{"id":9662,"date":"2026-06-15T11:02:28","date_gmt":"2026-06-15T09:02:28","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/die-damonisierung-putins-von-uwe-froschauer\/"},"modified":"2026-06-15T11:02:28","modified_gmt":"2026-06-15T09:02:28","slug":"die-damonisierung-putins-von-uwe-froschauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/die-damonisierung-putins-von-uwe-froschauer\/","title":{"rendered":"Die D\u00e4monisierung Putins | Von Uwe Froschauer"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Klassisches Instrument der Kriegsrhetorik<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Uwe Froschauer<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit. Dieser Satz wird h\u00e4ufig zitiert, doch selten war seine Aktualit\u00e4t so offensichtlich wie heute. W\u00e4hrend Milliarden f\u00fcr Aufr\u00fcstung bereitgestellt werden und die Bev\u00f6lkerung in Deutschland auf \u201eKriegst\u00fcchtigkeit\u201c eingeschworen wird, erleben wir zugleich eine massive Personalisierung und Moralisierung des Ukraine-Krieges.<\/p>\n<p>Statt \u00fcber geopolitische Interessen, Sicherheitsfragen, die Vorgeschichte des Konflikts oder m\u00f6gliche Verhandlungsl\u00f6sungen zu sprechen, wird der Krieg zunehmend auf eine einzige Person reduziert: Wladimir Putin.<\/p>\n<p>Putin erscheint in der \u00f6ffentlichen Darstellung nicht als politischer Akteur mit Interessen, Strategien oder Motiven, sondern als Kriegsverbrecher, Friedensfeind, irrationaler Aggressor und personifiziertes B\u00f6se. Die politische Botschaft ist klar: Wenn das Problem ausschlie\u00dflich Putin ist, dann k\u00f6nnen Verhandlungen mit ihm nicht sinnvoll sein. Wer dennoch nach Diplomatie ruft, ger\u00e4t schnell unter Rechtfertigungsdruck.<\/p>\n<p>Die ethische Herabw\u00fcrdigung Putins ist ein Paradebeispiel f\u00fcr eines der \u00e4ltesten Instrumente der Kriegspropaganda: die D\u00e4monisierung des Gegners.<\/p>\n<p><strong>D\u00e4monisierung<\/strong><\/p>\n<p>D\u00e4monisierung bedeutet nicht einfach Kritik. Kritik besch\u00e4ftigt sich mit Handlungen, Entscheidungen und politischen Zielen. D\u00e4monisierung dagegen verschiebt die Aufmerksamkeit von den Handlungen auf die Person. Der Gegner erscheint nicht mehr als politischer Akteur mit Interessen, Motiven oder Sicherheitsvorstellungen, sondern als moralisch minderwertige, gef\u00e4hrliche oder gar b\u00f6se Figur. Er wird als irrational dargestellt, als von Gewalt besessen, als unf\u00e4hig zu Verhandlungen, als permanenter Aggressor und als alleinige Ursache s\u00e4mtlicher Probleme.<\/p>\n<p>Dadurch entsteht beim Publikum der Eindruck, mit einem solchen Gegner k\u00f6nne man nicht reden, man k\u00f6nne ihn nur bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die D\u00e4monisierung des Gegners ist keineswegs eine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Bereits vor \u00fcber hundert Jahren wurden Methoden entwickelt, die bis heute zum Standardrepertoire moderner Kriegspropaganda geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Besonders deutlich zeigte sich dies im Ersten Weltkrieg. Die britische Propaganda zeichnete das Bild des \u201eHunnen\u201c, eines angeblich barbarischen deutschen Soldaten, der keinerlei menschliche oder moralische Grenzen kenne. Die \u00d6ffentlichkeit wurde mit Geschichten \u00fcber deutsche Gr\u00e4ueltaten in Belgien konfrontiert. Zeitungen berichteten von verst\u00fcmmelten Kindern, abgeschnittenen H\u00e4nden, vergewaltigten Frauen und anderen Schreckensgeschichten. Einige dieser Berichte bezogen sich auf wahrscheinlich stattgefundene Kriegsverbrechen, andere konnten nicht nachgewiesen werden, erwiesen sich sp\u00e4ter als stark \u00fcbertrieben oder waren frei erfunden. Dennoch entfalteten sie ihre Wirkung.<\/p>\n<p>Besonders wirksam waren Berichte, nach denen deutsche Soldaten belgischen Kindern die H\u00e4nde abgeschnitten h\u00e4tten. Solche Geschichten verbreiteten sich rasend schnell in Gro\u00dfbritannien und den Vereinigten Staaten. Sie erzeugten jene emotionale Emp\u00f6rung, die notwendig war, um die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Krieg zu mobilisieren. Die Frage, ob jede einzelne Geschichte auch nur in Bruchst\u00fccken der Wahrheit entsprach, spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend war die emotionale Wirkung. Der Gegner sollte nicht verstanden, sondern gef\u00fcrchtet und besiegt werden.