{"id":9372,"date":"2026-06-12T18:09:55","date_gmt":"2026-06-12T16:09:55","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/von-muecken-und-zecken-menschenversuchen-und-heutigen-aengsten\/"},"modified":"2026-06-12T18:09:55","modified_gmt":"2026-06-12T16:09:55","slug":"von-muecken-und-zecken-menschenversuchen-und-heutigen-aengsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/von-muecken-und-zecken-menschenversuchen-und-heutigen-aengsten\/","title":{"rendered":"Von M\u00fccken und Zecken, Menschenversuchen und heutigen \u00c4ngsten"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Dagmar Henn<\/em><\/p>\n<p>Die britische <em>Daily Mail<\/em> ist eine konservative Boulevard-Zeitung, bei der es ein wenig erstaunt, wenn sie sich in die Archive des Pentagons begibt. Nichtsdestotrotz hat sie das vor einigen Tagen <a href=\"https:\/\/www.dailymail.com\/sciencetech\/article-15874013\/us-army-tested-killer-mosquitoes-biological-weapon.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">getan<\/a> und aus alten Akten Menschenversuche des Pentagons ausgegraben. Der Hintergrund daf\u00fcr d\u00fcrfte ein Artikel sein, in dem sie sich mit einem Verdacht befasste, der heute einige Menschen umtreibt.<\/p>\n<p>Die Versuche, von denen das Blatt berichtet, liegen schon einige Zeit zur\u00fcck; sie fanden in den 1950er-Jahren statt. Darum sind die Unterlagen dar\u00fcber auch mittlerweile freigegeben\u00a0\u2013 \u00fcber aktuelle Gegenst\u00fccke kann man nur Vermutungen anstellen.<\/p>\n<p>Einer der Versuche nannte sich Projekt Bellwether. Der <a href=\"https:\/\/apps.dtic.mil\/sti\/pdfs\/AD0596046.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Abschlussbericht<\/a> stammt aus dem Jahr 1960, umfasst 69 Seiten und wurde im Jahr 1999 freigegeben. Die US-Gesetzgebung sieht vor, dass ein Dokument alle f\u00fcnf Jahre eine Geheimhaltungsstufe verliert; so werden selbst streng geheime Dokumente nach einigen Jahrzehnten zug\u00e4nglich. Allerdings \u2013 nur ein Teil davon wird auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit entsprechend aufgearbeitet, sodass selbst Vorf\u00e4lle, die bestens dokumentiert sind, oft nur einen kleinen Teil der \u00d6ffentlichkeit erreichen.<\/p>\n<p>Bei Project Bellwether ist das der Fall. Es geht hier um Versuche, die \u00dcbertragung von Krankheiten durch M\u00fccken und andere Insekten zu provozieren, um festzustellen, ob sich diese als Kriegswaffe eignen. Die Versuche fanden zu einem guten Teil an der US-Bev\u00f6lkerung statt \u2013 andere Dokumente belegen allerdings, dass beispielsweise in Indien \u00e4hnliche Experimente durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise wurde mit den Dokumenten von Operation Bellwether nicht so vorgegangen, wie das in den Papieren selbst vorgesehen war. Dort steht n\u00e4mlich: &#8222;Wenn dieses Dokument seinen Zweck erf\u00fcllt hat, sollte es zerst\u00f6rt werden. Es soll nicht an die ausgebende Stelle zur\u00fcckgegeben werden.&#8220;<\/p>\n<p>Insgesamt wurden, allein in diesem Versuch &#8222;52 Feldversuche zwischen dem 1. September und 9. Oktober 1959&#8220; durchgef\u00fchrt. Dabei wurde aufgezeichnet, wie viel der freiwilligen Versuchspersonen von den freigesetzten M\u00fccken gestochen wurden. Das Milit\u00e4r war in diesem Fall nicht v\u00f6llig zufrieden: &#8222;Der mittlere Prozentsatz der gestochenen Testsubjekte lag zwischen 60 und 70 Prozent.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Einige Anforderungen von offenkundiger Bedeutung w\u00e4ren realistische Vorhersagen der Zieleffektivit\u00e4t und der Verlustraten, auf denen letztlich Berechnungen zur erforderlichen Munitionsmenge basieren k\u00f6nnten&#8220;, so die Vorgabe des Pentagons.