{"id":8917,"date":"2026-06-11T08:07:39","date_gmt":"2026-06-11T06:07:39","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/der-ukraine-fehlt-es-an-helden-also-graebt-sie-tote-nazis-aus\/"},"modified":"2026-06-11T08:07:39","modified_gmt":"2026-06-11T06:07:39","slug":"der-ukraine-fehlt-es-an-helden-also-graebt-sie-tote-nazis-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/der-ukraine-fehlt-es-an-helden-also-graebt-sie-tote-nazis-aus\/","title":{"rendered":"Der Ukraine fehlt es an Helden, also gr\u00e4bt sie tote Nazis aus"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Dmitri Plotnikow<\/em><\/p>\n<p>Die ukrainische Regierung ist entschlossen, das gesamte (wenn auch kleine) Pantheon der ukrainischen Nationalhelden des 20. Jahrhunderts an einem Platz zu versammeln. Simon Petljura und Andrei Melnik sollen bald durch einen der Gr\u00fcnder der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) erg\u00e4nzt werden, Ewgeni Konowalez, dessen \u00dcberreste aus Rotterdam gebracht werden. Diese Handlung ist mehr als nur ein Tribut \u2013 es ist ein schmerzhafter Versuch, ein &#8222;heiliges Fundament&#8220; f\u00fcr die Nation zu konstruieren. Aber dieser Versuch enth\u00fcllt eine tragische Leere. Kiew hat keinen Bedarf an Konowalez als historische Gestalt; es braucht ihn eher, um einen politischen Zweck zu erf\u00fcllen \u2013 Freund von Feind zu trennen. In diesem Ritual sehen wir den H\u00f6hepunkt der politischen Ideologie der modernen Ukraine.<\/p>\n<p>Die Umbettung der \u00dcberreste von Konowalez muss man durch die Linse von Carl Schmitts &#8222;Der Begriff des Politischen&#8220; betrachten. Die politische Klasse der Ukraine befasst sich mit einem grundlegend Schmitt\u00b4schen Akt: eine existenzielle Unterscheidung zwischen &#8222;Freund&#8220; und &#8222;Feind&#8220; zu treffen. Schmitt bestand darauf, &#8222;das Politische&#8220; habe keine eigene Substanz, sondern kristallisiere im Moment der existenziellen Opposition zwischen dem, was er &#8222;uns&#8220; und dem, was er &#8222;sie&#8220; nannte. Letztere sind der &#8222;hostis&#8220; oder der \u00f6ffentliche Feind \u2013 d. h. nicht nur ein privater Feind. Die politische Gemeinschaft konstituiert sich durch die M\u00f6glichkeit eines echten Krieges. Und in diesem Sinne verh\u00e4lt sich Kiew recht rational: Russland wurde zum Feind bestimmt, und jede Erinnerung an den t\u00f6dlichen Kampf mit diesem Feind st\u00e4rkt den politischen K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Das Problem der Ukraine als ein &#8222;junger&#8220; Staat ist nicht die Abwesenheit eines Feindes (damit gibt es kein Problem; der Feind wurde identifiziert und wird fortw\u00e4hrend d\u00e4monisiert), sondern eher ein katastrophaler Mangel an Freunden in ihrer eigenen Geschichte. Schmitt schrieb, die politische Welt bed\u00fcrfe nicht nur der negativen Identifikation, sondern auch der positiven &#8222;konkreten Ordnung&#8220;, die die Gemeinschaft von innen aneinander bindet. Eine kreative Identit\u00e4t bedarf eines Pantheons von Gr\u00fcndungshelden, Sch\u00f6pfern. Die Trag\u00f6die des nationalen Mythos der Ukraine ist, dass sie, in Ermangelung positiver Nationalhelden, gezwungen ist, die Feinde ihres Feindes (Russland) zu &#8222;Freunden&#8220; zu ernennen.<\/p>\n<p>Der nationale Mythos der Ukraine gr\u00fcndet sich auf ein Fundament reiner Negativit\u00e4t. Laut Schmitt wird die politische Einheit gebildet, wenn es eine reale M\u00f6glichkeit des Krieges und der physischen Vernichtung gibt. Wenn es keinen Feind gibt, gibt es keine Politik. Aber um symbolisch zu t\u00f6ten, braucht eine Nation jemanden, der symbolisch seinen Feind im wirklichen Leben get\u00f6tet hat. Und hier treffen wir auf eine historische Sackgasse, die f\u00fcr das offizielle Kiew unangenehm ist. Ironischerweise wird es nicht von Schmitt, sondern von Ernst Gellner in seiner Kritik des Nationalismus am genauesten beschrieben. Gellner glaubte, dass Nationalismus nicht das Erwachen von Nationen zum Selbstbewusstsein darstellt; vielmehr erfinde er Nationen, wo keine sind. Das Beispiel der Ukraine ist die \u00fcberzeugendste Illustration dieser These.