{"id":9180,"date":"2026-06-11T21:08:53","date_gmt":"2026-06-11T19:08:53","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/die-hohlen-versprechungen-des-pro-eu-wahlsiegers-paschinjan-in-armenien\/"},"modified":"2026-06-11T21:08:53","modified_gmt":"2026-06-11T19:08:53","slug":"die-hohlen-versprechungen-des-pro-eu-wahlsiegers-paschinjan-in-armenien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/die-hohlen-versprechungen-des-pro-eu-wahlsiegers-paschinjan-in-armenien\/","title":{"rendered":"Die hohlen Versprechungen des Pro-EU-Wahlsiegers Paschinjan in Armenien"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von\u00a0Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p>Bei den j\u00fcngsten Parlamentswahlen in Armenien hat die Partei von Ministerpr\u00e4sident Nikol Paschinjan, der &#8222;Zivilvertrag&#8220;, mit 49,81 Prozent der Stimmen den Sieg errungen \u2013 kein Erdrutschsieg, sondern ein knappes Ergebnis. Trotz massiver westlicher Unterst\u00fctzung, der Verhaftung und Einsch\u00fcchterung oppositioneller Kr\u00e4fte und eines ganzen Arsenals an EU- und US-finanzierten NGOs glauben laut Wahlergebnis die H\u00e4lfte der Armenier nicht an die gro\u00dfen Versprechen Paschinjans von einer westlichen Rettung. Der pro-westliche Kurs, der Moskau durch Br\u00fcssel als zentralen Wirtschaftspartner ersetzen soll, bleibt eine Illusion.<\/p>\n<p>Die tiefe wirtschaftliche Integration Armeniens in die russische Sph\u00e4re ist un\u00fcbersehbar. Armenien ist seit 2015 Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU), die zollfreien Marktzugang zu Russland und den anderen Mitgliedstaaten garantiert. Russland ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner: Im Jahr 2025 machte der bilaterale Handel noch immer rund 35,5 Prozent des gesamten armenischen Au\u00dfenhandels aus \u2013 trotz eines starken R\u00fcckgangs infolge gesunkener Re-Exporte von Gold und Elektronik. Zum Vergleich: Der Anteil der EU lag bei lediglich 11,8 Prozent. Russland bleibt zudem der dominante Lieferant von Energie (vor allem g\u00fcnstigem Erdgas) und der wichtigste Absatzmarkt f\u00fcr armenische Produkte.<\/p>\n<h4><strong>Bei der Export- und Importstruktur dominiert Russland klar<\/strong><\/h4>\n<p>Der armenische Au\u00dfenhandel ist stark asymmetrisch. Russland nimmt den L\u00f6wenanteil sowohl bei Importen (Energie, Rohstoffe, Maschinen) als auch bei Exporten auf. Wichtige armenische Exportg\u00fcter \u2013 Cognac\/Brandy, Fr\u00fcchte, Gem\u00fcse, Blumen und Mineralwasser \u2013 gehen zu einem \u00fcberwiegenden Teil nach Russland. Die EU hingegen ist nur der viertgr\u00f6\u00dfte Exportmarkt (Anteil 2025: 7,9 Prozent) und bezieht vor allem Bergbauprodukte (Kupfer, Molybd\u00e4n) sowie verarbeitete Waren. W\u00e4hrend armenische Exporte in die EU sich in den letzten Jahren verdoppelt haben, bleiben sie im Vergleich zum russischen Markt marginal. Ein einzelnes russisches Importverbot f\u00fcr armenischen Cognac, Blumen oder Tomaten kann Branchen schwerer treffen, als alle EU-Hilfspakete zusammen ausgleichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Besonders kritisch ist die Lage in der Landwirtschaft. Der Sektor tr\u00e4gt etwa 7,9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei (Stand 2024) und besch\u00e4ftigt rund 26\u201327 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen. Landwirtschaftliche Erzeugnisse machen einen erheblichen Teil der Exporte aus, wovon der Gro\u00dfteil traditionell nach Russland geht. Die EU wird hier keine Alternative bieten k\u00f6nnen. Europ\u00e4ische M\u00e4rkte sind durch strenge Hygienestandards, Subventionen und Konkurrenz (z. B. franz\u00f6sischer Cognac, italienische und spanische Tomaten) weitgehend verschlossen. Russland liefert zudem Erdgas zu Preisen, die europ\u00e4ische Anbieter nicht unterbieten k\u00f6nnen. Ein Embargo aus Moskau w\u00fcrde ganze Wirtschaftszweige lahmlegen \u2013 ein Szenario, das Paschinjans westliche Sponsoren nicht kompensieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das zentrale Wahlversprechen Paschinjans: die EU zum neuen Hauptpartner