{"id":9538,"date":"2026-06-14T07:46:08","date_gmt":"2026-06-14T05:46:08","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/neura-robotics-zeigt-deutschlands-potenzial-und-seine-grosse-schwaeche-37536512-html-2\/"},"modified":"2026-06-14T07:46:08","modified_gmt":"2026-06-14T05:46:08","slug":"neura-robotics-zeigt-deutschlands-potenzial-und-seine-grosse-schwaeche-37536512-html-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/neura-robotics-zeigt-deutschlands-potenzial-und-seine-grosse-schwaeche-37536512-html-2\/","title":{"rendered":"Kolumne: Neura Robotics zeigt Deutschlands Potenzial \u2013 und seine gro\u00dfe Schw\u00e4che"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Das deutsche Start-up Neura Robotics sammelt bis zu 1,4 Md. Dollar ein \u2013 ein Rekord f\u00fcr Deutschland. Doch Finanzierungsrunde zeigt auch, wie sehr heimisches Risikokapital fehlt<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Es ist eine Nachricht wie ein Ausrufezeichen: Der kleine und junge Roboterhersteller Neura Robotics erh\u00e4lt von privaten Investoren bis zu 1,4 Mrd. Dollar zur Finanzierung seines Wachstums \u2013 die h\u00f6chste Summe, die jemals ein junges Start-up in Deutschland auf einen Schlag eingesammelt hat. Geht doch, denkt man unwillk\u00fcrlich.\u00a0<\/p>\n<p>Geht auch tats\u00e4chlich. Aber wie.\u00a0<\/p>\n<p>Die Finanzierungsrunde f\u00fcr die Firma aus Metzingen am Fu\u00df der Schw\u00e4bischen Alb ist ein gro\u00dfartiger Erfolg f\u00fcr die Gr\u00fcnder, f\u00fcr die Region und vielleicht sogar f\u00fcr das ganze Land. Immerhin arbeiten die Ingenieure von Neura auf einem der spannendsten Technologiefelder der Zukunft, dem Bau humanoider Roboter, die dem Menschen nicht nur helfend zur Hand gehen, sondern dank KI komplexe Arbeiten erledigen k\u00f6nnen. Sie treten an auf einem Feld, auf dem sich schon unz\u00e4hlige Unternehmen tummeln, in China, hier in Europa und nat\u00fcrlich in den USA \u2013 allen voran der in diesen Tagen unvermeidliche Elon Musk. Musk will seinen Autobauer Tesla in den kommenden Jahren weg vom Auto-, hin zum Roboterkonzern umbauen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Mein Kollege Niklas Wirminghaus beobachtet Neura und seine Gr\u00fcnder und <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/neura-robotics--was-hinter-dem-milliarden-deal-fuer-das-start-up-steckt-37527378.html\" class=\"external-link\">hat den Deal f\u00fcr Sie analysiert<\/a>. Jenseits der Frage, was Neura kann und wie sich die Deutschen im internationalen Wettbewerb wohl schlagen werden, stellt sich allerdings noch eine zweite Frage: Was sagt es \u00fcber den hiesigen Finanzplatz aus, dass sich abgesehen von den deutschen Unternehmen Bosch und Schaeffler, die kleinere Anteile zur Finanzierungsrunde beigesteuert haben, vor allem US-Giganten wie Nvidia, Amazon, Qualcomm und das Kryptounternehmen Tether mit Geld einbrachten?\u00a0<\/p>\n<p>Zwei kurze Termine in Berlin in dieser Woche lieferten auf diese Frage interessante Antworten und Hinweise. Da war zum einen der Start einer Initiative am Rande der Super Return, einer Branchenmesse der Risiko- und Eigenkapitalgesellschaften in Berlin. Die wichtigsten Risikokapitalgeber auf dem deutschen Markt starteten einen Appell, k\u00fcnftig bis zu 15 Mrd. Euro f\u00fcr junge Unternehmen bereitzustellen. Das w\u00e4re doppelt so viel wie im vergangenen Jahr in junge deutsche Unternehmen floss.\u00a0<\/p>\n<p>15 Milliarden klingt wahnsinnig viel, ist im internationalen Vergleich und besonders mit den USA aber immer noch wenig. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass Deutschland immer noch die drittgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Erde ist. In den USA sammeln KI-Start-ups gerade im Wochentakt Dutzende Milliarden Dollar f\u00fcr ihre hochfliegenden Pl\u00e4ne ein, der B\u00f6rsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX \u2013 ja, wieder Elon Musk \u2013 ist nur das v\u00f6llig \u00fcberdrehte Beispiel f\u00fcr eine finanzielle Macht und Risikobereitschaft, die uns in Europa v\u00f6llig fremd ist. Was auf der anderen Seite des Atlantiks gerade eventuell etwas aus dem Ruder l\u00e4uft, ist bei uns nach wie vor leider ziemlich unterentwickelt: eine kluge und zugleich gro\u00dfz\u00fcgige, breit gestreute und damit diversifizierte Risikokultur, die auch junge Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder lange tragen kann.\u00a0<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck nach Deutschland: Noch immer ist es so, dass hierzulande die gro\u00dfen Kapitalsammelstellen, die Versicherungen, Fondsgesellschaften, Verm\u00f6gensverwaltungen und Family Offices sich aus dem Gesch\u00e4ft mit Start-ups oft vornehm zur\u00fcckhalten. Zu riskant, zu volatil, zu komplex und intransparent, zu wenig liquide \u2013 Gr\u00fcnde gibt es viele. Selbst der riesige Allianz-Konzern, mit einem verwalteten Verm\u00f6gen von mehr als 2 Billionen Dollar und allein rund 800 Mrd. Dollar an Anlagen aus dem Versicherungsgesch\u00e4ft, ziert sich. Die Private-Equity-Tochter des Versicherungskonzerns, Allianz Capital Partners, verwaltet inzwischen mehr als 60 Mrd. Euro, davon die flie\u00dft etwa die H\u00e4lfte in Risikofinanzierungen von jungen Unternehmen, die andere H\u00e4lfte in Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Diese Zahlen sind in den letzten Jahren zwar gestiegen, aber die Summe entspricht je nach Bezugsgr\u00f6\u00dfe im Konzern nur einigen wenigen Promille- bis kleinen Prozentwerten.\u00a0<\/p>\n<p>So kommt es, dass gemessen am <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/ist-das-bip-als-wohlstandsindikator-noch-zeitgemaess?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Gastbeitrag: BIP\" class=\"autolinker\">Bruttoinlandsprodukt<\/a> in Deutschland nur 0,15 Prozent als Finanzierungskapital in junge Unternehmen flie\u00dfen, in den USA hingegen 0,8 Prozent. Wenn man dann noch das wesentlich gr\u00f6\u00dfere US-BIP ber\u00fccksichtigt, ahnt man, warum Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und SpaceX in den USA entstehen und nicht in Europa. Dieser Befund gilt umso mehr, wenn man sich einmal l\u00f6st von den aktuellen Hype-Unternehmen und kurz bedenkt, dass auch Giganten wie Amazon und Google einmal genauso angefangen haben. Ja, bei solchen Risikoinvestments in junge Unternehmen kann viel schiefgehen, aber aus der der breiten Masse gehen so auch Weltkonzerne hervor.\u00a0<\/p>\n<h2>Wo bleibt der Wasserstoff f\u00fcr die Stahlindustrie?<\/h2>\n<p>Der zweite Termin in dieser Woche war ein glanzvoller Fototermin der old economy, die interessanterweise aber auf \u00e4hnliche Probleme st\u00f6\u00dft: Der Stahlproduzent Salzgitter und der norddeutsche Stromversorger EWE unterzeichneten in Berlin den ersten gro\u00dfen Liefervertrag f\u00fcr in Deutschland produzierten Wasserstoff. Ab 2030 sollen aus einem noch zu bauenden Elektrolyseur im ostfriesischen Emden j\u00e4hrlich mindestens 10.000 Tonnen Wasserstoff nach Salzgitter flie\u00dfen \u2013 vorausgesetzt, bis dahin liegen auch die n\u00f6tigen Rohre in der Erde. Investitionsvolumen an der Nordseek\u00fcste rund 1 Mrd. Euro, Investitionsvolumen in Salzgitter f\u00fcr die Umr\u00fcstung der Stahlproduktion 2,7 Mrd. Euro. Von diesen Summen \u00fcbernehmen Bund, Land und EU jeweils gut die H\u00e4lfte.