<\/p>\n<p>Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich ein \u00e4hnliches Muster. Adolf Hitler wurde in Gro\u00dfbritannien, Frankreich und sp\u00e4ter in den Vereinigten Staaten zunehmend als Verk\u00f6rperung einer existenziellen Bedrohung dargestellt. Angesichts der tats\u00e4chlichen Politik des NS-Regimes war ein gro\u00dfer Teil dieser Kritik berechtigt. Dennoch zeigt die damalige Kommunikation ein bekanntes propagandistisches Muster: Komplexe politische Konflikte wurden zunehmend auf die Person Hitlers reduziert. Deutschland erschien nicht mehr als Staat mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, politischen Str\u00f6mungen oder Interessen, sondern als unmittelbare Verl\u00e4ngerung des Willens eines einzelnen Mannes.<\/p>\n<p>Umgekehrt betrieb auch das NS-Regime intensive D\u00e4monisierung. Winston Churchill wurde als Kriegstreiber dargestellt. Franklin D. Roosevelt erschien in der nationalsozialistischen Propaganda als Teil einer angeblichen Verschw\u00f6rung gegen Deutschland. Die Sowjetunion wurde als Verk\u00f6rperung eines zerst\u00f6rerischen \u201ebolschewistischen Feindes\u201c pr\u00e4sentiert. In Plakaten, Zeitungen und Wochenschauen wurden politische Gegner nicht als Menschen mit anderen Interessen gezeigt, sondern als moralisch verkommene Bedrohungen, gegen die nur noch Kampf m\u00f6glich sei.<\/p>\n<p>Darin zeigt sich ein wesentliches Merkmal von Kriegspropaganda: Sie funktioniert in nahezu allen Lagern nach \u00e4hnlichen Mustern. Jede Seite neigt dazu, die eigenen Ziele als gerecht und die Ziele des Gegners als Ausdruck von Bosheit, Irrationalit\u00e4t oder Aggressivit\u00e4t darzustellen.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIm Krieg glaubt jede Seite, Gott auf ihrer Seite zu haben.\u201c (<\/em>Robert Bolt)<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand diese Methode keineswegs. Im Kalten Krieg wurde sie zu einem festen Bestandteil der politischen Kommunikation.<\/p>\n<p>In den Vereinigten Staaten wurde die Sowjetunion h\u00e4ufig als \u201eReich des B\u00f6sen\u201c dargestellt. Pr\u00e4sident Ronald Reagan bezeichnete die UdSSR 1983 als <em>\u201eevil empire\u201c<\/em> (\u201eReich des B\u00f6sen\u201c).<\/p>\n<p>Damit wurde ein geopolitischer Konflikt in eine moralische Auseinandersetzung zwischen Gut und B\u00f6se \u00fcbersetzt. Die Sowjetunion erschien nicht mehr als konkurrierende Gro\u00dfmacht mit eigenen Interessen, sondern als moralisch minderwertiges System.<\/p>\n<p>Auf sowjetischer Seite fand dieselbe Logik statt. Die Vereinigten Staaten wurden als imperialistische Macht dargestellt, die Kriege f\u00fchre, um die Welt zu beherrschen. Der Westen erschien in der sowjetischen Propaganda regelm\u00e4\u00dfig als aggressiver Feind, der den Sozialismus vernichten wolle \u2013 was ja auch nicht ganz abwegig war.<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen wurden politische Konflikte moralisiert. Die jeweilige Gegenseite wurde nicht als Verhandlungspartner, sondern als Bedrohung f\u00fcr die gesamte Menschheit dargestellt.<\/p>\n<p>Die Logik dahinter war immer dieselbe: Wer die Bev\u00f6lkerung auf Konfrontation, Aufr\u00fcstung oder Krieg einschw\u00f6ren m\u00f6chte, ben\u00f6tigt ein Feindbild. Ein Feindbild funktioniert umso besser, je weniger differenziert es ist. Der Gegner darf nicht als Mensch mit Interessen erscheinen. Er muss zum Aggressor werden, zum Diktator, zum Kriegstreiber, zum Feind des Friedens, zur Gefahr f\u00fcr die Zivilisation. Wenn die Menschen den Krieg wollen sollen, muss man ihnen zuerst Angst machen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Menschen wollen keinen Krieg. Aber man kann das Volk immer dazu bringen, den Anf\u00fchrern zu folgen. Man braucht ihm nur zu sagen, es werde angegriffen, und die Pazifisten als unpatriotisch zu beschimpfen.