{"id":9816,"date":"2026-06-16T10:02:52","date_gmt":"2026-06-16T08:02:52","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/kultur-im-jahre-2026-loblied-auf-den-fettnapf-von-paul-clemente\/"},"modified":"2026-06-16T10:02:52","modified_gmt":"2026-06-16T08:02:52","slug":"kultur-im-jahre-2026-loblied-auf-den-fettnapf-von-paul-clemente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/kultur-im-jahre-2026-loblied-auf-den-fettnapf-von-paul-clemente\/","title":{"rendered":"Kultur im Jahre 2026: Loblied auf den Fettnapf | Von Paul Clemente"},"content":{"rendered":"<div><!--kg-card-begin: html--><br \/>\n<iframe title=\"apolut_20260616_LB_Dienstag\" width=\"560\" height=\"418\" src=\"https:\/\/tube4.apolut.net\/videos\/embed\/uWwv1yj1XxvARpM5dhkwfp\" allow=\"fullscreen\" sandbox=\"allow-same-origin allow-scripts allow-popups allow-forms\" style=\"border-radius: 8px\"><\/iframe><br \/>\n<!--kg-card-end: html--><\/p>\n<div class=\"kg-card kg-audio-card\">\n<div class=\"kg-audio-thumbnail placeholder kg-audio-hide\"><svg width=\"24\" height=\"24\" fill=\"none\"><path fill-rule=\"evenodd\" clip-rule=\"evenodd\" d=\"M7.5 15.33a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0ZM15 13.83a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0Z\"><\/path><path fill-rule=\"evenodd\" clip-rule=\"evenodd\" d=\"M14.486 6.81A2.25 2.25 0 0 1 17.25 9v5.579a.75.75 0 0 1-1.5 0v-5.58a.75.75 0 0 0-.932-.727.755.755 0 0 1-.059.013l-4.465.744a.75.75 0 0 0-.544.72v6.33a.75.75 0 0 1-1.5 0v-6.33a2.25 2.25 0 0 1 1.763-2.194l4.473-.746Z\"><\/path><path fill-rule=\"evenodd\" clip-rule=\"evenodd\" d=\"M3 1.5a.75.75 0 0 0-.75.75v19.5a.75.75 0 0 0 .75.75h18a.75.75 0 0 0 .75-.75V5.133a.75.75 0 0 0-.225-.535l-.002-.002-3-2.883A.75.75 0 0 0 18 1.5H3ZM1.409.659A2.25 2.25 0 0 1 3 0h15a2.25 2.25 0 0 1 1.568.637l.003.002 3 2.883a2.25 2.25 0 0 1 .679 1.61V21.75A2.25 2.25 0 0 1 21 24H3a2.25 2.25 0 0 1-2.25-2.25V2.25c0-.597.237-1.169.659-1.591Z\"><\/path><\/svg><\/div>\n<div class=\"kg-audio-player-container\"><audio src=\"https:\/\/apolut.net\/content\/media\/2026\/06\/LBS-20260616-apolut.mp3\" preload=\"metadata\"><\/audio><\/p>\n<div class=\"kg-audio-title\">LBS 20260616 apolut<\/div>\n<div class=\"kg-audio-player\"><button class=\"kg-audio-play-icon\" aria-label=\"Play audio\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><path d=\"M23.14 10.608 2.253.164A1.559 1.559 0 0 0 0 1.557v20.887a1.558 1.558 0 0 0 2.253 1.392L23.14 13.393a1.557 1.557 0 0 0 0-2.785Z\"><\/path><\/svg><\/button><button class=\"kg-audio-pause-icon kg-audio-hide\" aria-label=\"Pause audio\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><rect x=\"3\" y=\"1\" width=\"7\" height=\"22\" rx=\"1.5\" ry=\"1.5\"><\/rect><rect x=\"14\" y=\"1\" width=\"7\" height=\"22\" rx=\"1.5\" ry=\"1.5\"><\/rect><\/svg><\/button><span class=\"kg-audio-current-time\">0:00<\/span><\/p>\n<div class=\"kg-audio-time\">\/<span class=\"kg-audio-duration\">606.504<\/span><\/div>\n<p><input type=\"range\" class=\"kg-audio-seek-slider\" max=\"100\" value=\"0\"><button class=\"kg-audio-playback-rate\" aria-label=\"Adjust playback speed\">1\u00d7<\/button><button