<\/p>\n<p>Bei den eingesetzten M\u00fccken der Art Aedes aegypti, die f\u00fcr Versuche \u00fcber die \u00dcbertragung von Gelbfieber genutzt wurden, ging es insbesondere um die Aktivit\u00e4t zu verschiedenen Tageszeiten und um den Einfluss des Wetters auf den Verbreitungserfolg. Die Insekten wie die Erreger f\u00fcr die Versuche lieferte \u00fcbrigens, was nicht \u00fcberrascht, das ber\u00fcchtigte US-Biowaffenlabor Fort Detrick. Das auch Empf\u00e4nger der Auswertung dieser Versuche war.<\/p>\n<p>Verglichen mit anderen Versuchen war Bellwether geradezu unschuldig. In den Jahren davor fanden bereits eine Reihe anderer Versuche, ebenfalls mit Aedes aegypti, statt, bei denen beispielsweise in Savannah, Georgia, 300.000 mit Gelbfieber infizierte M\u00fccken \u00fcber einem schwarzen Stadtviertel abgeworfen wurden, um herauszufinden, ob die M\u00fccken ihr Ziel finden, wenn sie aus Flugzeugen freigesetzt werden.<\/p>\n<p>Beleg f\u00fcr das &#8222;Finden&#8220; war dann nichts anderes als eine Infektion mit Gelbfieber. Gelbfieber ist eine tropische Infektionskrankheit, die in 15 Prozent der Infektionsf\u00e4lle schwere Nieren- und Leberprobleme ausl\u00f6st, an denen bis zu 50 Prozent der Erkrankten versterben. Es gibt eine Impfung dagegen, die selbst als eine der am schwersten vertr\u00e4glichen Impfungen gilt und daher nur f\u00fcr Reisen in Gebiete in Westafrika oder S\u00fcdamerika empfohlen wird, in denen das Infektionsrisiko hoch ist (wie im Amazonasgebiet). Es wird angenommen, dass sie sich durch den Sklavenhandel aus Westafrika nach Lateinamerika verbreitete.<\/p>\n<p>M\u00fccken waren nicht die einzigen Insekten, die als \u00dcbertr\u00e4ger genutzt wurden. Die Pentagon-Experimente schlossen auch L\u00e4use, Fl\u00f6he, Fliegen und Zecken mit ein. Die Tatsache, dass derartige Experimente stattfanden, Menschenversuche, bei denen die Versuchspersonen nichts von ihrem Gl\u00fcck wussten, eingeschlossen, wurde lange abgestritten. Die <em>Daily Mail<\/em> liefert eine Aufnahme eines Artikels\u00a0aus dem Jahr 1982, in dem eine Sprecherin der CIA in Reaktion auf einen sowjetischen Bericht \u00fcber die Existenz solcher Programme abstritt und ihn &#8222;sowjetische Propaganda&#8220; nannte.<\/p>\n<p>Eigenartigerweise soll, obwohl belegt ist, dass derartige Versuche \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg, mit unterschiedlichen Erregern und \u00dcbertr\u00e4gern, stattgefunden haben, das f\u00fcr die Gegenwart alles nicht mehr gelten. Auch wenn die <em>Daily Mail<\/em> Robert Malone, einen bekannten US-Virologen und Molekularbiologen, der einst an der Entwicklung von RNA-Impfstoffen gearbeitet hat und seit Corona in Verruf gebracht wurde, mit einem Verweis auf weitere Experimente in den 1960er-Jahren, bei denen in Virginia radioaktive Zecken freigesetzt wurden, zuf\u00e4llig in genau jener Gegend, in der die Lyme-Borreliose zuerst identifiziert wurde. Diese Freisetzung war Teil von Project 112, einem weiteren Pentagon-Programm, bei dem unter anderem mit Anthrax-Bakterien gespielt wurde, die auf Busbahnh\u00f6fen verspr\u00fcht wurden, oder mit einer infekti\u00f6sen Bakterie, die im New Yorker U-Bahn-Netz verteilt wurde.<\/p>\n<p>Der Grund, warum die <em>Daily Mail<\/em> dieses Thema aufgriff und all die alten Daten in Erinnerung rief, sind jedoch nicht die unz\u00e4hligen Biolabore in der Ukraine, die das Pentagon betrieben hat oder noch betreibt (die Bundeswehr hatte da auch ein paar Programme laufen); der Grund ist eine aktuelle Studie aus den USA, die bei vielen \u00c4ngste ausl\u00f6st, weil die Realisierung des darin vorgeschlagenen Vorgehens vor dem Hintergrund dieser alten Akten sehr plausibel scheint. Die <em>Daily Mail<\/em> wollte sich mit der Erinnerung an die r\u00fccksichtslosen Versuche des Pentagons in der Vergangenheit vor Vorw\u00fcrfen sch\u00fctzen, sie greife haltlose Behauptungen auf.