\u201c (Hermann G\u00f6ring)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die propagandistischen Muster \u00e4hneln sich \u00fcber Jahrzehnte hinweg. Die Namen wechseln. Die Methoden bleiben weitgehend dieselben.<\/p>\n<p><strong>Die Professionalisierung der Meinungslenkung<\/strong><\/p>\n<p>Die D\u00e4monisierung von Gegnern entsteht nicht zuf\u00e4llig. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Methoden der \u00f6ffentlichen Meinungsbeeinflussung systematisch untersucht und professionalisiert.<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs gr\u00fcndete die britische Regierung mit dem Wellington House eine eigene Einrichtung f\u00fcr Kriegspropaganda. Dort arbeiteten Journalisten, Historiker, Schriftsteller und Kommunikationsexperten daran, die \u00f6ffentliche Meinung im In- und Ausland zugunsten der britischen Kriegsziele zu beeinflussen. Ziel war es nicht nur, Informationen zu verbreiten, sondern Emotionen zu erzeugen. Emp\u00f6rung, Angst und moralische Entr\u00fcstung erwiesen sich dabei als besonders wirksame Mittel.<\/p>\n<p>Parallel dazu entstand in den Vereinigten Staaten das Committee on Public Information, besser bekannt als Creel Committee \u2013 benannt nach dem Journalisten und Vorsitzenden George Creel. Diese Organisation sollte die amerikanische Bev\u00f6lkerung auf den Kriegseintritt vorbereiten. Zu den dort t\u00e4tigen Personen geh\u00f6rte auch Edward Bernays, ein Neffe Sigmund Freuds.<\/p>\n<p>Bernays zog aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs weitreichende Schlussfolgerungen. In seinem sp\u00e4teren Werk <em>Propaganda<\/em> schrieb er offen \u00fcber die M\u00f6glichkeit, \u00f6ffentliche Meinungen gezielt zu formen. Demokratie bedeute nicht automatisch, dass sich Menschen unabh\u00e4ngig informierten. Vielmehr k\u00f6nnten Einstellungen, \u00dcberzeugungen und politische Haltungen durch professionelle Kommunikation in erheblichem Umfang beeinflusst werden.<\/p>\n<p>Bernays formulierte:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Erkenntnisse waren f\u00fcr den NS-Propagandaminister Joseph Goebbels eine Steilvorlage zur Beeinflussung der Massen, und bildeten sp\u00e4ter eine wichtige Grundlage moderner Public Relations und politischer Kommunikationsstrategien.<\/p>\n<p>Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden solche Techniken weiterentwickelt. Das 1947 gegr\u00fcndete Tavistock Institute in London besch\u00e4ftigte sich unter anderem mit Gruppenverhalten, Sozialpsychologie und den Auswirkungen gesellschaftlicher Prozesse auf menschliches Verhalten. Das Tavistock Institute sehe ich unter anderem als ein Zentrum westlicher Meinungssteuerung. Die Geschichte des Instituts zeigt, wie intensiv moderne Gesellschaften die Mechanismen kollektiver Meinungsbildung erforscht haben.<\/p>\n<p>Besonders bekannt wurde die Rolle professioneller Kommunikationsagenturen im Vorfeld des ersten Golfkriegs 1990\/91.<\/p>\n<p>Die PR-Agentur Hill &amp; Knowlton organisierte damals einen Auftritt eines kuwaitischen M\u00e4dchens vor dem US-Kongress. Die junge Zeugin berichtete unter Tr\u00e4nen, irakische Soldaten h\u00e4tten in einem kuwaitischen Krankenhaus Babys aus Brutk\u00e4sten gerissen und auf dem Boden sterben lassen.<\/p>\n<p>Die Geschichte erzeugte weltweit Entsetzen und wurde zu einem der bekanntesten Argumente f\u00fcr ein milit\u00e4risches Eingreifen gegen den Irak.<\/p>\n<p>Erst nach Kriegsbeginn stellte sich heraus, dass die Zeugin \u2013 die Tochter des kuwaitischen Botschafters \u2013 zum Zeitpunkt dieser angeblichen Gr\u00e4ueltat in Washington und nicht in Kuwait war. Die sogenannte \u201eBrutkastenl\u00fcge\u201c ist eines der bekanntesten Beispiele moderner Kriegspropaganda.<\/p>\n<p>Die Methoden haben sich seitdem technisch ver\u00e4ndert. Die zugrunde liegenden psychologischen Mechanismen sind jedoch weitgehend dieselben geblieben. Emotionale Bilder wirken st\u00e4rker als n\u00fcchterne Analysen. Moralische Emp\u00f6rung verbreitet sich schneller als differenzierte Argumente. Die Personalisierung komplexer Konflikte auf einzelne Feindfiguren erleichtert die Mobilisierung \u00f6ffentlicher Zustimmung erheblich.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201ePropaganda ist f\u00fcr die Demokratie, was der Kn\u00fcppel f\u00fcr den totalit\u00e4ren Staat ist.