class=\"kg-audio-unmute-icon\" aria-label=\"Unmute\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><path d=\"M15.189 2.021a9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h1.794a.249.249 0 0 1 .221.133 9.73 9.73 0 0 0 7.924 4.85h.06a1 1 0 0 0 1-1V3.02a1 1 0 0 0-1.06-.998Z\"><\/path><\/svg><\/button><button class=\"kg-audio-mute-icon kg-audio-hide\" aria-label=\"Mute\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><path d=\"M16.177 4.3a.248.248 0 0 0 .073-.176v-1.1a1 1 0 0 0-1.061-1 9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h.114a.251.251 0 0 0 .177-.073ZM23.707 1.706A1 1 0 0 0 22.293.292l-22 22a1 1 0 0 0 0 1.414l.009.009a1 1 0 0 0 1.405-.009l6.63-6.631A.251.251 0 0 1 8.515 17a.245.245 0 0 1 .177.075 10.081 10.081 0 0 0 6.5 2.92 1 1 0 0 0 1.061-1V9.266a.247.247 0 0 1 .073-.176Z\"><\/path><\/svg><\/button><input type=\"range\" class=\"kg-audio-volume-slider\" max=\"100\" value=\"100\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><img data-opt-id=253032008  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:QBN4.885\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/GHOST_LY_.jpg\" alt=\"Kultur im Jahre 2026: Loblied auf den Fettnapf | Von Paul Clemente\"><\/p>\n<p><em>Ein Beitrag von\u00a0<strong>Paul Clemente<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Ob im Theater, im Kino oder in der bildenden Kunst: Das wahre Event sind die Skandale. Die Werke? Verschwinden darin.<\/p>\n<p>Zugegeben, im ersten Moment schien die Idee cool: Matthias Lilienthal, frisch gek\u00fcrter Intendant der Berliner Volksb\u00fchne, pr\u00e4sentierte auf der Pressekonferenz seine Pl\u00e4ne. Gleich zum Beginn der Spielzeit will er vor dem Haus am Rosa Luxemburg-Platz ein \u201eVolksbad\u201c, ein Schwimmbecken errichten. 25 Meter lang, mit Pommes Bude, ohne Ausweispflicht und freiem Eintritt.<\/p>\n<p>Die Journalisten begeisterten sich f\u00fcr diesen PR-Coup: Der Intendant hatte sein Haus ins Gespr\u00e4ch gebracht. Auch bei jenen, die nie ein Theater besuchen. Das Konzept klang so durchgeknallt, dass niemand die Frage stellte, was es eigentlich sollte. Zugegeben,\u00a0eine kleine Begr\u00fcndung hatte der Intendant geliefert: Das \u201eVolksbad\u201c reagiere auf die Berliner \u201eInfrastrukturkrise\u201c und soll die Stadt buchst\u00e4blich ins Schwimmen bringen.<\/p>\n<p>Einen \u00e4hnlichen Auftakt hatte Lilienthal bereits 2015 versucht, bei der \u00dcbernahme der M\u00fcnchener Kammerspiele. Als Reaktion auf Merkels Grenz\u00f6ffnung, lie\u00df er an Schicki-Pl\u00e4tzen kleine Asylh\u00e4user errichten. Das l\u00f6ste einen lokalen Crash aus. Aber das hatte \u2013 egal, wie man es bewertet \u2013 wesentlich mehr Brisanz als ein Plantschbecken. Zumal in einer Stadt, wo zahlreiche Badeseen problemlos zu erreichen sind.<\/p>\n<p>Allerdings r\u00e4umt Lilienthal ein: Die Volksb\u00fchne sei <em>\u201egar nicht so sehr ein Kunsthaus, sondern eher ein Sozialhaus.\u201c<\/em> Damit w\u00e4re das aktuelle Primat des Politischen erneut best\u00e4tigt. Kunst war gestern. Jetzt hei\u00dft es: Politischer Aktivismus ins Rampenlicht. Die Werke werden nicht \u201epolitischer\u201c, sondern l\u00f6sen sich darin auf.