{"id":9564,"date":"2026-06-14T11:06:50","date_gmt":"2026-06-14T09:06:50","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/pjoengjangs-wirtschaftswunder-welche-rolle-spielt-russland-dabei\/"},"modified":"2026-06-14T11:06:50","modified_gmt":"2026-06-14T09:06:50","slug":"pjoengjangs-wirtschaftswunder-welche-rolle-spielt-russland-dabei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/pjoengjangs-wirtschaftswunder-welche-rolle-spielt-russland-dabei\/","title":{"rendered":"Pj\u00f6ngjangs Wirtschaftswunder: Welche Rolle spielt Russland dabei?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von\u00a0Andrei Restschikow <\/em><\/p>\n<p>Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) erlebt ein rasantes Wirtschaftswachstum \u2013 \u00fcberraschenderweise kommt die US-Zeitung <em>The Wall Street Journal (WSJ)<\/em> zu einer solchen Einsch\u00e4tzung der finanziellen Lage der Republik. Die Zeitung bezieht sich auf Daten der s\u00fcdkoreanischen Zentralbank. Diesen zufolge wuchs die nordkoreanische Wirtschaft im Jahr 2024 um 3,7 Prozent, was den h\u00f6chsten Wert der letzten acht Jahre darstellt.<\/p>\n<p>Die &#8222;erstaunlichste Erfolgsgeschichte&#8220; wird sowohl von westlichen Diplomaten als auch von Gesch\u00e4ftsleuten best\u00e4tigt. Am deutlichsten sind die Ver\u00e4nderungen in Pj\u00f6ngjang zu sehen: Dort werden digitale Dienste aktiv eingef\u00fchrt. Zahlungen per QR-Code und Taxibestellungen \u00fcber eine mobile App sind bereits Teil des Alltags der Stadtbewohner geworden. Berichtet wird auch von einem verbesserten Speisenangebot in den Restaurants.<\/p>\n<p>Durch die Hauptstadt fahren chinesische Elektroautos. Auch andere ausl\u00e4ndische Fahrzeuge sind keine Seltenheit mehr \u2013 besonders wohlhabende B\u00fcrger k\u00f6nnen in lokalen Autoh\u00e4usern BMWs kaufen. Auch der Dienstleistungssektor w\u00e4chst: Ihre Freizeit verbringen die Nordkoreaner in Internetcaf\u00e9s oder Einkaufszentren.<\/p>\n<p>Der Wohnungsbaumarkt gewinnt ebenfalls an Fahrt. Allein im vergangenen Jahr wurden in Pj\u00f6ngjang rund 10.000 neue Wohnungen und H\u00e4user errichtet \u2013 damit liegt die nordkoreanische Hauptstadt f\u00fcr denselben Zeitraum bereits vor Los Angeles und Chicago. Und auch die soziale Infrastruktur kommt nicht zu kurz: Er\u00f6ffnet wurden ein moderner Skiort sowie das gr\u00f6\u00dfte Krankenhaus des Landes.<\/p>\n<p>S\u00fcdkoreanische Analytiker verzeichnen zudem einen Ausbau der \u00d6llager bei ihren n\u00f6rdlichen Nachbarn \u2013 Energieressourcen werden per Seetransport in die Republik geliefert. Dank dieser Ressourcen konnte sich das Beleuchtungsniveau des Landes innerhalb von f\u00fcnf Jahren verdreifachen, was ebenfalls auf eine Zunahme der wirtschaftlichen Aktivit\u00e4t hindeutet.<\/p>\n<p>Allerdings verteilt sich der beobachtete wirtschaftliche &#8222;Boom&#8220; \u00e4u\u00dferst ungleichm\u00e4\u00dfig. Wohlstand und neue Annehmlichkeiten stehen bislang nur einem schmalen Kreis der herrschenden Elite und der entstehenden Klasse von Gesch\u00e4ftsleuten (&#8222;Donju&#8220; oder &#8222;Meistern des Geldes&#8220;) zur Verf\u00fcgung. Au\u00dferhalb der Hauptstadt bleiben viele soziale Probleme ungel\u00f6st.<\/p>\n<p>Konstantin Asmolow, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentrums f\u00fcr Koreastudien am Institut f\u00fcr China und das moderne Asien der Russischen Akademie der Wissenschaften, meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Ver\u00f6ffentlichung im The Wall Street Journal, die Nordkorea als die &#8218;erstaunlichste wirtschaftliche Erfolgsgeschichte&#8216; bezeichnet hat, wirkte f\u00fcr viele wie ein Schock. Eine Sensation ist das jedoch eher f\u00fcr den westlichen Leser, der an jahrelange Klischees gew\u00f6hnt ist. F\u00fcr aufmerksame Beobachter ist die wirtschaftliche Renaissance der DVRK kein &#8218;pl\u00f6tzliches Wunder der letzten Jahre&#8216;, sondern ein seit einem Jahrzehnt andauernder systemischer Trend.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Seiner Ansicht nach \u00fcberrascht in der aktuellen Situation eher die Bereitschaft der Zeitung <em>The Wall Street Journal<\/em>, \u00fcber das \u00fcbliche Narrativ von &#8222;einem Land, in dem jeder zweite Einwohner an Hunger stirbt&#8220;, hinauszugehen.\u00a0Er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Offenbar ist es unm\u00f6glich geworden, die Realit\u00e4t weiter zu ignorieren. Denn selbst aus den Randgebieten des Landes gibt es dokumentierte Berichte, die st\u00e4rker ins Gewicht fallen als politisierte Parolen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was die Kriterien f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit solcher Materialien betrifft, so ist der wichtigste Indikator derzeit &#8222;der Verzicht der Autoren auf rituelle Floskeln&#8220;.\u00a0Der Experte f\u00fchrt weiter aus:<\/p>\n<p><em>&#8222;Noch vor zwei Jahren endete jede Berichterstattung \u00fcber Bauprojekte in Nordkorea in westlichen Zeitungen mit dem obligatorischen Mantra: &#8218;All dies zeugt von einer tiefen systemischen Krise und verzweifelten Ma\u00dfnahmen der Staatsmacht am Rande des Zusammenbruchs.