\u201c <\/em>(Noam Chomsky)<\/p><\/blockquote>\n<p>Vor diesem historischen Hintergrund erscheint die aktuelle westliche Darstellung Wladimir Putins nicht als Ausnahmeerscheinung, sondern als Teil eines seit mehr als hundert Jahren bekannten Musters politischer Kommunikation in Zeiten internationaler Konflikte.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Darstellung Wladimir Putins wurde seit Beginn des Ukraine-Krieges immer st\u00e4rker personalisiert. Nicht Russland, nicht russische Sicherheitsinteressen, nicht geopolitische Konflikte und nicht die jahrzehntelange Vorgeschichte stehen im Mittelpunkt der Debatte, sondern die Person Putin. Der gesamte Krieg wird auf ihn konzentriert. Die Botschaft lautet regelm\u00e4\u00dfig: Putin hat den Krieg begonnen, Putin will den Krieg fortsetzen, Putin will keinen Frieden, Putin blockiert Verhandlungen und Putin allein tr\u00e4gt die Verantwortung f\u00fcr alle Folgen des Konflikts \u2013 in meinen Augen eine glatte L\u00fcge.<\/p>\n<p>Diese Darstellung \u2013 der ich keinesfalls zustimme \u2013 ist zun\u00e4chst zweitrangig. Interessant ist die Frage, welche rhetorischen Mittel dabei eingesetzt werden. Vier Muster treten dabei besonders h\u00e4ufig auf: Kriminalisierung, Personalisierung, die Darstellung als Friedensfeind und schlie\u00dflich die moralische Delegitimierung.<\/p>\n<p><strong>1. Kriminalisierung: Putin als Kriegsverbrecher<\/strong><\/p>\n<p>Ein zentrales Element der D\u00e4monisierung besteht darin, den Gegner nicht mehr prim\u00e4r als Staatsf\u00fchrer, sondern als Verbrecher darzustellen.<\/p>\n<p>Bundeskanzler Friedrich Merz erkl\u00e4rte:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eEr ist ein Kriegsverbrecher.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Noch weiter ging Merz mit der Aussage:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eEr ist vielleicht der schwerste Kriegsverbrecher unserer Zeit.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Und jetzt kommts:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIch habe keine Veranlassung, Putin Glauben zu schenken.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Problem mit dem \u201eGlauben schenken\u201c ist ja wohl eher Ihr Problem bei deutschen B\u00fcrgern, oder Herr Merz? Da m\u00fcssten Sie sich doch eigentlich an die eigene Nase fassen, falls sie noch nicht zu lang ist, nicht wahr? Die Formulierungen vom deutschen Bundeskanzler sind hochinteressant. Sie beziehen sich nicht auf einzelne Entscheidungen oder konkrete Handlungen, sondern auf die Person Putin selbst. Wenn Sie schon personalisieren wollen, Herr Merz, dann beziehen Sie Ihre moralischen Urteile bitte auf den Kriegsverbrecher, Kinder- und V\u00f6lkerm\u00f6rder Benjamin Netanjahu, den Sie nach Deutschland einladen wollten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann und muss \u00fcber m\u00f6gliche Kriegsverbrechen gesprochen werden. Doch die politische Wirkung solcher Aussagen geht weit \u00fcber eine juristische Bewertung hinaus. Wer als \u201eschwerster Kriegsverbrecher unserer Zeit\u201c dargestellt wird, erscheint nicht mehr als m\u00f6glicher Verhandlungspartner, sondern als moralisch absolut illegitime Figur, mit der man nicht verhandelt.<\/p>\n<p>Der Gegner wird kriminalisiert. Aus einem Staatsoberhaupt wird ein Verbrecher. Die politische Auseinandersetzung wird moralisch aufgeladen.<\/p>\n<p>Die Versuchung, diese Art der Kommunikation zu nutzen ist gro\u00df, wie Sie vielleicht an meinen emotionalen Aussagen zu Benjamin Netanjahu erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>2. Personalisierung: Der gesamte Krieg wird auf Putin reduziert<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres klassisches Mittel der Kriegsrhetorik besteht darin, komplexe Konflikte auf eine einzelne Person zu reduzieren.<\/p>\n<p>Annalena Baerbock erkl\u00e4rte:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDieser Krieg ist Putins Krieg.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Ebenso sagte sie:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201ePutin wollte diesen Krieg.