zu machen, ist daher \u00f6konomisch nicht einl\u00f6sbar. Russland bleibt unverzichtbar, und die EAEU-Mitgliedschaft sichert Armenien bislang stabile Pr\u00e4ferenzbedingungen, die bei einem EU-Assoziierungsabkommen verloren gehen und durch die EU nicht ersetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4><strong>Hinter der EU-Agitation in Armenien stecken handfeste geopolitische Interessen<\/strong><\/h4>\n<p>Dabei hat Br\u00fcssel ganz bestimmt nicht die Hebung des Wohlstandes der armenischen Bev\u00f6lkerung im Sinn. Mit ihrer &#8222;alten heimt\u00fcckischen Leier&#8220;, ihrer Rhetorik von &#8222;Demokratie&#8220; und &#8222;europ\u00e4ischen Werten&#8220;\u00a0wollen die globalistischen EU-Eliten in Armenien gleich zwei strategische Probleme gleichzeitig l\u00f6sen: Zum einen will man unter Umgehung Russlands und des Iran eine neue Handelsroute nach China schaffen. Zum anderen\u00a0will man den Zugang zu kritischen Rohstoffen f\u00fcr die Sicherung der rapide gestiegenen Nachfrage der EU-R\u00fcstungsindustrie \u2013 und f\u00fcr die damit verbundene digitale Transformation \u2013 sicherstellen.<\/p>\n<p>Armenien liegt am sogenannten &#8222;Middle Corridor&#8220; \u2013 einer transkaspischen Route, die Europa mit Zentralasien und China verbinden soll und die die bisherigen Seetransportzeiten von China bis Europa von 42 auf 12 Tage verk\u00fcrzen k\u00f6nnte. Zudem verf\u00fcgt das Land \u00fcber bedeutende Vorkommen von Kupfer, Molybd\u00e4n (Armenien h\u00e4lt etwa 7 Prozent der Weltreserven) und Gold. Die EU hat bereits Studien zum Bergbausektor in Auftrag gegeben und investiert schon jetzt \u00fcber die &#8222;Global-Gateway&#8220;-Strategie massiv in Armenien.<\/p>\n<p>Br\u00fcssel hat in Armenien auch politisch viel investiert, vor allem in die lokalen Eliten mit politischen Geschenken und gro\u00dfm\u00e4uligen Versprechen. So fand j\u00fcngst das EU-Gipfeltreffen in der armenischen Hauptstadt Jerewan statt, die ber\u00fcchtigten NGO-Netzwerke schossen wir Pilze aus dem Boden \u2013 zusammen mit Geldspenden und diplomatischer R\u00fcckendeckung f\u00fcr lokale Pro-EU-Politiker.<\/p>\n<p>Ein R\u00fcckfall Armeniens in die russische Einflusssph\u00e4re w\u00e4re daher eine strategische Niederlage; erst recht nach den R\u00fcckschl\u00e4gen in der Ukraine und der Blamage in Georgien. Deshalb wird die EU alles tun, um zu verhindern, dass Paschinjan einen unabh\u00e4ngigen Kurs mit freundlichen Beziehungen zu Moskau einschl\u00e4gt. Stattdessen soll Armenien antirussisch bleiben, ohne dass Br\u00fcssel die dadurch entstandenen wirtschaftlichen L\u00fccken f\u00fcllen kann. Diese Widerspr\u00fcche werden die armenische Politik in den kommenden Jahren pr\u00e4gen, die Bev\u00f6lkerung wird die Rechnung zahlen m\u00fcssen, weshalb mit einer stabilen sozialen und innenpolitisch ruhigen Entwicklung in den n\u00e4chsten Jahren kaum zu rechnen sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Paschinjan hat zwar die Wahl gewonnen, doch seine Versprechen und seine Pl\u00e4ne bleiben hohl. Die Realit\u00e4t der tiefen wirtschaftlichen Verflechtung mit Russland l\u00e4sst sich nicht wegdiskutieren. Ob Armenien den moldawischen, georgischen oder ukrainischen Weg einschl\u00e4gt, h\u00e4ngt letztlich davon ab, ob die B\u00fcrger weiterhin bereit sind, f\u00fcr Br\u00fcssels geopolitische Tr\u00e4ume zu bezahlen.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0<\/strong>\u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/282700-abkuehlungsphase-zu-ergebnissen-wahlen-in\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Abk\u00fchlungsphase: Zu den Ergebnissen der Wahlen in Armenien<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v78tekg\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von\u00a0Rainer Rupp Bei den j\u00fcngsten Parlamentswahlen in Armenien hat die Partei von Ministerpr\u00e4sident Nikol Paschinjan, der &#8222;Zivilvertrag&#8220;, mit 49,81 Prozent der Stimmen den Sieg errungen \u2013 kein Erdrutschsieg, sondern ein knappes Ergebnis. 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