<\/p>\n<p>Ob Theater, Ausstellung, Konzert oder Kino: L\u00e4ngst hat man sich gew\u00f6hnt, dass Berichterstatter wenig \u00fcber k\u00fcnstlerische Darbietungen schreiben. Viel gr\u00f6\u00dfer ist das Interesse am politischen Klatsch und Skandalisierung. Ob in der Kantine oder im Intendantenzimmer: Wer trat in welchen Fettnapf? Das Werk? Pure Beigabe. Das Gimmick zum Skandal. Beispiel: Als vor vier Jahren eine Neuinszenierung des Bayreuther <em>\u201eRing des Nibelungen\u201c <\/em>startete, k\u00fcmmerte das keine Sau. Stattdessen lag das Hauptinteresse auf \u00dcbergriffigkeiten, die Festspielleiterin Katharina Wagner erleiden musste. Me too schlug den alten wei\u00dfen Komponisten.<\/p>\n<p>Oder, wieder in Berlin: Das Deutsche Theater w\u00fcrzte seinen Newsletter mit dem Satz: <em>\u201eHeim ins Theater\u201c.<\/em> Na, wenn das keine Anspielung auf<em> \u201eHeim ins Reich\u201c<\/em> ist! Nazi! Nazi! Die Intendantin entschuldigte sich, und \u00fcbte \u00f6ffentlich Selbstkritik. Dabei bietet das Haus einen luxuri\u00f6sen Anti-Trigger-Service: Da finden Besucher eine Auflistung geistiger Zutaten, eine Warnung vor mentalen Allergenen. Ist keins der eigenen Trigger Themen dabei, kann man beruhigt die Karte bestellen. O-Ton: \u201e<em>Theater macht nur dann Freude, wenn es nicht die eigenen Grenzen \u00fcberschreitet.\u201c<\/em> Hilfe! Wer kann in dieser Peace-im-Verlies-Kultur, in diesem Knast noch interessantes Theater inszenieren?!<\/p>\n<p>Vielleicht geht das Theater noch nicht weit genug? Stellt sich doch die Frage: Warum die Live-Inszenierungen, Filme, Malereien oder Kompositionen nicht komplett einmotten? Es reicht doch, wenn irgendein Betriebsmitglied in die \u00d6ffentlichkeit ruft, dass der Intendant heimlich AfD w\u00e4hle: Schon hat man einen Skandal, der selbst erfahrenen Provo-K\u00fcnstlern unerreichbar ist .<\/p>\n<p>Dann br\u00e4uchte das Publikum keine modrigen Theatertexte oder dramatisierte Correctiv-Artikel zu erdulden. Nein, das ist kein Witz: Recherchen der Correctiv-Journalisten werden vom Schauspiel K\u00f6ln f\u00fcr das B\u00fchnenprojekt<em> \u201eTruth on Stage\u201c<\/em> verwurstet. Das l\u00e4uft dann als Dokumentartheater und wird mit EU-Subventionen in Millionenh\u00f6he belohnt.<\/p>\n<p>Ein ebenso frisches Beispiel kommt aus der bildenden Kunst, der Biennale in Venedig. Schon im M\u00e4rz forderten K\u00fcnstler den Boykott des israelischen Pavillons. Im April setzte die Jury ein weiteres Land drauf: Die Biennale-Leitung solle neben Israel gef\u00e4lligst auch Russland ausschlie\u00dfen. Pr\u00e4sident Pietrangelo Buttafuoco lehnte die Cancel-Forderung kategorisch ab: Die Biennale solle ein offener Raum bleiben, der sich gegen Zensur richtet und den Dialog aller L\u00e4nder intendiert.\u00a0<\/p>\n<p>Daraufhin machte die Jury auf sensibel und trat geschlossen zur\u00fcck. Die Direktion griff zur Notl\u00f6sung: Wenn keine Jury mehr da ist, warum soll dann nicht das Publikum entscheiden? Gesagt, getan: Der goldene und silberne L\u00f6we wurden zu Publikumspreisen erkl\u00e4rt. Die Besucher w\u00e4hlen den Sieger mittels Stimmzettel. Leider spielte ein gro\u00dfer Teil der Genies nicht mit: Siebzig K\u00fcnstler forderten in einem \u00f6ffentlichen Brief die Streichung ihrer Namen von den Stimmzetteln. Hei\u00dft das: Wir wollen nicht vom doofen Publikum beurteilt werden, sondern von Fachleuten, deren Expertise zugleich den Marktwert steigert? \u2013 Nicht doch.