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die NATO beziehungsweise die USA wollten diesen Krieg, nicht Russland oder Putin. Nicht wer den ersten Schritt macht ist der wahre Aggressor, sondern wer zu diesem ersten Schritt zwingt. Vielleicht erschlie\u00dft sich Ihnen das bei Ihrer einfachen Logik ja nicht, Frau Baerbock. Schon mal was von NATO-Osterweiterung geh\u00f6rt und der Beteuerung von James Baker und Hans-Dietrich Genscher \u201enot an inch eastwards\u201c?<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Muster finden sich auch bei SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil. W\u00e4hrend der ARD-\u201eArena\u201c-Sendung am 8. Juni 2026 erkl\u00e4rte er auf die Frage eines B\u00fcrgers zum Ukrainekrieg:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eEs gibt einen Menschen, der den Krieg jeden Tag beenden k\u00f6nne.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Und unmittelbar danach:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDas ist Wladimir Putin.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Au\u00dferdem sagte Klingbeil \u00fcber Putin:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDem ist es egal, was mit seinen eigenen Leuten passiert.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die politische Botschaft ist eindeutig. Nicht unterschiedliche Interessen, Sicherheitsvorstellungen oder geopolitische Konflikte stehen im Mittelpunkt, sondern die Person Putin. Er erscheint als alleiniger Verantwortlicher f\u00fcr die Fortsetzung des Krieges und als jemand, der weder Mitgef\u00fchl noch Verantwortung gegen\u00fcber dem eigenen Volk empfindet.<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich keineswegs um eine einmalige \u00c4u\u00dferung. Bereits 2022 sprach Klingbeil von den<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eimperialistischen Gro\u00dfmachtgel\u00fcsten des russischen Diktators\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>und erkl\u00e4rte:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDieser Krieg ist der Anfang des Endes von Wladimir Putin.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Sp\u00e4ter erg\u00e4nzte er:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eAuch ich habe gro\u00dfe Zweifel daran, dass Wladimir Putin ernste Friedensgespr\u00e4che will.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Und 2023 erkl\u00e4rte er:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201ePutin hat uns belogen und betrogen.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Bemerkenswert ist dabei weniger jede einzelne Aussage f\u00fcr sich als das Gesamtbild, das daraus entsteht. Putin wird als Diktator, als L\u00fcgner, als Betr\u00fcger, als von imperialen Gro\u00dfmachtfantasien getriebener Politiker und als Gegner ernsthafter Friedensverhandlungen beschrieben. Damit werden nahezu alle klassischen Elemente moderner D\u00e4monisierung bedient: Personalisierung, Moralisierung, Kriminalisierung und die Darstellung des Gegners als grunds\u00e4tzlich friedensunwillig.<\/p>\n<p>Die Frage, ob diese Darstellung der Realit\u00e4t gerecht wird, ist dabei eine andere. Festzustellen ist jedoch, dass auch hier nicht prim\u00e4r \u00fcber politische Interessen oder geopolitische Konflikte gesprochen wird, sondern \u00fcber den Charakter und die angeblichen pers\u00f6nlichen Motive einer einzelnen Person.<\/p>\n<p>Noch deutlicher formulierte es Wolodymyr Selenskyj in seinem offenen Brief an Putin Anfang Juni 2026:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDieser Krieg ist Ihre pers\u00f6nliche Entscheidung \u2013 ein Krieg ohne wirklichen Grund.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Aussage verdient besondere Aufmerksamkeit, denn sie geht weit \u00fcber die Feststellung hinaus, dass Russland die Ukraine angegriffen hat. Selenskyj erkl\u00e4rt den Krieg nicht als Folge geopolitischer Spannungen, historischer Entwicklungen oder konkurrierender Sicherheitsinteressen. Vielmehr wird der gesamte Konflikt auf den pers\u00f6nlichen Willen Putins zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Brief beginnt zudem nicht mit einem Verhandlungsangebot, sondern mit einer politischen und moralischen Abrechnung. Selenskyj zeichnet das Bild eines Herrschers, der Russland in einen sinnlosen Krieg gef\u00fchrt habe, der gegen die Interessen seines eigenen Volkes handle und der die Hauptverantwortung f\u00fcr das Leid beider Nationen trage.