&#8216; Heute, da dieser Refrain verschwindet, k\u00f6nnen wir davon sprechen, dass der Journalismus zur Faktenberichterstattung zur\u00fcckkehrt und nicht zur Propaganda.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was die Frage der Triebkr\u00e4fte des Wirtschaftswachstums betrifft, warnt Asmolow: Der Erfolg der DVRK d\u00fcrfe nicht auf die einfache Formel reduziert werden, die &#8222;Rettung des Ertrinkenden liege auf den Schultern der &#8218;gro\u00dfen Br\u00fcder&#8216;.&#8220; Er betont:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ja, China ist faktisch der monopolistische Handelspartner, und Russland leistet Unterst\u00fctzung in den derzeitigen geopolitischen Turbulenzen. Aber auch die nordkoreanische Regierung unternimmt gro\u00dfe Anstrengungen, um die Lage zu ver\u00e4ndern.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nach Ansicht des Politologen steckt hier der gef\u00e4hrlichste Mythos, der selbst in der russischen Expertengemeinschaft verbreitet ist \u2013 der Mythos von der v\u00f6lligen Handlungsunf\u00e4higkeit der Koreaner. Er f\u00fchrt aus:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die verbreitete Vorstellung, dass sich das Land ausschlie\u00dflich durch ausl\u00e4ndische Hilfe \u00fcber Wasser h\u00e4lt, ist zutiefst falsch. Gro\u00df angelegte Projekte im Wohnungsbau und bei der Entwicklung der Peripherie sind keine russischen oder chinesischen &#8218;Investitionsalmosen&#8216;.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Und dennoch hat Moskau Pj\u00f6ngjang in einigen Wirtschaftsbereichen tats\u00e4chlich &#8222;die helfende Hand gereicht.&#8220;<\/p>\n<p>Kim En Un, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentrums f\u00fcr Koreastudien am Institut f\u00fcr Fernoststudien der Russischen Akademie der Wissenschaften, f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Zusammenarbeit mit Russland weitet sich aus, und dies schafft Wachstumsimpulse in einer ganzen Reihe von Bereichen in der DVRK.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ihm zufolge erwiesen sich f\u00fcr Nordkorea vor allem die Zusammenarbeit mit Russland im Tourismussektor, Lieferungen von D\u00fcngemitteln f\u00fcr die Landwirtschaft und die Transportlogistik als besonders n\u00fctzlich. Perspektivisch k\u00f6nnten auch Energieprojekte die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Pj\u00f6ngjang verst\u00e4rken, etwa eine Partnerschaft im Bereich der Gewinnung synthetischen \u00d6ls aus Kohle. Der Experte sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das Ph\u00e4nomen des derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwungs der DVRK liegt in systematischer Planarbeit und nicht in konjunkturbedingten Finanzspritzen von au\u00dfen. Zum ersten Mal seit den 1980er-Jahren hat Pj\u00f6ngjang einen F\u00fcnfjahresplan erf\u00fcllt. Dabei wurde das neue Programm f\u00fcr den n\u00e4chsten F\u00fcnfjahreszeitraum nicht als von oben herab erlassene Direktive vorbereitet, sondern im Vorfeld mit den Wirtschaftssubjekten und Regionen diskutiert.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die wichtigsten Erfolgsfaktoren, so betont der Experte, seien offensichtlich: die Erneuerung der Produktionsbasis, ein massiver Zustrom junger Ingenieure und technischer Fachkr\u00e4fte, die Ausrichtung auf die Wissenschaft (das System wirtschaftlicher Vertr\u00e4ge zwischen Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie wissenschaftlich-technische B\u00fcros in jedem Werk) sowie eine strenge Personalpolitik mit Schwerpunkt auf Professionalit\u00e4t und moralischer Integrit\u00e4t der F\u00fchrungskr\u00e4fte.\u00a0Kim schlussfolgert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das Ergebnis sind ein Wachstum im Wohnungsbau, der Aufstieg des Schiffbaus auf das Niveau von Zerst\u00f6rern, eine gute Ernte und das Entstehen einer wohlhabenden Bev\u00f6lkerungsschicht im Land, die in der Lage ist, Wohnungen f\u00fcr 100.000 US-Dollar zu erwerben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/vz.ru\/world\/2026\/6\/12\/1425985.html\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 12. Juni 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Andrei Restschikow<\/strong><\/em><em> ist Analyst bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema &#8211;<\/strong>\u00a0<a href=\"https:\/\/freeassange.tech\/asien\/263684-stille-revolution-nordkoreas-raketen-koennen-jeden-ort-usa-treffen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stille Revolution: Nordkoreas Raketen k\u00f6nnen jeden Ort in den USA treffen <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v78t1r2\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von\u00a0Andrei Restschikow Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) erlebt ein rasantes Wirtschaftswachstum \u2013 \u00fcberraschenderweise kommt die US-Zeitung The Wall Street Journal (WSJ) zu einer solchen Einsch\u00e4tzung der finanziellen Lage der Republik. 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