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>Um die Umr\u00fcstung der energieintensiven Industrien wie Stahl auf Wasserstoff tobt seit Jahren ein hochemotionaler Streit. Denn man kann die Frage stellen, ob es wirklich sinnvoll ist, eine solche Industrie \u00fcberhaupt in Europa halten zu wollen. Es sprechen allerdings auch einige, zunehmend wichtige geopolitische Argumente daf\u00fcr, eine kritische Stahlproduktion in Europa zu erhalten und sogar gegen die Billigstahlkonkurrenz aus Asien zu sch\u00fctzen. Die Umr\u00fcstung auf Wasserstoff kann da tats\u00e4chlich ein, wenn auch anfangs sehr teurer Schl\u00fcssel sein. Die wichtigste Voraussetzung f\u00fcr einen Erfolg dieses Umstiegs w\u00e4re aber: jetzt konsequent in den Ausbau der Wasserstoffkapazit\u00e4ten zu investieren, um irgendwann von den Skaleneffekten profitieren zu k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>Doch da fangen wieder die Bedenken an \u2013 der Markt ist unter den aktuellen Bedingungen f\u00fcr private Investoren zu komplex, zu intransparent und politisch zu volatil. EWE-Chef Stefan Dohler brachte es auf den Punkt: Unter den gegenw\u00e4rtigen Rahmenbedingungen werde sein Konzern keine weitere Gro\u00dfinvestition in die Wasserstoffproduktion wagen, es lohne sich einfach nicht. Dabei klingt die Idee so schl\u00fcssig: Die Anlage in Emden soll vor allem jenen Windstrom von der Nordsee in Wasserstoff verwandeln, der aktuell ohnehin nicht verbraucht werden kann und daher abgeregelt wird \u2013 eine jener Absurdit\u00e4ten der deutschen Energiewende. Doch das widerspricht bisher den Pl\u00e4nen der EU-Kommission f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff und macht solche Projekte unattraktiv. Die Folge: Statt nun daf\u00fcr zu sorgen, dass ein bereits vor Jahren beschlossener Umstieg auf eine neue Technologie auch konsequent umgesetzt wird und viel privates Kapital in solche Projekte flie\u00dft, warten alle ab und sorgen so daf\u00fcr, dass in Salzgitter, Duisburg und im Saarland bald zwar wasserstofff\u00e4hige Stahlwerke stehen, die der Staat mit Milliarden gef\u00f6rdert hat \u2013 der daf\u00fcr n\u00f6tige Brennstoff aber leider fehlt.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re die L\u00f6sung in diesen F\u00e4llen ziemlich einfach, <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/friedrich-merz--tappen-die-sozialpartner-in-eine-kanzler-falle--37521140.html\" class=\"external-link\">sie br\u00e4uchte weder einen runden Tisch aus Arbeitgebern und Gewerkschaften<\/a> noch w\u00fcrde sie den Steuerzahler viel Geld kosten: Der Staat und seine angeschlossenen Beh\u00f6rden m\u00fcssten nur die Regeln und Regularien, die potenziell gro\u00dfe Investoren wie Versicherungskonzerne und Verm\u00f6gensverwalter heute davon abhalten, in solche Projekte st\u00e4rker einzusteigen, konsequent durchforsten, lockern oder ganz abschaffen. F\u00fcr den Standort Deutschland w\u00e4re damit unglaublich viel gewonnen.\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Das deutsche Start-up Neura Robotics sammelt bis zu 1,4 Md. Dollar ein \u2013 ein Rekord f\u00fcr Deutschland. 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