<\/p>\n<p>Der Brief wurde im Westen vielfach als Friedensangebot dargestellt. Tats\u00e4chlich liest sich die erste H\u00e4lfte jedoch eher wie eine politische Anklageschrift als wie die Einleitung zu ernsthaften Verhandlungen. Putin wird pers\u00f6nlich f\u00fcr den Krieg verantwortlich gemacht und als das eigentliche Problem dargestellt.<\/p>\n<p>Damit stellt sich die Frage: Beginnt man Verhandlungen, indem man den Gespr\u00e4chspartner \u00f6ffentlich anklagt, dem\u00fctigt und ihm die alleinige Schuld zuschreibt? Oder sorgt ein solcher Ton nicht vielmehr daf\u00fcr, dass Gespr\u00e4che gar nicht erst zustande kommen?<\/p>\n<p>Der Brief wirkt weniger wie ein ernsthafter Versuch, Putin an den Verhandlungstisch zu bringen, sondern vielmehr wie ein PR-Instrument f\u00fcr die internationale \u00d6ffentlichkeit. Selenskyj konnte anschlie\u00dfend darauf verweisen, er habe doch Gespr\u00e4che angeboten. Gleichzeitig war die Ablehnung durch Putin nach Ton und Inhalt des Briefes praktisch vorprogrammiert.<\/p>\n<p>Die eigentliche Zielgruppe des Briefes war nicht der Kreml, sondern die westliche \u00d6ffentlichkeit. Westliche Medien konnten die wenigen Passagen zitieren, die nach Verhandlungsbereitschaft klangen \u2013 die beleidigenden Passagen lie\u00dfen sie bewusst weg \u2013, w\u00e4hrend eine Ablehnung durch Putin anschlie\u00dfend als weiterer Beleg f\u00fcr dessen angeblichen Friedensunwillen pr\u00e4sentiert werden konnte. Deshalb dient der Brief weniger der Diplomatie sondern der politischen Kommunikation mit propagandistischem Zweck.<br \/>Billig, Herr Selenskyj!<\/p>\n<p>Dieser Brief zeigt \u2013 wie die aufgef\u00fchrten \u00c4u\u00dferungen deutscher Politmarionetten zuvor \u2013 ein typisches Merkmal der D\u00e4monisierung. Der Gegner wird nicht mehr prim\u00e4r \u00fcber seine Politik definiert, sondern \u00fcber seine Pers\u00f6nlichkeit. Er erscheint als jemand, dessen Handeln nicht durch nachvollziehbare Interessen, sondern durch pers\u00f6nliche Fehlentscheidungen, Machtstreben oder mangelnde Vernunft erkl\u00e4rt wird.<\/p>\n<p>Der Konflikt wird dadurch moralisiert und personalisiert zugleich. Die politische Botschaft lautet nicht mehr: \u201eRussland verfolgt bestimmte Ziele.\u201c Die Botschaft lautet vielmehr: \u201ePutin ist das Problem.\u201c<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eNichts ist leichter, als die Schuld f\u00fcr alles \u00dcbel einem einzigen Menschen zuzuschreiben.\u201c (<\/em>Leo Tolstoi)<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Aussagen von Friedrich Merz, Annalena Baerbock, Wolodymyr Selenskyj und andere bellizistische Aussagen europ\u00e4ischer Kriegstreiber wie Keir Starmer, Ursula von der Leyen oder Emmanuel Macron haben eine einheitliche Struktur und ein gemeinsames Ziel: die Personalisierung.<\/p>\n<p>Nachfolgend weitere Aussagen europ\u00e4ischer Politiker als Beispiele f\u00fcr die Personalisierung des Ukraine-Krieges und die D\u00e4monisierung Putins:<\/p>\n<p>Boris Pistorius<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201ePutin versteht nur die Sprache der St\u00e4rke.\u201c<br \/>\u201ePutin f\u00fchrt einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Roderich Kiesewetter<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201ePutin wird erst aufh\u00f6ren, wenn er gestoppt wird.\u201c<br \/>\u201ePutin f\u00fchrt einen imperialistischen Eroberungskrieg.\u201c<br \/>\u201ePutin bedroht die gesamte europ\u00e4ische Friedensordnung.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Vorgeschichte des Konflikts verschwindet vollst\u00e4ndig aus der Darstellung dieser bellizistischen Politiker und aus dem Blickfeld vieler B\u00fcrger. NATO-Osterweiterung, B\u00fcrgerkrieg im Donbass, gescheiterte Minsker Vereinbarungen, Sicherheitsinteressen Russlands oder geopolitische Machtfragen spielen keine Rolle mehr.<\/p>\n<p>Alles wird auf eine Person reduziert.