<\/p>\n<p>Dabei ging es um eine im Jahr 2025 an der Universit\u00e4t von West-Michigan ver\u00f6ffentlichte Studie zweier Forscher, die darin erkl\u00e4rten, die Gesellschaft habe eine moralische &#8222;Verpflichtung&#8220;, Zecken zu verbreiten, die eine Krankheit verbreiten, die eine Allergie gegen rotes Fleisch ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Die Krankheit gibt es tats\u00e4chlich, sie nennt sich Alpha-Gal-Syndrom. Alpha-Gal ist ein Zucker, der sich im Fleisch der meisten S\u00e4ugetiere, in Milchprodukten und in Gelatine findet. Die durch die Infektion ausgel\u00f6ste allergische Reaktion tritt mit Verz\u00f6gerung auf, zwei bis sechs Stunden nach dem Verzehr der Nahrungsmittel, und reicht von Quaddeln und Erbrechen bis hin zum anaphylaktischen Schock; eine Reaktion, die nur durch v\u00f6lligen Verzicht auf Fleisch und Milchprodukte umgangen werden kann.<\/p>\n<p>Der einzige Grund, den es g\u00e4be, infizierte Zecken nicht zu verbreiten, zitiert die <em>Daily Mail<\/em> die beiden Forscher, sei, dass es derzeit keinen einfachen und effektiven Weg gebe, das in gro\u00dfem Ma\u00dfstab zu tun.<\/p>\n<p>&#8222;Aber es ist machbar, die F\u00e4higkeit der Zecken, Krankheiten zu \u00fcbertragen, genetisch zu ver\u00e4ndern. Wenn wir recht haben, dann haben wir heute die Pflicht, die F\u00e4higkeit von Zecken zur \u00dcbertragung von AGS zu erforschen und zu entwickeln, und morgen die Verbreitung vorzunehmen.&#8220;<\/p>\n<p>Auch wenn diese Studie als &#8222;Gedankenexperiment&#8220; bezeichnet wurde, und, wie die <em>Daily Mail<\/em> berichtet, eine heftige \u00f6ffentliche Reaktion ausl\u00f6ste \u2013 in den letzten Monaten kursierten Videos von Schachteln voller Zecken, die angeblich von Flugzeugen aus abgeworfen sein sollen. Das k\u00f6nnen Inszenierungen sein, aber ebenso gut echte Aufnahmen.<\/p>\n<p>Die Kernfrage ist: Kann man sich, solange Einrichtungen wie das Herz der US-Biowaffenforschung, Fort Detrick, weiterhin ohne jede internationale \u00dcberwachung arbeiten, auf Erkl\u00e4rungen verlassen, das sei alles &#8222;Verschw\u00f6rungstheorie&#8220;? Genau so h\u00e4tten auch die New Yorker in den 1960er-Jahren reagiert, h\u00e4tte man ihnen gesagt, dass ihr eigenes Milit\u00e4r in ihrer U-Bahn die Verbreitungsrate infekti\u00f6ser Bakterien an ihnen austestet.<\/p>\n<p>Aktuell versucht Google gerade, einen Versuch genehmigt zu bekommen, bei dem 32 Millionen genetisch modifizierte M\u00fccken in Kalifornien und Florida ausgesetzt werden sollen, angeblich, um die Zahl der M\u00fccken zu verringern.<\/p>\n<p>Wie man sieht, ist es nicht einfach, die Linie zwischen Vermutung und Wirklichkeit zu ziehen, und im R\u00fcckblick stellt sich oft heraus, dass die Wirklichkeit die Vermutungen noch \u00fcbertraf. Gut, dass die <em>Daily Mail<\/em> das in Erinnerung gerufen hat.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/118444-keim-krieges-usa-und-biowaffen\/\">Der Keim des Krieges \u2013 die USA und Biowaffen<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n                                                <iframe id=\"odysee-iframe\" style=\"width:100%; aspect-ratio:16 \/ 9;\" src=\"https:\/\/odysee.com\/%24\/embed\/%40RTDE%3Ae%2FKirillow_deckt_Pentagon-Forschung_in_der_Ukraine_auf%3A0?r=FjFE316BKFfFZbXeivYsBuaSRAN1eBiZ\" allowfullscreen><\/iframe>\n                    <\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dagmar Henn Die britische Daily Mail ist eine konservative Boulevard-Zeitung, bei der es ein wenig erstaunt, wenn sie sich in die Archive des Pentagons begibt. 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