr\u00fcheren Branchenkollegen Reiche mit einem freundlichen Applaus \u2013 allerdings nicht ohne eine Bitte: Die ganzen Gesetze, die derzeit in Vorbereitung sind, m\u00f6gen nun aber auch schnell kommen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Wirtschaftsministerin Reiche will die Energiewende neu aufstellen \u2013 und st\u00f6\u00dft auf Kritik, auch aus der Branche. 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