<\/p>\n<p>Der Krieg erscheint nicht mehr als Ergebnis komplexer politischer Entwicklungen, sondern als Produkt des Willens eines einzelnen Mannes.<\/p>\n<p>Die politische Wirkung einer solchen Personalisierung ist erheblich. Wer den Eindruck gewinnt, der gesamte Konflikt gehe ausschlie\u00dflich auf den Charakter oder die Absichten einer einzelnen Person zur\u00fcck, wird zwangsl\u00e4ufig weniger geneigt sein, strukturelle Ursachen oder politische Hintergr\u00fcnde zu betrachten.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eMassen haben niemals nach Wahrheit ged\u00fcrstet. Von Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu verg\u00f6ttern, wenn der Irrtum sie zu verf\u00fchren vermag.\u201c (<\/em>Gustave Le Bon)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>3. Friedensunwilligkeit: Putin als Feind jeder Verhandlung<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres Merkmal von D\u00e4monisierung besteht darin, dem Gegner grunds\u00e4tzlich jede Friedensbereitschaft abzusprechen.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron erkl\u00e4rte:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201ePutin will keinen Frieden.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Sp\u00e4ter bekr\u00e4ftigte er:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIch glaube nicht, dass Pr\u00e4sident Putin Frieden will.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der britische Premierminister Keir Starmer erkl\u00e4rte:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201ePutin ist derjenige, der dem Frieden im Weg steht.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Au\u00dferdem sagte er:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201ePutin zeigt nicht, dass er zum Frieden bereit ist.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Marie-Agnes Strack-Zimmermann formulierte:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201ePutin will keinen Frieden.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Anton Hofreiter<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDas ist kein Friedensplan.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEine Aufforderung an Wladimir Putin, weitere europ\u00e4ische L\u00e4nder anzugreifen.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Kern dieser Aussagen besteht nicht darin, dass Verhandlungen schwierig seien oder dass die Positionen weit auseinanderliegen. Vielmehr wird suggeriert, dass Putin grunds\u00e4tzlich nicht verhandeln wolle \u2013 was in meinen Augen definitiv nicht stimmt. Die europ\u00e4ischen Kriegstreiber halten diesen Krieg am Laufen, nicht Putin.<\/p>\n<p>Die politische Konsequenz liegt auf der Hand. Wenn Putin keinen Frieden will, wenn er Verhandlungen blockiert und Diplomatie grunds\u00e4tzlich ablehnt, dann erscheinen diplomatische Initiativen zwangsl\u00e4ufig als aussichtslos. Die Bereitschaft, nach politischen L\u00f6sungen zu suchen, nimmt ab. Milit\u00e4rische L\u00f6sungen erscheinen dagegen plausibler. Die R\u00fcstungsindustrie freut sich.<\/p>\n<p>Die Darstellung des Gegners als Friedensfeind z\u00e4hlt seit Jahrhunderten zu den klassischen Werkzeugen der Kriegspropaganda der Bellizisten.<\/p>\n<p><strong>4. Moralische Delegitimierung: Putin als Hindernis f\u00fcr jede L\u00f6sung<\/strong><\/p>\n<p>Die letzte Stufe der D\u00e4monisierung besteht darin, dem Gegner jede moralische Legitimit\u00e4t abzusprechen.<\/p>\n<p>EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen erkl\u00e4rte:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eRusslands F\u00fchrung tr\u00e4gt die Verantwortung f\u00fcr diesen Krieg.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Zudem sagte sie:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eRussland verspottet offen diplomatische Bem\u00fchungen.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch Selenskyj w\u00e4hlte in seinem offenen Brief eine \u00e4hnliche Argumentation:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDieser Krieg ist Ihre pers\u00f6nliche Entscheidung \u2013 ein Krieg ohne wirklichen Grund.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Kern dieser Aussagen besteht darin, Putin nicht nur politisch, sondern auch moralisch zu delegitimieren.