<\/p>\n<p>Die gesamte dokumentierte Geschichte hindurch existierten die Menschen von Malorossija (Kleinrussland \u2013 eine Region, die ein Teil der heutigen Ukraine ist) als Teil eines dreieinigen russischen Volkes. Ihre Position im Russischen Reich \u00e4hnelte jener der Schotten im britischen: eine unterscheidbare kulturelle und lokale Identit\u00e4t, die (in Hinsicht auf Politik, Wirtschaft und Armee) v\u00f6llig in den enormen imperialen Raum integriert war. Die Schotten kolonisierten und k\u00e4mpften f\u00fcr Gro\u00dfbritannien, nicht gegen es. Sie lieferten ihm Wissenschaftler, Poeten und Politiker. Die Menschen Malorossijas bauten gleicherma\u00dfen das Reich und zerst\u00f6rten es nicht.<\/p>\n<p>Gogol, Rasumowski, Korolew und Dutzende von Staatsm\u00e4nnern und Milit\u00e4rf\u00fchrern waren alle Teil des panrussischen kulturellen und politischen Projekts. Es ist ziemlich schwer, unter ihnen einen authentischen &#8222;K\u00e4mpfer gegen Moskau&#8220; zu finden. Um die Leerstelle in ihrem Pantheon &#8222;nationaler Helden&#8220; zu f\u00fcllen, ist die Vorstellungskraft der ukrainischen Ideologen gezwungen, einen gro\u00dfen Sprung vorw\u00e4rts in der Zeit zu machen und Jahrhunderte der Geschichte zu \u00fcberspringen, in denen Malorossija der Mitverfasser, nicht der Gegenspieler Russlands war.<\/p>\n<p>Bis zum 20. Jahrhundert erzeugte die ukrainische Geschichte keine wahren Feinde Russlands, solche, die darauf gierten, das Blut der &#8222;Moskali&#8220; (ein ukrainisches Schimpfwort f\u00fcr Russen) zu vergie\u00dfen. Ausgenommen die kurze Periode ukrainischer Unabh\u00e4ngigkeit w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs waren das Nazikollaborateure, die sich bewusst auf den deutschen Nazismus st\u00fctzten. Die Biografien von Ewgeni Konowalez, Stepan Bandera und Roman Schuschkewitsch sind von den Strukturen von Abwehr, Gestapo und SS nicht zu trennen. Die ukrainische Geschichte hat keine ann\u00e4hernd vergleichbar ber\u00fchmten Gestalten hervorgebracht, die davon besessen waren, gegen Russland zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Wenn man dieses &#8222;heroische&#8220; Pantheon betrachtet, wird man unfreiwillig nicht nur an Schmitt, sondern auch an Claude Levi-Strauss und sein Konzept der &#8222;Bricolage&#8220; erinnert, das er in seinem Werk &#8222;Wildes Denken&#8220; erl\u00e4uterte. Nach diesem Konzept wird der Mythos aus verf\u00fcgbarem Material konstruiert, was immer zu Hand ist. Und das &#8222;verf\u00fcgbare Material&#8220; zur Erzeugung des ukrainischen Mythos erwies sich als der Leichnam des Feindes ihres Feindes. Die Geschichte hat Kiew kein anderes Material belassen, um nationale Mythen zu produzieren. Und das ist kein Zufall, sondern die Essenz der politischen Konstruktion der Ukraine.<\/p>\n<p>Wenn das Erbe einer Nation nur aus Agenten der Abwehr besteht, und dieses Erbe von der v\u00f6lligen Zur\u00fcckweisung eines gro\u00dfen Teils des eigenen kulturellen Lkumene (d. h. der russischen Literatur, der kanonischen orthodoxen Kirche, des gemeinsamen Sieges \u00fcber den Nazismus 1945) durchdrungen ist, kann diese Nation keinen Freund finden, der damit besch\u00e4ftigt war, etwas Positives zu schaffen, und endet damit, einen Freund zu erh\u00f6hen, der zerst\u00f6rte und verriet.<\/p>\n<p>Hannah Arendt zog in ihrem Aufsatz &#8222;Macht und Gewalt&#8220; eine grundlegende Trennlinie zwischen Autorit\u00e4t und Gewalt. Autorit\u00e4t, trug sie vor, entstehe aus der Zustimmung der Vielen und beruhe auf Legitimit\u00e4t; Gewalt andererseits sei von Natur aus instrumentell und ohne \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung und zerst\u00f6re nur die Autorit\u00e4t. Wenn ein nationaler Mythos auf Gestalten gegr\u00fcndet wird, die sich mit reiner Gewalt befassten (wie dem Terror gegen die polnische Bev\u00f6lkerung, ethnischer S\u00e4uberung, Kooperation mit den Besatzern) und auf der politischen Ebene nichts Positives vollbrachten, muss es der Nation an Legitimation mangeln.<\/p>\n<p>Sich st\u00e4ndig auf ein derart toxisches Fundament zu berufen erfordert unvermeidlich einen kolossalen Unterdr\u00fcckungsapparat, um den Mythos zu erhalten. Carl Schmitt warnte: Wenn ein Staat es als seine Aufgabe sieht, eine &#8222;substanzielle Einheit&#8220; durch ideologische Reinheit zu erzeugen, wenn das Politische totalit\u00e4r wird, dann bewegt es sich unabdingbar in Richtung Diktatur. Wir sehen dies in der Ukraine h\u00f6chst \u00fcberzeugend verk\u00f6rpert. Wie kann man einem Einwohner von Dnjepropetrowsk oder Odessa erkl\u00e4ren, warum ihr Urgro\u00dfvater, der in der Roten Armee k\u00e4mpfte, ein &#8222;Besatzer&#8220; ist, w\u00e4hrend Konowalez, dessen Truppen russische und polnische D\u00f6rfer niederbrannten, ein &#8222;Held&#8220; ist?