<\/p>\n<p>Die 70 Boykotteure haben laut Online-Brief \u201e<em>grunds\u00e4tzlich nichts gegen die Idee, Besucher \u00fcber Preise abstimmen zu lassen\u201c<\/em> Nein, der Widerwille richte sich gegen die R\u00fccktrittserkl\u00e4rung der Jury. Aber was kann die Direktion daf\u00fcr? H\u00e4tte sie der Erpressung nachgeben sollen? Zumal auch weitere Staaten die Menschenrechte nicht gerade hochhalten. Da w\u00e4ren die USA unter Donald Trump. Oder China, deren Justiz mittels Todesstrafe den internationalen Schlacht-Rekord verbucht.<\/p>\n<p>Zum Abschluss, nach Theater und bildender Kunst, g\u00f6nnen wir uns noch einen Ausflug nach Hollywood: Sogar die Studio-Bosse zittern vor politischen K\u00e4mpfen im Internet. Nach Drosselung der Produktionsrate setzt man weiterhin auf astronomisch teure Blockbuster. Einer davon ist Christopher Nolans \u201e<em>Odyssee\u201c<\/em>. Obwohl der Film erst im Juli startet und nur zwei Trailer plus einiger Info-H\u00e4ppchen die Au\u00dfenwelt erreichten.<\/p>\n<p>Trotzdem war durchgesickert, dass Transmann Elliot Page, ehemals Ellen Page, zur Besetzung z\u00e4hle. Wen er spielt? Wei\u00df man nicht. Also spekulierte man um die Wette. Durchgesetzt hat sich die Vermutung, dass er den Achill spiele. Achill ist ein Top-Krieger. Ein Muskelpaket. In der <em>\u201eTroja\u201c<\/em>-Verfilmung von 2004 lieh ihm Brad Pitt seinen McFit-K\u00f6rper. Und dieser Kraftmensch werde jetzt von Pages zierlichem, ehemals femininen K\u00f6rper vertreten?<\/p>\n<p>Obwohl die Zuordnung unbest\u00e4tigt blieb, obwohl sie unter Branchen-Profis als unwahrscheinlich gilt \u2013 no chance: Die Polit-Schlacht im Netz \u00fcbert\u00f6nte das Gebr\u00fcll der Krieger um Troja. Jetzt herrscht in Hollywood Panik, das Publikum k\u00f6nne durch solche Debatten genervt sein, das Interesse vor Kinostart bereits verloren haben.<\/p>\n<p>Egal. Freuen wir uns auf das n\u00e4chste gro\u00dfe Kunst-Event. Ort der Austragung: Wieder Venedig. Die guten alten Filmfestspiele. Und ein, zwei Qualit\u00e4tsstreifen d\u00fcrften dabei sein. Aber das interessiert allenfalls ein paar Freaks. Kein Mensch erinnert sich an die Gewinner der Goldenen Palme, des L\u00f6wen oder Berlinale-B\u00e4ren. F\u00fcr den wahren Unterhaltungswert sorgen wieder die Fettnapf-Treter und Cancel-Forderer. Hoffen wir, dass die Festival-Leitung viele Personen mit maximal kontr\u00e4ren Standpunkten einl\u00e4dt. Dann wird die sinkende Stadt erneut zum Circus Maximus.\u00a0<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Berlin &#8211; 16. M\u00e4rz 2024: Die Volksb\u00fchne am Rosa-Luxemburg-Platz, ikonisches Theater in Berlin<br \/>Bildquelle: Elena Rostunova \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Ob im Theater, im Kino oder in der bildenden Kunst: Das wahre Event sind die Skandale. Die Werke? 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