{"id":9501,"date":"2026-06-13T16:23:20","date_gmt":"2026-06-13T14:23:20","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/panerai-marketingchef-wir-verstecken-unser-erbe-nicht-37447878-html\/"},"modified":"2026-06-13T16:23:20","modified_gmt":"2026-06-13T14:23:20","slug":"panerai-marketingchef-wir-verstecken-unser-erbe-nicht-37447878-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/panerai-marketingchef-wir-verstecken-unser-erbe-nicht-37447878-html\/","title":{"rendered":"Luxusuhren: Panerai-Marketingchef: \u201eWir verstecken unser Erbe nicht\u201c"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Die Uhrenmarke Panerai hat eine milit\u00e4rische Vergangenheit. Marketingchef Alessandro Ficarelli\u00a0\u00fcber das Image der Marke, Drucktests in 2200 Metern Tiefe und den Verzicht der Designer auf KI<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>F\u00fcnf, sechs Marken stehen an der Spitze der Luxusuhrenbranche, von unten dr\u00e4ngen erschwingliche Newcomer nach \u2013 dazwischen droht die \u201evergessene Mitte\u201c. Panerai, die florentinisch-schweizerische Marke mit Milit\u00e4r-DNA und einer der \u00e4ltesten unabh\u00e4ngigen Fangemeinden der Branche, spielt dabei nach eigenen Regeln. Alessandro Ficarelli, seit 21 Jahren im Unternehmen und seit 2021 dessen Chief Marketing Officer, h\u00e4lt Verzicht f\u00fcr eine veritable Wachstumsstrategie.<\/p>\n<p><strong>Alessandro Ficarelli, wo positioniert sich Panerai heute im Portfolio des Luxuskonzerns Richemont mit Marken wie IWC, Cartier und Vacheron Constantin?<\/strong><br \/>ALESSANDRO FICARELLI: \u00dcber Zahlen sprechen wir nicht, aber Panerai setzt sich durch die eigene Historie recht deutlich ab. Die Gr\u00fcnderfamilie er\u00f6ffnete ihre Werkstatt 1860 in Florenz. Ab 1910 belieferte man die K\u00f6nigliche Italienische Marine und 1935 entstanden die ersten Taucheruhren f\u00fcr deren Kampfschwimmer.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Mit Geh\u00e4usen, die damals noch Rolex aus Genf zulieferte.\u00a0<\/strong><br \/>Exakt. Bis zum 10. September 1993 unterlag das gesamte Business dem Milit\u00e4rgeheimnis, es gab quasi kaum Privatkunden. Erst dann wurde Panerai im Milit\u00e4rhafen von La Spezia erstmals\u00a0\u00f6ffentlich vorgestellt. Somit ist eine gewisse Exklusivit\u00e4t fester Teil unserer DNA, kein Marketinggew\u00e4sch. Und dieses Erbe pr\u00e4gt bis heute das Design und die Leistung unserer Uhren, die eine lange Gangreserve sowie eine hohe Wasserdichtheit aufweisen \u2013 und ein sehr aufger\u00e4umtes Zifferblatt. Hinter jedem Detail unserer Uhren steht eine ganz bewusste, praktische Entscheidung.<\/p>\n<p><strong>Wie verhindern Sie, dass Panerai in der ber\u00fcchtigten \u201eMitte\u201c des Marktes verschwindet und unter Druck ger\u00e4t?<\/strong><br \/>Indem wir vertikal entwickeln, nicht horizontal \u2013 keine identische Uhr in 20 Zifferblattfarben. Wir haben weit weniger aktive Modellvarianten im Sortiment als die Konkurrenz. Die Sch\u00f6nheit der Marke liegt darin: Bei manchen Uhren k\u00f6nnen sie das Panerai-Logo vom Zifferblatt nehmen \u2013 sie erkennen sie trotzdem sofort. Kein Rennen um Umsatz, sondern nachhaltiges Wachstum.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Panerai gilt als gute Wahl f\u00fcr \u201eHype-Hasser\u201c: keine Wartelisten, kaum Spekulation. Ist das beabsichtigt oder reizt Sie doch der Status als Investment?<\/strong><br \/>Das entscheiden nicht wir, das entscheidet der Markt. Es gibt sehr besondere, beliebte St\u00fccke wie die \u201eRadiomir Bronzo\u201c oder die neu aufgelegte <u>\u201e<\/u>Luminor Marina Militare\u201c. Letztere ist die Hommage an eine Uhr von 1993, deren Originalauflage von 140 Exemplaren ausschlie\u00dflich an Bedienstete der Marine und deren Angeh\u00f6rige ging. St\u00fccke also, die schwer zu finden und kostspielig sind. Grunds\u00e4tzlich verkaufen wir jedoch lieber an Kunden, die ihre Uhr lieben und sie am Handgelenk tragen. Da geh\u00f6ren sie n\u00e4mlich hin.