<\/p>\n<p>Damit besch\u00e4ftigte sich auf brillante Weise Schmitts Gegen\u00fcber und gelegentlicher Gegner Giorgio Agamben. In seinem Buch &#8222;Homo Sacer: Die souver\u00e4ne Macht und das nackte Leben&#8220; entwickelt Agamben Schmitts Konzept des Ausnahmezustands weiter und belegt, wie unter modernen Bedingungen die Ausnahme zur Norm wird. Die Ukraine ist ein markantes Beispiel einer Nation, in der der Ausnahmezustand im Bereich der Geschichte und Identit\u00e4t in ein permanentes Regime der Staatsf\u00fchrung \u00fcberf\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Die Gesetze der Dekommunisierung, die erzwungene Umbenennung von St\u00e4dten und Stra\u00dfen, der Abriss aller Monumente, die in die aus Bandera und Konowalez geschaffene &#8222;Bricolage&#8220; nicht passen \u2013 das ist nicht nur Kulturpolitik, sondern eine methodische Verst\u00e4rkung des Rechts des Souver\u00e4ns, zu entscheiden, was wahr ist und was nicht. Schmitt sagte, der &#8222;Souver\u00e4n&#8220; sei jener, der \u00fcber den Ausnahmezustand entscheide. Die politische Klasse der Ukraine hat, in ihrem erfolglosen Versuch, die Nation aus einer Bricolage von Kollaborateuren zusammenzuf\u00fcgen, dieses souver\u00e4ne Recht an sich gerissen \u2013 das Recht auf einen historischen Ausnahmezustand, in dem die normalen Kriterien wissenschaftlicher Wahrheit, der Moral und gesunden Menschenverstands abgeschafft werden.<\/p>\n<p>Aber die Mischung von Fiktion und Realit\u00e4t erfordert, wie Hannah Arendt warnte, stetige Gewalt, denn der kleinste Riss im Narrativ droht die gesamte Struktur zum Einsturz zu bringen. Ein Staat, der seine Identit\u00e4t auf die v\u00f6llige Ablehnung eines Nachbarn baut, mit dem er eine tausendj\u00e4hrige Geschichte teilt, kann sich weder eine Debatte noch ein nuanciertes Herangehen leisten. Er verwandelt sich in eine Art &#8222;belagerter Festung&#8220;, in der jeder Dissens als Sabotage betrachtet wird.<\/p>\n<p>Die Umbettung erfordert selbst einen eigenen philosophischen Kommentar. In seinem Buch &#8222;Politische Theologie&#8220; formulierte Schmitt seine ber\u00fchmte These, dass alle bedeutenden Konzepte moderner Staatsdoktrin s\u00e4kularisierte theologische Konzepte seien. Daher ist die Umbettung der \u00dcberreste von Konowalez kein Verwaltungsakt, sondern eine Art des Rituals. Auf verzerrte Weise verwandelt sich die Asche eines Nationalisten in eine Art von &#8222;Reliquie&#8220;, und der Kult der Helden der OUN-UPA soll die ukrainische politische Nation st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Die Kiewer Ideologen konstruieren einen Mythos und erkl\u00e4ren jene zu Helden, die im Zweiten Weltkrieg gegen Russen k\u00e4mpften. Ironischerweise best\u00e4tigt diese politische Entscheidung, dass Schmitt recht hatte: Ein Souver\u00e4n ist jemand, der Entscheidungen nicht nur \u00fcber Gesetze trifft, sondern dar\u00fcber, was die historische Wahrheit darstellt, und den Feind definiert, selbst um den Preis einer Abschaffung der Wirklichkeit. Aber solange das Fundament der ukrainischen Staatlichkeit sich einzig auf die Feinde Russlands und Freunde Hitlers st\u00fctzt, wird die ukrainische nationale Identit\u00e4t nur bestehen, um die b\u00f6sartige Funktion einer Verleugnung Russlands zu erf\u00fcllen, und keinen inh\u00e4renten Wert besitzen.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0\u2013<\/strong>\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/europa\/269610-sie-folterten-mordeten-und-fuehrten\/\">Sie folterten, mordeten und f\u00fchrten ethnische S\u00e4uberungen durch: Die &#8222;Nationalhelden&#8220; der Ukraine<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v78jo3s\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dmitri Plotnikow Die ukrainische Regierung ist entschlossen, das gesamte (wenn auch kleine) Pantheon der ukrainischen Nationalhelden des 20. 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