<\/p>\n<p>Nicht unterschiedliche Sicherheitsinteressen stehen einer Friedensl\u00f6sung im Weg. Nicht geopolitische Konflikte. Nicht konkurrierende Machtinteressen. Vielmehr erscheint Putin selbst als das eigentliche Problem. Der Gegner wird damit vom politischen Akteur zum moralischen Hindernis erkl\u00e4rt. Und mit moralischen Hindernissen verhandelt man nicht \u2013 man beseitigt sie.<\/p>\n<p>Die moralische Delegitimierung geh\u00f6rt zu den wirksamsten Instrumenten moderner Kriegsrhetorik.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Wirksamkeit von D\u00e4monisierung beruht auf ihrer Einfachheit. Komplexe Konflikte sind schwer zu verstehen. Sie erfordern historische Kenntnisse, geopolitisches Wissen und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven zu betrachten. Die Masse der Bev\u00f6lkerung verf\u00fcgt nur \u00fcber geringe diesbez\u00fcgliche Kenntnisse. Ein Feindbild dagegen ist einfach. Wenn Putin der alleinige Schuldige ist, m\u00fcssen keine weiteren Ursachen untersucht werden. Wenn Putin keinen Frieden will, m\u00fcssen Verhandlungsangebote nicht ernsthaft diskutiert werden. Wenn Putin irrational handelt, m\u00fcssen seine Motive nicht verstanden werden. Wenn Putin das personifizierte Problem ist, erscheint jede politische L\u00f6sung, die seine Interessen ber\u00fccksichtigt, verd\u00e4chtig.<\/p>\n<p>Die D\u00e4monisierung von Gegnern geh\u00f6rt seit Jahrhunderten zum Standardrepertoire der Kriegspropaganda. Sie ersetzt Analyse durch Moral. Sie ersetzt politische Debatten durch emotionale Urteile. Und sie erleichtert es Regierungen, Konfrontation, Aufr\u00fcstung und Eskalation gegen\u00fcber der eigenen Bev\u00f6lkerung zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Kritik an politischen Entscheidungen ist legitim. Auch scharfe Kritik. Doch zwischen Kritik und D\u00e4monisierung besteht ein wesentlicher Unterschied. Wer politische Entscheidungen kritisiert, besch\u00e4ftigt sich mit Handlungen, Interessen und Fakten. Wer d\u00e4monisiert, konzentriert sich auf die moralische Verurteilung einer Person.<\/p>\n<p>Die zahlreichen \u00c4u\u00dferungen westlicher Politiker \u00fcber Putin weisen auff\u00e4llige Gemeinsamkeiten auf. Putin wird als Kriegsverbrecher, Friedensfeind, alleiniger Schuldiger und moralisch verwerflicher Akteur dargestellt. Der Konflikt wird auf seine Person reduziert. Verhandlungen erscheinen dadurch zunehmend sinnlos oder gar unmoralisch.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage lautet nicht, ob man Putin kritisieren darf. Nat\u00fcrlich darf und soll man das. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob eine demokratische \u00d6ffentlichkeit f\u00e4hig ist, zwischen Kritik und D\u00e4monisierung zu unterscheiden. Je st\u00e4rker politische Konflikte auf die moralische Verurteilung einzelner Personen reduziert werden, desto schwieriger wird die n\u00fcchterne Suche nach L\u00f6sungen. D\u00e4monisierung ist eine von Kriegstreibern gewollte Fortsetzung des Krieges mit rhetorischen Mitteln.<\/p>\n<p>In Zeiten zunehmender Aufr\u00fcstung und einer politischen Forderung nach gr\u00f6\u00dferer \u201eKriegst\u00fcchtigkeit\u201c sollte die \u00d6ffentlichkeit besonders sensibel gegen\u00fcber jeder Form der D\u00e4monisierung sein \u2013 unabh\u00e4ngig davon, gegen wen sie sich richtet. Frieden entsteht selten dort, wo Feindbilder gepflegt werden. Frieden entsteht dort, wo trotz aller Gegens\u00e4tze die Bereitschaft erhalten bleibt, die Realit\u00e4t differenziert zu betrachten und mit Gegnern zu sprechen.<\/p>\n<p>H\u00f6ren Sie auf, Putin zu d\u00e4monisieren und sprechen Sie endlich mit ihm, Herr Merz!<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin<br \/>Bildquelle: Madina Nurmanova \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Klassisches Instrument der Kriegsrhetorik<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Uwe Froschauer<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit. Dieser Satz wird h\u00e4ufig zitiert, doch selten war seine Aktualit\u00e4t so offensichtlich wie heute. 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