<\/p>\n<p><strong>Die \u201ePaneristi\u201c-Community wird bereits 26 Jahre alt. Eine ganz besondere Fanschar, oder?<\/strong><br \/>Vor allem: Sie ist ganz spontan entstanden und wurde nicht von uns rekrutiert oder inszeniert. Somit sind die \u201ePaneristi\u201c eine der \u00e4ltesten unabh\u00e4ngigen Uhren-Fangemeinden der Welt. Alle f\u00fcnf Jahre entwerfen wir gemeinsam eine limitierte Jubil\u00e4umsedition, zu der die Sammler das Briefing liefern und wir lediglich mitgestalten. Viele von ihnen haben ohnehin meine Whatsapp-Nummer. Erst heute Morgen schrieb mir einer: \u201eAlessandro, ich bin spontan in Mailand, hast du Zeit?\u201c Meine Agenda war eigentlich voll, doch ich habe geantwortet: \u201eKomm vorbei, dann trinken wir einen Kaffee.\u201c Diese gelebte N\u00e4he ist uns wichtig.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Die neue \u201eLuminor Marina\u201c darf bis zu 500 Meter abtauchen. Wie ernst meinen Sie solche Werte?<\/strong><br \/>Sehr ernst, schlie\u00dflich ist das Meer der nat\u00fcrliche Spielplatz f\u00fcr Panerai. In der Vergangenheit standen wir f\u00fcr eine zu geringe Wasserdichtheit in der Kritik, obwohl wir intern stets auf plus 25 Prozent \u00fcber der deklarierten Tauchtiefe testen. Beim Drucktest der \u201eLuminor Marina\u201c gab das Saphirglas erst bei rund 2200 Metern nach, das Geh\u00e4use blieb jedoch einwandfrei. Trotzdem kommunizieren wir nur 500 Meter. Die Bronze-Version tauchen wir \u00fcbrigens bewusst nicht vorab unter, sonst w\u00fcrden wir die Patina k\u00fcnstlich starten. Die soll sich aber erst beim Tragen entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Worauf liegt aktuell der Fokus der Abteilung f\u00fcr Forschung und Entwicklung am Panerai-Sitz in Neuch\u00e2tel?<\/strong><br \/>Aktuell validieren wir dort die Kollektion 2029. Grunds\u00e4tzlich ist die Materialforschung das Steckenpferd unseres \u201elaboratorio di idee\u201c. Von neuen Werkstoffen wie Carbotech und BMG-Tech bis zum neuen Ti-Ceramitech, einer Titanlegierung, deren Oberfl\u00e4che per Plasmaoxidation in eine extrem bruchfeste Keramikschicht verwandelt wird.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Klingt komplex.<\/strong><br \/>Da stecken sieben Jahre Entwicklungszeit hinter. Eines unserer Teams pr\u00fcft regelm\u00e4\u00dfig Materialien aus der Automobilindustrie und der Luftfahrt, doch vieles davon funktioniert nicht am Handgelenk.<\/p>\n<p><strong>Eine Markenhistorie, die so eng mit dem Milit\u00e4r, der italienischen Kriegsmarine verwoben ist \u2013 ist das aus Marketingsicht bei so vielen aktuellen Konflikten ein Problem?<\/strong><br \/>Wir k\u00f6nnen unsere Geschichte nicht verstecken, und wir wollen auch keine neue erfinden. Ich habe diese Frage auch schon geh\u00f6rt, als ich bei Panerai anfing, also vor 21 Jahren. Leider gibt es einfach zu jedem Zeitpunkt irgendwo auf der Welt bewaffnete Auseinandersetzungen. Dieser milit\u00e4rische Ursprung steht jedoch weniger f\u00fcr Kampf oder Krieg denn f\u00fcr einen hohen Grad an Funktionalit\u00e4t, Zuverl\u00e4ssigkeit und Sto\u00dffestigkeit. Unsere Uhren sind Werkzeuge f\u00fcr jedes Abenteuer. Neulich sagte mir ein Sammler: \u201eWenn ich mit Freunden spontan an den Strand fahre und mich in die Wellen st\u00fcrze, dann ist meine Panerai die einzige Luxusuhr, die ich nicht auf dem Handtuch lassen muss.\u201c<\/p>\n<p><strong>Wo nutzt Panerai k\u00fcnstliche Intelligenz?<\/strong><br \/>Weder bei der Erarbeitung kreativer Konzepte noch in der konkreten Produktentwicklung. Und zwar mit voller Absicht. Das Design entsteht in unserem Studio in Mailand. Einer der Gestalter kam wie ich vor \u00fcber 20 Jahren zu Panerai. Wir arbeiten nicht einmal mit externen Agenturen in diesem Prozess, auch um auszuschlie\u00dfen, dass dort k\u00fcnstliche Intelligenz zum Einsatz kommt. Alles, was die finale Uhr ausmacht, ist von Menschen erdacht und gemacht.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Die Uhrenmarke Panerai hat eine milit\u00e4rische Vergangenheit. 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